50 Jahre KARAT: Ein Jubiläum des Deutschrock

2025 laden Gitarrist Bernd Römer, Schlagzeuger Heiko Jung, Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Sänger Claudius Dreilich zu einem ganz besonderen Jubiläum: 50 Jahre KARAT werden gefeiert. Neben einer umfangreichen, über das komplette Jahr andauernden Geburtstagstournee wird es ein Album mit neuen Liedern sowie ein neues Karat-Buch, das alle fünf Dekaden umfasst, geben.

Natürlich war es damals im Ostberlin der 1970er nicht abzusehen, als sich Musiker von Panta Rhei und der Horst-Krüger-Band zusammenfanden, dass diese neue Band einmal ihren festen Platz in den Annalen der Geschichte der deutschen Popularmusik einnehmen wird. Dass hier Großes entsteht, war ziemlich schnell zu merken. Spätestens mit Beginn der Achtzigerjahre - gerade einmal fünf Jahre nach Bandgründung - zählten KARAT zu den wichtigsten deutschen Bands - in Ost wie West.

Bernd Römer: Ein Leben für die Musik

„Siebzig - das ist schon ein bisschen komisch für mich“, gibt Bernd Römer zu. Deshalb begeht er seinen Ehrentag am 6. September auch nur im kleinen Kreis mit der Familie. „Nächstes Jahr feiere ich dann groß meinen 50.“ Dabei ist Bernd Römer bestens in Form und gesundheitlich fit. „Seit ein paar Jahren mache ich Intervallfasten. Und verzichte weitgehend auf Alkohol. Das tut mir gut.“ Aber er verrät auch: „Wenn man älter wird, macht man sich schon mehr Gedanken. Und wenn man auf die Uhr schaut, wird einem immer klarer: Der Sekundenzeiger dreht sich unaufhörlich.“

Angefangen hat alles im schönen Erfurt. Hier kam Bernd 1952 zur Welt. Seine Mutter war eine Putzmacherin aus Wuppertal, sein Vater Goldschmied. An Kindheit und Jugend hat er nur beste Erinnerungen: „Ich wurde mitten in der Stadt groß, hatte liebevolle, fürsorgliche Eltern und viele Freunde. Die ganze Stadt war unser Abenteuerspielplatz!“ In der Schule gehörte Bernd zwar zu den Besseren, aber in Musik hatte er eine Vier. „Das lag daran, dass ich all das Zeug, was damals auf dem Lehrplan stand, nicht singen wollte...“ Stattdessen wusste er bereits mit 13 Jahren genau, wohin die Reise gehen sollte: „Bei einer Freundin hörte ich 1965 das Beatles-Album, das damals in der DDR erschienen war.

Seine erste Gitarre schenkte sich Bernd Römer selbst zum 14. Geburtstag. „Ich hatte ein Jahr lang gearbeitet und jeden Groschen gespart.“ Das Spielen brachte er sich selbst bei. 1973 dann die große Chance: Bernd stieg bei der Berliner Horst-Krüger-Band ein. „Dabei kannte ich damals kaum eine Note!“ Die fehlenden Grundlagen holte er ab 1974 nebenbei an der Musikschule nach. 1976 schlug der damalige Karat-Gitarrist Ulrich Pexa der Band Römer als seinen Nachfolger vor. Bernd kam - und brachte Schlagzeuger Michael Schwandt mit.

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Karat: Erfolge und Herausforderungen

Der Rest ist Geschichte: Karat wurde zu einer der beliebtesten Bands der DDR. „Dass wir dazu auch im Westen auftreten konnten, hat uns natürlich stolz gemacht“, erklärt Bernd. „Denn es bedeutete, dass sich unsere Musik auch international messen konnte. Das war wie ein Ritterschlag!“ Umgekehrt galt: Wer im West-TV auftrat, dessen Stellenwert stieg auch im Osten. „In letzter Konsequenz haben wir das aber alles unserer Musik zu verdanken!

