Taekwondo ist eine bekannte Kampfsportart, die einen langen Weg hinter sich bringen musste, bis sie auch ihre Geschichte bei den olympischen Sommerspielen erzählen konnte. Taekwondo ist ein weiterer Kampfsport, der den Eingang in das olympische Programm gefunden hat.
Die koreanischen Begriffe „Tae - Kwon - Do“ bedeuten wörtlich übersetzt „Fuß - Faust - Weg“. Damit sind zugleich die wichtigsten Grundbegriffe des Taekwondo genannt: „Fuß“ und „Faust“ stehen für die Techniken: Kicks in allen Variationen, in Bauch oder Kopfhöhe, gedreht, gesprungen, doppelt oder dreifach und Fausttechniken, vor allem Fauststöße zum Angriff und Blocks zur Verteidigung.
„Weg“ hingegen beschreibt die persönliche Entwicklung, die jeder durchläuft, der Taekwondo ernsthaft betreibt: Vom Weissgurt zum Schwarzgurt, vom Schüler zum Meister. Dabei geht es um viel mehr, als um sportliche Fortschritte. Wird Taekwondo richtig gelehrt und erlernt, wird es zur Charakterschule.
Die Anfänge des Taekwondo
Die koreanische Geschichte begann der Legende nach im Jahr 2333 v. Ch. Der legendäre Nationalgründer Tangun, gründete „Altes Korea“. In Schriften über die Geschichte des Taekwondo wird Taekwondo gewöhnlich als einzigartiges Produkt der koreanischen Kultur dargestellt, das sich im Laufe der langen koreanischen Geschichte seit der Zeit der Drei Reiche entwickelt hat.
Da es nur wenige schriftliche Aufzeichnungen über die alte koreanische Geschichte gibt, sind sachliche Informationen über die koreanischen Kampfkünste rar und lückenhaft. Aus diesem Grund finden die meisten Autoren koreanischer Kampfkünste etwas in der koreanischen Geschichte, um ihre Behauptungen zu untermauern; so auch die Autoren des Tae Kwon Do.
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Der Kampf mit der leeren Hand ist nicht nur in einem Land entstanden, sondern hat sich an jedem Ort, an dem Menschen siedelten, auf natürliche Weise entwickelt. In jedem Land passten die Menschen ihre Kampftechniken an, um mit den Gefahren in ihrer Umgebung fertig zu werden. Im alten Korea entwickelten die Koreaner Waffen zum Sammeln von Nahrung und zur Selbstverteidigung und entwickelten ihren Geist und Körper durch Freizeitspiele und Wettkämpfe.
Jeder Stamm nahm während der rituellen Jahreszeiten an Wettbewerben in der Kampfkunst der Krieger teil, wie z. B. „Yongko“ im Puyo-Staat, „Tongmaeng“ im Koguryo-Staat, „Muchon“ in den Staaten Ye und Mahan und „Kabi“ in der Silla-Dynastie. Die alten koreanischen Krieger trainierten die Militärkunst „Farando“ (bei der Kopf-, Ellbogen- und Fußtechniken zum Kampf gegen den Feind eingesetzt wurden). Sie entwickelten zwei spezielle Trainingssysteme: geliehene Kraft und Raumverkürzung.
Geliehene Kraft bedeutet, dass man sich die Kraft eines großen Wesens oder einer Sache leiht, z. B. indem man seine Kraft durch die Vereinigung mit dem Großen Geist oder durch Kräuter oder Trainingsgeräte verstärkt. Die lange Erfahrung der Menschen bei der Verteidigung gegen ihre Feinde und gegen Angriffe von Tieren sowie die Nachahmung der Verteidigungs- und Angriffspositionen von Tieren führten langsam dazu, dass sie selbst effektivere Kampffähigkeiten entwickelten.
Einflüsse auf das Taekwondo
Der früheste Einfluss eines anderen Landes auf die koreanischen Kampfkünste war vermutlich eine chinesische Form des Hand- und Fußkampfes namens „Kwon-Bop“ (Schlag- und Stoßtechniken, die auf Kung-Fu basierten). Einige glauben, dass während der chinesischen Sung- und Ming-Dynastien „Nei-chia“ (internes Kung-Fu) und „Wai-chia“ (externes Kung-Fu) ebenfalls in Korea eingeführt wurden.
