Karat: Eine musikalische Reise durch fünf Jahrzehnte

Karat ist eine deutsche Band aus Berlin, die 1975 gegründet wurde. Die Gruppe ist im Bereich der deutschsprachigen Rockmusik angesiedelt und zählte in der ehemaligen DDR zu den bekanntesten Musikgruppen. Seit ihrem Raketenstart 1975 gehört Karat zu den prägendsten Bands Ostdeutschlands.

Die Anfänge und der Durchbruch

Als das Jazzkonzept seiner Gruppe Panta Rhei Mitte der 1970er Jahre an Popularität verlor, entschloss sich der Bassist Henning Protzmann, eine neue Band zu gründen. Das Ziel war die Produktion publikumswirksamerer, aber trotzdem anspruchsvoller Musik. Als Protzmann auf den vormals bei Frank Schöbel beschäftigten Gitarristen Ulrich Pexa traf, der den Namen „Karat“ für die Gruppe vorschlug, und sich mit Hans-Joachim „Neumi“ Neumann ein Sänger, mit Konrad Burkert ein Schlagzeuger und mit Christian Steyer ein Keyboarder fanden, konnten die ersten Proben der neuen Band im Herbst 1974 beginnen.

Die Gründungsmitglieder von Karat waren der Keyboarder und Cellist Ulrich Swillms, der Sänger und Bassgitarrist Henning Protzmann und Herbert Dreilich, ebenfalls Sänger und Gitarrist. Die drei Musiker kannten sich aus der gemeinsamen Zeit in der Band Panda Rhei, die die Sängerin Veronika Fischer begleitete. Mit anderen Künstlern spielten die drei Gründungsmitglieder unter dem Namen Karat beim Rundfunk der DDR verschiedene Aufnahmen ein, mit denen sie bei den Hörern gut ankamen.

Im Juli 1976 formierte sich die Stammbesetzung von Karat: Der Gitarrist Ulrich Pexa, der Schlagzeuger Konrad Burkert und der Sänger Hans-Joachim Neumann, der bereits bei den Rundfunkaufnahmen mitgewirkt hatte, stießen hinzu. Neumann floh 1983 in die BRD. Herbert Dreilich etablierte sich als Leadsänger und prägte den Sound von Karat.

Durch den Gewinn des Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival 1978 mit den Titeln König der Welt und Über sieben Brücken mußt du gehn gelang Karat der endgültige Durchbruch. Die Teilnahme der Rockband an einem Schlagerfestival kommentierte Herbert Dreilich später wie folgt: „Wir haben das gerne angenommen, denn wir waren und sind heute noch der Meinung, man sollte nicht in Schubladen denken. Schlager, Pop und Rock, da sind die Grenzen doch fließend. Weshalb sollten wir so ein internationales Podium nicht nutzen? Es konnte doch nur von Vorteil sein!“

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Das erste Album der Musiker trug den Titel „Karat“. Im Jahr 1979 folgte „Über sieben Brücken“ mit dem Hit „Über sieben Brücken musst du gehen“. Allein in der DDR wurden bis zur Wende 1989 rund 750.000 Exemplare des Titels verkauft. Im Westen war zuvor schon die Plattenfirma Teldec auf die Band aufmerksam geworden. „Albatros“ und „Der blaue Planet“ wurden in der Bundesrepublik zu Erfolgstiteln. Mit „Der Blaue Planet“ schaffte es Karat sogar auf Platz sieben der westdeutschen LP-Charts.

Erfolge und Auszeichnungen

Karat, die mit Songs wie „Über sieben Brücken“, „Der blaue Planet“ oder „Albatros“ Klassiker schufen, war die einzige Band im Osten, die schon vor dem Mauerfall goldene Schallplatten in der Bundesrepublik gewann.

Die Band hat während der bis heute andauernden Karriere zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem 1979 den „Kunstpreis der DDR“, „Die Goldene Europa“ und einen „Goldenen Bong“.

Für Albatros erhielt Karat 1984 eine Goldene Schallplatte. Am 7. Oktober 1984 wurde Karat und dem Texter Norbert Kaiser durch den Staats- und Parteichef Erich Honecker der Nationalpreis für Kunst und Kultur verliehen. Im gleichen Jahr wurde Karat auf Kuba von der dort größten Jugendzeitschrift zu einer der zehn international beliebtesten Rockgruppen gewählt. 1986 wurde Karat außerdem mit der Goldenen Europa ausgezeichnet.

Die Zeit nach der Wende

Die ersten Veröffentlichungen nach der Wende fanden nicht mehr den großen Anklang beim Publikum. Erst mit dem Album „Die geschenkte Stunde“ aus dem Jahr 1997 konnte Karat wieder an frühere Erfolge anknüpfen.

