Judo, eine japanische Kampfsportart, bedeutet wörtlich übersetzt "sanfter Weg". Der Begründer des Judo ist Professor Dr. Jigoro Kano. Judo wurde durch den Japaner Kanō Jigorō gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Kampfkünsten heraus entwickelt. Vornehmlich nahm er Techniken auf, die dem Prinzip des effizienten Einsatzes von körperlicher und geistiger Kraft entsprachen.
Die Ursprünge und Entwicklung des Judo
Die Wurzeln des Judo reichen bis in die Nara-Zeit (710-784) zurück. In den beiden damaligen Chroniken Japans, dem Kojiki (712) und dem Nihonshoki (720), gibt es Beschreibungen von Ringkämpfen, die mythologischen Ursprungs sind. Seit 717 fanden am Kaiserhof alljährlich Preisringen statt, an denen Ringer aus allen Provinzen teilnahmen. Dieses Ringen wurde Sechie-Zumo genannt.
Mit dem Aufstieg der Kriegerklasse Ende des 12. Jahrhunderts erlebten die Kampfkünste einen starken Aufschwung. Im Japan der Ashikaga-Epoche (1136-1568) entwickelten sich die unterschiedlichsten waffenlosen Nahkampfysteme. In der Mitte des 16. Jahrhunderts führten die Portugiesen die Schusswaffen in Japan ein und die Kriegskünste verloren auf dem Schlachtfeld an Bedeutung.
Für das Prinzip des Nachgebens Ju in der Kampfkunst gibt es verschiedene Einflüsse, Erklärungen, Legenden und Anekdoten: Im Konjaku-Monogatari findet man zum erstenmal den Begriff yawara (weich) im Zusammenhang mit einer Geschichte über das japanische Ringen. Über die Entstehung des Jiu-Jitsu existieren unterschiedliche Berichte, die einen legendenhaften Charakter haben.
Mit dem Ende der Tokugawa-Zeit und der Öffnung Japans kam es auch zu starken Veränderungen in der japanischen Gesellschaft. Durch die Meiji-Reform kam es zu einer Fülle von staatlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Reformen. Die japanischen Künste wurden stark zurückgedrängt alles „westliche“ hatte Vorrang.
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Jigoro Kano (1860-1938) wuchs in diesem Japan der extremen Veränderungen auf. 1882 gründete Jigoro Kano seine eigene Schule, den Kodokan („Ort zum Studium des Weges“) in der Nähe des Eisho-Tempels im Stadtteil Shitaya in Tokio. Er nannte seine Kunst Judo - „der sanfte Weg“.
Beim Judo befreite er die alten Jiu-Jitsu-Stile von gefährlichen Elementen. Stöße, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken, insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen oder in die Kata integriert. Judo setzte sich in Japan allerdings erst durch, als die Schüler Kanos (zuvor Jiu-Jitsu Praktizierende) im Jahre 1886 einen regulären Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen Jiu-Jitsu-Schule „Ryoi-Shinto Ryu“ für sich entscheiden konnten.
Aufgrund dieses Erfolges verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt. 1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Kiel. Die Gäste führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II. war begeistert und ließ seine Kadetten in der neuen Kampfkunst unterrichten.
Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn, der im Jahre 1906 die erste deutsche Jiu-Jitsu-Schule gründete. Weitere Pioniere im Judo sind Alfred Rhode und Heinrich Frantzen (Köln). 1926 fanden in Köln im Rahmen der 2. Deutschen Kampfspiele die ersten Deutschen Judo (Jiu-Jitsu)-Meisterschaften statt.
1932 wurde im Frankfurter Waldstadion die erste internationale Judo-Sommerschule durchgeführt. Anlässlich der Judo-Sommerschule wurde am 11. August 1932 der Deutsche Judo-Ring gegründet. Erster Vorsitzender wurde Alfred Rhode. Der Begriff Judo setzt sich, wie schon im restlichen Europa, auch in Deutschland durch.
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Im August 1933 wurde Judo von den Nationalsozialisten in das Fachamt Schwerathletik des Deutschen Reichsbundes eingegliedert und verlor damit seine Eigenständigkeit. Die letzten Deutschen Meisterschaften in der NS-Zeit fanden 1941 in Essen statt. Nach dem 2.Weltkrieg war Judo bis 1948 durch die Alliierten verboten.
