Tragödien im Wrestling: Rey Mysterio, Todesursachen und die Schattenseite des Sports

Die Welt des Wrestling ist nicht nur von Ruhm und spektakulären Kämpfen geprägt, sondern auch von Tragödien und Verlusten. Der Tod von Rey Mysterio Senior, Onkel von WWE-Star Rey Mysterio, hat die Wrestling-Gemeinschaft tief bewegt. Doch dieser Verlust ist nur einer von vielen, die die Schattenseiten dieses Sports beleuchten.

Rey Mysterio Senior: Eine Legende des Lucha Libre

Rey Mysterio Senior, geboren als Miguel Ángel López Díaz, war eine der prägendsten Figuren des Lucha Libre. Seine Karriere begann 1974, und er hinterlässt ein beeindruckendes Vermächtnis. Besonders in der mexikanischen Wrestling-Szene und in internationalen Turnieren wie der WCW hinterließ er bleibenden Eindruck. Zahlreiche Fans und Kollegen würdigen sein Lebenswerk.

Als Onkel von WWE-Star Rey Mysterio prägte er Generationen von Wrestling-Fans und -Akteuren gleichermaßen.

Rey Mysterio Senior startete 1974 in den Ring und erlangte schnell Ruhm in der Lucha-Libre-Szene. Am 24. März 1988 erlebte er einen Schlüsselmoment seiner Karriere: Nach einer Niederlage gegen Fishman musste er seine ikonische Maske ablegen, ein einschneidender Moment in der Wrestling-Tradition.

Im Jahr 1990 trat er bei der World Championship Wrestling (WCW) an, wo er zusammen mit Konnan im „Team Mexico“ Teil des „Pat O‘Connor Memorial International Cup Tag Team Tournament“ war. Zwei Jahre später sicherte er sich gemeinsam mit seinem Neffen, Rey Mysterio Jr., die WWA World Tag Team Championship, indem sie Villano IV und Villano V besiegten.

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Der Tod von Perro Aguayo Jr.: Ein tragischer Unfall im Ring

Ein besonders tragischer Fall ist der Tod von Perro Aguayo Jr. aka El Hijo del Perro Aguayo. WrestlingCorner.de berichtete bereits, dass Perro Aguayo Jr. am vergangenen Freitagabend (20. März 2015) bei einem CRASH-Wrestlingevent in Tijuana, Mexiko, wo er zusammen mit TNA Wrestler Manik aka TJ Perkins ein Tag Team Match gegen TNA Wrestler Tigre Uno aka Extreme Tiger und den ehemaligen WWE Superstar Rey Mysterio bestritt, schwer verletzt worden und anschließend in ein örtliches Krankenhaus gebracht worden ist, wo man wenig später nur noch den Tod von Perro Aguayo Jr. feststellen konnte.

In einem Tag-Team-Kampf beförderte der internationale Topstar Rey Mysterio den 35-Jährigen mit einer Kopfschere aus dem Ring. Youtube-Videos zeigen, wie sich Aguayo zurück in den Ring rollt. Dort empfängt ihn Mysterio mit einem Dropkick - er springt und trifft Aguayo mit beiden Füßen im Gesicht. Der fällt in die Seile, die ideale Position für Mysterios Manöver 619.

Als Mysterio dazu ansetzt, ist niemandem klar, dass Aguayo bewusstlos ist. Erst als dessen Partner, der US-Wrestler Manik, dem 619 ausweicht und Aguayo nicht - wobei Mysterio gemäß Choreografie beide Männer ohnehin nicht trifft -, wird den Beteiligten klar, dass mit Aguayo etwas nicht stimmt. Mysterio versucht seinen Gegner aufzuwecken - doch der sackt zu Boden.

Die Show setzten sie nach kurzem Zögern trotzdem noch rund eine Minute fort, der am Ring anwesende Wrestler und Promoter Konnan versuchte währenddessen, erste Hilfe zu leisten.

MedioTiempo.com berichtet, dass die genaue Todesursache von Perro Aguayo Jr. ein Halswirbelsäulentrauma mit anschließendem Herzstillstand gewesen ist.

