Muay Thai: Was ist das? Geschichte, Regeln und Techniken

Muay Thai, auch bekannt als Thaiboxen, ist der Nationalsport und die kulturelle Kampfkunst Thailands. Im Westen ist das Muay-Thai bekannt unter dem Begriff Thaiboxen. Thailand heißt wörtlich übersetzt „freies Land“. Diese Bezeichnung kommt aus der Geschichte Thailands: Die Thais befanden sich früher ständig im Krieg mit ihren Nachbarvölker, gegen die sie sich zur Wehr setzen mussten.

Geschichte des Muay Thai

Die Geschichte des thailändischen Boxkampfes ist mit der Völkerwanderung des Stammes Thai, etwa im 12. und 13. Jahrhundert, in das heutige Staatsgebiet Thailand gekommen. Generationen von Soldaten nutzten die traditionelle Kampfkunst Muay-Thai im Kampf gegen ihre Nachbarn, zur Erhaltung der Freiheit Thailands. Über 2000 Jahre haben die thailändischen Kämpfer allen Versuchen Thailand zu erobern durch ihre enorme Kampffähigkeit wiederstehen können.

Die Wurzeln des modernen Muay Thai liegen im Muay Boran, welches auf den Schlachtfeldern Thailands im reinen Kampf ums Überleben entwickelt wurde und von Generation zu Generation weitergeben wurde. Bekannt sind unter anderem die Lehren der „Mae Mai“, „Look Mai“ und „Mai Kret“ Techniken die eine kunstvolle Wissenschaft darstellen.

Ein Großteil der Geschichte des Muay Thai ging verloren, als die Burmesen im 14. Jahrhundert Ayudhaya, die Hauptstadt von Siam (Thailand), ausraubten. Die Burmesen plünderten die Tempel und Wissens-Schätze der Hauptstadt und die meiste schriftliche Geschichte ging in dieser Zeit verloren. Das Muay Thai entwickelte sich aus regulären Kampfkünsten.

Im Jahr 1238 wurde in der nördlichen Stadt Sukhothai, der Hauptstadt Siams, die erste thailändische Armee gegründet. Aus den historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass die Notwendigkeit, die Hauptstadt zu verteidigen, durch die vielen Kriege zwischen benachbarten Stämmen und Königreichen entstanden war. Die siamesische Armee wurde gegründet, um die Regierung und die Einwohner der Stadt und der umliegenden Dörfer zu schützen. Die Soldaten wurden im Nahkampf und im Umgang mit Waffen unterrichtet und lernten, den ganzen Körper als Waffe zu gebrauchen. Das Erlernen der militärischen Künste oder „Muay Thai“ wurde in der Kultur der frühen Siamesen verankert.

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Als Naresuan neun Jahre alt war, wurde er nach dem ersten Fall von Ayutthaya an die Birmanen als Geisel nach Birma gebracht, was dazu führte, dass die Eroberer Naresuans Vater, Maha Thammaraja, als neuen König von Siam einsetzten. Sechs Jahre später durfte der siamesische Prinz in seine Heimat zurückkehren, allerdings erst, nachdem er einen Boxkampf gegen einen bekannten burmesischen Faustkämpfer gewonnen hatte, was eine Vorbedingung des burmesischen Herrschers für seine Freilassung war. Später erklärte Naresuan die Unabhängigkeit Siams von Birma und konnte mit seinen kämpferischen Fähigkeiten eine weitere Invasion aus Birma zurückschlagen und den Kronprinzen des Feindes in der entscheidenden Schlacht töten.

In dieser Ära wurde Muay Thai zum Nationalsport und es entwickelten sich die grundlegenden Traditionen, die in den nächsten 400 Jahren beibehalten werden sollten. Im Jahre 1767 eroberten die Birmanen erneut Ayutthaya und brannten die Stadt bis auf die Grundmauern nieder. Dabei fielen die archivierten Aufzeichnungen über das Thaiboxen und die thailändische Geschichte fast vollständig den Flammen zum Opfer, weshalb sich die geschichtliche Entwicklung des Thaiboxens schwer rekonstruieren lässt.

Zur Zeit der Herrschaft von Rama I. war Muay Thai zu einer nationalen Kampfkunst geworden, und es wurden Regeln und Vorschriften eingeführt. Der Sport wurde zu einem festen Bestandteil von Feiern und Festen im ganzen Land.

