Die Welt des Kampfsports ist voller Dramatik, Leidenschaft und unvergesslicher Momente. Besonders im Schwergewicht, wo die Giganten aufeinandertreffen, um ihre Kräfte zu messen. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte der Schwergewicht-Champions in der UFC und wirft einen Blick auf einige der bemerkenswertesten Kämpfer und Kämpfe.
Tyson Fury: Genie und Wahnsinn im Boxring
Tyson Fury (31) ist eine schillernde Persönlichkeit im Boxsport. Er ist der erste, der einem beipflichten würde: Tyson Fury hat mächtig einen an der Waffel. Auf Fragen antwortet er lieber mit einem Witz, als ernsthafte Antworten zu liefern.
Im Ring ist dann aber fertig lustig. Nachdem in der Nacht auf Sonntag Wilders Ecke in Runde 7 das Handtuch wirft, um den davor unbesiegten US-Amerikaner von den Prügeln zu erlösen, verkündet der frischgebackene WBC-Weltmeister Fury: «Der König ist zurück auf seinem Thron.»
Der König, der war er schon mal. Fast fünf Jahre ist es her, da besiegte er im November 2015 Wladimir Klitschko, damals unbestrittener Dominator im Schwergewicht. Es war eine Sensation, Furys Psychospielchen begeisterten die Boxwelt, die Raffinesse, mit der er «Dr. Steelhammer» austrickste, ebenfalls.
Der Absturz in die Depression
Doch dann kam das Loch. Es war dunkel und tief. Nach dem grössten Triumph seiner Karriere verfiel Fury dem Alkohol und dem Kokain. Es wurde bekannt, dass er durch eine Doping-Kontrolle gerasselt war. Er behauptete, die Nandrolonwerte liessen sich durch den Konsum von Keiler-Fleisch erklären, hetzte gegen Schwule, Frauen, Minderheiten.
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Er war depressiv. «Ich war Weltmeister, ganz oben, man musste denken, ich sei glücklich. Aber es gab in der Zeit keinen Tag, an dem ich nicht aufgewacht wäre und dafür gebetet hätte, zu sterben.»
Die Therapie half, Fury erholte sich. Mittlerweile spricht er offen über die dunkle Zeit. «Ich komme aus einer grossen, harten Familie, wo niemand kommuniziert und Schwäche zeigt», sagte er einst in der «Rich Eisen Show». «Wenn du Zweifel zeigst, giltst du bei uns als schwach. Ich wusste nicht, was ich tun soll. Also habe ich es niemandem erzählt. Bis es eines Tages explodiert ist.»
Fury der «König der Zigeuner»
Die Familie ist eines der grossen Themen in Furys Leben. Ehefrau Paris hält den Laden mit den fünf Kindern zusammen. Sie scheint der Gegenpol zu sein zu den rauen Fury-Kerlen. Vater John zum Beispiel sass im Knast, weil er einem Bekannten im Streit ein Auge ausgestochen hatte. Es soll um eine Flasche Bier gegangen sein.
Boxen ist in der Familie allgegenwärtig, die «Irish Traveller», eine Art britische Roma-Kultur, haben eine grosse Kampfsport-Tradition. Als «Gypsy King» bezeichnet sich Fury darum auch, als «König der Zigeuner».
«Er hat das Puzzle gelöst», sagt die britische Box-Legende Lennox Lewis nach dem dominanten Triumph über den mächtigen Puncher Wilder. «Das ist es, was die grossen Boxer machen. Er hat ihn dazu gebracht, rückwärts zu gehen, wo er nicht so explosiv ist. Er hat ihn überfahren.»
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Fett und depressiv, das war einmal. Jetzt ist Fury wieder gross, schwer, schlau, stark und böse. Und pendelt irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn.
Fury kann etwas verändern!
Wie wenige Weltstars vor ihm spricht er offen über seine psychischen Probleme. Er ist in einer Macho-Kultur grossgeworden, in der Schwäche und Unsicherheit zu zeigen ein absolutes Tabu sind. Fast wäre er daran zerbrochen.
Jetzt redet er darüber, teilt seine Erfahrungen. Er tut das übrigens differenziert und klug. Wer ihm zuhört, merkt: Fury ist nicht nur der joviale Sprücheklopfer, als der er sich gerne gibt.
Francis Ngannou: Der neue König der UFC
Am Wochenende hat die UFC einen neuen Herrscher erhalten. Und was für einen. Francis Ngannou holte sich in Las Vegas den Schwergewichtsweltmeistertitel der UFC gegen Stipe Miocic durch KO in der zweiten Runde. Irgendwann konnte sich auch der taktisch clevere Miocic nicht mehr genug schützen. Ngannou krönt sich in der zweiten Runde zum UFC-Schwergewichtsweltmeister.