Militärische Persönlichkeiten gehörten während der Drei-Königreiche-Ära zu den bekannten prominenten nationalen Führern. Diese militärische Orientierung führte zur Entwicklung von Kriegergruppen wie der „Chouisonin“ von Koguryo (die einzelnen Mitglieder wurden „Sonbae“ genannt) und der als „Hwarang-do“ bekannten Gruppe des Silla-Kriegeradels aus dem sechsten Jahrhundert (die einzelnen Mitglieder wurden Hwarang genannt).
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Die drei Königreiche waren im Krieg miteinander und kämpften ständig um die Vorherrschaft auf der Halbinsel. Der 24. König von Silla, Chin Heung, bildete eine Gruppe von Kriegern, die HwaRang genannt wurden. Sie wurden in Waffen wie Schwert, Speer und Bogen geschult. Diese Krieger widmeten ihr Leben diesen kriegerischen Fähigkeiten in der Hoffnung, dass sie Silla retten konnten. Die HwaRang studierten auch eine unbewaffnete Form des Kampfes namens SooBak. SooBak war eine primitive Form von Fußkämpfen, mit etwas Hand, aber meistens Fußtechniken. Die HwaRang nahmen SooBak und fügten weitere Elemente hinzu, um eine kämpferische Kunst zu schaffen. Die Techniken von SooBak wurden geschaffen, um im Kriege in der Lage zu sein, die Feinde zu besiegen.
In den letzten Jahren der Dynastie, als Schießpulver und neue Waffentypen verfügbar wurden, ging die Unterstützung für das Training der Kampfkünste jedoch zurück, und das Training der Kampfkünste für Soldaten war minimal. Ein hohes Niveau der Ausbildung war den persönlichen Truppen der Feudalherren vorbehalten. In der zweiten Hälfte der Dynastie jedoch begann die Bedeutung des Taekkyon als Kampfkunst aufgrund der Nachlässigkeit des königlichen Hofes, der sich ständig mit den Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten politischen Gruppierungen befasste, zu sinken.
Die Entwicklung des Taekwondo im 20. Jahrhundert
Als nun Japan in Korea (Choson) großen Einfluss hatte, wurden viele Dinge verändert. Alle Wettkampfsportarten und Kampfkünste wurden verboten. Nur das Militär, jetzt unter japanischer Kontrolle, konnte Kampfkünste ausüben. Soo Bak Gi wurde im Geheimen geübt und änderte bald seinen Namen wieder zu Soo Bak Do. Japanische Kampfkünste wurden zu diesem Zeitpunkt in Korea eingeführt. Die Koreaner hatten großes Interesse daran.
Aufgrund der Friedensverträge zwischen den Japanern und den Koreanern wurden japanische Kampfkünste, wie Kendo („Weg des Schwertes“), Judo, Karate und Aikido in allen koreanischen Schulen gelehrt. Am 15.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der japanischen Besatzung erlebte Korea eine Phase der kulturellen Wiederbelebung. Während dieses Prozesses erlebten die Kampfkünste, die von den Besatzungsmächten verboten worden waren, einen neuen Aufschwung. Das koreanische Volk, das sich geschworen hatte, nie wieder überwältigt zu werden, begrüßte die Verbreitung der Kampfkünste im ganzen Land. Dies war die Geburtsstunde der modernen koreanischen Kampfkünste.
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Meister, die in anderen Ländern (China, Japan und Okinawa) Kampfkünste studiert hatten, kehrten nach Korea zurück und vermischten diese mit den Fußtechniken des Taekkyon, um neue koreanische Kampfkunststile zu schaffen, die nicht nur die einzelnen Koreaner, sondern auch das Land selbst schützen sollten. Nach dem Krieg benutzten die meisten Kampfkunstschulen in Korea den Namen Karate und verwendeten japanische Terminologie zur Beschreibung der Techniken. Sie verwendeten japanische Muster und Trainingsmethoden. Es gab keine Techniken oder Terminologie, die dem Taekkyon ähnelten.
Als die einheimischen Künste und die japanischen Künste in Korea an Popularität gewannen, entstanden in Korea mehrere Kwans (Schulen), die japanisch beeinflusste Kampfkünste lehrten.
Die Gründung der Deutschen Taekwondo Union
Anfangs war Taekwondo lediglich eine Abteilung des Deutschen Judobundes, doch 1981 wurde die Deutsche Taekwondo-Union (DTU) gegründet. Sie ist sowohl Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) als auch der Europäischen Taekwondo Union (ETU) und der World Taekwondo Federation (WTF) (2018 umbenannt in WT WorldTaekwodo).