König Rama V. erkannte den Wert des Muay Thai und tat viel, um den Sport von den späten 1880er Jahren bis zur Jahrhundertwende zu fördern. Oft erhielten die besten Kämpfer der königlichen Muay Thai Zentren persönliche Einladungen des Königs, um bei Turnieren, Festivals und wichtigen internationalen Veranstaltungen zu kämpfen.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Rama VI (1910-1925) ging noch einen Schritt weiter, indem er den Bürgern erlaubte, ihre eigenen Boxlager, Boxringe und Boxwettbewerbe zu betreiben. Der erste moderne Boxring wurde auf dem Fußballplatz des Wang Suan Kulap oder Rose Garden Palace in Bangkok errichtet. Es handelte sich um einen erhöhten quadratischen Raum, der mit Seilen umschlossen war und in dem zwei Schiedsrichter die Kämpfe leiteten, einer in der blauen und der andere in der roten Ecke.

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Muay Thai wurde während des Ersten Weltkriegs in Europa und dem Rest der Welt eingeführt. Thailändische Soldaten waren in Frankreich stationiert, und der Kommandeur organisierte Muay Thai-Kämpfe, um die Moral der Soldaten zu stärken.

Das erste permanente Boxstadion wurde nach dem Krieg in der Suan-Khoolab-Schule gebaut. Da es damals noch keine modernen Handschuhe gab, wurden die Hände der Kämpfer in Baumwolle und Hanf eingewickelt.

Das erste permanente Boxstadion in Bangkok wurde an der Rachadamnoen Nok Road gebaut und im Dezember 1945 eröffnet. Ein halbes Jahrhundert später ist das Ratchadamnoen Boxing Stadium immer noch eines der beiden großen Stadien in der Hauptstadt, in denen regelmäßig thailändische und internationale Boxkämpfe ausgetragen werden. Das andere ist das Lumpini Boxing Stadium in der Nähe des Lumphini Parks.

Muay Thai heute

Muay Thai ist traditionelle Kampfkunst. Diejenigen, die den Weg des traditionellen Kriegers gehen wollen, können die traditionellen Techniken erlernen und haben die Möglichkeit ein Prüfungssystem zu durchlaufen.

Muay Thai ist realistische Selbstverteidigung. Es wurde auf den Schlachtfeldern Thailands, aus der Erfahrung von realen Kämpfen entwickelt und ständig verfeinert. Nur die Techniken konnten bestehen, die sich im realen Kampf als erfolgreich erwiesen. Im Muay-Thai verzichtet man auf Showtechniken und überflüssige Elemente die in der Realität unbrauchbar sind. Das Muay-Thai ist eine Kampfkunst, die alle Elemente des realen Kampfes miteinander kombiniert und dadurch geradezu unglaublich effektiv ist. Im traditionellen Muay Thai, genannt Muay Boran, werden unter anderem auch Techniken verwendet, die in der heutigen Zeit im Wettkampf verboten sind, wie zum Beispiel Armbrecher, Genickhebel, Beinhebel, Würgetechniken und Kopfstöße sowie Techniken am Boden. Muay Thai und Muay Boran ist das offizielle Selbstverteidigungssystem der Royal Thai Army.

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Muay Thai ist ultimativer Wettkampfsport. Heutzutage im modernen Muay Thai gibt es ein feststehendes Regelwerk und wird in Profi Muay Thai und Amateur Muay Thai unterteilt. Im Profi Muay Thai wird ausser den Boxhandschuhen und Ellenbogenschonern (bei A-Klasse Kämpfen ohne Ellenbogenschonern) keine weitere Schutzausrüstung benützt. Im Amateur Muay Thai sind zusätzlich noch Kopfschutz und Schienbeinschoner vorgeschrieben, da bei Amateurturnieren die Kämpfer meist mehrmals am Tag in den Ring steigen müssen. Sowohl im Amateur Muay Thai als auch im Profi Muay Thai werden im Wettkampf alle Faust-, Tritt-, Knie-, Ellenbogen-, und Clinchtechniken eingesetzt. Das Muay Thai ist die realistischste Art zu Kämpfen und gilt ohne Zweifel als eine der härtesten, vielfältigsten und spektakulärsten Kampfsportarten weltweit. Deswegen ist Muay Thai sowohl für Zuschauer als auch für Kämpfer besonders attraktiv.

