Die Ultimate Fighting Championship (UFC) ist der weltweit grösste Veranstalter von MMA-Wettkämpfen. Dabei handelt es sich um eine Kampfsportart, welche 1990 bekannt geworden ist.
Die Anfänge und Regeln der UFC
Bei den Kämpfen werden Schlag- und Tritttechniken aus verschiedenen Kampfsportarten wie Boxen, Kickboxen, Taekwondo, Muay Thai und Karate angewendet. „There are no rules“ lautete in den frühen 90er Jahren der Leitspruch der UFC. Dies war jedoch nicht ganz korrekt. Man durfte seine Gegner nicht beissen oder in die Augen stechen. Kopfstösse, Haareziehen und Schläge in die Leistengegend waren damals bereits unerwünscht. An Ende gibt es nur ein Ziel: Den Gegner durch KO oder Abklopfen zu besiegen.
MMA in der Schweiz
Zwar befindet sich Mixed Martial Arts in der Schweiz auf dem Vormarsch, aber es gibt noch viele Vorurteile gegenüber der Kampfsportart. Was für ein Unterschied: In Russland gibt es 20'000 aktive, gemeldete Amateur-Kämpfer, in der Schweiz sind es 300 MMA-Fighter, die in den letzten fünf Jahren an Wettkämpfen teilgenommen haben. Dieser Vergleich zeigt auf, wie klein die Mixed-Martial-Arts-Community bei uns noch ist. Aber: Das Interesse an der Sportart nimmt seit einigen Jahren stetig zu.
«Fast jeden Monat bietet ein Gym neu MMA-Kurse an. Auch bestehende Kampfsportzentren erweitern ihr Angebot. Im Vergleich zu Russland und den USA steckt MMA in der Schweiz wie auch in Europa in den Kinderschuhen. Im internationalen Vergleich besteht Nachholbedarf», erklärt Steven Jencic, Verbandspräsident von SAMMAF (Swiss Amateur MMA Federation).
Schwierige Sponsorensuche
Natürlich hinkt der Vergleich mit Russland etwas. Denn im flächengrössten Land der Welt leben ungefähr 145 Millionen Menschen, in der Schweiz sind es rund 8 Millionen. «Und der russische MMA-Verband wird staatlich gefördert», sagt Jencic. Davon ist man hierzulande weit entfernt. Um MMA in der Schweiz grösser zu machen, braucht es mehr Geld.
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«Es ist extrem schwierig, Sponsoren zu finden, für Kampfsportarten im Allgemeinen, MMA im Speziellen. Wenn Sponsoren ausbleiben, kann man keine Gelder ins Marketing einfliessen lassen, um mehr Interessenten zu erreichen oder bekanntere Kämpfer für Events zu holen.» Zudem fehle es hier an Akzeptanz vonseiten der Bevölkerung, es brauche noch viel Aufklärungsbedarf. «Die Leute denken, es sei ein Strassenkampf, bei dem man weiter schlagen kann, wenn einer am Boden liegt», erklärt Jencic.
Dem sei natürlich nicht so, sowohl der Stand- als auch der Bodenkampf gehörten als Element zu MMA. Es sei ein falsches Bild, wenn man denke, die Fighter prügelten auf einen Wehrlosen ein. «Es handelt sich vielmehr um eine komplexe Mischung verschiedener Kampfsportarten, die Raffinesse und jahrelanges Training benötigt.»
Volkan Oezdemir als Türöffner
In der Schweiz gibt es heute rund 25 Clubs, die primär auf MMA spezialisiert sind. «Einige Clubs rüsten um und legen mehr Wert auf MMA. Deshalb ist es schwierig, eine genaue Angabe zu machen. Ich würde sagen, es gibt mittlerweile beinahe in jedem Kanton mehrere Clubs, die MMA anbieten», schätzt Jencic.
Zum Aufschwung in den letzten zwei Jahren haben hauptsächlich ein Ire und ein Schweizer beigetragen: Conor McGregor, der in der amerikanischen UFC kämpft und in seiner Gewichtsklasse wohl der beste Fighter der Welt ist, und Volkan Oezdemir. Zwar verlor der Freiburger seinen WM-Kampf gegen Daniel Cormier, aber der UFC-Kämpfer ist eine Art «symbolischer Türöffner» für MMA-Sportler in der Schweiz.
