Karate ist eine Kampfkunst, die sich über die Jahrhunderte auf der Insel Okinawa unter chinesischem Einfluss entwickelte und zu Anfang dieses Jahrhunderts ihren Weg nach Japan fand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Karate von Japan aus zu einer der populärsten Kampfsportarten neben Judo und Jiu-Jitsu.
Es gibt im Karate vier große Stilrichtungen, nämlich Goju-Ryu, Shotokan, Shito-Ryu und Wado-Ryu. Alle Stile haben einen „Sensei“ - einen Lehrer -, sowie einen „Senpai“ und „Kohai“ - die Schüler - gemein. Jedes Karatetraining beginnt und endet traditionell mit einer kurzen Meditation, welche die Weglehre des Karate preisen soll. Ebenso wird traditionell eine rituelle Begrüßungszeremonie abgehalten.
Die Grundlagen des Karate
Im Karate ist man sozusagen festverwurzelt. Die Techniken zielen immer darauf ab, eine korrekte Verbindung zwischen Boden und Füßen herzustellen. Auf den richtigen Einsatz der Fußgelenke, der Knie, der Ober-Unterschenkel und der Hüfte wird für einen stabilen Stand für die Fußtechniken viel Wert gelegt. Ebenso kommt es auf den richtigen Einsatz des Oberkörpers, also der Schultern, des Rückens, der Arme und Ellbogen an.
„Kata“ bedeutet im Karate die Ausführung von Einzeltechniken. Technik, Stand, Blickrichtung, Atmung und die Position im Raum sind einige Aspekte unter deren Betrachtung eine Kata gelehrt, gelernt und ausgeführt wird. Im Karate wird eine uniforme Trainingskleidung verwendet. Das sogenannte „Karate-Gi“ besteht aus einer einfachen, an der Hüfte geschnürten weißen Hose (Zubon) und einer Jacke (Uwagi). Außerdem wurde aus dem Judo eine Graduierung übernommen, die sich durch farbige Gürtel unterscheidet.
Die Schülergrade bezeichnet man als „kyu“. Sie sind weiß, gelb, orange, grün, blau/violett und braun. Im Karate gibt es verschiedene Gürtel, die die Fähigkeiten und den Fortschritt des Karateka (Karate-Schülers) anzeigen. Es gibt jedoch auch andere Karate-Stile, die verschiedene Gürtelfarben verwenden oder Gürtelsysteme mit mehr oder weniger Gürtelgraden haben.
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Die vier großen Stilrichtungen im Detail
Die Stilrichtungen im Karate beziehen sich auf ihre unterschiedlichen Ursprungsorte. Sie stellen unterschiedliche Schulen dar. Meistens unterschieden sich die Stile in ihren Details, was auf den ersten Blick unwichtig erscheinen mag. Jedoch sind diese Details häufig der entscheidende Faktor, ob diese Art des Karate zu einer Person passt oder nicht.
Denn wenn es manchmal nur unterschiedliche Ausführungen der Techniken sind, können es gelegentlich auch Unterschiede in der Philosophie oder in der Trainingsausführung sein. Es gibt vier große Stilrichtungen (Shotokan, Goju-Ryu, Wado-Ryu und Shito-Ryu), die durch Vermischungen von den zwei okinawischen Stilen - Shorei-Ryu und Shorin-Ryu beeinflusst werden. Alle anderen kleiner Stilrichtungen entstehen wiederum basierend auf diesen sechs Stilen. Im DKV sind 22 Stilrichtungen eingetragen. Dabei ähneln sich viel jedoch sehr stark.
Shotokan
Shotokan ist der weltweit am häufigsten vertretene Karate-Stil. Er wurde von dem Okinawa-Meister Gichin Funakoshi gegründet. Dank ihm wurde 1922 das Karate in Japan eingeführt. Er stammt aus den zwei Schulen Shuri-te und Tomari-te. Abgeleitet von seinem Pseudonym “Shoto” entstand auch der Name der Stilrichtung. Das Wort “kan” bedeutet Gebäude, weshalb die Stilrichtung als “die Schule/ das Dojo von Shoto” verstanden werden kann. Dies bezieht sich auf das Dojo, indem Funakoshi lehrte.