Amateur Muay Thai

Im Amateur Muay Thai gibt es die Möglichkeit Newcomerturniere, Ranglistenturniere sowie Landesmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften und Europameisterschaften zu bestreiten. Alle zwei Jahre findet in Thailand die offizielle Weltmeisterschaft im Amateur Muay Thai statt. In Thailand und in vielen anderen Nationen auch, ist das Amateur Muay Thai bereits vom Nationalen Olympischen Komitee anerkannt. Ausserdem wurde die Sportart Muay Thai im April 2006 von der GAISF aufgenommen, was als Vorstufe zur Olympischen Anerkennung gilt. Somit ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis diese faszinierende Kampfsportart weltweit vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt wird.

Profi Muay Thai

Im Profi Muay Thai besteht die Möglichkeit im In- und Ausland auf Muay Thai Galas zu kämpfen. In Thailand finden jeden Tag, also sieben mal in der Woche, in vielen verschiedenen Stadien, Profi-Kämpfe statt, die auch vom thailändischen Fernsehen übertragen werden und die thailändischen Profi Thai-Boxer werden dort verehrt wie bei uns Fußball- oder Popstars. Professionelle Thai-Box Camps gibt es in Thailand so viele, wie bei uns Fußballplätze. Alleine in Bangkok, der Hauptstadt Thailands, gibt es über 200 Profi-Camps in denen nur Berufsthaiboxer trainieren die mit Muay-Thai ihr Lebensunterhalt verdienen.

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Gibt es einen Unterschied zwischen Muay Thai und Thaiboxen?

Muay Thai und Thaiboxen ist das gleiche. Es handelt sich dabei nur um verschiedene Bezeichnungen für ein und die selbe Kampfkunst. Muay Thai ist die thailändische Bezeichnung und heisst auf Deutsch übersetzt Thaiboxen. Die englische Bezeichnung für Muay Thai ist Thaiboxing.

Der Unterschied zwischen Thaiboxen und Kickboxen

Muay Thai wird von Aussenstehenden oft mit dem Kickboxen verwechselt. Dabei handelt es sich beim Kickboxen um eine deutlich reduzierte Form des Muay Thai: Während beim Kickboxen nur Faustschläge und Tritte erlaubt sind, umfasst das Muay Thai noch zusätzlich eine ganze Vielfalt von (sehr effektiven) Stößen und Schlägen mit Ellenbogen und Knien. Einzigartig ist beim Muay Thai auch das so genannte Clinchen. Im Nahkampf, dem Clinch, ist das Festhalten des Gegners (auch beim Schlagen, Treten oder beim Einsatz von Knie- oder Ellenbogentechniken) ausdrücklich erlaubt. Weiter fehlen dem Kickboxen traditionelle Elemente des Muay Thai wie beispielsweise der Whai Kru, das traditionelle Ritual vor dem eigentlichen Kampf, in dem der Kämpfer seinem Trainer und seiner Schule Respekt zollt. Kickboxen könnte man also als eine stark beschnittene Art des Muay Thai bezeichnen.

Muay Thai Style

Muay Thai ist der Nationalsport Thailands und ein Vollkontaktsport. Es wird auch als „Kunst der acht Gliedmaßen“ bzw. „Kunst der acht Grundwaffen“ bezeichnet, da es acht verschiedene Körperteile gibt, die eingesetzt werden: Fäuste, Ellenbogen, Knie und Kicks mit den Beinen.

Charakteristisch für Thaiboxen sind vor allem die Ellenbogen, die Knietechniken, die Kicks mit dem Schienbein (auf Oberschenkel, Rippen oder gegen den Kopf) und das Clinchen. Das Clinchen ist so nah, dass nur noch Ellenbogen und Kniestöße eingesetzt werden und sich die Thaiboxer*innen auf den Boden werfen dürfen. Knie zum Kopf sind in Deutschland nicht erlaubt.

Trainiert wird barfuß und mit Boxhandschuhen, teilweise auch mit weiterem Schutz. Es gibt im Thaiboxen nur eine Grundstellung, die für Links- und Rechtshänder*innen jeweils seitenverkehrt ist. Die Stellungsbreite der Beine ist circa schulterbreit und die*der Thaiboxer*in bewegt sich auf den Fußballen fort. Beim Laufen bleibt die*der Thaiboxer*in im Prinzip in dieser Stellung und überkreuzt die Beine nicht. Die Hände werden in Höhe des Gesichts bereit gehalten, um sich jederzeit decken oder angreifen zu können.