«Er hat gezeigt, dass man es in relativ kurzer Zeit mit guter Leistung und gutem Marketing bis nach ganz oben bringen kann. Es ist unglaublich, dass wir als kleine Schweiz einen solchen Topsportler auf diesem Niveau sehen können.» Für Jencic ist ein solcher Erfolg nur noch vergleichbar mit dem Lausanner Yoann Kongolo, der im Kickboxen zur Weltspitze gehört, oder aber mit dem ehemaligen K-1-Star Andy Hug.
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Volkan Oezdemir: Ein Schweizer UFC-Profi
Volkan Oezdemir ist der einzige Schweizer UFC-Profi. Der Mann macht kurzen Prozess. Es ist der 28. Mai 2017 und Volkan Oezdemir braucht in der Globen-Arena von Stockholm nicht lange, bis sein Gegner nicht mehr kann. Der 27-Jährige pariert einen Tritt, zwei, drei Schläge von Misha Cirkunov, dreht sich dann nach rechts weg - und haut selber zu. Mit einer Rechten schickt der Mann aus Fribourg den Letten zu Boden. K.o. nach 28 Sekunden!
Es ist der nächste Hammerschlag in einer Karriere, die plötzlich nur noch steil nach oben geht. Der Schweizer Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Volkan Oezdemir ist gerade einer der heissesten Shooting-Stars in der Ultimate Fighting Championship (UFC), der grössten MMA-Division der Welt.
Im Februar kommt er in Houston, Texas, kurzfristig zu seinem UFC-Debüt, weil sich ein anderer Fighter verletzt. Sein Punktsieg über Routinier Ovince St. Preux zeigt: Der Sohn eines Türken und einer Schweizerin ist mehr als ein Lückenbüsser. Nach dem Cirkunov-Kampf in Stockholm wird er bereits als Nummer 4 in der Light-Heavyweight-Klasse der Käfig-Kämpfer geführt.
Der Blitz-Sieg katapultiert ihn in ungeahnte Sphären. «Ein K.o. für Snapchat», jubelt sein Manager Frédéric Englund über den 28-Sekunden-Triumph. Will heissen: Der Kampf ist so schnell vorbei, dass sich auch ein leicht abzulenkender Millennial mal kurz darauf konzentrieren kann.
Was Boxen für frühere Generationen von Kampfsport-Fans war, scheint UFC gerade für die Generation Snapchat zu werden. Einfach noch extremer: Statt in einem Ring finden die Kämpfe in einem Käfig statt, auch am Boden darf geschlagen, getreten und gerungen werden, es spritzt mehr Blut.
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Oezdemir bietet, was MMA derzeit so populär macht: Er ist furchtlos, gnadenlos, spektakulär. Ein paar Tage nach dem Fight in Stockholm ist Oezdemir, der seit anderthalb Jahren in Florida lebt, zu Besuch in der Heimat. «Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht», sagt er über seinen jüngsten Triumph und vielleicht meint er damit auch seinen kometenhaften UFC-Aufstieg.
«Aber ich wusste, dass ich ihn in der ersten Runde ausknocke. Wenn ich meine Faust ins Ziel bringe, dann verletze ich Menschen.» Das klingt brutal und es wird noch härter. «Ich rieche das Blut», beschreibt Oezdemir den Moment, bevor er einen Gegner ausknockt. «Wenn ich sehe, dass er angeschlagen ist, gibt mir das noch einmal zusätzliche Energie.»
Eine Eigenschaft, die nicht jeder hat, auch unter Kampfsport-Profis. «Es ist dieser ‹Will To Kill›, der mich besonders macht», sagt Oezdemir. Er spricht leise, konzentriert. «Ich habe kein Problem damit, meinem Gegner Schmerzen zuzufügen. Für mich ist es ein Spiel. Nach dem Kampf ist es vorbei, dann reichen wir uns die Hände.»
Seit seinem Umzug nach Boca Raton, Florida, ist Oezdemir Profi. «Dort habe ich meinen Platz gefunden.» Erst diese Woche kommt die Belohnung: Oezdemir unterschreibt einen neuen UFC-Vertrag über vier Kämpfe, ein sechsstelliger Betrag pro Fight ist ihm sicher.
Robert Valentin: Ein Zürcher in der UFC
Robert Valentin unterliegt bei seinem ersten UFC-Kampf dem Amerikaner Torrez Finney nach Punkten. Aber für den Zürcher wird es weitere Chancen geben, er will so schnell wie möglich ins Käfig zurückkehren.
