Das Bild, welches die meisten Menschen von Kampfsport haben, ist das eines schnellen, bewegungsintensiven Sportes, der ausschließlich von jungen Athleten betrieben wird. Das ist aber nur ein Teil der Realität. Kampfsportarten gehören nämlich zu den besten Möglichkeiten, auch im hohen Alter noch fit und beweglich zu bleiben. Und das nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Schließlich fordert Kampfsport den ganzen Menschen - mehr als jede andere Sportart.
Gebrechlich, hilflos und schwach: So sehen viele Menschen Senioren. Doch die Zahl der agilen älteren Menschen wächst. Immer mehr Senioren betreiben oder beginnen mit Kampfsport / Selbstverteidigung - und profitieren davon.
Warum Kampfsport für Senioren geeignet ist
Man kann in jedem Alter beginnen, eine Kampfsportart zu trainieren. Es geht beim Kampfsport nicht nur darum, die „Athletik“ zu verbessern, sondern auch um die geistige Komponente. Die meisten Kampfsportarten sind asiatischen Ursprungs und zielen darauf ab, den Menschen als Ganzes zu formen, also Körper & Geist. Es werden alle natürlichen Ressourcen trainiert und man lernt, schnell, effektiv und dennoch verantwortungsbewusst zu reagieren.
Vorteile von Kampfsport für Senioren:
- Verbesserung des neuromuskulären Systems: Mit Kampfsport fördern gerade ältere Menschen das komplette neuromuskuläre System vom Kopf bis in die Zehen.
- Positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System: Das regelmäßige Ganzkörpertraining wirkt sich positiv auf die Herz-Kreislauf-Funktionen aus und es verbessert die Reaktionszeit.
- Sturzprophylaxe: Man erreicht mehr Stabilität und schützt sich damit vor Stürzen.
- Gedächtnistraining: Die Forscher führen das auf die komplexen Bewegungsabläufe des Kampfsport-Trainings zurück, die sich der Trainierende merken muss.
- Stimmungsaufhellung: Außerdem stellte das Forscherteam fest, dass die Kampfsport trainierenden Senioren am Ende des Experiments weniger depressiv waren - also einfach bessere Laune hatten! Kampfsport ist also nicht nur gesund, sondern es macht auch noch glücklich!
Im Jahr 2011 wurde durch die Universität Regensburg mit dem Bayerischen Karatebund eine Studie mit Senioren zwischen 67 und 93 Jahren durchgeführt. Die Senioren wurden in 4 Gruppen eingeteilt. Dabei erhielt die erste Gruppe ein rein motorisches Training, die zweite ein rein kognitives Training, die dritte Gruppe absolvierte ein Karate-Training. Eine letzte Gruppe bekam kein Training und diente als Gegenkontrolle zu den anderen drei Gruppen. Die Merkleistung sowie die visuelle Merkfähigkeit verbesserten sich am aller stärksten bei der Karate-Gruppe.
Geeignete Kampfsportarten für Senioren
Generell sind die meisten Kampfsportarten in jedem Alter gut zu erlernen. Kinder haben Vorteile in Sachen Beweglichkeit, Erwachsene haben gute mentale Voraussetzungen, und gerade Senioren bringen eine erfahrene Perspektive mit, zeigen oft einen großen Ehrgeiz und eine Geduld und Beständigkeit, die bei Jüngeren seltener ist.
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Insbesondere Jiu-Jitsu und ATK-Selbstverteidigung (ATK-SV) sind beliebte Kampfsportarten bei Menschen ab 60, da die Techniken sich an der natürlichen menschlichen Beweglicheit orientieren, dadurch leicht neue Bewegungsmuster vermitteln und dabei auch sehr konkret auf Selbstverteidigung eingehen. Auch Karate und Kickboxen bieten sich für einen „Späteinstieg“ an, wobei Karate mehr die komplexe Koordination betont, während Kickboxen einen größeren Schwerpunkt auf Kondition und Kraftausdauer legt.
Weitere geeignete Kampfsportarten:
- Tai Chi und Qigong
- Krav Maga
- Aikido
- Wing Chun
Selbstverteidigung für Senioren:
Ältere Menschen, die sich nach Ansicht von Einbrechern, Straßenräubern und Gewalttätern nicht mehr wehren können. Auf Grund ihres Alter sind sie für diese Übeltäter, willkommene Opfer. Bleibe in heiklen Situationen cool. Unter dem Motto ‘Selbstverteidigung für Senioren statt Geldquelle für Diebe’ gehst du wieder unbeschwert durchs Leben.