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Weiter wird berichtet, dass die zuständigen Ärzte bzw. Sanitäter der CRASH-Wrestlingpromotion in jenem Moment, als sich der Ringunfall ereignete, zu beschäftigt gewesen sind, um sich sofort um den verletzten, bewusstlosen Perro Aguayo Jr. am Ring zu kümmern, da diese backstage zu dieser Zeit bereits zwei andere verletzte Wrestler behandelten. Zudem wird vermeldet, dass man an jenem Abend nur eine Krankentrage zur Verfügung hatte, auf der bereits einer der beiden verletzten Wrestler mit einer Wirbelsäulenverletzung backstage behandelt worden ist, weshalb man auch nicht mit einer Krankentrage zum Ring eilen konnte, unmittelbar nachdem sich der Ringunfall ereignete. Die Ringcrew musste daher improvisieren und Perro Aguayo Jr. abtransportieren.

Todesursache war nach Aussage des behandelnden Arztes Herzstillstand infolge eines Wirbelsäulentraumas. Aguayo wurde noch in ein örtliches Krankenhaus gebracht und erst um 1 Uhr nachts für tot erklärt, eine Obduktion ergab später, dass Aguayo praktisch unmittelbar nach der missglückten Aktion tot war.

Die Associated Press berichtet, dass die örtliche Polizei bereits in diesem Fall wegen möglichen Totschlags gegen die zuständige CRASH-Wrestlingromotion ermittelt, dessen Besitzer Ignacio Delgado auf einer Pressekonferenz verkündete, dass seine Company die kompletten Bestattungskosten von Perro Aguayo Jr. übernehmen wird.

Die staatliche Athletikkommission, die bei Wrestlingveranstaltungen über den Gesundheitsschutz wacht, fand das so in Ordnung: "Der Ruf nach medizinischer Versorgung war schnell, meiner Meinung nach", sagte Juan Carlos Pelayo, ihr Präsident, bei einer Pressekonferenz.

Einzelne Fans werfen Gegner Rey Mysterio vor, Aguayo "getötet" zu haben, es gab deshalb gar Morddrohungen gegen Mysterio. Eine korrekte Einordnung des Passierten ist das nicht.

Letztlich kam ein Gerichtsmediziner aber zum Schluss, dass auch die bestmögliche medizinische Versorgung Aguayo wohl nicht mehr geholfen hätte. Eine Totschlags-Untersuchung gegen die Verantwortlichen der Show wurde eingestellt.

Eddie Guerrero: Der tragische Verlust eines Publikumslieblings

Eddie Guerrero erklomm vor 20 Jahren den Wrestling-Gipfel und starb keine zwei Jahre später mit nur 38 Jahren - nachdem er ein zuvor wildes Leben eigentlich in den Griff bekommen zu haben schien.

Nun blutet denselben Fans das Herz, wenn sie zurückdenken an den Moment, in dem Eddie Guerrero im Hauptkampf der Veranstaltung No Way Out 2004 Brock Lesnar besiegte und WWE-Champion wurde. Denn keine zwei Jahre später starb der Publikumsliebling, der als einer der besten Showkämpfer aller Zeiten galt mit nur 38 Jahren.

Guerrero wurde am 13. November 2005 - heute vor 19 Jahren - von seinem Neffen und Kämpfer-Kollegen Chavo Guerrero (Jr.) leblos in einem Hotelbadezimmer aufgefunden. Todesursache war eine nicht diagnostizierte Herzkrankheit, die durch jahrelangen Raubbau am eigenen Körper verschlimmert worden war.

Eduardo Gory Guerrero Llanes, geboren am 9. Oktober 1967 in El Paso, Texas, als jüngster Sohn der mexikanisch-amerikanischen Wrestling-Legende Gory Guerrero, galt schon als Ausnahmekönner, lange bevor er bei WWE zum Champion aufgestiegen war.

Zum Main Eventer stieg Eddie auf, als er sich auch als Charakter entscheidend weiter entwickelte: Den Durchbruch feierte er, als er sich zusammen mit Chavo ein paradoxes Motto auf den Lieb schrieb: "We lie, we cheat, we steal - but at least we're honest about it" (Wir lügen, stehlen und betrügen - aber wir sind dabei wenigstens ehrlich).

Drogensucht kostete ihn zwischenzeitlich den WWE-Job. Guerrero wird nicht nur wegen seiner Leistungen vor der Kamera schmerzlich vermisst: Er wurde als äußerst herzliche und fürsorgliche Person beschrieben, der in einem von vielen Egoismen geprägten Gewerbe keinen einzigen Feind hatte - außer sich selbst, zu bestimmten Zeiten.