1951 fanden in Frankfurt die ersten Deutschen Meisterschaften nach dem 2.Weltkrieg wieder statt. 1952 wurde das Deutsche Dan-Kollegium (DDK) (Vorsitz: Alfred Rhode) und 1953 der Deutsche Judobund (Vorsitz: Heinrich Frantzen) gegründet. Bei den Olympischen Spielen in Tokio, 1964, war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen.
Die Philosophie und Werte des Judo
Als japanische Kampfsportart bietet Judo ein reichliches Repertoire an zu erlernenden geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Die deutsche Übersetzung des Wortes Judo bedeutet "Sanfter Weg". Diesen Weg beschreitet man nicht alleine, sondern immer gemeinsam in der Gruppe und mit vielen unterschiedlichen Trainingspartner. Von Anfang an werden die eigene Körperwahrnehmung, Koordination, Durchhaltevermögen und der Wille über sich hinauszuwachsen gefördert.
Im Gegensatz zu manch anderen Sportarten werden im Training Werte vermittelt die man nach einiger Zeit auch von der Matte in den Alltag trägt. Die sogenannten Judo-Werte behandeln unter anderem Höflichkeit, Mut, Wertschätzung, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung.
Die Judo-Ausrüstung und Graduierung
Traditionell tragen Judoka eine knöchellange weiße Baumwollhose (Zubon) und darüber eine halblange weiße Jacke (Uwagi) aus Baumwolle, die durch einen farbigen Gürtel (Obi) zusammengehalten wird (Judo-Gi). Um in Wettkämpfen die beiden Kontrahenten besser unterscheiden zu können, trägt bei internationalen Meisterschaften ein Judoka einen blauen Judogi. Ist dies nicht möglich, werden die Kämpfer durch einen zusätzlichen roten bzw. weißen Gürtel unterschieden.
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An der Gürtelfarbe kann man den Ausbildungsstand eines Judoka erkennen. Es gibt die Schüler- und Meistergrade. Der Prüfling demonstriert dabei Fallübungen, Stand- und Bodentechniken, die nach Höhe der Graduierung immer schwieriger werden. Seit dem 1. August 2005 gilt in Deutschland die einheitliche Kyuprüfungsordnung des DJB, nach der zusätzlich in jeder Gürtelprüfung ab dem 3. Kyu (grüner Gürtel) eine Kata vorgeführt werden muss, d. h., eine genau vorgeschriebene Abfolge von Bewegungsformen und Techniken.
Die Gürtelfarben im Judo
Die Gürtelfarben im Judo symbolisieren den Fortschritt und die Erfahrung des Judoka. Hier ist eine Übersicht der Schülergrade (Kyu) und Meistergrade (Dan):
| Grad | Gürtelfarbe |
|---|---|
| 9. Kyu | Weiß |
| 8. Kyu | Weiß-Gelb |
| 7. Kyu | Gelb |
| 6. Kyu | Gelb-Orange |
| 5. Kyu | Orange |
| 4. Kyu | Orange-Grün |
| 3. Kyu | Grün |
| 2. Kyu | Blau |
| 1. Kyu | Braun |
| 1. Dan | Schwarz |
Gürtel oberhalb des 5. Dan (Großmeistergürtel) können nicht durch Ablegen einer Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen. Auch der 2. bis 5. Dan-Grad kann verliehen werden, wohingegen für das Erlangen des 1. Dans in jedem Fall eine Prüfung abgelegt werden muss.
Die Techniken im Judo
Der Schwerpunkt des modernen Judosports liegt in der sportlichen Ertüchtigung und nicht unbedingt in der Selbstverteidigung. Wurftechniken werden angewandt, um den Partner vom Stand in die Bodenlage zu bringen. Um sich bei den Würfen nicht zu verletzen, müssen alle Judoka Falltechniken erlernen.
Falltechniken (Ukemi)
Dabei werden Techniken geübt, so zu fallen, dass man sich dabei nicht verletzt. Das Fallen wird nach allen Seiten trainiert: Seitwärts (Yoko-ukemi; nach rechts und links), rückwärts (Ushiro-ukemi) und nach vorn (Mae-ukemi). Die Falltechnik vorwärts ist auch als „Judorolle“ bekannt.
