Wrestling Schule Bremen: Eine Übersicht

In Berlin boomt das Wrestling wie sonst nirgends, und auch in Bremen erfreut sich der Sport wachsender Beliebtheit. Der europäische Stil steht für Disziplin und Härte, so wie das in den 1960ern vor allem im Dreieck Hannover-Bremen-Hamburg populäre Catchen.

Wrestling gilt als besonders brutal, Gehirnerschütterungen, Knochenbrüche und abgerissene Ohren gehören dazu. Wie jeder andere Sport berge eben auch dieser ein gewisses Risiko, sagt Ahmed Chaer.

Die Sporthalle nahe der Karl-Marx-Allee sei nur vorübergehend in Nutzung, eine «richtige» Schule in Planung. Nicht einmal eine Leinwand hätten sie am Anfang gehabt, «jetzt haben wir Shows vor Tausenden Leuten».

Die Bedeutung von Wrestling-Schulen

Nur unweit von hier, in der «Neuköllner Hood», betrieben die Chaer-Brüder ihre erste Wrestling-Schule. «Das war 1997. In der Sonnenallee, eine Kooperation mit dem Sportzentrum Samurai.» Zwei Jahre zuvor hatten sie die GWF-Promotion gegründet, heute eine der grössten deutschen Ligen.

Wrestling boomt, in den letzten drei Jahren habe sich die Fangemeinde in Deutschland sprunghaft vergrössert, erzählt Ahmed Chaer: «Speziell Berlin ist der absolute Hammer», nirgends sonst fülle derzeit eine so hohe Zuschauerzahl regelmässig die Hallen. Rasant expandierte auch die «Chaer-Group».

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Ahmed Chaer und die German Wrestling Federation (GWF)

Mit grossen Schritten überquert Ahmed Chaer den Hof unter altem Baumbestand. Genau wie sein Bruder Hussen alias Crazy Sexy Mike machte er sich, der Mann mit dem kahlen Kopf und dem dunklen Vollbart, international einen Namen - in einer Branche, die zwar global als Milliardengeschäft funktioniert, in Deutschland aber noch immer als Nischensportart gilt.

Ahmed Chaer deutet Richtung Flachbau. Die GWF gastierte in diversen Bundesländern, einmal im Monat veranstaltet sie einen Event im Festsaal Kreuzberg. «500 passen da rein.»

Die Entwicklung des Wrestling-Stils

Der europäische Stil stehe für Disziplin und Härte, so wie das in den 1960ern vor allem im Dreieck Hannover-Bremen-Hamburg populäre Catchen. Wrestling erreiche den Mainstream. Einer, der das Beste aller vier globalen Stile vereine, findet Ahmed Chaer.

Spätestens seit den 1990ern, in denen sich die Liga der WWF, der heutigen WWE, Deutschland als drittgrössten Wrestling-Markt erschloss, etablierte sich hierzulande ein Mix. Deutsches Wrestling sei inzwischen nicht nur tough, auch athletisch wie der japanische Stil, spektakulär wie der mexikanische, das ultimative Fun-Erlebnis, «zum Gehirn-Abschalten», nach USA-Vorbild.

Training und Anforderungen

Ahmed Chaer betritt die Halle. Wer nicht sportlich genug sei, habe keine Chance. Alle hier Anwesenden würden dreimal in der Woche zum Training gehen, an sieben Tagen ins Fitnessstudio, nebenbei Ausgleichsport betreiben, zählt Ahmed Chaer auf.

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Quietschende Turnschuhe. Die Donnerstagabendgruppe beim Aufwärmlauf. Heute sei ein Try-out. «Der Junge, der gerade rennt, und die beiden nächsten, sie werden getestet.»

Er selbst halte sich leistungsfähig mit Joggen, MMA oder Grappling. «Das ist Kickboxen, brasilianisches Jiu-Jitsu und so ähnlich wie Ringen.»

«Allein unsere Work-outs sind krass.» Er zeigt auf die Gruppe, die gerade übt, auf den Rücken zu fallen. «Am Anfang kotzen alle. Auch im wahrsten Sinne des Wortes.»

