Der Schwingersport hat in der Schweiz eine lange Tradition und erfreut sich grosser Beliebtheit. Auch in Interlaken, eingebettet in die malerische Alpenlandschaft, spielt das Schwingen eine bedeutende Rolle. Dieser Artikel wirft einen Blick auf vergangene Schwingen-Veranstaltungen in Interlaken und beleuchtet einige bemerkenswerte Ergebnisse.
Eidgenössischer Nachwuchs Schwinger Tag
Am Samstag vor dem Unspunnenfest fand auf der Höhenmatte Interlaken, dem späteren neuen Platz für das Unspunnenfest 2011, der 1. Eidgenössische Nachwuchs Schwinger Tag statt. Die besten Nachwuchsschwinger der Jahrgänge 1988/89/90 und 91 (wegen der Verschiebung von 05 auf 06 eine Kategorie mehr) in jeder Kategorie starteten 40 Schwinger.
Alle Kategoriensieger wurden später mindestens Eidgenossen oder wie bei Wenger Kilian sogar Schwingerkönig. Aufgrund dieser Ergebnisse muss man die Idee eines Nationalen Schwingertages als Erfolg werten, umso mehr das Resultat wiederholt wurde.
Jungfrau-Marathon
In Interlaken, für Ausdauersportler das «New York der Alpen», fiel am 11. September zum Auftakt der Herbst-Marathonsaison der Startschuss zum Jungfrau-Marathon. Nach 42 ,195 Kilometern und 1829 Höhenmetern Anstieg endet er auf der Kleinen Scheidegg unter dem Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau.
Beim Jungfrau-Marathon sucht man vergebens nach dem bunten Durcheinander von schlanken und fülligen Zeitgenossen, welches sonst üblicherweise die Marathon-Folklore bildet und sich erst nach dem Startschuss allmählich auflöst: «Vorne laufen die Bleistifte.» Hagere Körper prägen hier das Bild, und in der Tat haben die meisten Teilnehmer schon zahlreiche Ausdauerschlachten geschlagen. Noch mehr Läufer verkraftet der Marathon aufgrund der begrenzten Rücktransportkapazitäten der Wengernalpbahn nicht, und so werden die limitierten Startplätze ein halbes Jahr vorher verlost. Tausende von abgewiesenen Läufern müssen sich mit der Hoffnung auf den 10. September 2005 vertrösten.
Lesen Sie auch: Schwingen live sehen
Interlaken liegt im fahlen Morgenlicht, die Jungfrau verbirgt ihr Antlitz hinter einer pechschwarzen Wolke und ein heftiger Platzregen scheucht die 4000-köpfige Marathon-Meute nochmals zurück in die Unterstände. Doch pünktlich zum Start zeigt sich der Himmel einsichtig, und das Abenteuer Marathon nimmt seinen Lauf, zuerst in einer flachen Runde durch die Stadt und anschließend in einer weiteren touristischen Schleife am Brienzer See vorbei zum Lauterbrunnental.
Um insgesamt auf die Marathondistanz zu kommen, drehen die Läufer noch eine Ehrenrunde hinein in das steile Trogtal, vorbei am Fuß des 300 Meter hohen Staubbachfalles. Auf den nächsten 17 Kilometern sind weitere 1400 Höhenmeter zu meistern, und so stellt sich nach 26 Kilometern in Lauterbrunnen der Weg brutal auf. Nur noch die Elite überwindet die 400 Meter hohe «Wenger Wand» im Laufschritt, alle anderen schalten herunter auf Eilmarschtempo. Auch rund 200 Niederländer erleben Jahr für Jahr diese «Muur van Wengen» als ihr Fegefeuer.
Im autofreien Dorf Wengen wird der Parcours flacher und das dichte Spalier der Zuschauer nötigt zum Laufschritt, obwohl die Waden mittlerweile zu Beton verhärtet sind. Immer noch sind 1000 Meter an Höhe zu erkämpfen. Spätestens auf der Wengeralp wird jedoch klar, warum Läufer diese Veranstaltung zur schönsten Marathonstrecke der Welt» kürten, denn im Angesicht der bizarren Gletscherwelt wachsen dem Körper neue Kräfte zu. Die Piste des Lauberhornskirennens wird gequert und später beginnt der extrem steile Anstieg über eine Seitenmoräne des Eigergletschers.
Zum Laufschritt fehlt nun fast allen die Kraft, und während der Sieger nach 2:59 h das Ziel erreicht und längst geduscht hat, reihen sich Tausende von Läufern zu einer endlos anmutenden Perlenschnur aneinander. Endlich gerät das obere Ende der Moräne ins Blickfeld, wo ein Dudelsackbläser in zünftigem Schottenrock den höchsten Punkt der Strecke musikalisch würdigt.
Bei guten äusseren Bedingungen und traditionell grossem Publikumsaufmarsch setzten sich Tesfaye Eticha bei den Männern und Emebet Abosa bei den Frauen souverän durch. Beste Schweizer waren Marco Kaminski (8. Rang) und Carolina Reiber (4.
Lesen Sie auch: Emmentalisches Schwingen – Rangliste
An der Spitze entwickelte sich ein schnelles Rennen, indem sich der Russe Serguej Kaledin, Sieger im Jahr 2000, auf der ersten Streckenhälfte mehrmals von der Spitzengruppe zu lösen versuchte. Kurz vor Lauterbrunnen konterten die beiden Äthiopier Tesfaye Eticha, Sieger 2002, und sein Trainingskollege Dissassa Dabessa die Attacken des Russen und passierten die Halbmarathonmarke mit 10 Sekunden Vorsprung. Bei den Damen setzte sich von Beginn an die Äthiopierin Emebet Abosa, die letztjährige Siegerin, an die Spitze.
Bei den Herren spielte der sechsfache Sieger des Lausanne Marathon Tesfaye Eticha seine große Routine aus und blieb als einziger unter drei Stunden. Ihm am nächsten kam der mehrfache tschechische Marathonmeister Jan Blaha. Aus lokaler Sicht glänzte der Därliger Thomas Hürzeler mit dem 18. Schlussrang, bei den Damen liess sich seine Lebenspartnerin Karin Jaun als beste Oberländerin auf dem 19. Auch die 12. Austragung des Jungfrau-Marathons verlief einwandfrei, die Begeisterung bei Läufern, Publikum und Sponsoren war entsprechend gross.
Lesen Sie auch: Livestream: Schwägalp Schwinget