Zu Guerreros Geschichte gehörten auch jahrelange Drogenprobleme, die ihn zwischenzeitlich seinen Job bei WWE gekostet hatten. Nach seiner Entlassung 2001 bekam er sein Leben auf die Reihe, kehrte zurück und wurde erfolgreicher als je zuvor. Auch die kaputte Beziehung zu Ehefrau Vickie, Mutter seiner beiden Töchter Sherilyn und Shaul (Ehefrau von Ex-WWE-Wrestler Aiden English), reparierte er in diesem Zeitraum - Vickie Guerrero legte nach seinem Ableben selbst eine unwahrscheinliche WWE-Karriere hin.

Kurz vor seinem Tod hatte Guerrero eine Autobiographie über seinen Kampf gegen die Sucht fertiggestellt: "Cheating Death, stealing Life". Den Tod betrügen, Leben stehlen.

Obwohl er seine Alkohol- und Schmerzmittelabhängigkeit hinter sich gelassen hatte, belastete das intensive Wrestler-Leben seine Gesundheit jedoch auch nach seiner Rückkehr: Guerrero bestritt in seinen letzten dreieinhalb Karriere-Jahren 500 Matches quer über den Globus, setzte sich großen körperlichen Strapazen aus, auch mental soll ihm der Druck als Headliner der Liga zugesetzt haben - was als ein Grund gilt, warum er den WWE-Titel 2004 recht bald wieder an John "Bradshaw" Layfield verlor.

Weitere tragische Todesfälle im Wrestling

Auch bei Misawa - dessen Nacken durch lange Jahre des körperlichen Raubbaus im Ring stark vorgeschädigt war - soll Herzstillstand infolge eines Wirbelsäulentraumas die Ursache gewesen sein. Eine offizielle Bekanntgabe der Todesursache ist auf Wunsch seiner Familie nie erfolgt.

Weitaus häufiger als an Unfällen sterben Wrestler an den mittelbaren Folgen ihrer Profession - Schmerzmittelmissbrauch infolge vieler Verletzungen, Doping und Drogen.

Bei Chris Benoit, dem WWE-Wrestler, der 2007 seine Ehefrau, sein Kind und sich selbst umbrachte, stellten Neurowissenschaftler hinterher schwerste Gehirnschädigungen fest. Der Leiter der Untersuchung verglich es mit dem eines 85 Jahre alten Alzheimer-Patienten.

Owen Hart, jüngerer Bruder von Bret "Hitman" Hart stürzte 1999 tödlich bei einem unzureichend gesicherten Einlauf-Stunt, in dem er von der Hallendecke in den Ring abgeseilt wurde. Wrestlerkollege Darren Drozdov landete im selben Jahr bei einer missglückten Aktion seines Gegners D-Lo Brown auf dem Kopf und im Rollstuhl.

Sicherheitsmaßnahmen und Konsequenzen

Die Umstände von Aguayos Tod zeigen, dass sich die Gefahr für Leib und Leben im Wrestling nur verringern, aber nicht ausschließen lässt.

Nach Aguayos Tod forderte die in Tijuana für Boxen und Wrestling zuständige Kommission eine nationale Gesetzgebung zur Regulierung des Lucha Libre, wie Wrestling in Mexiko heißt. So könnten die Verantwortlichen für solche Vorfälle besser zur Rechenschaft gezogen werden. Zu Aguayos Tod sei zudem eine Untersuchung gestartet worden.

WWE zog Konsequenzen aus Guerreros Todesumständen, die Promotion führte die so genannte "Wellness Policy" ein, die sowohl die (Wieder-)Einführung von Anti-Dopingtests beinhaltete als auch einen massiven Ausbau der medizinischen Diagnostik und Versorgung ihrer Kämpfer. Auch ist es heute üblich geworden, verdienten Stars ab Mitte 30 einen erleichterten Tourplan und mehr Ruhezeit zu gewähren.

Ein bleibendes Vermächtnis

Zu Barrs Ehren übernahm Guerrero dessen technisch anspruchsvollen Finisher: den Frog Splash, bei dem Guerrero vom Seil auf seinen Gegner sprang und dabei im Flug wie ein Frosch Arme und Beine an- und abwinkelte.

Nach Guerreros Tod wiederum übernahmen zahlreiche Wrestler den Frog Splash oder seine Suplex-Serie „Three Amigos“, um ihn zu ehren - stets unter „Eddie! Eddie!“-Rufen der Fans.