Wrestling zählt in den USA zu den beliebtesten Sportarten und Unterhaltungsprogrammen. Auch in Deutschland gibt es die Möglichkeit, Wrestlingshows aus den USA im Fernsehen zu verfolgen. Die Frage aller Fragen hierbei: Ist Wrestling einfach nur Show oder steckt hinter der Fassade doch eine Sportart, die mit anderen Kampfsportarten vergleichbar ist?
Was ist Wrestling?
„Wrestling“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt nichts anderes als „Ringen“ und zählt zur Rubrik der Schaukampfsportarten. Besonders in Japan, USA und Mexiko zählt Wrestling zu den beliebten Sportarten.
World Wrestling Entertainment - Die größte Wrestling-Liga der Welt
World Wrestling Entretainment begeistert Millionen Fans - aber wer organisiert die Sport-Show, wer legt eigentlich fest, wer gewinnt? Fragen und Antworten.
Wrestling charakterisiert sich unter anderem durch seinen Showcharakter, weswegen oft die Frage aufkommt: Wie viel Echtheit steckt wirklich dahinter?
Wrestling ist eine Mischung aus Sport und Unterhaltung. Die Akteure müssen in der Lage sein, Aktionen auszuteilen und einzustecken. Dafür wird teilweise jahrelang trainiert. Früher wurde das Wrestling noch als echter sportlicher Wettkampf verkauft, aber heute weiß eigentlich jeder, wie der Hase läuft. Für mich persönlich macht genau das die Faszination aus.
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Wie wird der Sieger eines Kampfs bestimmt?
Verglichen mit anderen Kampfsportarten wird hier der Sieger eines Kampfs bereits im Vorfeld festgelegt. Demnach gewinnt nicht der beste Kämpfer, sondern der beste athletische Entertainer. Der Sieger steht vorher fest. Vor den Kämpfen wird den Wrestlern verraten, wer am Ende den Ring als Sieger verlässt. Jedoch sind nur die wenigsten Kämpfe komplett choreografiert. Meistens wird den Beteiligten lediglich die End-Sequenz mitgeteilt, an welche sich die Teilnehmer strikt zu halten haben. Für den Rest sind die Wrestler selbst verantwortlich.
Die Beteiligten besprechen vor den Matches den groben Ablauf: Wann bestimmte Aktionen gezeigt werden. Den Rest „besprechen“ die Wrestler während des Kampfes (möglichst leise, damit niemand im Publikum etwas hört). Niemand wird also überrascht, wenn ein Muskelberg plötzlich aus der Ringecke angeflogen kommt!
Rund um die Bestimmung des Siegers ist zusätzlich ein sogenanntes Kreativteam für das Storytelling zuständig. Das bedeutet, dass im und um den Ring Storylines im Vordergrund stehen, die Charaktereigenschaften des Wrestlers hervorheben oder auch zwischenmenschliche Beziehungen zum Vorschein bringen.
Wrestling-Show gleicht TV-Drehbuch
Für jede große WWE-Show wird ein Skript verfasst, in dem der Ablauf der Show detailliert festgelegt wird. Dazu zählen die Kämpfe, die Sieger der Kämpfe, Verlauf der Interviews, Promo-Segmente sowie abseits des Rings stattfindende Prügeleien.
Requisiten und Choreografie
Wer dachte, dass die Champions ihre bekannten Meisterschaftsgürtel behalten dürfen, der liegt falsch. Sie sind Requisiten, die nach der Show wieder abgegeben werden müssen. Zusätzlich ist auch eine Kostümschneiderin vor Ort, die zur Stelle ist, falls Storylines umgeschrieben werden oder ein Wrestler kurzfristig noch ein Outfit benötigt.
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Die Durchführung der Kämpfe ist in erster Linie choreografiert. Wie viel Choreografie und wie viel Improvisation in einem Kampf steckt, hängt von der Wichtigkeit des Kampfs sowie der Erfahrung der beteiligten Wrestler ab. Je routinierter ein Wrestler, desto mehr Improvisation findet statt. Absolute Profis bekommen als Choreografie nur die Grundzüge. Demnach sind auch Kreativität und Spontanität gefragt.