Festhaltetechniken (Osae-komi-waza)
Mit Haltetechniken wird der geworfene Partner in der Rückenlage am Boden fixiert. Man teilt die Haltetechniken in vier Gruppen ein: Kesa-gatame, Yoko-shiho-gatame, Kami-shiho-gatame und Tate-shiho-gatame. Jede Gruppe besteht aus einer Grundtechnik, welche durch zahlreiche Abarten ergänzt wird.
Hebeltechniken (Kansetsu-waza)
Hebeltechniken werden im Judo nur auf den Ellenbogen angewandt, wobei kontrollierter Druck auf das Gelenk aufgebracht und der Partner zugleich fixiert wird. Die Bewegung entgegen der anatomisch vorgesehenen Bewegungsrichtung führt zu einem stechenden Schmerz, welcher den Partner zur Aufgabe zwingt.
Würgetechniken (Shime-waza)
Bei den so genannten „Würgern“ wird mit speziellen Techniken mit den Händen oder den Unterarmen Druck auf die seitlich des Kehlkopfes verlaufende Halsschlagader ausgeübt. Durch die daraus resultierende Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff entsteht beim Gewürgten der Eindruck, zu wenig Luft zu bekommen. Auch hier wird durch Abschlagen aufgegeben.
Wettkampfregeln und Wertungen
Judo ist eine Zweikampf-Sportart. Ziel ist es, den Gegner durch Anwenden einer Technik mit Kraft und Schnelligkeit kontrolliert auf den Rücken zu werfen. Gelingt dies, so ist der Kampf gewonnen, wie ein KO beim Boxen. Dabei ist es meist unerheblich, wie geworfen wurde und welche Technik verwendet wurde, solange der Werfende den Geworfenen dabei deutlich kontrolliert und keinen Regelverstoß begeht.
Tatsächlich haben auch einige Techniken anderer Kampfsportarten im Wettkampfjudo ihren Einzug gehalten. Als grober Anhaltspunkt: Je besser der Gegner auf den Rücken fällt, umso bessere Wertungen erhält man. So kann der Kampf, nach Ende der Kampfzeit (4 Min. im Erwachsenenbereich, zwischen 2 und 3 Minuten im Kinder- und Jugendsport), auch nach Wertungen oder durch Kampfrichterentscheid entschieden werden.
Es gibt drei verschiedene Wertungen, welche alle unabhängig voneinander vergeben werden können. Die höchste Wertung, die vergeben werden kann, ist der Ippon. Erhält ein Kämpfer diesen, ist der Kampf sofort beendet. Die nächst niedrige Wertung ist der Waza-ari, zwei Waza-ari werden zu einem Ippon addiert. Die niedrigste Wertung ist der Yuko. Eine Addition zur nächst höheren Wertung ist hier nicht möglich.
Japanische Begriffe im Judo
Judo wurde ursprünglich in Japan entwickelt und fand seinen Weg erst später nach Europa, daher werden die Judo Begriffe bis heute japanisch gesprochen. Auch die Judo Zeichen auf den Gürteln der Judoka oder am Eingang des Dojos sind japanisch und wurden im Lauf der Zeit zwar übersetzt, werden aber aus Tradition weiterhin in ihrer originalen Sprache geschrieben.
Es hilft Euch, wenn Ihr die Judo Begriffe aus der Allgemeinen Kategorie schon ein wenig beherrscht, bevor Ihr die Halle das erste Mal betretet, aber kein Trainer wird Euch aus dem Dojo werfen, wenn Ihr einen davon nicht wisst. Generell gilt: Der Wortschatz des Judoka wächst mit seinen körperlichen Fähigkeiten. Lernt also die Grundlagen und der Rest kommt mit der Zeit.
Hier eine Tabelle mit einigen wichtigen japanischen Begriffen und ihrer deutschen Übersetzung:
| Japanisches Wort | Deutsche Übersetzung |
|---|---|
| Hajime | Beginnen |
| Mate | Aufhören/lösen! (Kampfrichterbefehl) |
| Sono-mama | Nicht bewegen! (Kampfrichterbefehl) |
| Yoshi | Weiterkämpfen! |