Der steinige Weg zum Erfolg

Der Weg der Chaer-Brüder in den Wrestler-Olymp war ein steiniger. «Wir hatten diesen Traum, aber niemand wollte uns eine Chance geben», sagt Ahmed Chaer. «Wir waren zu leicht, keine hundert Kilo schwer oder zwei Meter gross.»

Die Brüder fuhren von Show zu Show im berüchtigten Dreieck. Statt um eine Gage baten sie um ein Training mit den Wrestlern. Erst viel später erfuhren sie, dass ihr Vater Catcher in Libanon gewesen war. «Er hat es uns verheimlicht.»

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Ein Klatschen, Fleisch auf der Matte. «Bei ‹Heavyweights› hätte das jetzt unbeholfen ausgesehen.»

Show-Charakter und Kodex

David gegen Goliath, Leichtgewicht-Fights und die Schlacht unter Giganten, zurzeit sei alles angesagt, sagt Ahmed Chaer, aber ein Show-Ringer sei inzwischen auch Leistungssportler, Akrobat und Entertainer und müsse nicht nur austeilen, sondern vor allem einstecken können.

Für «Primadonnen» gebe es keinen Platz, weder im Ring noch am Filmset. Von der GWF-Booking-Agentur werden sie vertreten. Alle ihre Kämpfer seien ausgebildete Stuntmen.

Um Erfolg zu haben, brauche ein Fighter neben Durchhaltevermögen auch einen starken Show-Charakter. Seinen legte Ahmed Chaer nah an der eigenen Persönlichkeit an. Sogar den echten Namen benutzt er für sein Alter Ego.

Weltweit funktioniere Wrestling nach dem WWE-Gut-gegen-Böse-Prinzip, so Ahmed Chaer. Bei ihnen hingegen sei alles viel bunter. Das liebten die Fans, das Verrückte. Dabei leiste seine Lebenserfahrung der kreativen Ader Vorschub.

Die Filmproduktionsfirma Chaer Bros Entertainment GbR

Vor einigen Monaten gründeten die Brüder ihr drittes Unternehmen, die Chaer Bros Entertainment GbR, eine Filmproduktionsfirma. Über einen On-Demand-Service verfolgen ihre Fans die Live-Shows, Werde- oder Untergang der Wrestler.

Viele Fans würden ihm schreiben, sich etwa nach der Gesundheit der Fighter erkundigen. Ahmed Chaer schüttelt den Kopf: «Die Zuschauer wollen nicht, dass sich der Zauber verliert.» Das Publikum erlebe live eine Actionserie, könne sogar noch Teil davon sein.

Fake oder Realität?

Wrestling sei Fake und verherrliche Gewalt. Ansichten, mit denen er früher ständig konfrontiert worden sei, Ahmed Chaer zuckt mit den Schultern: «Sicher, ohne Publikum würdest du den Show-Kampf nie betreiben, du machst alles grösser.» Deshalb sei das Ganze noch lange nicht bloss gespielt.

Oft zwängen die Matches einen an den Rand der Erschöpfung. Doch Aggressionen befördere Wrestling nicht. Einen anderen Kämpfer absichtlich zu verletzen, das wäre «old school», ein absolutes Tabu.

Auch ihre Fans seien fair, sagt Ahmed Chaer, nach den Events tränken sie zusammen. «Beim Fussball hast du Hooligans, die schlagen sich halb tot.» Es gebe viele Bösewichte, die ungemein beliebt seien.

Emotionen und Reaktionen

Ahmed Chaer nickt, ein dickes Fell brauche man. Beleidigungen oder Hass-Singchöre, so etwas perle an ihm ab. Dann denke er: Ziel erreicht. «Als Wrestler kreierst du Emotionen.»

«Auf die Fresse! Auf die Fresse!» - «Wir sind ready, ihr seid scheisse!» - «Tot, tot, tot!» Block A und Block B strecken sich die Mittelfinger entgegen.

Die Frage, ob am Ende wirklich der Bessere gewinne, stelle sich einem Wrestler nicht. Ahmed Chaer zieht sich den Kapuzenpulli über.