Was sind die Judo-Regeln? Ein umfassender Leitfaden

Die Wettkampf-Regeln im Judo wirken auf den Laien zunächst kompliziert und nicht auf Anhieb verständlich. Judo ist eine traditionsreiche Kampftechnik, die den Respekt vor dem Gegner hochhält. In diesem Beitrag erfahren Sie die Grundlagen der japanischen Kampfkunst.

Grundlagen des Judo-Wettkampfs

Nach der Durchführung des Anfangszeremoniells, einer freundschaftlichen Verbeugung der Judoka voreinander, ist das Ziel des Wettkampfs, den Gegner durch verschiedene Wurf- und Grifftechniken außer Gefecht zu setzen. Der Kampf beginnt mit dem Kampfrichterkommando „Ha-jime“ und endet mit „Sore-made“. Mit dem Kommando „Mate“ wird der Kampf kurzzeitig unterbrochen.

Gekämpft wird in der Regel im weißen Judo-gi (Judoanzug). Bei Wettkämpfen auf höherem Niveau trägt der eine Kämpfer statt des Zusatzgürtels einen weißen, der andere Kämpfer einen blauen Judo-gi. Der zuerst aufgerufene Kämp­fer bindet sich den weißen, der Zweitgenannte den roten Gürtel um. Der in der Wettkampfliste Erstgenannte bzw. zuerst Aufgerufene (weißer Zusatzgurt; weißer Judo-gi) stellt sich aus der Perspektive des Kampfrichters rechts auf der Matte auf.

Stand- und Bodenkampf

Im Standkampf versucht der Judoka, seinen Gegner auf den Rücken zu manövrieren. Dabei nutzt er die Bewegungen des gegnerischen Kämpfers, um ihn durch verschiedene Wurftechniken zu Fall zu bringen. Gelingt der Fall des Gegners, folgt der Bodenkampf. Hier versucht der Judoka, seinen Gegner mithilfe der drei verschiedenen Grifftechniken Halte-, Würge- oder Hebelgriff, außer Gefecht zu setzen.

Der Haltegriff hält den Gegner in einer Position auf dem Rücken, in der er handlungsunfähig ist. Schafft der Kämpfer es, seinen Opponenten 20 Sekunden lang in dieser Position zu halten, gewinnt er den Kampf. Ziel des Würgegriffs und des Hebelgriffs ist es dagegen, den Gegner zum Aufgeben zu zwingen. Der Würgegriff schneidet dem Opponenten dafür die Luft ab, während der Hebelgriff eine schmerzhafte Hebelwirkung auf das Ellenbogengelenk erzeugt. Den vollen Punkt, das Ippon, erhält der Sieger, wenn der Gegner z.B. aufgrund einer erfolgreichen Hebel- oder Würgetechnik (zuläs­sig bei älteren Kindern und Erwachsenen) aufgibt. Die Aufgabe zeigt der Unterle­gene dem Gegner und dem Kampfrichter durch festes zwei­ma­liges Abklopfen mit den Händen oder Bei­nen an.

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Wertungen im Judo

Beim Judo gibt es keine Tore und keine Punkte, sondern Wertungen. Um einen Gewinner zu bestimmen, vergeben die Kampfrichter darum während der Kampfhandlung Wertungen für erfolgreiche Manöver. Bei jeder Aktion, die ein Kämpfer ausführt, beurteilt der Kampfrichter, wie gut sie war. Erfüllt sie bestimmte Kriterien, erhält der Judoka eine entsprechende Wertung.

Zur Bewertung hat der Kampfrichter drei Kategorien zur Auswahl:

  • Yuko
  • Waza-Ari
  • Ippon

Yuko ist die kleinste Wertung, Waza-Ari ist höher und Ippon ist die höchste Wertung. Wertungen können mehrmals vergeben werden (außer für Ippon). Die Anzahl der Wertungen in jeder Kategorie werden auf der Kampfrichtertafel angezeigt (wiederum außer für Ippon).

Ippon

Die höchste Wertung einer Technik wird durch den Kampfrich­ter-Ausruf „Ippon“ signalisiert. Dies beendet den Kampf vorzei­tig. Die höchste Wertung Ippon erhält, ist sofort Sieger (es ist egal, was für Wertungen der Gegner erzielt hat) und der Kampf ist zu Ende. Diese Wertung kann also nur einmal pro Kampf vergeben werden und deshalb braucht sie auch nicht auf der Tafel angezeigt werden.

