BABYMETAL, die japanische Band, bekannt für ihren einzigartigen Stil - Kawaii Metal - eine Mischung aus hartem Metal-Sound und J-Pop-Ästhetik, spaltet die Gemüter. Hartgesottene Metaller wenden sich mit Grauen ab, während andere, vornehmlich weibliche Teenager, fast durchdrehen.
Das musikalische Konzept sieht eine Verschmelzung der japanischen Idol-Musik (süß, unschuldig und bunt wirkend) mit dem Metal vor, der gemeinhin als böse und dunkel angesehen wird. Diese Mixtur wird dann in kurzen Röcken, Schulmädchen-Charme und piepsigen Stimmen, genauso wie in den Manga-Comics mit allerdings irrwitzigen Tanzeinlagen der drei Mädels präsentiert, wobei selbige vielfach an Kämpfe der japanischen Samurai erinnern. Folgerichtig werden auf der Bühne auch Flaggen mit natürlich Babymetal-Logo zur Schau getragen.
Die Mitglieder
Aktuell besteht Babymetal aus SU-METAL (Suzuka Nakamoto) und MOAMETAL (Moa Kikuchi), die seit den Anfängen dabei sind, sowie MOMOMETAL (Momoko Okazaki), die 2023 offiziell als drittes Mitglied zur Band kam. Live begleitet sie eine wechselnde Bandbesetzung, oft bekannt als „Kami Band“.
"Metal Resistance" - Das zweite Album
Anfang April wurde das zweite Album auf die sehnsüchtig wartenden Fans losgelassen und trägt den Titel "Metal Resistance". Los geht es mit "Road Of Resistance", einer ultraschnellen, hoch melodiösen Nummer mit knackiger Doublebass und einem Saitengeflitze, das Herman Li fast in den Schatten stellt. Einzig die hier allerdings durchaus passenden Stimmchen machen noch den Unterschied zu Dragonforce.
Schwarzmetallische Gitarren und sehr synthetisch daher kommende Drums, dann bei "Karate" mit zunächst fordernd aggressiven Shouts, dem sich dann ein merklich an Fahrt rausnehmender und zu gleichen Teilen symphonischer wie poppiger Teil anschließt. "Karate" ist von bleischweren Riffs und vertrackten Rhythmen geprägt, die vielleicht einen Karatekampf versinnbildlichen sollen.
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Wieder eine furiose Doublebass, böse Riffbretter und hier und da auch mal Growls auf "Awadama Fever" im Mix mit einer Überdosis Kawaii und überall quietschenden Bunnys. „Awadama Fever“ ist im Grunde genommen ein J-Pop Dancefloor Knaller, wenn der brachiale Sound nicht wäre, der auch noch mit Tekkno- und Industrialgeräuschen angereichert ist.
Schrillste Elektronikattacken und den totalen Partymix im Numetalstil dann auf "Hava!". Ähnlich kommt „YAVA“ daher, fällt dabei aber noch eingängiger aus.
Der nächste Song "Amore" beginnt, na klar, wenn man den Titel vernimmt, zunächst einmal balladesk, ehe kraftvolle Riffs aus dem Powermetal das Ruder brachial rumreißen und den Track wieder in eine so typische Nummer von Dragonforce, ach sorry, Babymetal übergehen lassen. Allerdings trällern die drei Mädels hier allererste Sahne. „Amore“ scheint ein Liebeslied zu sein, und dem zugunsten wird die Musik in den Gesangspassagen etwas weiter in den Hintergrund gemischt, ohne aber insgesamt an Tempo zu verlieren.
"Meta Taro" zeigt eine nahezu hymnische Eröffnung mit prägnanten Gesangslinien. Stampfende Drums, die quasi den Rhythmus beim Rudern vorgeben und folgerichtig danach einsetzende Männergesänge visualisieren nahezu die Szenerie und entführen uns in die Welt der Wikinger. Nun sind Babymetal also auch im Viking Metal angekommen und wieder ist man eher erstaunt, wie unsere Mangamädels sich auch hier gesangstechnisch ganz gut zurechtfinden.