Im Training wird neben Kampftechniken auch intensiv das „Fallen“ geübt. Im Kampf später besteht die Kunst darin, die Moves brutal aussehen zu lassen, während im besten Fall keine ernsthaften Verletzungen zustande kommen - dennoch ist die Verletzungsgefahr nicht ausgeschlossen. Zusätzliches Risiko für Verletzungen ist der harte Ringboden, der gefährlich werden kann. Was im Fernsehen aussieht, wie weiche Landematten, ist in Wirklichkeit ein harter Boden, der lediglich ein bisschen mitschwingt.
Zwar sind beim Wrestling die Bewegungen gescriptet, der körperliche Einsatz ist aber echt. Ziel ist die beste Unterhaltung für die Zuschauer.
Schauspiel und Kampfsport in einem
Um die Storylines glaubhaft rüber zu bringen, sind gute Schauspielkünste gefragt. Auch die Beliebtheit eines Wrestlers ist enorm wichtig. Egal ob Jubel oder Buhen, beide Reaktionen des Publikums sind essenzielle Träger der Shows.
Ein Wrestler muss nicht nur athletisch sein, sondern auch schauspielern können, um seine Rolle (das sogenannte „Gimmick“) glaubhaft darzustellen. Mit der Erhöhung des Showfaktors Ende der 80er Jahre wurden auch die Gimmicks immer verrückter und comic-hafter So gab es Gefängniswärter, Clowns, Indianer und auch Müllmänner.
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Die WWE - Fakten
Die WWE ist die einzige weltweit agierende Wrestling-Organisation. Sie wurde 1952 gegründet (damals noch unter dem Namen Capitol Wrestling Federation), 1963 in WWWF umbenannt, bevor sie 1979 in WWF (World Wrestling Federation) umbenannt wurde.
- Seit 1999 ist die WWE auch an der New Yorker Börse. Der Aktienkurs liegt derzeit bei 23,50$ pro Aktie
- Die WWE hat eine eigene App, welche bereits mehr als 10,3 Millionen mal heruntergeladen wurde.
Regeln und Match-Arten
Gibt es Regeln? JA. Diese sind jedoch von Match zu Match verschieden. In einem normalen Kampf dürfen keine Gegenstände benutzt werden und ein Wrestler darf sich nicht länger als neun Sekunden außerhalb des Ringes aufhalten.
Aktionen in den Ringseilen, in die Haare greifen sowie Tiefschläge sind ebenfalls verboten und können zu einer Disqualifikation führen.
Welche Match-Arten gibt es? Im Grunde sind der Fantasie der Booker (so werden die „Drehbuch“-Autoren genannt) keine Grenzen gesetzt. Neben den normalen Matches gibt es jede Menge Sonderkämpfe.
- Tag Team - Teams aus je zwei Wrestlern kämpfen gegeneinander
- Käfig - das Spektakel findet in einem oben offenen Käfig statt
- Hell In A Cell - ein viel größererer Käfig, der oben geschlossen ist
- Table Match - wer zuerst seinen Gegner durch einen Tisch haut, gewinnt
- Ladder Match - wer zuerst mittels einer Leiter den Titel (der unter der Hallendecke hängt) ergreift, gewinnt
- Extreme Rules - keine Regeln, alles ist erlaubt
- Triple Threat - drei Superstars kämpfen gegeneinander
- Fatal 4 Way - vier Superstars hauen sich gegenseitig die Birne ein
- TLC (Table/Ladder/Chairs) - Stühle, Tische und Leitern sind erlaubt
- Lebendig begraben - wer seinen Gegner zuerst in ein offenes Grab werfen kann, gewinnt
- Inferno Match - der Ring steht in Flammen
Verletzungsrisiko
Trotz einstudierter Choreografie kann es zu Verletzungen kommen. Um ihnen vorzubeugen, ist absolute Top-Form gefragt. Das heißt: Zusätzlich zum Training sind Fitnessstudiobesuche ein Muss, auch vor einem Kampf. Die körperliche Belastung ist also genauso echt, wie sie aussieht.