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1989 begann Karat mit der Produktion des Albums … im nächsten Frieden. Als die Gruppe am 9. November im AMIGA-Studio an dem Duett Über sieben Brücken mußt Du geh’n von Herbert Dreilich und Peter Maffay arbeitete, öffnete sich in unmittelbarer Nähe des Tonstudios die Berliner Mauer. Das später von zahlreichen Radiosendern gespielte Duett wurde in Folge zur „Hymne des Jahres“ und zum „Lied der deutschen Wiedervereinigung“.

Besetzungswechsel und der Tod von Herbert Dreilich

Gründungsmitglied Ulrich Pexa und Schlagzeuger Konrad Burkert verließen die Band bereits 1976. Ein Jahr später folgte ihnen Hans-Joachim Neumann. Bassist Henning Protzmann stieg 1986 aus. 2004 verstarb der Sänger Herbert Dreilich, der ein Jahr später von seinem Sohn Claudius ersetzt wurde.

Am 10. Januar 2005 wurde von Seiten der Band offiziell bestätigt, dass Herbert Dreilichs Sohn Claudius die Nachfolge als Sänger übernimmt. Die Ähnlichkeit seiner Stimme mit der seines Vaters wurde bereits beim Jubiläumskonzert in der Berliner Wuhlheide im Jahr 2000 während eines Beitrags der Kinder der Bandmitglieder bemerkt.

Die weiteren aktuellen Bandmitglieder sind Bernd Römer (Gitarre) und Christian Liebig (Bassgitarre). Am Schlagzeug sitzt Michael Schwandt.

Namensstreit und Neuanfang

Knapp ein Jahr nach dem Tod Herbert Dreilichs versuchte dessen Witwe, die Verwendung des Namens „Karat“ für die Formation mit Claudius Dreilich rechtlich einschränken zu lassen und für die Namensnutzung Gebühren zu verlangen. Bis zu einer endgültigen gerichtlichen Klärung der möglichen Ansprüche auf die Marke bzw. den Markenlöschungsantrag der Bandmitglieder konnte die Band daher den Namen „Karat“ nicht verwenden. Unter dem Buchstaben K firmierte die Rockgruppe in der Zeit von Januar 2006 bis Juni 2007. Ein Berliner Gericht entschied schließlich zugunsten der Band.

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Das 50-jährige Jubiläum

Zum 50. Gleich hinter Dresden, hinter dem südöstlichen Ende der sächsischen Landeshauptstadt, grenzt Heidenau. In den Annalen der Rock- und Popgeschichte taucht das sympathische Städtchen mit seinen rund 17.000 Einwohnern nicht weiter auf, sollte es aber. Denn hier fand am 22. Februar 1975 das allererste KARAT-Konzert statt. Nun, 50 Jahre später, sind KARAT immer noch da. Sie blicken zurück auf etwa 5.000 Konzerte, fünfzehn Studio- und fünf Livealben sowie unzählige Kopplungen.

Nun zum großen Jubiläum hätten es sich Gitarrist Bernd Römer, Sänger Claudius Dreilich, Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung in der Komfortzone gemütlich machen und auf die großen Hits mit einer weiteren Best Of verweisen können. Viele hätten das vermutlich auch gut gefunden, aber es wäre nicht KARAT gewesen. Denn die Band blickt nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn. Auch wenn nach dem großen Jubiläumsjahr die musikalische Reise weitergeht, KARAT werden auch in Zukunft nicht zur Oldieband mutieren.

So veröffentlichen sie genau an dem Februartag, als das erste Konzert stattfand, ein neues Album. „Hohe Himmel“ heißt es und vereint ausschließlich neue Lieder. Dennoch haben KARAT damit alte Bandtraditionen im Blick: die Tracks wurden im Studio live eingespielt, das Ergebnis gibt es nicht nur digital, sondern auf wunderbarem Vinyl.Ein ganzes Dutzend neuer Songs aus der Edelsteinschleiferei namens KARAT finden sich darauf.

Die Musik von Karat

„Licht und Schatten“ heißt nicht nur ein Album von Karat. So könnte auch die wechselvolle Karriere der Band umschrieben werden.

KARAT ist die einzige Band aus dem Osten Deutschlands, die schon vor dem Mauerfall in der BRD ihre Platten vergoldete.

Man kann die verschiedenen musikalischen Facetten, die dieses Album so reich machen, durchaus nachverfolgen: Da ist zunächst Claudius Dreilich, der sich etliche Stücke selbst auf die Seelenzustände und Stimmbänder geschrieben hat. Hier geht es meist um die Verletzlichkeiten im Rahmen persönlicher Beziehungen. Da gibt es keine Angst vor tiefen Gefühlen („Vor ein paar Jahren“), da dürfen auch mal die Streicher schwelgen („All das schenk ich dir“).

