Kickboxen vs. Thaiboxen: Die Unterschiede

"Boxsport lässt sich durch drei Qualitäten, die menschlich besonders angesehen sind, zusammenfassen: Intelligenz, Mut und körperliche Gesundheit" - Marcel Pagnol.

Boxen ist bekannt als ein brutaler Sport. Aber dem ist nicht so! Wir werden all diejenigen unter Euch, die der Meinung sind, Boxsport bestehe nur aus brutalem Zuschlagen, um Dampf ablassen und um den Gegner K.O. zu schlagen, vom Gegenteil überzeugen! In Wirklichkeit ist dieser Kampfsport nämlich so feinsinnig und raffiniert, dass es je nach Land und Region unterschiedlichste Variationen und Abwandlungen gibt.

In Filmen, Büchern und in der Allgemeinbevölkerung ist vor allem das englische Boxen bekannt, bei dem nur Faustschläge erlaubt sind. Doch neben dieser Form des Boxens darf man nicht vergessen, dass es in fast jedem Land spezifische Boxstile gibt. Amerikanisches Boxen, Karaté, Kickboxen, Teakwondo, Lethwei, MMA, vietnamesisches Boxen, brasilianisches Jiu-Jitsu, Freier Kampfsport, Khmer-Boxen, Fullcontact, Kung Fu, Aikido, laotischer Boxsport, Budo, chinesisches Boxen, Selbstverteidigung, französisches Boxen, Thai-Boxen und englisches Boxen... die Liste ist lang!

Die Kampfsportart Kickboxen ist eine Mischung aus konventionellem Boxen und Karate/Taekwondo. Dabei werden mit Händen und Füssen Schläge ausgeteilt, um damit den Gegner zu treffen und kampfunfähig zu machen. Seinen Ursprung hat Kickboxen in den westlichen Ländern.

Das Kickboxen ist durch unterschiedliche Verbände und Wettkampfarten, bei denen sich die Kampftechniken und Regeln unterscheiden aufgeteilt. Ähnlich wie bei anderen Kampfsportarten, gibt es beim Kickboxen Grade, die durch einen farbigen Gurt gekennzeichnet werden.

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Das Kickboxen ist in vier Wettkampfarten gegliedert. Dazu zählt Semikontakt, Leichtkontakt, Vollkontakt und K-1. Bei dieser Disziplin wird im Wettkampf nach einem erfolgreichen Treffer der Kampf unterbrochen, damit sich die Kämpfer wieder in die Ausgangsstellung begeben können. Bei dieser Unterbrechung wird der Treffer von drei Kampfrichtern gewertet. Sollte kein einstimmiges Urteil fallen, wird der Treffer nicht gewertet.

Dies bedeutet, dass die Technik, mit der der Treffer erzielt wurde, eindeutig und sauber ausgeführt wurde. Dabei gibt es ein Punktesystem, dass 1-3 Punkte je Treffer gewährt. Der Kämpfer mit den meisten Punkten wird zum Sieger erklärt.

Die Wettkampfart Leichtkontakt wird ebenfalls fast immer auf Matten ausgeübt. Dabei wird jeder Treffer gewertet und das Ziel ist es dabei, mehr Treffer als der Gegner zu erzielen. Dabei wird im Gegensatz zum Semikontakt bei einem Treffer, der Kampf nicht unterbrochen. Auch hier sind drei Punktrichter für die Bewertung vorgesehen, jedoch entscheidet hier jeder Richter einzelnen für jede Runde. Die Bewertung erfolgt nach der Anzahl der Treffer, jedoch kann der Kampfrichter einen Hilfspunkt vergeben.

Die Variante Vollkontakt im Kickboxen wird prinzipiell in einem Boxring ausgetragen. Hier gelten die typischen Regeln eines Boxkampfes und der Kampf wird durch ein KO entschieden. Dabei gibt es zwei Varianten das normale KO, der durch den Niederschlag des Gegners erfolgt. In den Verbänden werden leicht unterschiedliche Regeln genutzt. So ist es bei manchen erlaubt Lowkicks (Tritte gegen den Oberschenkel) zu nutzen bei anderen wiederum nicht.

K-1 wurde von der gleichnamigen japanischen Kampfsportorganisation entwickelt und hat viele Ähnlichkeiten mit dem Thaiboxen. Es ist die populärste Art des Kickboxens und wurde von traditionellen Kickboxverbänden in das Programm aufgenommen. Auch hier wird nach einem Punktesystem gewertet, dass sich allerdings bei den Verbänden leicht unterscheidet.

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Kickboxen ist ein Kampfsport in welchem vorwiegend getreten und geschlagen wird. Kickboxen ist mit Boxen verwandt und hat viele Ähnlichkeiten mit Taekwondo und Karate.

Thaiboxen ist eine eigenständige Kampfsportart, die vor allem in Thailand mit großer Popularität betrieben wird. Es ist eine Kombination aus Elementen verschiedener Kampfkünste, unter anderem Muay Thai, chinesischem Boxen und Krabi Krabong (Schwertkampf). Diese Kampfsportart erfordert nicht nur körperliche Stärke, sondern auch mentale Stärke.

Kung Fu hingegen stammt ursprünglich aus China und ist ein Begriff, der sich auf eine Breite verschiedener Kampfkünste bezieht. Thaiboxen welches in seinem Ursprungsland Thailand als Muay Thai benannt wird ist alles in einem. Muay bedeutet “Boxen” und Thai “frei” - freies Boxen. Bekannt ist diese Kampfsportart für seine harten Wettkämpfe. Hier geht es richtig zur Sache. Im modernen Thaiboxen wird nur mit den sogenannten “acht Körperwaffen” gekämpft.