Waza-Ari

Bei einer nicht ganz perfekten, aber dennoch erfolgreichen Technik gibt es ein „Waza-ari“. Im Boden kann der Kampf ebenfalls entschieden werden. Eine Waza-ari-Wertung gibt es für einen Haltegriff (Osae-komi), der mindestens zehn aber weniger als 20 Sekun­den gehalten wird. In der 20. Sekunde des ungelösten Halte­griffs ertönt das Kom­mando Ippon, welches den Kampf wiede­rum beendet.

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Zweimal Waza-Ari ist soviel wert wie Ippon, auch dann ist man sofort Sieger.

Weitere Wertungen

Wenn mit diesen Wertungen der Kampf nicht vorzeitig beendet wurde, sondern die Kampfzeit regulär abgelaufen ist, gewinnt derjenige Judoka, der die höhere Wertung von beiden erzielt hat. Dabei gilt: Ein Waza-Ari ist mehr wert als alle Yukos des Gegners. Es entscheidet also immer die Anzahl der höchsten Wertung, die vergeben wurde. Ist diese bei beiden Kämpfern gleich, entscheidet die Anzahl der nächst niedrigeren Wertung, usw.

Wenn beide Kämpfer überhaupt keine Wertung erzielt haben oder die Wertungen bei beiden absolut identisch sind, dann wird der Wettkampf durch „Golden Score“ entschieden, d. h. alle bisherigen Wertungen werden zurückgenommen und derjenige Kämpfer gewinnt, der in der Verlängerungszeit die erste Wertung erhält. Haben beide Kämpfer auch im „Golden Score“ keine Wertung erzielt, kommt es zu einem Kampfrichterentscheid. Der oder die Kampfrichter müssen einen Kämpfer zum Sieger erklären.

Für die Entscheidung wird geprüft: Welcher Kämpfer war aktiver, d. h.

Wann bekommt man welche Wertung?

Beim Kampf im Stand gilt: Je mehr der Gegner auf den Rücken geworfen wird, und je schwung- und kraftvoller die Wurfausführung ist, desto höher die Wertung. Landet der Gegner dagegen auf dem Bauch, gibt es keine Wertung. Im Bodenkampf gilt: je länger man es schafft, den Gegner in einem Haltegriff festzuhalten, desto höher die Wertung. Ein Haltegriff zählt aber nur dann, wenn der Partner mit mindestens einer Schulter auf dem Boden liegt. Bei höheren Altersstufen kommen Hebel und Würgegriffe dazu. Bei wirkungsvoll angesetzten Hebeln oder Würgegriffen signalisiert der Unterlegene durch Abklopfen seine Aufgabe.

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Regeln und Strafen

Die Kampffläche ist farblich eindeutig gekennzeichnet (bei uns durch rote Matten). Der darum gelegte Mattenbereich (bei uns in grüner Farbe) darf - mit wenigen Ausnahmen - nicht betre­ten werden. Ein Hinaustreten wird mit der Strafe „Shido“ ge­ahndet.

Strafen werden auch für andere Unregelmäßigkeiten (z.B. wegen Inaktivität, unzulässiger Grifftechnik oder Beingreifen im Standkampf) erteilt. Drei Shidos führen zu einem Hansoku-make, also wiederum zur vorzeitigen Beendigung des Kampfes. Eine Ausnahme von dieser Regel begründen Shidos für das Greifen ans Bein während des Standkampfes.

Die Disqualifikation heißt im Judo „Hansoku-make“. Eine Ausnahme von dieser Regel begründen Shidos für das Greifen ans Bein während des Standkampfes.

Shido und Hansoku-make

Drei Kampfrichter achten während des Wettkampfs auf die Einhaltung der Regeln. Durch Rufe und Handzeichen vergeben sie die Bestrafungen "Shidos". Kleine Verstöße, etwa eine passive Kampfweise, ziehen einen "Shido" nach sich. Ein einzelner Shido bleibt ohne Konsequenzen. Zwei Shidos führen zu einer Waza-ari-Bewertung für den Gegner. Der dritte Verstoß beendet mit Hansoku-make den Kampf zugunsten des Opponenten. Schwere Verstößen können direkt siegentscheidend sein. Der dritte Shido, Hansoku-make, führt zur sofortigen Disqualifikation.