Der langjährige Keyboarder Martin Becker bedient eine andere Seite der Erwartungen. Seine Texte scheuen sich ebenso wenig vor Gefühlen („Trau dich“), aber hier wird gelegentlich auch mal ein gehöriges Stück Coolness ausgepackt, etwa bei „Was soll der Geiz?“ oder „Ausgeträumt“. Gerade an diesen Stellen ist immer wieder Platz für die KARAT-typischen Kabinettstückchen. Die tollen Gitarrenfiguren von Bernd Römer, die kleinen rhythmischen Frickeleien, Beckers melodiös-einprägsame Synth-Schleifen, die die entscheidenden Sahnehäubchen setzen. Während Daniel Bätge und Heiko Jung an Bass und Drums für ein erdiges, groovendes Fundament sorgen.

Und dann überrascht dieses Album mit einer Bereicherung, die wohl kaum jemand auf dem Schirm hatte: Ausgemachte Kenner der Szene wissen, dass Martin Becker und der in der DDR bis zu seinem Weggang kulthaft verehrte Gitarrist und Songschreiber Hansi Biebl in den 1990ern etliche Songs zusammengeschrieben haben. Die beiden kennen sich bestens und wissen, was sie aneinander haben. Hier hört man das zum ersten Mal auf einer KARAT-LP.

Und noch einmal interessanter wird es, wenn eine dritte bekannte Persönlichkeit mit großer Rock-Vergangenheit ins Spiel kommt: Werner Karma hat auf diesem Album drei Texte beigesteuert. Und weiß Gott: Der Mann hat´s nicht verlernt! Wunderbar lakonische Lyrikfetzen wie „Schlafendes Herz / In meiner Brust / Müdegehetzt / Verbrannt und verletzt“ oder schillernde Alliterationen á la „Hohe Himmel öffnen die Herzen“ schafft nur er.

All das würde schon zu einer dicken Empfehlung für ein wunderbares Album reichen. Doch dann setzen KARAT mit den letzten drei Songs musikalisch und poetisch wunderbare Schlusssteine von besonderer Qualität. Sie scheuen sich nicht davor, noch einmal das große Ganze in den Blick zu nehmen, thematisieren Verzweiflung und Hoffen innerhalb eines Weltganzen, das ins Nichts zu taumeln scheint.

Im letzten Stück „Der Mensch“ (Komposition und Text: Claudius Dreilich) schließt sich auf wunderbar magische Weise ein Kreis: Hatte sein Vater 1982 eines der eindringlichsten Stücke ihres Meisteralbums „Der blaue Planet“ mit der unvergesslichen Schlüsselzeile „Uns hilft kein Gott, unsere Welt zu erhalten“ gesungen, so singt sein Sohn heute: „Diese Welt braucht keinen neuen Gott zum Beten. / Denn diese Erde, sie ist krank.“ Das alles in einem komplexen musikalischen Ansatz, eingeleitet von einem getragenen Piano vor unheimlich bedrohlicher Gewitterstimmung und sich allmählich steigernd zu einer wuchtigen Rockballade mit deutlicher Botschaft: Der blaue Planet ist gefährdet wie nie.

Diskografie (Album-Übersicht)

  • 1978: Karat
  • 1979: Über sieben Brücken
  • 1979: Albatros
  • 1980: Schwanenkönig
  • 1982: Der Blaue Planet
  • 1984: Die sieben Wunder der Welt
  • 1985: 10 Jahre Karat - Auf dem Weg zu Euch
  • 1987: Fünfte Jahreszeit
  • 1990: …im nächsten Frieden
  • 1991: Karat (1991)
  • 1992: vierzehn Karat - Die größten Hits
  • 1995: Die geschenkte Stunde
  • 1997: Balance
  • 1998: sechszehn Karat - Ihre größten Hits
  • 2000: Ich liebe jede Stunde
  • 2001: 25 Jahre - Das Konzert
  • 2003: Licht und Schatten
  • 2005: 30 Jahre Karat
  • 2010: Weitergeh´n
  • 2013: Symphony
  • 2014: Rock-Legende (Puhdys, City, Karat)
  • 2015: Rock-Legende-Live (Puhdys, City, Karat)
  • 2015: 40 Jahre-Live von der Waldbühne Berlin
  • 2015: Seelenschiffe
  • 2017: Rock-Legende- Vol.2 (Puhdys, City, Karat)
  • 2018: Labyrinth

Auch im sozialen Bereich ist die Band aktiv und hilft, Licht in Schatten zu verwandeln. So unterstützen die Musiker zum Beispiel seit Jahren mit Benefizaktionen die private Initiative „Kinderhilfe Afghanistan“ einer Regensburger Familie.

Aktuelle Bandmitglieder

  • Claudius Dreilich (Gesang)
  • Bernd Römer (Gitarre)
  • Martin Becker (Keyboard)
  • Daniel Bätge (Bassgitarre)
  • Heiko Jung (Schlagzeug)