Die (Arbeits-)Welt ist an einem Punkt angekommen, an dem ein „Weiter so!“ keine Option mehr ist: Klimawandel, Fachkräftemangel, KI-Revolution, das empfundene Auseinanderdriften von individueller Belastung und geforderter Leistung machen es nötig, dass wir grundsätzlich neu darüber nachdenken, wie wir arbeiten, wann, mit wem, warum und wofür.
Viele Menschen sind zutiefst erschöpft von ihrem Job und sehnen sich nach mehr Life und weniger Work. Sie wollen, so scheint es, weniger leisten - und rufen daher nach der Vier-Tage-Woche. Aber ist weniger Arbeit wirklich die Lösung? Der Wirtschaftspsychologe Ingo Hamm meldet Zweifel an. Ihm zufolge liegt die Ursache des Arbeitsfrusts in Jobverhältnissen, die Mitarbeitenden notorisch die Lust an Leistung rauben.
Moderne Führungskonzepte und ihre Umsetzung
Mehr Vertrauen, weniger Hierarchie, Führen auf Augenhöhe und der konsequente Fokus auf Mitarbeitende statt aufs eigene Prestige - moderne Führungskonzepte wie Minimalist, Servant oder Coaching Leadership lassen sich Experten zufolge in Finnland wie in einem Labor beobachten. In Deutschland dagegen dominieren oft noch Kontrollreflexe und Statusdenken.
Führung ist das wirksame Gestalten von Beziehungen im Sinne der zweckdienlichen Wertschöpfung. Mit dieser Annahme beleuchten Stefan Kaduk und Dirk Osmetz die Bedeutung schwacher Bindungen und die wichtige Rolle von „Connective Labor“.
Agiles Arbeiten erfordert Augenhöhe. Doch in der Praxis ist die oft schwer umzusetzen. Dies zeigt sich nach Beobachtung von Business Consultant Susanne Petz nicht zuletzt darin, wie man in agilen Teams einander Feedback gibt: Häufig auf eine Weise, die noch stark im hierarchischen Denken verhaftet ist.
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Die Rolle von Vertrauen und Wertschätzung
So hoch die Ressource „Vertrauen“ in der Theorie auch gehandelt wird, ist sie in der Arbeitsweltpraxis vielerorts doch immer noch Mangelware - und seit einiger Zeit sogar im Sinkflug. Doch jede und jeder von uns kann dazu beitragen, dass das Vertrauen im Unternehmen (wieder) wächst.
So wichtig Wertschätzung für erfolgreiche Zusammenarbeit ist, so häufig wird sie in den Unternehmen vermisst. Besonders folgenreich ist es, wenn Mitarbeitende sich von ihrer Führungskraft nicht wertgeschätzt fühlen. Um zu verhindern, dass Wertschätzung in stressigen Phasen im eigenen (Führungs-)Verhalten zu kurz kommt, lässt sich ein Ansatz aus der Verhaltensökonomie nutzen.
Umgang mit Komplexität und Unsicherheit
Als Reaktion auf die immer weiter steigende Komplexität wird seit Jahren unter dem Schlagwort „Komplexitätskompetenz“ diskutiert, was es braucht, um besser in der „neuen Realität“ zurechtzukommen. Doch die bis dato ausgerollten Ansätze helfen nur bedingt weiter, ist der Berater AxeI Schweickhardt überzeugt. Denn sie lassen eine wesentliche Frage außen vor: Wie gelingt es, die Lust auf die Gestaltung von Komplexität zu wecken?
Krisen, Ungewissheiten, Paradoxien: Die Komplexität, mit der wir heute im Arbeitsleben konfrontiert sind, fordert unser ganzes Denken heraus. Diese Herausforderung nehmen wir jedoch selten an. Anstatt eigene Gedanken zu entwickeln, folgen wir blindlings denen anderer. Oder wir setzen unsere Hoffnungen auf die vermeintliche Denkleistung der KI. So die Beobachtung von Hans A. Wüthrich.
Ständig ist von Unsicherheit die Rede, wahlweise wird auch von Risiken oder Ungewissheit geredet. In der Alltagssprache wird zwischen den Begriffen nicht unterschieden, was jedoch im Organisationskontext wichtig wäre. Ungewissheiten sollten von Organisationen weder negiert noch ignoriert oder heruntergespielt werden.
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Resilienz und Zukunftsgestaltung
Wie gelingt es, trotz der vielen schlechten Nachrichten, die täglich auf uns einprasseln, und problematischer Prognosen positiv in die Zukunft zu blicken? Die Beraterinnen Cora Besser-Siegmund und Elke Hartmann-Wolff nennen die dazugehörige Kompetenz „Zukunftsresilienz“.
In Zeiten von Stapelkrisen, immer weiter wachsender Komplexität und immer neuen Herausforderungen ist Resilienz wichtiger denn je. Stärken lässt sich die psychische Widerstandskraft nicht nur im Rahmen von Trainings und Coachings, sondern auch in Eigenregie.
„Was bringt die Zukunft?“ Falsche Frage, sagt Frederik G. Pferdt. Der Ex-Innovationschef bei Google ist überzeugt: Statt auf das Kommende zu warten, gilt es, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Was es dafür braucht? Zukunftsgeist. Das Gute daran ist: Das ist keine Haltung, die wir entweder haben oder nicht, wir können sie vielmehr in uns aktivieren, sie stärken.
Die Bedeutung von Kompetenzen und Mindset
Ob bei der Projekt-Präsentation, im Team-Meet oder im Kundengespräch …, die eigenen Botschaften so zu transportieren, dass sie auch ankommen, gelingt uns häufig nur bedingt. Paradoxerweise oft umso weniger, je besser wir uns mit einem Thema auskennen. Um das zu ändern, benötigen wir vor allem eines, sagt der Spezialist für Auftritt und Wirkung Gunnar Haberland: mehr Wirkungskompetenz.
Gibt es Probleme im Unternehmen, werden diese oft auf ein fehlendes oder falsches Mindset der Beschäftigten geschoben. Entsprechend wird Mindset-Entwicklung gerne als Lösungspfad proklamiert. Betrachtet man diesen genauer, entpuppt er sich jedoch als Holzweg.
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Herausforderungen und Paradoxien in Organisationen
Klarheit und Eindeutigkeit - das wünschen wir uns von Führung, der Organisation, unserem Arbeitsleben. Die Realität? Steckt voller Paradoxien. Oft gelingt es uns zwar, so zu tun, als gäbe es die Widersprüche nicht. Dennoch spüren wir sie immer wieder, etwa, wenn wir uns zwischen widersprüchlichen Anforderungen zerrissen fühlen. Die Crux dabei: Paradoxien lassen sich nicht auflösen.
Organisationale Entwicklung erreicht man am ehesten, indem man Strukturen verändert - sagen die einen. Wer erfolgreichen Change will, setzt am besten bei den Menschen an - behaupten die anderen. Oft stehen sich beide Denkrichtungen - die systemtheoretisch und die psychologisch orientierte - unversöhnlich gegenüber. Zu Unrecht, findet die Beraterin Eva Schielein.
