Tim Wiese: Vom Bundesliga-Torwart zum Wrestling-Star

Tim Wiese, einst eine der großen Torhüter-Hoffnungen des Landes, hat einen ungewöhnlichen Karriereweg eingeschlagen. Der gebürtige Bergisch Gladbacher startete seine Profilaufbahn bei SC Fortuna Köln und erlebte die Höhepunkte seiner Karriere als Profi-Fußballer in den Jahren 2006 bis 2010. Zu dieser Zeit spielte Tim Wiese beim Bundesligisten SV Werder Bremen. Mit dem Verein aus dem Norden gewann er 2009 den DFB-Pokal und zog im gleichen Jahr ins Finale des UEFA-Cups ein, wo Tim Wieses Team gegen den ukrainischen Verein Schachtar Donezk verlor. Ab der Saison 2011/12 stand Tim Wiese bei Bundesligisten TSG Hoffenheim unter Vertrag.

Dort wurde der zeitweise hoch gehandelte Leistungssportler allerdings mit der Zeit auf die Ersatzbank verdrängt, später sogar zur undankbaren Nummer drei degradiert. Daraufhin kam es im Januar 2014 zur Auflösung seines Vertrags, der allerdings noch bis Sommer 2016 gültig war. Hoffenheim wollte sich die „Option erhalten“. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte Wiese sechs Länderspiele, von denen allerdings kein einziges gewonnen werden konnte. Bei der WM 2010 war Wiese der einzige Spieler im Kader, der zu keinem Einsatz kam.

In die Boulevard-Medien gelang Tim Wiese vor allem dadurch, dass er sich zwischen 2012 und 2014 einen massigen Bodybuilder-Körper antrainierte. Die Aufmerksamkeit genoss er und ließ sich zum Beispiel von Reportern der BILD-Zeitung beim Training im Fitnessstudio begleiten. Sein auffälliges neues Äußeres sorgte dafür, dass ihm der deutsche Ableger von World Wrestling Entertainment (WWE) die Teilnahme an offiziellen Kämpfen anbot.

Der Wechsel zum Wrestling

Seit Sommer 2016 kann Wiese sich auch offiziell als ehemaligen Fußballspieler betrachten. Im November gewann er unter dem Kampfnamen "The Machine" seinen ersten öffentlichen Fight als Wrestler für die World Wrestling Entertainment (WWE).Tim Wiese ist seit 2010 mit seiner langjährigen Partnerin Grit Freiberg verheiratet. Er ist Vater einer Tochter.

Wiese kämpft für das Unternehmen WWE, das steht für World Wrestling Entertainment. Dessen Umsatz bewegt sich im hohen dreistelligen Millionenbereich, vor allem in den USA ist das Unternehmen mit Wrestling erfolgreich. WWE will die Geschäfte auch auf Europa ausweiten, dafür sei Tim Wiese mit seinem Kampfnamen "The Machine", auch wegen seiner Bekanntheit, gut geeignet.

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Um im Wrestling-Ring mitzuhalten, musste Wiese Gewicht zulegen. Deshalb hat eine Zeit lang jeden Tag einen Kilogramm Bisonfleisch gegessen, sagt er.

Früher fing er Bälle, jetzt rammt er Gegner aus drei Metern Höhe auf den Ringboden: Tim Wiese hat sein Debüt als Wrestler gefeiert. Die Muskeln, die Tim Wiese jetzt hat, hätte er als Torwart nicht geschenkt haben wollen. Nun hat er überall Muskeln, einen Stiernacken, der im normalen Leben zu nichts zu gebrauchen ist.

Erster Auftritt und Reaktionen

Beim WWE-Event in Frankfurt hatte er einen großen Auftritt und wurde gefeiert. Auftritt Muskelprotz: Tim Wiese stahl am Samstagabend beim Wrestling-Event der WWE den Profis die Show. Der ehemalige Torwart hat ein Angebot des Verbandes vorliegen und war als Ehrengast zur Veranstaltung nach Frankfurt/M. eingeladen worden.

Schon bei seinem ersten Auftritt wurde er von den Wrestling-Fans gefeiert, obwohl er nur nach der Show mit den Siegern im Ring feierte, ohne einen Kampf bestritten zu haben. Nach einwöchigem Wrestling-Training in Orlando hatte er als "The Machine" im November 2016 seinen ersten Battle in der Münchner Olympiahalle. Es sollte sein einziger bleiben.

Tim Wiese sagte vor seinem Wrestling-Debüt: "Es gibt nur ein Ziel: Zerstörung. Ich will Gas geben und freue mich darauf."