Es ist für Robert «Robzilla» Valentin (30) ein schwacher Trost, aber nach dem Kampf in Las Vegas lobt auch sein Gegner den Schweizer für seinen Auftritt im Käfig. Der Amerikaner Torrez Finney (26) besiegt Valentin bei seinem ersten Kampf in der UFC, das ist die Königsklasse der MMA-Kämpfer, und sagt danach ins Mikrofon: «Ein grosses Lob an Valentin, er hat viele Sachen sehr gut gemacht.»
Das sehen nach der UFC-Feuertaufe für den Zürcher auch die Kampfrichter so. Valentin verliert knapp nach Punkten. Die drei Richter sind sich uneinig. Zwei sehen Finney vorne (29:28 und 29:28), einer hingegen den Schweizer (30:27). Die Differenz also: Ein Punkt. Valentin schrammt am Debütsieg vorbei.
War es das nun für Valentin und seinen grossen USA-Traum? Nein. Das Abenteuer geht trotz Niederlage vorläufig weiter. Der Zürcher hat einen Vertrag bei der UFC für fünf Kämpfe bekommen. Also warten jetzt vier weitere Chancen. Valentin: «Lasst mich so schnell wie möglich wieder ran, ich will kämpfen.»
Politik und Kampfsport
Die MMA-Kampfsportserie UFC hängt in den USA eng zusammen mit dem Aufstieg von Donald Trump zum Präsidenten. Die UFC hat unter ihrem Chef Dana White nahezu ein Monopol in ihrem Markt - unter dem neuen Präsidenten Trump muss sie keine Konsequenzen fürchten.
Mit Yasubey Enomoto kämpft ein anderer Schweizer vermehrt in Russland, wo MMA ebenso politisch instrumentalisiert wird - von Präsident Wladimir Putin.
Der wahre Schirmherr der UFC ist ein noch viel bekannterer Präsident: Donald Trump. Er hat die UFC einst vor dem Konkurs gerettet - im vergangenen Wahlkampf hat er im MMA-Publikum einen beträchtlichen Teil seiner Stimmen geholt. Der golfende Trump und die Kampfsportler: Wie passt das zusammen?
Donald Trumps Beziehung mit der UFC begann im Jahr 2001. 2001 bietet er der UFC eines seiner Casinos als neuen Austragungsort zum Vorzugspreis an. In der Promiszene an der Ostküste verschafft er sich damit Respekt - sein Wirkungskreis ist gewissermassen mit der UFC gewachsen.
Die zunächst so umstrittene UFC wird zur grössten Kampfsportserie der Welt und ist auf den neuen Medien bei einem jungen männlichen Publikum präsent. Wollte der Republikaner McCain die UFC Mitte der 90er noch abschaffen, ist Trumps Partei 25 Jahre später eng mit der Liga verstrickt.
Auch der Podcaster und Comedian Joe Rogan wurde durch seine Tätigkeit als Kommentator für die UFC bekannt. Vor der Präsidentschaftswahl im vergangenen November lud er sowohl Kamala Harris als auch Donald Trump in seinen Podcast ein. Nur Trump schaute vorbei. Und verbuchte bei den Wahlen schliesslich 56 Prozent aller Stimmen der 18- bis 30-jährigen Männer - 14 Prozent mehr als 2020.
Die UFC muss dank Trump auch keine Kartellklagen fürchten. Überhaupt ist die Organisation in der wichtigsten amerikanischen Allianz zwischen Techgrössen und Spitzenpolitikern bestens vertreten. Für die einen ist das Oktagon eine Bühne, für die anderen ein Käfig - und für wiederum andere ein politisches Parkett.
Der Zürcher Robert Valentin ist sich bewusst, dass er nicht nur als Kämpfer, sondern auch als Spektakelmacher zur UFC geholt wurde. «Ich bin ein direkter Typ, trage mein Herz auf der Zunge», sagt er. «Ich will dem Publikum etwas bieten, wenn ich im Käfig bin.»
Conor McGregor: Ein Superstar der UFC
Conor McGregor ist der erste UFC-Fighter, der Weltmeister zweier Klassen ist. Im legendären New Yorker Madison Square Garden besiegte der 28-jährige Ire den vier Jahre älteren Amerikaner Eddie Alvarez bei UFC 205 mühelos durch K.o.
Der Federgewichts-Champion hatte für den Leichtgewichts-Kampf vier Kilo zugenommen und ist jetzt erster Weltmeister in verschiedenen Gewichtsklassen. «Alles, wovon ich geträumt habe, ist wahr geworden», freute sich McGregor nach dem Triumph und gibt dann ein kurioses Interview.