Im Judo ist schlagen, treten, kratzen, beißen oder sonstiges unsportliches Verhalten verboten. Derart unsportliches Verhalten wird mit Hansoku-Make bestraft und der Judoka hat automatische Verloren.

Spezielle Situationen

Sono-mama

Befürchtet der Kampfrichter in einer unübersichtlichen Bodenkampfsituation ein Risiko für einen der Kämpfer, so kann er den Kampf mit dem Kommando „Sono-mama“ unterbrechen. Beide Wettkämpfer verharren in der aktuellen Situation bis der Unparteiische die Situation - z.B. durch Kleiderordnen - bereinigt.

Wurfansätze und Bodentechniken

Bei Wurfansätzen oder Bodentechniken, die innerhalb der Kampffläche begonnen haben, geht der Kampfverlauf auch auf der Sicherheitsfläche weiter bis die Kampfaktion abgeschlossen ist.

Golden Score

Reguläre Kampfzeit: Wird der Kampf nicht vorzeitig durch Ippon oder Hansoku-make entschieden, so gewinnt am Ende der regulären Wettkampfzeit der Kämpfer, der bereits ein Waza-ari erzielt hat. Haben beide Kämpfer am Ende der regulären Kampfzeit eine Waza-ari-Wertung auf der Anzeigetafel stehen (unabhängig von der Zahl der Shidos), geht der Vergleichskampf im Golden Score, also in der Verlängerung, weiter. Im Fall gleicher Wertungen wird der Kampf somit auch dann fortgesetzt, wenn z.B.

In dieser Verlängerung gibt es keine zeitliche Obergrenze. Die erste während dieses Zeitraums erzielte Wertung eines Kämpfers beendet den Kampf.

Judo vs. Karate - Der Unterschied

Sowohl Judo als auch Karate sind asiatische Kampfsportarten mit langer Tradition. Im Laienbereich werden sie, trotz ihrer deutlichen Unterschiede, des Öfteren verwechselt.

Karate ist im Vergleich zu Judo die wesentlich ältere Kampfkunst. Während Karate bereits seit vielen Jahrhunderten praktiziert wird, entstand Judo erst im späten 19. Jahrhundert. Karate hat eine aggressivere Vorgehensweise. Aus einiger Entfernung werden Tritt- und Schlagtechniken ausgeübt, Körperkontakt hingegen vermieden. Im Judo ist Körperkontakt dagegen fester Bestandteil eines Kampfes. Der japanischen Pädagoge Jigoro Kano erfand Judo als eine weniger gewaltsame Alternative zum Jiu-Jitsu. Während im Karate auch Angriffstechniken einstudiert werden, steht beim Judo die Selbstverteidigung im Vordergrund. Kicke und Hiebe in die gegnerische Richtung werden hier geahndet.

Verhaltensregeln im Judo

  • Behandle deine Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde.
  • Hilf deinem Partner, die Techniken korrekt zu erlernen.
  • Sei ein guter Uke.
  • Unterstütze als Höher-Graduierter/Trainingsälterer die Anfänger.
  • Sei bei allen Übungen und im Wettkampf konzentriert und voll bei der Sache.
  • Begegne deinem Lehrer/deiner Lehrerin und den Trainingsälteren zuvorkommend.
  • Spiele dich selbst nicht in den Vordergrund.
  • Sprich über deinen Erfolg nicht mit Übertreibung.
  • Nimm im Randori und Wettkampf dein Herz in die Hand.
  • Achte auf Pünktlichkeit und Disziplin bei Training und Wettkampf.
  • Achte all diese Werte und alle Menschen.

Weitere Informationen

Die Wettkampfregeln werden durch den Internationalen Judo-Verband (IJF) festgelegt und vom Deutschen Judo-Bund (DJB) übernommen. Sie werden des Öfteren angepasst. So dürfen die Kämpfer im Stand zurzeit nicht unterhalb des Gürtelbereichs (z.B. an die Beine des Gegners) greifen.

Im Internet findet sich leider noch immer eine Vielzahl veralteter Regeln (z.B. mit den früheren Kleinwertungen Koka und Yuko). Diese sind obsolet.

Kommandos:

  • ha-jime kämpft!
  • mate stopp!