Angst ist ein grundlegendes menschliches Gefühl, das uns vor Gefahren schützt. Sie kann jedoch auch überhandnehmen und zu einer Belastung werden. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte von Angst, von Tremorerkrankungen über magische Zwangsgedanken bis hin zu Agoraphobie, und bietet Informationen zu Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten.
Tremorerkrankungen und Angst
Tremor, oder Zittern, ist eine unwillkürliche, oszillatorische Bewegung eines Körperteils. Tremor kann entweder als Symptom einer anderen Erkrankung oder als eigenes Krankheitsbild vorkommen. Es gibt verschiedene Arten von Tremor, die unterschiedliche Ursachen und Symptome haben können.
Klassifikation der Tremorerkrankungen
Nach einem Konsensuspapier werden Tremor-Erkrankungen wie folgt klassifiziert:
- Physiologischer Tremor
- Verstärkt physiologischer Tremor
- Essentieller Tremor
- Parkinson-Tremor
- Orthostatischer Tremor
- Aufgaben- oder positionsspezifischer Tremor
- Dystoner Tremor
- Zerebellärer Tremor
- Holmes Tremor
- Gaumensegeltremor
- Tremor bei Neuropathie
- Medikamenteninduzierter und toxischer Tremor
- Psychogener Tremor
- Unklassifizierbarer Tremor
Diagnose und Therapie von Tremor
Zur Quantifizierung der Tremorstärke und -frequenz sowie zur Differenzierung von Tremorerkrankungen wird die sogenannte Tremoranalyse durchgeführt. Eine differentialdiagnostische Zuordnung des klinischen Befundes unter Berücksichtigung der Tremoranalyse findet bevorzugt in der Ambulanz für Bewegungsstörungen statt. Dort bieten wir auch eine eingehende Beratung des Tremor-Patienten und die Differentialtherapie an.
Verstärkt physiologischer Tremor
Der verstärkt physiologische Tremor ist meist sichtbar und situativ oder dauerhaft störend. Unter Haltebedingungen zeigt sich in der Tremoranalyse ein fein- bis mittelschlägiger, hochfrequenter (7-12 Hz) Tremor, der neben der mechanischen Komponente häufig eine synchrone Aktivität der Muskulatur aufweist. Jeder Mensch kennt das - das Zittern der Hände. Ausgelöst wird das Zittern beispielsweise durch Kaffee, Angst oder Aufregung. Andere häufige Ursachen sind Erschöpfung, Stress, Kälte, Überfunktion der Schilddrüse, Unterzuckerung und andere Stoffwechselstörungen.
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Therapeutisch werden die Ursachen des verstärkt physiologischen Tremors - wenn möglich - angegangen, zudem werden nicht kardio-selektive Betablocker wie Propranolol oder Antiepileptika wie Primidon, Gabapentin und Topiramat eingesetzt.
Essentieller Tremor
Der Essentielle Tremor ist der häufigste pathologische Halte- und Bewegungstremor und eine der häufigsten Bewegungsstörungen überhaupt. Er kann sich in jedem Alter manifestieren, schreitet langsam voran und behindert zunehmend auch durch Auftreten bei zielgerichteten Bewegungen (Intentionstremor). Der essentielle Tremor findet sich häufig symmetrisch an den oberen Extremitäten, kann aber auch ein Zittern des Kopfes (Kopftremor), der Stimme (Stimmtremor), des Rumpfs oder der unteren Extremitäten einbeziehen.
Eine familiäre Häufung ist bekannt. Die Ursache für den essentiellen Tremor ist bislang nicht geklärt, involviert sind Gehirnabschnitte wie der Hirnstamm und das Kleinhirn.
Therapeutisch werden nicht kardio-selektive Betablocker wie Propranolol, Antiepileptika wie Primidon, Gabapentin und Topiramat oder Botulinumtoxin A eingesetzt. Bei Therapieresistenz kommt eine Tiefe Hirnstimulation im Ncl. ventralis intermedius (VIM) des Thalamus mit gutem Erfolg in Betracht.
Parkinson-Tremor
Der Parkinson-Tremor (4 - 7 Hz) tritt als Symptom beim Parkinson auf. Für die Therapie des Parkinson-Tremors ist zunächst eine adäquate Behandlung des M. Parkinson von Bedeutung.
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In der tremorspezifischen Therapie werden beim Ruhetremor zudem Anticholinergika, Budipin und Clozapin (off-label) eingesetzt. Beim Halte- und Bewegungstremor finden Propranolol und Primidon Anwendung.