Alle Tritte, Schläge und die Abwehr werden mit der Atmung verbunden und sind mit einer Körper- bzw. Hüftdrehung verbunden, aus welcher der Impuls für die jeweilige Technik kommt. So ist es möglich, die Kraft des ganzen Körpers in den Schlag / Tritt zu legen. Es ist wichtig, zuerst die korrekte Ausführung der Bewegungen zu erlernen. Erst wenn diese Technik richtig angewendet werden kann, werden Kraft und Geschwindigkeit eingesetzt. Dementsprechend besteht das Training für Anfänger*innen in Thailand zunächst aus Sandsack-Training bevor mit Partner*innen trainiert wird.

Im Muay Thai werden Fähigkeiten wie genaue Bewegungen, exakte Ausführung, Schnelligkeit, Reflexe, Reaktionsvermögen, Umstellungsvermögen, Koordination, Gleichgewicht, Ausdauer, Kraftausdauer, Beweglichkeit, Rhythmus, Entscheidungswillen, Umgang mit Angst, Umgang mit Schmerz und der richtige Einsatz der Atmung geschult.

Wettkämpfe

Thaiboxen als Wettkampfsport hat insbesondere ab 1921 an Bedeutung gewonnen, als unter König Rama VI das erste Stadium gebaut wurde. Die Kämpfenden trugen lediglich Bandagen, ab 1929 wird zum ersten Mal mit Boxhandschuhen gekämpft.

Vor dem Wettkampf gehen die Kämpfer*innen in den Ring, geschmückt mit einem Stirnband (Mong-kon) und jeweils einem Band an einem oder beiden Oberarmen (Pra Jead). Das Mong-kon wird traditionell handgefertigt und soll der oder dem Thaiboxer*in Glück und Schutz bringen. Das Pra Jaed war ursprünglich ein Stück Stoff, das von der Kleidung (meist aus dem Sarung) der Mutter abgerissen wurde und je nach Ziel der Kämpfer*in von einem Mönch mit einem Gebet versehen wurde, z.B. für bessere Abwehr oder Schnelligkeit, oder auch einfach, um Glück zu bringen und zu schützen.

Im Ring wird das Publikum begrüßt und dann ein Ritual vorgeführt, das nach einem Tanz aussieht. Zu Beginn des sogenannten „Wai Khruu“ wird der Trainerin oder dem Trainer Respekt und Dankbarkeit gezollt für die Vermittlung des Thaiboxens. Auch den Eltern wird dafür gedankt, das Leben geschenkt bekommen zu haben. Wai Khruu heißt übersetzt ungefähr „die Angst aus dem Herzen verjagen“. Mit diesem Tanz bereitet sich die Thaiboxer*in auf den bevorstehenden Wettkampf vor. Vor dem Kampfbeginn werden das Mong-kon und das Pra Jead abgenommen. Anhand der Stile von Wai Khruu und Mong-kon konnte das Publikum traditionellerweise erkennen, aus welcher Region die kämpfenden Person kommt. Heutzutage ist dies nicht mehr möglich.

Es wird eine Thaibox-spezifische Musik gespielt, die Sarama (bzw. Wong Pee Glong), die den Wai Khruu, aber auch den Kampf an sich rhythmisch begleitet. In Thailand wird die Sarama von einem Live-Orchester aus vier Musiker*innen mit zwei Flöten und zwei Thai Trommeln gespielt. Live können sie auf die Kampfatmosphäre eingehen und schneller und lauter spielen, wenn der Kampf gegen Ende intensiver wird. In großen Stadien wird die Musik über Lautsprecher abgespielt. Die Kämpfe sind jeweils 2-5 Runden á 2-3 Minuten lang - je nach Liga.

Thaiboxer*innen sind in Thailand geachtete und geehrte Idole, ähnlich den Fußballspieler*innen im Westen. Die Kämpfer*innen haben individuelle Spitznamen, die sie nach ihrem ersten Kampf von ihrer Trainer*in bekommen. Der Name gibt einen Hinweis auf die Eigenart der Thaiboxer*in (z.B. auf die Schnelligkeit) und hat einen Bezug zum Gym, in dem sie oder er trainiert.