Tun sich die Wrestler eigentlich wirklich weh? JA! Wenn der Zuschauer den Eindruck hat, dass ein Wrestler hart auf den Boden geflogen ist - dann ist er auch hart auf den Boden geflogen. Damit sich die körperlichen Schäden in Grenzen halten, ist eine gut ausgebildete Muskulatur nötig. Schläge und Tritte werden jedoch so ausgeführt, dass sich die Beteiligten nicht weh tun, bzw. versuchen sie es. Auch wenn die Wrestler die Aktionen beherrschen, kann es auch zu (teils schweren) Verletzungen kommen.
Sind die Wrestling-Aktionen gefährlich? JA! Falsch ausgeführte Aktionen können schnell zu lebensgefährlichen Verletzungen führen. Daher appellieren alle Wrestling-Organisationen dauerhaft, die Moves niemals nachzumachen, da zu einer perfekten und sicheren Ausführung, jahrelanges Training von Nöten ist.
Berühmte Wrestler
In den 50er, 60er und 70er Jahren dominierten Männer wie Buddy Rogers, Bob Backlund, Ric Flair oder Bruno Sammartino die Wrestling-Szene vor allem im Osten der USA. Dabei stand der eigentliche Kampf der Akteure im Vordergrund. Es sollte echt wirken und daher suchte man die große Show vergebens.
Als Hulk Hogan 1984 zur WWE zurückkehrte (er wurde 1981 gefeuert, weil er ohne Absprache in „Rocky 3“ mitspielte), setzte die WWE alles auf ihn und baute das gesamte Marketing um den blonden Hünen herum. Ein nationaler TV-Vertrag sowie die Zusammenarbeit mit MTV führte zu neuer Popularität - gleichzeitig wurde der Showfaktor (u.a. auch durch Prominente wie Mr. T oder Cindy Lauper) erhöht. Die „Rock n' Wrestling-Ära“ wurde geboren.
Nachdem The Rock und Steve Austin vor zehn Jahren die WWE verließen, wurde John Cena als DER Star der Liga aufgebaut. Gleichzeitig entwickelte die WWE ihre Ausrichtung wieder mehr in Richtung Familienunterhaltung (nachdem sie sich Ende der 90er Jahre primär an Erwachsene richtete), wodurch John Cena vor allem als Held für Kinder und das jüngere Publikum aufgebaut wurde - sehr zum Missfallen der älteren Fans, die ihn regelmäßig ausbuhen, während die Kinder (und Frauen) ihm euphorisch zujubeln. Daneben dominieren Stars wie CM Punk und Daniel Bryan das derzeitige Geschehen. Derzeitiger WWE-Champion ist jedoch Randy Orton!
Wrestlemania
Einmal im Jahr trifft sich die Wrestling-Welt zu einem einzigartigen Event: Wrestlemania! Diese mehr als vierstündige Monster-Show ist das Highlight des Wrestling-Jahres. Die erste Ausgabe fand 1985 im weltberühmten New Yorker Madison Square Garden statt und sollte über das Schicksal der Firma entscheiden, da „Wrestlemania“ die erste Wrestling-Show war, die man nur im Pay-TV oder im Kino sehen konnte.
Im Hauptkampf kämpfte Hulk Hogan zusammen mit Mr. T gegen Roddy Piper und Paul Orndorff.
Durch den Erfolg der Veranstaltung wurde die WWE endgültig zur größten und erfolgreichsten Organisation der USA. Als größter Moment der „Wrestlemania“-Geschichte gilt der Bodyslam von Hulk Hogan gegen Andre The Giant vor mehr als 90.000 Zuschauern in Detroit im Jahr 1987 („Wrestlemania 3“).