Bei Therapieresistenz kommt eine Tiefe Hirnstimulation im Ncl. subthalamicus (STN) oder bei ausgewählten Fällen im Ncl. ventralis intermedius (VIM) des Thalamus mit gutem Erfolg in Betracht.
Orthostatischer Tremor
Der orthostatische Tremor ist ein nicht-sichtbarer, hochfrequenter Tremor (12-20 Hz), der bei Anspannung der Beinmuskulatur im Stehen zu einer deutlichen Standunsicherheit führt. Das Gehen ist in der Regel deutlich weniger beeinträchtigt.
Die Behandlung des orthostatischen Tremors erfolgt mit teilweise zufriedenstellendem Ergebnis mit Gabapentin oder Clonazepam, in schweren Fällen kann eine Tiefe Hirnstimulation im Ncl. ventralis intermedius (VIM) des Thalamus wirksam sein.
Dystoner Tremor
Beim dystonen Tremor handelt es sich um einen irregulären Tremor um 3-7 Hz, der durch die Anspannung der gegensätzlichen (antagonistischen) Muskulatur bei Vorliegen einer Dystonie zustande kommt.
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Die Therapie des dystonen Tremors folgt denen der Dystonie: Sie wird vorwiegend mit Botulinumtoxin A, Anticholinergika oder Tiaprid vorgenommen. Bei Therapieresistenz ist unter Umständen eine Tiefe Hirnstimulation im Globus pallidus internus (GPi) oder Ncl. ventralis intermedius (VIM) des Thalamus zu erwägen.
Zerebellärer Tremor
Der zerebelläre Bewegungs- und Intentionstremor ist durch eine große Amplitude und langsame Frequenz (2-5 Hz) charakterisiert, der im Alltag zu einer deutlichen Behinderung führt. Er kann sich als Rumpf- oder Extremitätentremor manifestieren.
Medikamentöse Therapien sind meist vergeblich, können aber off-label mit Topiramat, Clonazepam oder Propranolol durchgeführt werden. Bei entsprechendem Leidensdruck und fehlenden Alternativen bietet sich auch eine Tiefe Hirnstimulation im Ncl. ventralis intermedius (VIM) des Thalamus an, wobei die Therapieerfolge denen beim Essentiellen Tremor nachstehen.
Holmes Tremor
Unter Holmes Tremor versteht man einen symptomatischen Ruhe-, Halte- und Intentionstremor mit hoher Amplitude und geringer Frequenz nach Schädigung im Übergang vom Hirnstamm zum Mittelhirn. Der Tremor tritt meist mit einer Latenz von mehreren Monaten zum schädigenden Ereignis auf.
Wie beim zerebellären Tremor sind medikamentöse Therapien beim Holmes Tremor meist nicht erfolgreich, können aber off-label mit L-Dopa und Dopamin-Agonisten, Anticholinergika, Clonazepam oder Clozapin durchgeführt werden. Bei fehlenden Alternativen kann eine Tiefe Hirnstimulation im Ncl. ventralis intermedius (VIM) des Thalamus erfolgen.
Gaumensegeltremor (palataler Tremor)
Der Gaumensegeltremor lässt sich in einen primären (d.h. die Ursache ist nicht bekannt) und einen sekundären (d.h. symptomatischen) Tremor einteilen. Eine Behandlung des Gaumensegeltremors ist häufig nicht notwendig, kann aber bei Beeinträchtigung mit Botulinumtoxin A oder mit antiepileptischen Medikamenten erfolgen.
Tremor bei Neuropathie (neuropathischer Tremor)
Beim Tremor bei Neuropathie handelt es sich um einen zentral generierten Tremor, der in Kombination mit einer meist demyelinisierenden Neuropathie in Erscheinung tritt. Therapeutisch bessert sich der Tremor häufig bei Behandlung der entzündlichen Neuropathie. Additiv können Propranolol, Primidon oder Pregabalin eingesetzt werden. Fallberichte zeigen, dass eine Tiefe Hirnstimulation im Ncl. ventralis intermedius (VIM) des Thalamus erfolgreich sein kann.
Magische Zwangsgedanken
Magische Zwangsgedanken sind eine Form der Zwangsstörung, bei der Betroffene von aufdringlichen, abergläubischen und magischen Gedanken geplagt werden. Betroffene von magischen Zwangsgedanken hingegen beschäftigen sich exzessiv und zeitintensiv mit ihren Befürchtungen und versuchen, diese unter unverhältnismäßig großem Aufwand zu verhindern. Zudem wollen Betroffene ihre Gedanken eigentlich gar nicht haben: Sie leisten Widerstand und fühlen sich von ihnen gequält.