In Thailand ist Thaiboxen so beliebt, dass die Wettkämpfe mehrmals pro Woche live im Fernsehen übertragen werden. Sehr verbreitet ist es, einen Wetteinsatz auf die Kämpfer*innen zu bieten und um so mehr mitzufiebern, wer gewinnt. Die antretenden Thaiboxer*innen bekommen einen Teil des Wetteinsatzes. In vielen Familien werden die Jüngsten von klein auf in Thaiboxen trainiert. Da auch bei Kinderkämpfen Wetten abgeschlossen werden, sind diese oft schon als Kinder und Jugendliche dafür mit-verantwortlich, mit ihren Kämpfen für einen Teil des Familieneinkommens zu sorgen. Es ist nicht selten, dass sie ihre Karriere im Alter von ca. Pitisuk Kraitus: Muay Thai. Ein schöner „Nebeneffekt“ von Thaiboxen ist, dass sich das Körperbewusstsein deutlich verbessert und sich der Sport positiv auf ein selbstbewussteres Auftreten auswirken kann.

Schwarze Schafe im Muay Thai

Im deutschsprachigen Raum gibt es leider auch ein paar schwarze Schafe unter den Muay Thai Clubs, diese sind aber nicht die Regel sondern sehr seltene Ausnahmen. Das sind Clubs, die von Trainern geleitet werden, die nie eine fundierte und umfassende Ausbildung im Muay Thai durchlaufen haben. Ausserdem ist es auch schon vorgekommen, dass Schüler hinter dem Rücken ihres Trainers ohne ihn zu fragen einfach eine eigene Schule aufmachen. Diese Leute missachten wichtige Werte, die diese Sportart vermittelt, wie beispielsweise den Respekt gegenüber ihres Trainers. Solche Leute haben nicht die charakterliche Qualifikation einen Club zu führen und werden von seriösen Clubs und der gesamten Muay Thai Szene missachtet, da sie dem guten Ruf des Muay Thai schaden. Es ist dringend abzuraten in solch unseriösen Clubs zu trainieren.

Beziehung zwischen Lehrer und Schüler

Die Kampfkunst Muay Thai ist mit sehr vielen Traditionen verbunden. Die wichtigste Tradition im Muay Thai ist die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Aufgabe des Trainers ist es zu vermitteln, dass der Schüler sein Umfeld respektvoll behandelt. Wer Muay Thai nur trainieren will, um eigene Interessen mit seiner körperlichen Überlegenheit durchzusetzen, dem wird das Training verweigert. In Thailand ist es Tradition, dass ein Schüler, bevor er in einer Muay Thai Schule aufgenommen wird, erst mal eine Probezeit durchläuft, in der er getestet wird, ob er auch die notwendigen charakterliche Eigenschaften erfüllt um diese Kampfkunst zu erlernen. Erst danach entscheidet sich der Trainer ob er den Schüler im Muay Thai ausbildet. Wenn der Lehrer verkündet, dass er eine Entscheidung getroffen hat wird eine traditionelle Zeremonie durchgeführt in der er dem Schüler einen Mongkong aufsetzt. Dieser Mongkong wird immer beim Wai Kruh/Ram Muay vor jedem Kampf getragen.

Es ist im Muay Thai eine sehr lange Tradition, dass der Muay Thai Lehrer es als seine Aufgabe betrachtet, die ihm anvertrauten Schüler zu respektvollen Menschen zu erziehen. Es gilt als Selbstverständlichkeit, dass ein Schüler niemals ohne Zustimmung seines Trainers in einer anderen Kampfsport-Schule trainiert.

Wenn ein Schüler sich ein sehr hohes Wissen angeeignet hat und sein Trainer sich entscheidet, dass dieser Schüler selbst unterrichten darf, wird dafür eine lange Zeremonie ausgeführt. Bei dieser Zeremonie wird zum Schutz und zum Glück für den Schüler ein weiterer Mongkong durch seinen Lehrer überreicht. Diese Zeremonie und dieser Mongkong ist sehr wichtig, ohne diese Zeremonie ist es nicht möglich als Muay Thai Lehrer zu arbeiten. Ein Schüler darf niemals ohne Zustimmung seines Trainers eine eigene Schule aufmachen.

In Thailand ist es Tradition, dass ehemalige Schüler im Verlauf ihres Lebens in Kontakt mit ihrem Lehrer bleiben und ihn mindestens einmal im Jahr besuchen.