WWE vs. AEW: Ein Vergleich der Wrestling-Giganten

Die Wrestling-Landschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Neben dem unangefochtenen Marktführer WWE (World Wrestling Entertainment) hat sich mit AEW (All Elite Wrestling) eine ernstzunehmende Konkurrenz etabliert. Dieser Artikel vergleicht die beiden Organisationen hinsichtlich ihrer Stärken, Schwächen und ihrer Bedeutung für die Wrestling-Welt.

Die Ausgangslage

WWE ist seit Jahrzehnten der Platzhirsch im Wrestling-Business. Im letzten Jahr verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von 930 Millionen Dollar. Mit dem neuen TV-Deal mit FOX wird voraussichtlich die Milliarde geknackt. WWE ist ein börsennotiertes Unternehmen mit 850 Mitarbeitern und einem über 200 Mann und Frau starken Roster für mittlerweile drei wöchentliche Hauptshows und mehr. Der Chef des Ganzen ist Vincent Kennedy McMahon.

AEW hingegen ist ein relativ junges Unternehmen, das von Tony Khan gegründet wurde. Sein Vater Shahid Khan ist Milliardär und der stille Investor im Hintergrund. Tony Khan will die Wrestling-Welt verändern und ist bereit, hierfür bis zu 100 Millionen Dollar auf den Tisch zu legen.

Der "Wednesday Night War"

Als AEW im Oktober 2019 mit seiner wöchentlichen Show auf TNT startete, konterte WWE mit der Verlegung von NXT ins nationale Fernsehen. So entstand der "Wednesday Night War", ein direkter Quotenvergleich zwischen AEW Dynamite und WWE NXT.

Ein seltener „Wednesday Night War“ zwischen WWE und AEW hat am Mittwoch einen eindeutigen Sieger hervorgebracht. Wegen der US-Wahl wechselte WWE NXT ausnahmsweise vom Sendeplatz am Dienstag auf den Mittwoch - und lief damit Kopf-an-Kopf mit AEW Dynamite.

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Ergebnisse des Quotenvergleichs

WWE gewinnt den Abend gegen AEW. Bei NXT setzten die Verantwortlichen auf ECW-Nostalgie und die Ausstrahlung aus der 2300 Arena in Philadelphia als besonderes Gimmick. Die Rechnung ging auf: 619.000 Zuschauer schalteten die Sendung am Mittwoch im Schnitt ein, während zeitgleich nur 523.000 Zuschauer für AEW Dynamite übrigblieben.

Auch in der werberelevanten Zielgruppe (18- bis 49-Jährige) lag NXT mit 235.000 Zuschauern vor Dynamite (216.000 Zuschauer). Beide Wrestling-Shows erhielten Quotenkonkurrenz durch die politische Berichterstattung am Tag nach der US-Wahl. Zudem war eine NBA-Übertragung am Mittwochabend ebenfalls gefragt.

AEW Dynamite erreichte die niedrigste Zuschauerzahl seit der Ausgabe vom 19. Juni. Die Sendung startete in den ersten 15 Minuten mit rund 666.000 Zuschauern und fiel bis 22:00 Uhr auf nur noch 455.000 Zuschauer.

WWE NXT lief dagegen konstanter ab 20:00 Uhr mit 665.000 Zuschauern in den ersten 15 Minuten. Zwischenzeitlich sank das Interesse zwischen 21:15 Uhr und 21:30 Uhr auf 563.000 Zuschauer. Der Main Event, ein 10-Frauen-Tag-Team-Match, erwies sich dann allerdings als gut gewählte Ansetzung. So stieg die Zuschauerzahl in den letzten 15 Minuten auf 625.000 Zuschauer. In der letzten Viertelstunde war die Zuschauerdifferenz zwischen NXT und Dynamite mit 170.000 Zuschauern am deutlichsten.

WWE ging mit einer höheren Reichweite (CW als landesweites Network vs. TBS als Kabelsender) in dieses Duell. Dafür hatte AEW den Vorteil, auf dem regulären Sendeplatz zu laufen.

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Von größerer Relevanz ist dieser Quotenkampf am Mittwoch zwar nicht. Doch für beide Seiten war es einmal mehr ein Prestigeduell, das niemand verlieren wollte. Dass AEW nun auch hinter der „dritten WWE-Brand“ landete, dürfte dem angekratzten Image der Wrestling-Promotion jedenfalls nicht geholfen haben.

Wöchentliches Rating im Vergleich (Auswahl)

Datum AEW Dynamite WWE NXT
31.03.2021 700.000 654.000
24.03.2021 757.000 678.000
17.03.2021 768.000 597.000
10.03.2021 743.000 691.000
03.03.2021 934.000 692.000

Stärken und Schwächen

WWE:

  • Stärken: Etablierte Marke, finanzielle Stabilität, große Reichweite, erfahrenes Management
  • Schwächen: Oftmals vorhersehbare Storylines, Fokus auf "Sports Entertainment" statt Wrestling, Schwierigkeiten beim Aufbau neuer Stars

AEW:

  • Stärken: Fokus auf Wrestling, talentierte Wrestler, frische und unverbrauchte Präsentation, Leidenschaft
  • Schwächen: Geringere Reichweite, finanzielle Abhängigkeit vom Investor, weniger Erfahrung im Management

Die aktuelle Situation

Die Wrestling-Landschaft steht vor der größten Veränderung seit vielen Jahren. Die Konkurrenz ist endlich wieder da und davon profitiert am Ende jeder Wrestlingbegeisterte. Davon profitiert auch die WWE.

Allerdings erlebte AEW kürzlich einen Quoten-Schock. Die wöchentliche TV-Show Dynamite hat am vergangenen Mittwoch die schlechteste Einschaltquote der Ligageschichte geerntet: Nur 502.000 Zuschauer saßen in den USA am Bildschirm, in der zentralen Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen sank das Rating auf 0,16 - so tief wie nie.

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Der aktuelle Quoten-Tiefschlag allerdings ist eine neue Dimension: Der bekannte Branchenexperte Dave Meltzer spricht in seinem Wrestling Observer von einem „schockierenden und katastrophalen“ Wert.

Die Nachfrage nach dem Alternativprodukt AEW ist spürbar gesunken, seit das WWE-Geschäft wieder brummt und dort spätestens seit dem endgültigen Machtwechsel des gestürzten Ligagründers Vince McMahon auf „Triple H“ Paul Levesque wieder allgemeine Hochstimmung herrscht.

AEW litt derweil zuletzt unter dem Verlust an Starpower durch die Abgänge von Rhodes und Punk oder die Langzeitausfälle von MJF, Cole und Kenny Omega - den neue Top-Verpflichtungen wie Adam Copeland (Edge), Japan-Star Kazuchika Okada oder Mercedes Moné (Sasha Banks) bis jetzt nur teilweise aufgefangen haben.