Beispiele für abergläubische Befürchtungen
- Glücks- oder Unglückszahlen (z.B. 13, 666, Vielfache dieser Zahlen oder persönlich bedeutsame Zahlen), häufig auch in Verbindung mit gewissen Handlungen (z.B.
- Glücks- oder Unglücks-Uhrzeiten/-Daten (z.B.
- Glücks- oder Unglücksfarben (z.B.
- Glücks- oder Unglücksobjekte (z.B.
- Bestimmte Worte, Namen oder Bilder, die Unglück bringen (bspw. Teufel oder Hölle, aber auch persönlich bedeutsame Worte, Namen oder Bilder wie bspw.
- Die Vorstellung, schlimme Ereignisse könnten geschehen, wenn man von ihnen denkt, spricht oder hört (z.B.
- Bestimmte Handlungen oder Verhaltensweisen bringen Glück oder Unglück (z.B.
- Orte, Dinge oder Menschen, die mit Unglück assoziiert werden, dürfen nicht angefasst/besucht werden (z.B. der 13.
- Bestimmte Handlungen bringen Unglück, wenn sie nicht eine genaue Anzahl ausgeführt werden (z.B.
- Etwas bringt Pech oder Unglück, wenn etwas schief oder falsch steht (z.B.
- Das Tragen eines „falschen“ Kleidungsstücks bringt Unglück (z.B.
Zwangshandlungen und Neutralisierungen
Mit Zwangshandlungen bzw. Neutralisierungen versuchst du, deine Befürchtungen um jeden Preis zu verhindern und deine Anspannung loszuwerden. Du führst gewisse Handlungen mehrfach und ritualhaft aus:
- Du führst Bewegungen rückwärts aus (z.B.
- Du gestikulierst auf eine bestimmte Art (z.B.
- Du berührst bestimmte Gegenstände (mehrmals) auf bestimmte Art und Weise (z.B.
- Du stellst dir bestimmte Bilder, Wörter, Geräusche oder Personen vor, die dich beschützen sollen (z.B.
- Du zählst gedanklich bis zu einer bestimmten Zahl (z.B.
- Du stellst dir Zahlenreihen vor (z.B.
- Du ordnest deine Gedanken rückwärts (z.B.
- Du neutralisierst einen “schlechten” Gedanken mit (mehreren) “positiven” Gedanken (z.B.
- Du neutralisierst Befürchtungen durch “gute” Bilder (z.B.
- Du bemühst dich deine Gedanken zu kontrollieren, indem du dir bestimmte Vorstellungen verbietest bzw. versuchst, an etwas Positives zu denken (z.B.
- Du meidest Wörter, Farben, Zahlen, Kleidungsstücke oder Personen, die dir vermeintlich Unglück bringen (z.B.
- Du meidest bestimmte Orte oder vermeidest, dir diese vorzustellen (z.B.
- Du vermeidest es, bestimmte Dinge zu berühren (z.B.
- Du vermeidest es, auf bestimmte Stellen zu treten (z.B.
- Du vermeidest bestimmte Handlungen an bestimmten Tagen des Monats oder der Woche (z.B.
- Du versicherst dich bei anderen, dass nichts Schlimmes passiert ist oder passieren wird (z.B.
- Du versicherst dich bei anderen, dass bestimmte Handlungen oder Orte nicht gefährlich sind (z.B.
- Du suchst bei anderen nach Bestätigung, dass nichts Schlimmes passieren wird, falls du eine bestimmte Handlung unterlässt (z.B.
Behandlung von magischen Zwangsgedanken
Um dich effektiv vom Zwang zu lösen, ist es also nötig, genau das Gegenteil von dem zu machen, was du bisher gemacht hast: nicht mehr mithilfe von magischen Zwangshandlungen auf Nummer Sicher zu gehen.
Das Gegenteil: Die freiwillige Konfrontation mit Situationen, Dingen und Gedanken, die du bisher vermieden hast. Kurz gesagt trainierst du mithilfe von Expositionen dein emotionales Gehirn darauf, vor diesen Triggern langfristig weniger Angst zu haben.
Genauso wichtig wie Expositionen ist das Reaktionsmanagement: Statt mithilfe von Zwangshandlungen auf Nummer Sicher zu gehen, ist es für eine nachhaltige Überwindung deiner Zwangsstörung notwendig, Zwangshandlungen zu widerstehen. Damit macht dein Gehirn wiederholt die Erfahrung, dass du Ungewissheit und unangenehme Gedanken und Gefühle aushalten kannst, ohne sie sofort loswerden zu müssen.