Shotokan zeichnet sich durch hohe Dynamik mit starken und harten Techniken aus. Die Techniken und Katas sind eine moderne Zusammenfassung vor allem des Shorin-Ryu und des Shorei-Ryu. Shotokan kombiniert tiefe Stellungen mit starken Techniken und einer hohen Dynamik. Im Shotokan spielt eine gute Dehnung eine Rolle, das viele Techniken eine gute Beweglichkeit benötigen. Die meisten Schläge und Tritte werden im mittleren Bereich ausgeführt.
Goju-Ryu
Goju-Ryu wird wörtlich übersetzt mit „hart-weich“. Gründer dieser Stilrichtung ist Chojun Miyagi (1888 - 1953). Er studierte anfangs chinesisches Boxen (Shao Lin Chuan und Pa Kua Chuan). Unterrichtet wurde Miyagi von Meister Higaonna. Aus dem Erlernten und seinene Erfahrungen entwickelte er seine eigene Stilrichtung. Goju ist eine der 4 großen japanischen Karate-Stilrichtungen.
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Von den verschiedenen japanischen Karate-Stilrichtungen lässt das Goju-Ryu Karate den chinesischen Ursprung noch am deutlichsten erkennen. Geschichtlich hängen diese Stilrichtungen eng miteinander zusammen, es haben sich aber in diesem Jahrhundert entsprechende Abspaltungen ergeben. Wege sind kurz. Technisch und philosophisch sind diese Stilrichtungen für Laien und manchmal auch für Karateka kaum zu unterscheiden.
Wado-Ryu
Wado bedeutet "der Weg des Friedens". 1922 begann Hironori Ohtsuka (1892 - 1982) mit dem Karate-Training. Gichin Funakoshi (Shotokan-Karate) war sein Meister. Er lernte aber auch bei Kenwa Mabuni (Shito-Ryu-Karate). Wurde 1939 von Otsuka, einem Schüler Funakoshis, gegründet. Ohtsuka studierte vorher bereits das Shindo Yoshinryu Jujutsu. Er kombinierte das Shotokan-Karate mit den Ausweichbewegungen des Jujutsu und entwickelte so den Karate-Stil Wado-Ryu.
Wado ist eine der 4 großen japanischen Karate-Stilrichtungen. Zeichnet sich durch kurze Schritte, geringerer Endspannung und schnelle Bewegungsfolgen aus. Hier ist die Stellung kürzer und die Bewegungen kleiner. Viele Kata gleichen denen des Shotokan, jedoch wurden ihre ursprünglichen, z.T. begründet, einem Schüler Funakoshi (Shotokan). in Japan eingeweiht.
Shito-Ryu
Kenwa Mabuni (1893 - 1957) wurde von den Meistern Itosu und Higonama in Karate gelernt. Er „vermischte“ beide Karate-Richtungen Shorin-Ryu und Shorei-Ryu und gab seiner Karate-Stilrichtung den Namen Shito-Ryu. Shito ist eine der 4 großen japanischen Karate-Stilrichtungen. Aus den Initialen seiner beiden Meister wurde der Name abgeleitet.
Kenwa Mabuni studierte viele Jahre lang die Hauptstile Okinawas, Shorin und Shorei, und entwickelte durch die harmonische Vereinigung beider Kampfarten einen neuen Stil, den er Shito-Ryu nannte. Seine Stilrichtung basiert auf einer systematischen Trainingsmethode, die auf einer wissenschaftlich-logischen und tiefer moralisch-philosophischen Grundlage aufbaut.
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Weitere Karate Stile
Neben den genannten gibt es noch viele weitere Karate Stile, darunter:
- Koshinkan
- Kyokushin
- Shorin-Ryu
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wahl des richtigen Karate-Stils von den persönlichen Vorlieben und Zielen abhängt. Es empfiehlt sich, verschiedene Stile auszuprobieren, um denjenigen zu finden, der am besten zu einem passt.
Zusammenfassung der Hauptmerkmale der Karate Stile
| Stil | Gründer | Merkmale |
|---|---|---|
| Shotokan | Gichin Funakoshi | Tiefe Stellungen, Starke Techniken, Hohe Dynamik |
| Goju-Ryu | Chojun Miyagi | Harte und weiche Techniken, Kraftvolle Atmung |
| Wado-Ryu | Hironori Ohtsuka | Kurze Schritte, Geringe Endspannung, Schnelle Bewegungsfolgen |
| Shito-Ryu | Kenwa Mabuni | Harmonische Vereinigung von Shorin und Shorei, Systematische Trainingsmethode |