Taekwondo wird olympisch
Im selben Jahr, 1981, ging es mit der Geschichte des Taekwondo schlagartig weiter, denn es wurde während des 81. IOC-Kongresses als olympische Disziplin anerkannt. 1988 hatte das Taekwondo seine Premiere als Demonstrations-Sportart in Seoul und durfte dann auch vier Jahre später in Barcelona glänzen, so dass es am 4. September 1994 Taekwondo in das olympische Programm aufgenommen wurde.
Seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, zählt die Sportart offiziell zum Olympischen Programm, nachdem sie 1998 in Seoul als Demonstrationssportart überzeugte. Die Premiere feierte Taekwondo dann bei den Olympischen Sommerspielen 2000 mit acht Bewerbe, jeweils vier für Damen und für Herren.
Im Jahr 2000 war nun Taekwondo das erste Mal bei den Olympischen Spielen als Disziplin in Sydney vertreten. Es konnten sich- Fadime Helvacioglu bei den Frauen -49 kg,- Aziz Acharki bei den Herren -68 kg und- Faissal Ebnoutalib bei den Herren -80 kgqualifizieren.
Schon allein eine Qualifikation für die Olympischen Spiele ist eine Leistung, die eine hohe Anerkennung verdient, da 179 Nationen, die Taekwondo betreiben, sich um 124 Teilnehmerplätze in diversen Qualifikationsturnieren „schlagen“ müssen. Hinzu kommt, dass jede Nation maximal 2 Frauen und 2 Männer zu den Olympischen Spielen schicken darf.
Bisher konnte die DTU bei den Olympischen Spielen zwei Medaillen gewinnen. Silber durch Faissal Ebnoutalib und Bronze durch Helena Fromm.
Taekwondo ist nicht nur als Sportart selbst interessant und die Bewerbe spannend, es ist auch die Vielzahl an Nationen, die in den ersten Bewerben bereits Medaillen erreichen konnten, bemerkenswert. Nationen, die sonst eher weniger Medaillenchancen haben, können auf erfolgreiche Vertreter zurückgreifen wie Afghanistan oder Nigeria sowie Iran.
Wichtig zu wissen ist auch, dass es keinen Kampf um Platz 3 gibt.
Taekwondo heute
Taekwondo ist ein traditioneller koreanischer Kampfsport und zugleich eine moderne olympische Disziplin, seit Anfang 2015 auch paralympische Disziplin. Dementsprechend groß ist die Bandbreite des Taekwondo: Sie reicht von der Kampfkunst mit tiefen Wurzeln in der koreanischen Philosophie bis zum attraktiven, dynamischen Wettkampfsport.
Der koreanische Nationalsport wird heute in weit über 200 Nationen organisiert betrieben, die Deutsche Taekwondo Union vertritt rund 60.000 Sportler.
Aus einer ehemaligen Kampfkunst wurde somit eine olympische Sportart, die weltweit begeisterte Anhänger fand. Das moderne Taekwondo wird heute mit einem dynamischen Kampfsport, einer effektiven Methode der Selbstverteidigung sowie einem intensiven Fitnesstraining assoziiert.
Taekwondo bietet für jeden etwas, egal ob man fit und gesund bleiben, den Alltagsstress vergessen, sich im Wettkampf messen oder Selbstverteidigung lernen möchte. Neben den technischen Fertigkeiten werden Disziplin, Fairness und gegenseitiger Respekt vermittelt.
Für diejenigen, die Taekwondo als Wettkampfsport betreiben möchten, gibt es zwei Disziplinen, in denen sie sich mit anderen Sportlern messen können: Den Vollkontaktkampf und den Formenwettbewerb.
Beim Vollkontaktkampf geht es darum, den Gegner mit Faust- oder Fußtechniken zu treffen. Diese Art des Wettkampfes ist eine olympische Disziplin.
Beim Formenwettbewerb werden vorgegebene Bewegungsabläufe (Poomsae genannt), die aus einer festgelegten Abfolge von Stellungen, Blocktechniken und Gegenangriffen bestehen, gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner vorgeführt. Bewertet werden die technische Präzision, die Dynamik und der Ausdruck des Athleten.