Agoraphobie
Bei einer Agoraphobie empfinden die Betroffenen Panik in Situationen, aus denen sie glauben, nicht fliehen zu können. Agoraphobie kann zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen auftreten. Dementsprechend spricht man bei einer Agoraphobie auch von Platzangst. Die Phobie beschränkt sich jedoch nicht auf weite, öffentliche Plätze, sondern bezieht sich auch auf unübersichtliche, unkontrollierbare Situationen.
Typische Situationen, die Agoraphobie auslösen können
- Menschenansammlungen
- Öffentliche Plätze
- Einkäufe (zum Beispiel im Supermarkt) und Warteschlangen
- Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, im Auto oder Flugzeug
- Reisen
- Schule, Universität, Arbeitsplatz
Symptome einer Agoraphobie
Viele Betroffene erleben in den angstauslösenden Situationen Symptome einer Panikattacke wie:
- Herzrasen
- Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Hitzegefühl oder Schweißausbrüche
- allgemeines Unwohlsein
- Angst davor, wahnsinnig zu werden, die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben
- Gefühl der Unwirklichkeit und Entfremdung (von sich selbst und der Umgebung)
Behandlung von Agoraphobie
Je eher Diagnose und Behandlung erfolgen, desto besser lässt sich eine Agoraphobie behandeln. Als wirksam hat sich eine Psychotherapie in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie erwiesen. Agoraphobie kann auch medikamentös behandelt werden. In Frage kommen zum Beispiel bestimmte Antidepressiva, die gleichfalls für die Behandlung von Angststörungen zugelassen sind.
Gangstörungen
Bei einer Gangstörung ist der automatisierte, reibungslose und harmonische Ablauf von Gehbewegungen beeinträchtigt. Dabei kann entweder das Gangmuster oder die Ganggeschwindigkeit oder beides gleichzeitig betroffen sein. Gangstörungen können sich auf vielfältige Weisen bemerkbar machen, je nach Art und Ursache der Störung.
Arten von Gangstörungen
- Ataktischer Gang: Dieser Gangstörungstyp zeichnet sich durch einen unsicheren, schwankenden und unkoordinierten Gang aus.
- Spastischer Gang: Beim spastischen Gang sind die Muskeln angespannt und steif.
- Parkinson-Gang: Er ist gekennzeichnet durch kleine, trippelnde Schritte und eine vornübergebeugte Haltung.
- Choreatischer Gang: Dieser Gangstörungstyp ist durch unkontrollierte, zuckende Bewegungen gekennzeichnet.
- Festgefrorener Gang: Ein festgefrorener Gang ist ein Symptom von Parkinson und tritt auf, wenn die Füße plötzlich am Boden „kleben“ und die Person nicht vorwärts gehen kann.
- Watschelnder Gang: Ein watschelnder Gang äußert sich durch breite Schritte und eine schaukelnde Bewegung der Hüften.
Symptome von Gangstörungen
- Schwankender Gang: Ein auffälliges Merkmal ist ein instabiler und schwankender Gang.
- Unsichere Schritte: Menschen mit Gangstörungen machen oft unsichere und unkoordinierte Schritte.
- Veränderte Schrittlänge: Die Schrittlänge kann ungleichmäßig sein.
- Muskelsteifheit: Bei einigen Gangstörungen, wie bei der Parkinson-Krankheit, kann es zu einer erhöhten Muskelsteifheit kommen.
- Geschwindigkeitsänderungen: Die Geschwindigkeit des Gehens kann beeinflusst sein.
- Fehlende oder veränderte Armschwingung: Bei einigen Gangstörungen kann die Armschwingung fehlen oder stark reduziert sein.
Behandlung von Gangstörungen
In erster Linie wird die Therapie auf die zugrunde liegende Krankheit ausgerichtet, da ein von der Norm abweichendes Gangmuster nur ein Symptom ist. Daher kann die Behandlung erst stattfinden, wenn die Ursachen geklärt sind.
Ergotherapie und Physiotherapie unterstützen den Patienten, seinen Alltag zu meistern und trotz bestehender Einschränkungen sich so viel wie möglich an Selbstständigkeit zu erhalten. Der Patient wird über die Hintergründe seiner Erkrankung und deren Symptome informiert. Er lernt, mit der Krankheit umzugehen, und erfährt, wie er selbst seine Gesundheit stärken kann.
Hilfsmittel bei Gangstörungen
Es gibt verschiedene Hilfsmittel und Gehhilfen, die für Menschen mit Gangstörungen entwickelt wurden, um ihnen dabei zu helfen, sicherer und stabiler zu gehen.