Erlernen Senioren einige Selbstverteidigungstricks, punkten sie gegenüber ihren Angreifern mit einem entscheidenden Vorteil. Der Angreifer setzt auf Angst.
Altersgerechtes Training: Worauf man achten sollte
Auf das Alter muss man beim Training von Kampfsportarten trotzdem Rücksicht nehmen. Im höheren Alter steigt nämlich das Risiko einer Verletzung, da Knochen, Bänder und Sehnen im Alter an Elastizität verlieren und Gelenke einen gewissen Verschleiß erlitten haben.
Bestimmte ruckartige Bewegungen und Tritte werden deshalb beim altersgerechten Training vermieden. Ebenso Würfe und Bodenkampf. Stattdessen stehen konzentriert ausgeführte Bewegungen im Vordergrund, die häufig wiederholt werden. Der Schwerpunkt des Trainings liegt auf der Dehnung, der Stärkung & Steuerung der Muskeln, der Koordination, der Konzentration und der Haltung. In die Trainingseinheiten fließen Elemente wie Yoga, Pilates und Sling Training mit Gummibändern (TRX Training) ein.
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Unser Training zielt darauf ab, den Problemen im Alter vorzubeugen. Aber auch, wenn die Probleme im Alter bereits da sind, eignet sich das Training als Therapie- Maßnahme.
Positive Effekte des Kampfsports für Senioren
Positive Effekte des Kampfsports insbesondere für Senioren sind neben der Festigung von Knochen und Bändern auch die Übung von Konzentration und Kombination körperlicher mit mentalen Fertigkeiten.
Das, was Karate mit älteren Menschen macht, geht weit über den Aufbau von Muskulatur, die Schärfung der Sinne und einer Schulung des Gleichgewichtssinns hinaus. Die Psychologinnen Dr. Katharina Dahmen-Zimmer und Prof. Dr. Petra Jansen forschen schon seit einigen Jahren an der Universität Regensburg zu den Auswirkungen von Karate-Training im höheren Alter.
In einer Vergleichsstudie konnten die Wissenschaftlerinnen zeigen, dass DKV-Karate (entsprechend den Regeln des Deutschen Karate Verbandes) im Gegensatz zu einem reinen Bewegungstraining oder einem Gedächtnistraining, depressive Stimmungen abmildern kann. „Ein Faktor, der Karate so enorm nützlich für die seelische Gesundheit macht, ist die erlebte Selbstwirksamkeit“, sagt Dahmen-Zimmer.
Mit Selbstwirksamkeit beschreiben Psychologen ein Erlebnis, bei dem die eigenen Fähigkeiten zum Erfolg geführt haben. Karate kann genau dies bieten: Wer sich auf eine ungewöhnliche Herausforderung einlässt und diese meistert, wird stark in seinem Selbstwertgefühl bekräftigt.
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Selbstverteidigungskurse für ältere Menschen
Dass Angriff nicht immer die beste Verteidigung ist, zeigen modern konzipierte Selbstverteidigungstrainings für Senioren. Viele Trainer setzen bei der Selbstverteidigung für Senioren auf die Stärkung des Selbstwertgefühls älterer Menschen. Ebenso auf einfache Verteidigungstechniken, die älteren Personen nicht mehr so viel Kraft abverlangen. Aufgrund der schwindenden Kraft und Beweglichkeit im Alter.
Infolgedessen erlernen viele Rentner, den Umgang mit speziellen Hilfsmitteln, die wenig körperlichen Kraftaufwand benötigen. Der größte Feind der Senioren ist die Angst. Manche Menschen erstarren regelrecht, wenn sie eine fragwürdige Person in ihrer Nähe entdecken. Deshalb lernen sie in Spezialkursen für Senioren, wie sie ihre Ängste kontrollieren können, um bei Gefahr schnell zu reagieren. Wer moderate Kampfsporttechniken sicher beherrscht, gewinnt an Selbstsicherheit. Alleine durch die Ausstrahlung von Selbstsicherheit verringerst du das Angriffsrisiko um ein Vielfaches. Die erste Hemmschwelle für Gauner und Diebe ist damit bereits gesetzt.
Fallbeispiel: Günter Lenz
Es ist Montagmorgen, 11.15 Uhr. In einer mit Matten ausgelegten Halle haben sich rund 20 Frauen und Männer versammelt. Sie sind barfuß, tragen leichte weiße Hosen und Jacken, um ihre Bäuche haben sie farbige Stoffgürtel gebunden. Viele haben graues Haar. Durch die Oberlichter an einer Wand dringt das helle Licht der Sommersonne, es ist angenehm warm. Eine andere Wand ist komplett verspiegelt, sodass der Raum riesig wirkt.