Als erstes haben buddhistische Mönche die waffenlose Kampfkunst “Muay Boran” erschaffen. Diese wiederum wurde von chinesischen Einwandern nach Thailand gebracht, abgeleitet von dem ursprünglich entstandenen chinesischen Kampfkunst dem Kung Fu. Diese ist eine Jahrhundert alte Kampfkunst, welche von Mönchen in einem Shaolin Kloster zur Verteidigung gegründet wurde.

Das thailändische Militär ergänzte seine Nahkampftraining mit der neu gewonnenen Technik aus. Erst im 20. Jahrhundert stiegen die ersten Kämpfer in den Ring. Beim Muay Thai Boran übt man mit unterschiedlichen Waffen, sowie Bewegungen welche über das heutige klassische waffenlose Training hinausgehen. Es ist die traditionelle Art des Muay-Thai. Boran bedeutet “Tradition / Alt” und kommt aus der Pali-Sprache.

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Schon mal was von Krabi Krabong gehört? Dies bezeichnet kurz gesagt das Kämpfen mit Kurz- und Langwaffen. Heute gibt es Thaibox-Wettkämpfe im abgewandelten Stil des Boran. Hierzu werden wie oben erwähnt nur waffenlose Techniken verwendet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden viele unabhängige Verbände welche gegenseitig in Streitereien verwickelt waren. Council” gegründet wurde entstand eine einheitliche Organisation. Heute sind alle Verbände dieser Organisation unterstellt. Dies beschäftigte auch den damalige König von Thailand “Bhumibol Adulyadej”.

Im Unterschied zu allen anderen Kampfsportarten sind Stösse mit den Ellbogen und Knien “Nak Muay” erlaubt. Hier wird der Gegner im Nahkampf mit Ellbogen und Knien festgehalten. Eine Technik welche die Niederlage bedeuten kann. Es gibt diverse Clinch-Techniken welche den Gegner im Kampf in der Kontrolle behalten oder ihn zu Boden werfen. Kennst du das Wort ” mit jemandem im Clinch liegen”?

Gleich beliebt sind Tritte mit dem Schienbein. Sogenannte Lowkicks werden gegen den Oberschenkel oder gegen die Rippen des Gegners gerichtet. Abgehärtet sind die diese Kämpfer alle mal. Sie trainieren gerne hart, konsequent und härten sich mit langen Zeiteinheiten am Sandsack ab. Ein Thaikämpfer kennt keinen Schmerz.

Ebenfalls beliebt ist der Round Kick (Thai) oder der Fuss-Stoss (Teep). Beim Drehen der Hüfte ensteht eine unglaubliche Kraft, während das Standbein nach aussen gedreht wird und der Kick mit dem Schienbein den Gegner trifft. Präzise ausgehführt kann diese den Gegner übel zu richten. Der Fuss Stoss hingegen ist defensive und stösst den Gegner zurück.

Im Ring und Training sind sie mit Schutzausrüstung ausgestattet. Im Ring gelten - drei Minuten an maximal fünf Runden, ausser einer der Kämpfer erleidet vorher ein K.O. Mit den Ellbogen, den Unterarmen und den Knien kann sich der Thai Boxer schützen und ein Schutzschild bilden.

Bevor der Kampf beginnt wird als Respekt vor dem Lehrer und der Schule eine rituelle bzw. spirituelle Zereomonie durchgeführt. Dabei führen die Kämpfer auch den Tanz “Ram Muay” auf. Zusätzlich spielt das sogenannte “Phipat”. Wichtig ist auch die Verbeugung in Richtung des eigenen Geburtsortes, dann nach Nord, Süd, Ost und West. Hier werden die Lehrer, die Schule sowie die Geister geehrt.

Lockeres Training für ein paar Sekunden, die weiteren Sekunden äusserst intensiv und präzis. Auch im Sanda dem chinesischen Nahkampfsport werden mit Intervalltrainings die Kondition und die präzise Technik gefördert.

Vielen ist der Ring zu hart und praktizieren es rein als Fitness und Selbstverteidigung. In kurzer Zeit werden alle Muskeln stark und intensiv gefordert. Es hält dich Fit und verbrennt Kalorien. Da kommt der Begriff “Pongkan Tua” ins Spiel.

Da Thaiboxen eine gute Selbstverteidigungsform darstellt, wird sie oft auch von der Polizei oder der Armee als Bestandteil des Trainings verwendet. Das Thailändische Boxen wurde zu Zeiten des Vietnamkrieges auch von Amerikanern entdeckt. Diese brachten Muay Thai nach Amerika und so entstand unteranderem auch das Kickboxen.

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Obwohl Kickboxen und Thaiboxen viele Gemeinsamkeiten aufweisen, gibt es einige wesentliche Unterschiede, die diese beiden Kampfsportarten voneinander abgrenzen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

Merkmal Kickboxen Thaiboxen (Muay Thai)
Ursprung Westliche Länder Thailand
Erlaubte Techniken Schläge und Tritte (keine Ellenbogen- und Knietechniken) Schläge, Tritte, Ellenbogen, Knie, Clinch
Wettkampfarten Semikontakt, Leichtkontakt, Vollkontakt, K-1 Vollkontakt
Ausrüstung Boxhandschuhe, Mundschutz, Tiefschutz, Schienbeinschoner Boxhandschuhe, Mundschutz, Tiefschutz, (optional) Schienbeinschoner
Traditionelle Elemente Weniger traditionelle Elemente Rituelle Zeremonien (Ram Muay), Musik (Phipat)