Doch was den Gitarristen jedes Mal aufbaut, ist die Musik - egal, wie schwierig die Zeiten auch waren: 2004 beispielsweise starb Karat-Frontmann Herbert Dreilich, danach mussten die Musiker mit dessen Witwe um den Bandnamen kämpfen. Auch nach der Wende schaffte es die Band, an ihre Erfolge anzuknüpfen. „Nach Herberts Tod war unser Glück, dass sein Sohn Claudius als Sänger übernommen hat“, sagt Bernd. „Das ist jetzt unglaubliche 17 Jahre her!

Auch privat fand Bernd Römer das Glück - zum ersten Mal mit 27: Er heiratete seine damalige Freundin Tine und wurde Vater einer Tochter. 35 Jahre hielt die Ehe. „Eine tolle Zeit: Wir haben so viel zusammen erlebt, auch mit den Musikerfreunden. Die ganzen Rocker-Feten spielten sich entweder bei Tamara Danz ab, oder in unserem Häuschen.“ Doch irgendwann lebten sie sich auseinander. „Das wollte keiner, aber es ist passiert. Und für Tine war es sicherlich schwer“, gibt Bernd zu. Doch sie schafften es, Freunde zu bleiben. „Als Tine vor zwei Jahren starb, hatten wir Gott sei Dank längst wieder einen guten Draht zueinander.“ Seit 2015 ist er mit Melanie glücklich verheiratet. „Das Wichtigste ist, tolerant zu sein“, sagt er.

Karat im Wandel der Zeit

„Albatros“, „Über sieben Brücken“, „Der blaue Planet“: Seit 45 Jahren sind die Hits von Karat die Edelsteine in der deutschen Rockmusik. Für die Band kein Grund, Trübsal zu blasen, so Gitarrist Bernd Römer (68). „Im Gegenteil, wir machen das Beste aus der Krise. Schließlich haben wir die besten Fans, die eine Band haben kann, die auch in schwierigen Zeiten treu zu uns stehen“, sagt der Musiker im KURIER-Gespräch.

Gitarrist Bernd Römer (68) ist seit 1976 bei Karat. „Für die Jubiläumstour waren insgesamt über 70 Konzerte geplant“, sagt Römer. „2020 hätte eines der besten Karat-Jahre werden können. Der Karten-Verkauf lief super. Viele Konzerte waren bis März bereits gut gebucht, manche sogar fast ausverkauft.“

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Doch dann stoppte Corona den Kulturbetrieb, landesweit mussten Künstler ihre Auftritte absagen. Keine Konzerte, keine Einnahmen: Das galt auch für Karat, die ja nun auch ihren 45. Geburtstag nicht gebührend auf der Bühne feiern konnten. Stattdessen mussten abgesagte Shows ins kommende Jahr verlegt werden. „An dieser Stelle muss ich unseren Fans ein großes Dankeschön aussprechen. Denn der Großteil von ihnen behielt die gekauften Karten, es gab nur wenige, die sie zurückgaben“, sagt Römer.

Die Treue der Fans: Sie hat bei Karat Tradition. Die Fans standen in so manchen schwierigen Phasen fest zu den Musikern. Etwa, als 2004 nach schwerer Krankheit ihr Sänger Herbert Dreilich starb. Oder später, als Karat in einem Rechtsstreit um den Bandnamen kämpfen musste und diesen am Ende gewann. „Die Treue der Fans ist einer der Gründe, warum es Karat seit 45 Jahren gibt. So etwas schaffen nicht viele Bands“, sagt Römer.

Und von Corona lasse man sich schon gar nicht unterkriegen, auch wenn es den Musikern schwer fällt, kaum noch auf der Bühne stehen und spielen zu dürfen. „Natürlich ist diese Situation frustrierend“, sagt Römer. „Aber wir geben nicht auf, versuchen vom Musiker bis zum Management das Beste aus der Situation zu machen. Und so trifft sich die Band nach wie vor, machen mit den Proben weiter, um für Auftritte stets bereit zu sein.“

Auch wenn diese wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nur vor wenigen Leuten stattfinden können, wie etwa im August das Open-Air-Konzert auf dem Erfurter Domplatz, zu dem nur 500 Fans kommen durften. Oder das erste Karat-Auto-Konzert, das die Musiker im Mai ebenfalls in Erfurt gaben. „Das ist zwar für alle recht ungewöhnlich“, sagt Römer. „Doch die Konzerte sind ein wichtiges Signal, dass es weiter geht, vor allem für unsere Fans, die uns ja sehen wollen.“ Und sie werden bestimmt kommen, wenn am 19. September Karat in der Müritz-Stadt Röbel auftritt.