- Gehstöcke: Ein einfacher Gehstock bietet zusätzliche Stabilität und Unterstützung beim Gehen.
- Vierfußgehgestelle: Diese Gehhilfen ähneln Gehstöcken, haben jedoch vier Füße, die zusätzliche Stabilität bieten.
- Rollatoren: Rollatoren sind Gehhilfen auf Rädern, die mit Bremsen ausgestattet sind.
Versagensangst
Versagensangst ist eng mit Perfektionismus verbunden. Denn der Perfektionist setzt seine Erwartungen so ungemein hoch, das sie kaum erreichbar sind. Menschen mit einer übersteigerten Selbstaufmerksamkeit dürfen lernen, ihre Wahrnehmung zu erweitern und umlenken zu lernen.
Umgang mit Versagensangst
Werde dir zunächst bewusst, was du da gerade über dich und die Situation denkst. Automatische Gedanken sind subtil und nicht immer leicht zu entlarven. Sie arbeiten wie Autopiloten, eben automatisch und nicht bewusst.
Die Angst entsteht im Kopf, in den Gedanken. In den seltensten Fällen sind wir objektiv in einer kritischen Lage. Diese Bewertung kannst du korrigieren lernen. Dies passiert z.B. im Rahmen einer Therapie durch die Kognitive Verhaltenstherapie.
Allgemeine Strategien zum Umgang mit Angst
Es ist nie die Situation selbst, die die Angst auslöst. Kurzfristige Strategien helfen dir, in einer Akutsituation aus dem angstmachenden Gedankenkarussell auszusteigen. Eine solche kurzfristige Strategie kann sein, dass du zum Beispiel Beistand suchst, um aus einem Grübelkreislauf auszusteigen. Es ist in einer akuten Angst-Situation auch eine Möglichkeit, die angstauslösende Situation komplett zu vermeiden.
Langfristige Strategien
- Im ersten Schritt schreibst du dir alles auf, was dir als negative, die Angst hervorrufende Gedanken einfallen.
- Im zweiten Schritt eröffnest du nun aber neue Möglichkeiten, und schreibst auf, wie du die Situation anders erleben könntest - im Zweifel, wie sie andere anscheinend erleben.
- Wenn du in die Situation gerätst, die üblicherweise deine Angst auslöst, suche dir einen liebevollen (imaginären) Begleiter.
- Gib diesem Begleiter die Aufgabe, dich zu unterstützen und dir gut zuzureden.
- Mit PMR kannst du ganz gezielt dagegen arbeiten und dich lockern.
- Durch Meditation kannst du dir beibringen, dass du gar nicht unbedingt auf einen Gedanken, das heißt auf deine Interpretation einer Situation, reagieren musst (zum Beispiel mit Angst oder Flucht).
- Schreib dir am besten eine Art Angsthierarchie auf: Was ist eine Situation, die mir am meisten Angst macht? Welche Situation macht mir etwas weniger Angst? Was für eine Situation wäre ungefähr im mittleren Bereich?
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie wurde in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zur kognitiven Verhaltenstherapie erweitert. Hierbei geht man davon aus, dass Gedanken und Gefühle einen entscheidenden Einfluss auf unsere Verhaltensweisen haben. Umgekehrt kann eine Veränderung ungünstiger Denkmuster Verhalten und Gefühle positiv verändern.
Was macht man bei einer Verhaltenstherapie?
Der Fokus der Verhaltenstherapie liegt - im Gegensatz zur Psychoanalyse - nicht so sehr auf vergangenen, ursächlichen Ereignissen. Vielmehr geht es darum, bestehende Probleme durch neue Denk- und Verhaltensweisen zu bewältigen.
Der Therapeut fordert den Patienten dazu auf, bisherige Ansichten und Einstellungen zu überprüfen. Anschließend ermutigt der Therapeut den Betroffenen, neue Denk- und Verhaltensweisen auszuprobieren.
Rückfälle verhindern
Zur Rückfallprophylaxe gehört, dass der Patient gut auf die Zeit nach der Therapie vorbereitet wird. Der Therapeut bespricht mit dem Betroffenen Ängste, die mit dem Ende der Therapie verbunden sind. Auch für die Zeit danach erhält der Patient konkrete Anweisungen, wie er mit erneut auftretenden Probleme umgehen kann.
Zusammenfassung
Angst ist ein vielschichtiges Problem, das sich in verschiedenen Formen äußern kann. Von Tremorerkrankungen über magische Zwangsgedanken bis hin zu Agoraphobie gibt es eine Vielzahl von Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten. Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen, wenn die Angst das Leben beeinträchtigt.