"From Dusk Till Dawn" ist an sich klarer Elektronikpop, bettet aber sehr corelastige Gitarren in fette, synthetische Soundteppiche. „From Dusk Till Dawn“ wartet mit ungewöhnlichen Trance-artigen Elementen auf und kommt in weiten Teilen instrumental daher. Der wenige Gesang verströmt eine Kälte, wie sie manchen 80er Jahre Wave Bands zu eigen ist.
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Harte Gitarren und wiederum im Core angesiedelte Arrangements treffen auf quietschige Stimmen auch bei "GJ!" mit "Monster, Monster, Horror!" als sich stetig wiederholender Refrain. „GJ“ beginnt und endet zwar etwas merkwürdig mit einer Fußballstadion Drumsequenz (was live aber bestimmt klasse rüberkommt), bietet dann aber dann ein Gitarrenspiel, das in seiner Art an Rage Against The Machine erinnert und direkt in die Nackenmuskeln geht, bis der Gesang dann wieder sein ganz eigenes Ding macht.
Weg vom Core, aber weiterhin das fette Brett gibt es auch bei "Sisanger", das merklich im Death Metal angesiedelt ist. „Sis. Anger“ macht seinem Namen alle Ehre, denn die Gitarre peitscht nach vorne, gnadenlos angetrieben von einem Schlagzeuggewitter. Der Gesang unterstreicht das Ganze, weil er hier ohne Popstrukturen vorgetragen wird. Einfach brutal extrem, wie hier die hellen Stimmen gegen die metallische Wucht ankämpfen.
Mit "No Rain, No Rainbow" dann endlich eine echte Ballade, dargeboten als Powerballade in Anlehnung an die glorreichen 80iger mit grandioser Leadgitarre und einer absolut überzeugenden, ja fast erwachsen klingenden Su-Metal. Zum Ausgleich ist mit „No Rain, No Rainbow“ auch eine schöne Ballade enthalten, die mit Klavierbegleitung und Streichern überrascht und zum Träumen einlädt.
"Tales Of The Destinies" mixt Core, Death Metal, räudig schnellen Power Metal, hier und da ertönen Growls und im Ausklang ein Klavier. Das folgende „Tales of The Destinies“ holt einen allerdings wieder in die Wirklichkeit zurück, weil es gewaltig losbrettert und mit Break-Elementen und einigen Growls ausgestattet ist. Zum Abschluss wird „The One“ mit englischen Lyrics vorgetragen.
Fazit
Babymetal sind abgefahren, abgedreht, verrückt, aber auf ihre Art absolut perfekt. Gebt Euch den Ruck und lasst das Ding diverse Male rauf und runter laufen, ignoriert hier und da ein Gepiepse, akzeptiert das Chaos und die Gegensätze und ihr werdet mehr als überrascht sein.
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Eine ungewöhnliche Mischung aus brachialem Metal und zuckersüßen japanischen Pop-Melodien, auf die man sich einfach einlassen muss, und die sich mit Kawaii Metal eine eigene Schublade in der Musiklandschaft geschaffen hat. Kawaii ist das japanische Wort für süß oder niedlich, und so eine Kombination kann nur aus dem Land der aufgehenden Sonne kommen. Babymetal werden entweder gehasst oder geliebt werden, wie extreme Arten von Musik eben extreme Reaktionen hervorzurufen pflegen.
Schade ist nur, dass die Texte nicht wenigstens in einer englischen Übersetzung im Booklet abgedruckt sind, da die wenigsten Menschen die japanischen Texte verstehen. Es ist für mich auch unverständlich, warum keinerlei Bandfotos im Booklet enthalten sind, denn machen wir uns nichts vor: Gerade die Optik spielt bei Babymetal eine nicht unerhebliche Rolle. Su-Metal, YuiMetal und MoaMetal in ihren Gothic Lolita Outfits sind kawaii, wie man es nur sein kann.