Bei Günter Lenz ist es nun 17 Jahre her, seit er als Gerichtsvollzieher in Rente ging. Mit seinen 82 Jahren ist der großgewachsene Pensionär hier im Sportstudio Nippon in Berlin-Steglitz kein Einzelfall, die älteste Kämpferin ist stolze 92 Jahre alt.
Im Dojo, wie ein Trainingsraum im Japanischen genannt wird, stehen die Senioren in ihren Kampfanzügen jetzt in vier Reihen vor dem Trainer. Der durchtrainierte Schwarzgurtträger ist in einem Alter, in dem er gut der Enkel von Lenz sein könnte. Im Raum herrscht eine disziplinierte Stille, außer dem Übungsleiter spricht niemand.
Lenz und seine Mitstreiter reagieren mit entsprechenden Schlag- oder Abwehrtechniken. Eine Vielzahl an Techniken mit fremden Namen fragt der Kampfsportmeister hintereinander ab - die Senioren schlagen jedes Mal reflexartig und nahezu synchron mit Fäusten und Handkanten in die Luft. Bei den blitzschnellen Bewegungen von Armen und Beinen kommt eine beträchtliche Energie der Trainierenden zum Vorschein.
Wo finde ich Kurse zur Selbstverteidigung für Senioren?
Aufgrund eines gut funktionierenden Gesundheitssystems und medizinischen Fortschritten erreichen die Menschen heute ein beachtliches Alter. Dies wissen auch Experten für Selbstverteidigung für Senioren und Kampfsport. Es ist bekannt, dass sich ältere Menschen gegen mögliche Angreifer und Gegner absichern möchten. Daher bieten zahlreiche Institutionen ‘Selbstverteidigungskurse für Senioren’ mit verschiedenen Techniken an.
Möglichkeiten zum Finden von Kursen:
- Volkshochschulen
- Spezielle Kampfsportschulen
- Seniorenorganisationen
Hilfsmittel zur Selbstverteidigung
Alternativ oder ergänzend zu den bekannten Selbstverteidigungsarten für Senioren helfen dir Gegenstände des Alltags. Sowie der berühmte Regenschirm oder andere professionell zur Selbstverteidigung hergestellte Produkte. Kubotan oder Tactical Pen (die Kraft in der Spitze)
Die hier genannten Produkte sind zwar frei käuflich. Dennoch handelt es sich um Waffen. Dementsprechend solltest du damit behutsam umgehen. Nutze daher die Produkte zur Selbstverteidigung für Senioren gewissenhaft. Verletze dich nicht versehentlich selbst. Dies gilt vor allem beim Einsatz von Pfefferspray und Tränengasspray. Halte genügend Abstand, indem du mit weit ausgestrecktem Arm auf deinen Angreifer zielst.
Ähnlich ist es beim Elektroschocker. Hier ist Vorsicht geboten. Der Gegner könnte dir dieses Gerät entreißen und gegen dich selbst verwenden.
Und die taktische Taschenlampe? Diese sieht zunächst lediglich aus wie eine größere Taschenlampe und ist auch eine. Der Clou dabei ist ihre extreme Helligkeit. Während eine normale Taschenlampe etwa 1000 Lumen hat, hat diese Taschenlampe 6000 Lumen. Im Ernstfall blendest du deinen Angreifer damit, sodass er für einige Zeit nichts sieht. Genügend Zeit, um diesem bösen Menschen zu entkommen.
Kleiner und handlicher ist der Kubotan oder Tactical Pen. Dieser sieht aus wie ein Kugelschreiber, hat es jedoch in sich. In Deutschland ist er nicht verboten. Er erfordert etwas Geschick und Körperkenntnis. Mit der scharfen verdeckten Spitze kannst du einen Nerv deines Angreifers für einige Zeit lahmlegen.
Tipp: Nutze einen Tactical Pen nur, wenn du genau weißt, wie er funktioniert. Der Kubotan ist schmal und handlich. Er passt in jede Tasche.
Fazit zur Selbstverteidigung für Senioren
Selbstverteidigung für Senioren dient deinem Schutz. Du bist nicht der Angreifer, sondern die Person, die sich im Angriffsfall verteidigt.
Suchst du nach einer Sportart, die dich fit und vital bis ins hohe Alter hält? Dann ist Karate genau das Richtige für dich! Die positiven Auswirkungen von Karate auf die Gesundheit sind wissenschaftlich belegt.
Also, wann ist man zu alt für Karate? Die Antwort lautet: nie.