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Das Scheitern einer Wrestling-Karriere

Für eine professionelle Karriere im Wrestling hätte Wiese drei Jahre lang zum Training und Profiling in die USA ziehen müssen - und das war für ihn "keine Option".

Wiese: "Die Amis wollten, dass ich für drei Jahre in die USA komme. Das war für mich keine Option. Was in der Hinsicht passiert - lasst euch mal überraschen!" Die Ring-Abstinenz seit November 2016 zeigt Spuren, "The Machine" hat bereits eine Menge antrainierter Muskelmasse wieder verloren: "Ich hatte 130 Kilo, jetzt nur noch 110. Mit 130 Kilo durch die Gegend zu laufen, ist auch schwer. Das Abnehmen ging schnell, ich hab einfach die Kohlenhydrate weggelassen."

Tim Wiese spricht im SPORT1-Interview erstmals über die wahren Gründe für sein Aus bei WWE. Der frühere Fußball-Nationaltorwart hat aber schon neue Pläne im Kopf. Nach seinem Karriereende als Fußball-Torwart wollte Tim Wiese als Wrestler durchstarten. Am 3. November 2016 trat er unter dem Kampfnamen "The Machine" im Rahmen einer WWE-Deutschland-Tour in einem Schaukampf in München auf.

Im SPORT1-Interview spricht Wiese nun über sein Wrestling-Aus und neue Zukunftspläne: "Mein Auftritt bei WWE war für die Fans, für mich und auch für WWE ein großartiger Erfolg. Für mich, der als kleiner Junge schon Wrestling-Fan war, plötzlich ins Trainingszentrum von WWE nach Orlando eingeladen zu werden, um dort mit Trainerlegenden wie Robbie Brookside oder Matt Bloom arbeiten zu können, war etwas ganz Besonderes."

Wiese erklärte, dass die WWE ursprünglich plante, mit lokalen Helden in Deutschland zu arbeiten. Ihm wurde ein Auftaktmatch angeboten, und je nach Erfolg, eine regelmäßige Deutschland-Tour. Ein Umzug in die USA kam für ihn jedoch nicht in Frage, da seine Familie in Bremen lebt. Trotzdem erhielt er später das Angebot, eine mehrjährige Ausbildung in Orlando zu absolvieren. Da dies im Widerspruch zu den vorherigen Absprachen stand, lehnte Wiese ab.

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Wiese: "Die WWE in Deutschland ist für mich Amateur-Liga und die WWE in den USA verhält sich so wie ihr Präsident (Donald Trump, Anm. d. Red.). Von all dem sind die Athleten ausgenommen. Die sind definitiv Profis und haben meinen vollen Respekt."

Weitere Projekte und Kontroversen

Nach dem Ende seiner Wrestling-Karriere widmete sich Tim Wiese verschiedenen Projekten. Er trat in TV-Shows auf, unterstützte Startups und äußerte sich kritisch über die Fußballwelt.

Es gibt immer wieder interessante Projekte aus dem Bereich Werbung und TV. Außerdem werde ich mich zukünftig wieder intensiver mit Fußball beschäftigen. Diese ganzen Pseudo-Experten mit ihren auswendig gelernten Fremdwörtern und ihrem intellektuellen Möchtegern-Getue nerven mich total. Es wird Zeit, dass nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes Klartext gesprochen wird. Was die Wenigsten jedoch wissen, ist, dass ich auch unternehmerisch tätig bin und den einen oder anderen Startup unterstütze.

Allerdings gab es auch Kontroversen. Werder Bremen distanzierte sich von Wiese, nachdem Fotos von ihm mit mutmaßlichen Neonazis aufgetaucht waren. Zudem wurde ihm vorgeworfen, eine Kellnerin rassistisch beleidigt zu haben, was zu einem Stadionverbot führte.

Werder Bremen hat sich von Ex-Keeper Tim Wiese distanziert, nachdem Fotos des 40-Jährigen mit mutmaßlichen Neonazis in den sozialen Medien aufgetaucht waren.

Wiese soll bei einem Bundesliga-Spiel im März 2023 eine Kellnerin rassistisch beleidigt haben. Außerdem soll es in der VIP-Loge, in der er gesessen hat, zu rassistischen Witzen gekommen sein. Wiese bestreitet beide Vorwürfe.

Karriere-Highlights im Überblick

Stationen Erfolge
SV Werder Bremen DFB-Pokal 2009
World Wrestling Entertainment (WWE) Debüt als Wrestler "The Machine" 2016