Verteidiger Judo Techniken

Im Judo gibt es verschiedene Techniken, die zur Verteidigung eingesetzt werden können. Diese Techniken lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen:

  • Wurftechniken (Nage-waza): Diese Techniken dienen dazu, den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu Boden zu werfen.
  • Haltegrifftechniken (Osae-komi-waza): Mit diesen Techniken wird der Gegner in der Rückenlage am Boden fixiert.
  • Hebeltechniken (Kansetsu-waza): Hebeltechniken werden im Judo nur auf den Ellenbogen angewandt, wobei kontrollierter Druck auf das Gelenk aufgebracht und der Partner zugleich fixiert wird.
  • Würgetechniken (Shime-waza): Bei den so genannten "Würgern" wird mit speziellen Techniken mit den Händen oder den Unterarmen Druck auf die seitlich des Kehlkopfes verlaufende Halsschlagader ausgeübt.

Kata im Judo

„Kata“ bedeutet im Wortsinn Form, Stil, Muster. Im Judo gibt es verschiedene Kata, die dazu dienen, die grundlegenden Prinzipien und Techniken des Judo zu vermitteln. Hier einige Beispiele:

  • Nage no Kata: Die Nage no Kata vermittelt die grundlegenden Wurfprinzipien des Judo. Die Nage-no-kata besteht aus 5 Wurfgruppen mit jeweils 3 Würfen, die genau in dieser Reihenfolge, jeweils zuerst rechts und danach links, ausgeführt werden. Einzige Ausnahme stellt Uki-Goshi da, der zuerst links und dann rechts geworfen wird.
  • Katame No Kata: Die Katame No Kata bildet mit der Nage no Kata (und auch je nach Betrachtungsweise auch Gonosen no Kata) zusammen die Randori no Kata. Diese Kata dokumentiert den Übergang vom Ju jutsu zum Judo im Bereich der Haltegriffe, Würgen und Hebel.
  • Ju no Kata: Jigoro Kano stellte im Jahr 1887 die Ju no Kata als Kodokan-Kata vor. Die Ju no Kata erleichtert es dem Judoka, durch die harmonische Verbindung mit den Angriffen und Verteidigungen des Partners Atmung und Technik zu schulen und die Grundlagen und Bewegungen des Judo zu erfahren (Kata als Mittel zum Bewegungslernen).
  • Kime no Kata: Kime no Kata ist die Kata des wirklichen Kampfes (Shinken shobu no kata), deren Atmosphäre durchdrungen ist von jenem „Geist der Entscheidung“ (Kime), der eine Technik beseelen muss, wenn es das angestrebte Ziel ist, die lebenswichtigen Punkte des Gegners anzugreifen, um ihn sicher zu besiegen.
  • Itsutsu-no-kata: Nach eingehendem Studium der Lehrsysteme alter Ju jutsu-Schulen, insbesondere der Tenjin shin’yo ryu, hatte Kano die Überzeugung gewonnen, dass er die fünf (Itsutsu) Prinzipien gefunden habe, die alle kriegerischen Künste beherrschten.
  • Koshiki no Kata: Koshiki no Kata stellt ein wesentliches Bindeglied zwischen dem alten Ju Jitsu und dem modernen Judo dar Ihre Techniken bauen auf den Erfahrungen auf, welche die Berufskrieger (Samurai) auf den Schlachtfeldern im Kampfgetümmel des Nahkampfes (kumi uchi) über Jahrhunderte hinweg gesammelt hatten, wenn sie sich im tödlichen Kräftemessen nach dem Verlust ihrer Waffen mit bloßen Händen gegenüber standen.

Selbstverteidigung im Judo

Das Trainieren von Selbstverteidigungstechniken verlangt, dass eine entsprechende Gefahrensituation vorliegt. Diese Ausgangssituation ist zunächst noch mit dem Wettkampfjudo zu vergleichen, auch hier müssen realistische Wettkampfsituationen dargestellt werden.

Mit dem Erarbeiten von Selbstverteidigungs-Situationen soll erst begonnen werden, wenn eine erste Judo-Grundlage erarbeitet wurde (6. Kyu). Da das SV-Wahlprogramm als Alternative zur Stand-Komplexaufgabe gedacht ist, kann das judobezogene SV-Programm ab dem 5. Kyu gewählt werden.

In der jeweiligen Ausbildungsstufe werden nur die selbstverteidigungsbezogenen Ausgangssituationen vorgegeben. Je Ausbildungsstufe sollen drei Ausgangssituationen mit jeweils zwei Judotechniken gelöst werden - d.h. 6 Aktionen müssen demonstriert werden - wobei 2 Judotechniken aus der jeweiligen Ausbildungsstufe gewählt werden müssen.

Lesen Sie auch: Uke: Der Judoverteidiger

Einige Beispiele für Selbstverteidigungssituationen:

  1. Der Angreifer fasst den Kragen oder die Jacke von vorne und drückt oder zieht.
  2. Der Angreifer würgt mit beiden Händen und schiebt.
  3. Der Angreifer faßt den Kragen oder die Jacke von hinten und drückt oder zieht.

Die Selbstverteidigung in der Bodenlage wird weitestgehend in einer Art Bodenrandori geübt. Typische Abwehr-Angriffsituationen, z.B. Bei Haltegriffen ist zu untersuchen, ob eine vollständige Kontrolle des "Angreifers" gegeben ist, d. h. dass ein Schlagen, Treten, Beißen etc. nicht mehr möglich ist.

Ju-Jutsu als moderne Selbstverteidigung

Ju-Jutsu ist die moderne Selbstverteidigung aus der Praxis für die Praxis. Ju-Jutsu geht zurück auf die in Asien in Jahrhunderten entwickelten waffenlosen Selbstverteidigungssysteme.