40 Jahre Karat - Interview mit Gitarrist Bernd Römer

2015 feierte Karat ihr 40-jähriges Jubiläum. Und das mit dem Gefühl, "dass man Generationen mit seiner Musik beeinflusst hat. Das macht einen sehr stolz", erzählte Gitarrist Bernd Römer (62) im Interview mit t-online.de. Karat sind zweifelsfrei eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands. Geehrt mit Musikpreisen und Goldenen Schallplatten, schon vor der Wende in Ost und West gleichermaßen beliebt. Doch auch Tiefschläge hatte die Band zu verkraften. Wie den Tod von Sänger Herbert Dreilich und das Verbot, unter dem Namen Karat aufzutreten.

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Am 22. Februar 1975 gab die Band in Heidenau bei Dresden ihr erstes Konzert. Hervorgegangen aus der Band Pantha Rei, stellten sich zwar schon bald die ersten Erfolge ein. Dennoch war aller Anfang schwer, wie sich Bernd Römer erinnert: "Am Anfang durften wir nur Tanzabende spielen. Aber wir wollten natürlich richtige Konzerte geben." Dass Karat 1977 den Kunstpreis der FDJ und 1978 den Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival 1978 in Dresden gewann, öffnete der Band neue Türen. Die Musiker nahmen ihre erste LP auf, konnten Konzerte geben und sogar im westlichen Ausland auftreten.

Es war das Lied "Über sieben Brücken musst du gehn" (1978), das den Erfolg Karats begründete und längst zum Markenzeichen der Gruppe geworden ist. Die poetische Ballade, die als Titelmusik für einen gleichnamigen Film entstand, ist eines der populärsten deutschsprachigen Lieder. Die Liste jener, die es interpretierten, ist lang und reicht von Vicky Leandros, über Xavier Naidoo bis zu Helene Fischer und Chris de Burgh. Am bekanntesten ist natürlich die Version von Peter Maffay, der das Lied 1980 als erster coverte. Dass in Westdeutschland bis heute viele Menschen der Meinung sind, "Über sieben Brücken" stamme sogar von ihm, beruht auf einem Missverständnis. Als Resultat einer nicht nachvollziehbaren ostdeutschen Kulturpolitik.

"Wir hätten damals in allen großen TV-Shows im Westen spielen können", so Bernd Römer. "Doch das durften wir zu der Zeit nicht. Die DDR-Führung verbot uns das mit der Begründung, DDR-Kulturschaffende dürfen in Westmedien nicht erscheinen. Der wahre Hintergrund war die Krise in Polen (Solidarność, Anm. d. Red.), die Stationierung von Persing-II-Raketen in der BRD - kurzum: der Kalte Krieg."

Weil Karat ihren Hit nicht selber spielen konnten, luden die TV-Sender Peter Maffay ein. Sauer waren die Musiker deswegen nicht, wie der Gitarrist erzählt: "Wir haben ihm zu verdanken, dass das Lied im Westen so bekannt wurde. Bei Konzerten hat Peter das Lied auch immer als unseres angekündigt."

Erst ein paar Jahre später, mit der Friedenshymne "Der blaue Planet" durften Karat wieder in der BRD auftreten. Für die gleichnamige LP gab es im Westen eine "Goldene Schallplatte" und eine Einladung zu "Wetten, dass..?" - als einzige DDR-Band. Karat war für die Regierung in Ost-Berlin ein lukrativer Kulturexport, der noch dazu ein positives Image transportierte. Rund 60 Prozent der Gagen gingen an den Staat. Damit die Band keine Dummheiten anstellte, wurde sie von der Stasi kontrolliert. "Wir haben zwar keinen Bewacher mit auf Tour bekommen. Aber man musste immer damit rechnen, dass jemand auftauchte und rumschnüffelte", weiß Bernd Römer. Doch mit der Zeit entwickelten die Musiker ein Gespür dafür, wer von den Leuten hinter der Bühne der Stasimann war.