Sein Name sorgt noch immer für leuchtende Augen: Dieter Burdenski, auch bekannt als „Budde“. Die Torwart-Legende stand 16 Jahre lang beim SV Werder unter Vertrag. Burdenski ist mit 444 Bundesligaspielen für Werder Bremen Rekordspieler der Hanseaten.
Dieter Burdenski: Vom Talent zur Legende
Als der damals 21-Jährige im Sommer 1972 zum Werder-Kader stieß, hatte er schon kräftig Bundesligaluft geschnuppert - in der Vorsaison als Stammtorhüter bei Arminia Bielefeld. Der Junioren-Nationaltorwart galt als großes Talent, der WESER-KURIER bezeichnete ihn als „einzigen Stareinkauf“ der neuen Spielzeit. Bei seiner Verpflichtung meldete der WESER-KURIER, erstmals könne Werder in der Bundesliga zwei starke Torhüter aufbieten.
Nach monatelangen Verhandlungen konnte am Wochenende endlich der Schlußstrich gezogen werden: Junioren-Nationaltorhüter Dieter Burdenski wird in der nächsten Saison für Werder Bremen spielen. „Wir haben uns mit Arminia Bielefeld über die Ablösesumme geeinigt“, erklärte Geschäftsführer Wolff, über die Höhe des Betrages allerdings wurde von beiden Seiten Stillschweigen bewahrt.
Anfänge und Bundesliga-Skandal
Mit seinem Gang zu Werder kehrte Burdenski an seinen Geburtsort zurück. Sein Vater Herbert, ebenfalls ein begnadeter Fußballspieler, war von 1949 bis 1954 für Werder aufgelaufen und bald darauf in seine Heimatstadt Gelsenkirchen zurückgekehrt. Wie sein alter Herr trug auch Burdenski das Trikot des FC Schalke 04, die Knappen waren von 1969 bis 1971 seine erste Profistation.
Sein Bundesliga-Debüt feierte Burdenski kurz nach seinem 20. Geburtstag am 5. In der gleichen Saison kam „Budde“ bei Schalke noch zu zwei weiteren Einsätzen, beide im April 1971 als Ersatz für den verletzten Stammtorwart Norbert Nigbur. Besonders denkwürdig war die Partie vom 17. April 1971 gegen seinen späteren Verein Arminia Bielefeld, das erste verkaufte Spiel im Rahmen des Bundesliga-Skandals. Burdenski, der erst anderthalb Stunden vor Spielbeginn von seiner Aufstellung erfahren hatte, war nicht eingeweiht und hielt mit mehreren Glanzparaden sein Tor sauber.
Lesen Sie auch: Die Transformation des Tim Wiese
Funktionäre von Bielefeld und Kickers Offenbach hatten im Abstiegskampf versucht, ihrem Glück mit Schmiergeldzahlungen auf die Sprünge zu helfen. Auch Burdenski nahm nach dem Bielefeld-Spiel 2300 DM an. „Die Summe war einfach enorm hoch, auch gemessen an unserem damaligen Verdienst“, erklärte er rückblickend. Im Mai 1972 legte der Keeper ein Geständnis ab.
Zu dieser Zeit stand Burdenski noch bei Bielefeld im Tor. Weil er bei Schalke hinter Nigbur keine Perspektive gesehen hatte, war er im Sommer 1971 auf die Alm gewechselt. Natürlich ohne zu ahnen, dass dem Skandalverein im Oktober 1971 die Verurteilung zum Zwangsabstieg blühte. Zwar absolvierte die Mannschaft ihre Partien, spielte aber außer Konkurrenz. Kein Wunder, dass sich Burdenski beizeiten nach einem neuen Verein umsah. Mehrere Bundesligisten pokerten um ihn, Werder machte schließlich das Rennen.
Schwieriger Start in Bremen
Einiges deutete auf eine Wachablösung bereits zum Saisonstart hin. Schon in der Vorbereitung ließ Burdenski aufhorchen. Da fiel es nicht weiter ins Gewicht, dass ihm eine Neigung zu Showeinlagen nachgesagt wurde. Nicht mehr unangefochten war Bernard, Torwart der Meisterelf von 1965, der sich in der enttäuschenden Saison 1971/72 einige Patzer geleistet hatte. Gleichwohl wollte Bernard seinen Posten nicht kampflos räumen.
Mitten in der Saisonvorbereitung dann der Schock, als sich Burdenski im August 1972 beim Training das Wadenbein brach. Damit war plötzlich Bernard wieder die erste Wahl. Und der in die Kritik geratene Meistertorwart nutzte seine Chance so gut, dass Burdenski auch nach seiner Genesung vorerst die Ersatzbank drücken musste. „Bernard ist im Augenblick am Zug, es gibt keinen Grund zur Änderung“, sagte Werder-Trainer Sepp Piontek. Danach verschwand „Budde“ sogar ganz aus der Aufstellung, weil im Februar 1973 seine Sperre einsetzte. Eine Woche vor ihrem Ablauf bewilligte der DFB ein Gnadengesuch des SV Werder, sodass Burdenski gegen Saisonende noch zu vier Einsätzen kam.
Durchbruch und Erfolge
„Reaktionsschnell auf der Linie, eindrucksvoll faustend“, urteilte der WESER-KURIER über sein erstes Spiel für den SV Werder bei Hannover 96 am 19. So richtig in Fahrt kam seine Karriere dann in der Folgesaison 1973/74. Der junge Schlussmann absolvierte sämtliche Spiele, seine Leistungen fanden allgemeine Anerkennung. „Burdenski - der Held des Tages“, jubelte der WESER-KURIER im September 1973 nach dem 2:2 beim amtierenden Meister FC Bayern München.
Lesen Sie auch: Gesellschaftliche Aspekte des Kampfsports in Werder
Bernards Vertrag war noch mal um ein Jahr verlängert worden, zum Saisonende 1974 beendete er seine Profikarriere und spielte zwei weitere Jahre für den ambitionierten Amateurclub SV Atlas Delmenhorst. Burdenski absolvierte bis zu seinem Karriereende 1988 exakt 444 Bundesliga-Spiele für den SV Werder, insgesamt kam er im deutschen Fußball-Oberhaus auf 478 Einsätze.
Kuriositäten am Rande
Noch zwei Kuriositäten: Auf frühen Fotos ist der Ehrenspielführer des SV Werder mit bloßen Händen im Kasten zu sehen. „Es war damals normal, ohne Torwarthandschuhe zu spielen“, sagt er. Die ersten drei Jahre seiner Profilaufbahn blieb es auch dabei. Das änderte sich erst ab 1973, als die Torwartkollegen Sepp Maier und der kürzlich verstorbene Wolfgang Fahrian die ersten serienmäßig produzierten Torwarthandschuhe in den Handel brachten.
Einen gewissen Unterhaltungswert hat auch, dass Burdenski in seinem dritten Bundesligaspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am 30. April 1971 ein Elfmetertor ausgerechnet von Otto Rehhagel hinnehmen musste, seinem späteren Trainer.
Weitere Torwart-Legenden von Werder Bremen
- Günter Bernard: Torwart der Meisterelf von 1965.
- Oliver Reck: War von 1985 bis 1998 Bremens großer Rückhalt.
Lesen Sie auch: Dein Kickbox-Verein in Werder (Havel)