Abwehrtechniken, Schläge, Tritte und Stöße sind ebenso Wurf-, Hebel-, Würge- und Bodentechniken der unterschiedlichsten Form im Ju-Jutsu enthalten. Alle Techniken können - je nach Situation und Notwendigkeit - sowohl in sehr harter und zerstörerischer Form als auch relativ sanft angewendet werden.

Ziel ist es, die Bewegungsabläufe durch ständiges Training so zu automatisieren, dass die Verteidigung ohne Nachdenken erfolgt, d. automatische Reflexe im Unterbewusstsein (sogenannte Automatismen) ablaufen.

Lesen Sie auch: Verteidigungstechniken im Judo

Die Techniken im Detail

Wurftechniken (Nage-waza)

Bei den Wurftechniken handelt es um sich Techniken, bei denen der Gegner zu Fall gebracht oder zu Boden geworfen wird. Bei allen Techniken sollten die Prinzipien des Judo nicht vernachlässigt werden ("rationellster Einsatz der Energie" und "Nachgiebigkeit"). Ein wichtiger Aspekt ist die Ausnutzung der Situation und der Kraft des Gegners.

Unter Kuzushi versteht man die Brechung des Gleichgewichts des Gegners durch Zug und Druck und im Besonderen durch Nachgeben, wenn der Gegner drückt bzw. zieht.

Die Wurftechniken lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:

  • Handtechniken (Te-waza): Bei dieser Gruppe der Wurftechniken wird der Gegner mit Hilfe der Schulter, der Hand oder des Armes zu Fall gebracht.
  • Hüfttechniken (Koshi-waza): Zu den Hüftwürfen werden alle Würfe gerechnet, bei denen im Verlauf der Wurfausführung die Kraftübertragung von Tori zu Uke über die Hüfte als Kontaktpunkt erfolgt.
  • Fuß- und Beintechniken (Ashi-waza): Zu den Fuß- und Beinwürfen werden alle Techniken gerechnet, bei denen die entscheidende Wurfarbeit durch Fuß oder Bein Tori`s erfolgt.
  • Opferwürfe (Sutemi-waza): Bei diesen Würfen gleitet Tori unter Aufgabe seines Gleichgewichtes von selbst zu Boden. Damit holt er Schwung, um diese Energie dann auf den Gegner umzuleiten und ihn so zu Fall zu bringen.

Haltegrifftechniken (Osae-komi-waza)

Mit Haltetechniken wird der geworfene Partner in der Rückenlage am Boden fixiert. Es ist sehr schwierig, sich aus diesen zu befreien.

Zu den Grifftechniken in der Bodenposition gehören die Haltegriffe, die Osae-Komi-Waza. Wichtig ist, dass dieser sich nicht auf den Bauch drehen oder die Beine bzw. den Körper des Haltenden mit seinen Beinen umklammern kann.

Lesen Sie auch: Verteidiger Judo Fachbegriffe verstehen: Ein Jiu-Jitsu-Leitfaden

Hebeltechniken (Kansetsu-waza)

Hebeltechniken werden im Judo nur auf den Ellenbogen angewandt, wobei kontrollierter Druck auf das Gelenk aufgebracht und der Partner zugleich fixiert wird. Die Hebelwirkung in der vorgesehenen Bewegungsrichtung führt zu einem stechenden Schmerz, welcher den Partner zur Aufgabe zwingt.

Würgetechniken (Shime-waza)

Bei den so genannten "Würgern" wird mit speziellen Techniken mit den Händen oder den Unterarmen Druck auf die seitlich des Kehlkopfes verlaufende Halsschlagader ausgeübt. Durch die resultierende Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff entsteht beim Gewürgten der Eindruck, zu wenig Luft zu bekommen. Einige Techniken behindern auch den Angegriffenen am Atmen.

Gradeinteilung im Judo

Die Judoka werden nach ihrem Kenntnisstand und ihrer Erfahrung in die Grade Kyu (Schüler) und Dan (Meister) eingeteilt.

Die Schülergrade (Kyu) sind:

  • 6. Kyu: weiß
  • 5. Kyu: gelb
  • 4. Kyu: orange
  • 3. Kyu: grün
  • 2. Kyu: blau
  • 1. Kyu: braun

Die Meistergrade (Dan) werden durch einen schwarzen Gurt symbolisiert. Es gibt insgesamt 12 Dan-Grade, wobei der 12. Dan nur sehr selten verliehen wird.

Die Gürtelfarben für die Dan-Grade sind:

  • 1. bis 5. Dan: schwarz
  • 6. bis 8. Dan: rot-weiß
  • 9. bis 11. Dan: rot
  • 12. Dan: weiß

Prinzipien des Judo

Im Judo gibt es einige grundlegende Prinzipien, die bei allen Techniken berücksichtigt werden sollten:

  • Kuzushi: Brechung des Gleichgewichts des Gegners
  • Tsukuri: Anpassen der eigenen Körperhaltung an das gebrochene oder gestörte gegnerische Gleichgewicht zur Wurfvorbereitung
  • Kake: Wurfausführung

Durch die Zusammenarbeit von Geist und Körper soll mit möglichst geringem Aufwand eine größtmögliche Wirkung erzielt werden. Ein wichtiger Aspekt ist die Ausnutzung der Situation und der Kraft des Gegners.

Der Grundsatz des möglichst wirksamen Gebrauchs von Geist und Körper in der Anwendung auf das gesellschaftliche Leben verlangt Ordnung und Harmonie unter den Mitgliedern.