Keiner schlägt härter als der neue König - keiner hat je härter geschlagen. Das behauptet wenigstens das UFC-Performance-Center. Ngannous Schlag soll über dieselbe Power verfügen wie ein kleiner Personenwagen. Ob die Zahlen korrekt sind, ist schwer zu überprüfen. Ngannous Kampfstatistik lassen sie aber glaubwürdig erscheinen.
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Bis zu seinem ersten UFC-Titelkampf gegen Miocic (den er 2018 verlor) überstand keiner seiner Gegner die zweite Runde. Auch erfahrene Ex-Weltmeister hielten sich nicht lange auf den Beinen. Cain Velasques schaffte 26 Sekunden, Junior dos Santos eine Minute und elf Sekunden, Andrei Arlovski immerhin 25 Sekunden länger.
Längst wissen seine Gegner von Ngannous Schlagkraft. Vor seinem Duell mit dem Kameruner stärkte Alistair Overeem 2017 intensiv seine Nackenmuskulatur. Die von Diego Sanchez entwickelte Trainingsmethode sollte ihm dabei helfen, die harten Schläge besser wegzustecken. Genützt hat es nur bedingt. Nach 102 Sekunden krachte ein Ngannou-Haken derart brutal auf Overeems Kinn, dass dessen Kopf zurückklappte wie ein Pez-Spender.
Augenzeugen hielten den Atem an. So brachial war schon lange niemand mehr auf die Bretter geschickt worden.
Die schwierigen Anfänge
Und wie Tyson kommt auch Ngannou aus äusserst schwierigen Verhältnissen. Francis Ngannou verbrachte seine ersten Lebensjahre im 10'000-Seelendorf Batié in Kamerun. Seine Eltern trennten sich, als er sechs Jahre alt war. Fortan sorgte sich seine Tante um ihn.
Mit zehn Jahren begann er, in einer Sandmine zu arbeiten. Ihm blieb keine andere Wahl: «Ich musste mich am Abend zum Markt schleichen, um dort Essen zu finden. Manchmal stritt ich mich mit einer Ratte um eine verfaulte Tomate.»
Später arbeitete Ngannou fünf Jahre lang als Motorrad-Taxichauffeur. Doch das reichte ihm nicht. Sein Traum war, Boxer zu werden. Er verkaufte sein Motorrad und suchte ein Fitnessstudio. Von seinen Freunden und der Familie wurde er indes für verrückt erklärt. Ngannou hatte noch nie in seinem Leben Boxtraining genossen. Und er war bereits 22 Jahre alt.
Eine Boxkarriere in Kamerun zu starten ist ein schwieriges Unterfangen. Deshalb floh er durch die Sahara über Marokko und das Mittelmeer. Er brauchte mehrere Versuche, bis er in Spanien ankam - wo er sofort verhaftet wurde. Nach zwei Monaten kam er wieder frei.
Didier Carmont nahm ihn unter seine Fittiche. Von der UFC und MMA hatte er bis dahin nur am Rande gehört. Trotzdem wurde ihm geraten, diesen Weg einzuschlagen. Noch im selben Jahr bestritt er seinen ersten Kampf. Nach 104 Sekunden gewann er - man darf ein bisschen schmunzeln - mit einem Armhebel.
In der Folge verbesserte sich Ngannou in rasantem Tempo. Nach nur drei Jahren MMA-Training und einem Kampfrekord von 5:1 unterzeichnete er bereits seinen ersten UFC-Vertrag. Der Rest ist Geschichte. Am Wochenende wurde Ngannou, zwölf Jahre nachdem er losgezogen war, um Boxer zu werden, UFC-Schwergewichtsweltmeister.
Francis Ngannou ist jetzt 34 Jahre alt. Trotz seines Alters hat er sein Potenzial noch nicht komplett ausgeschöpft. An ihm werden sich die schweren Brocken in den nächsten Jahren die Zähne ausbeissen müssen.
Das dominante Auftreten und die Knochenbrecher-Aura von Ngannou verleiht der höchsten Gewichtsklasse wieder neue Attraktivität. Für ihn setzt man sich wieder vor den Fernseher - auch zu später Stunde noch. Ihm gelingt es, diese Urgefühle zu wecken. Ihn will man sehen, wie er seine Gegner vernichtet. Lang lebe der König.
Khabib Nurmagomedov: Eine Legende des MMA
Khabib Nurmagomedov, ein Name, der in der Welt des Kampfsports eine Legende geworden ist. Der russische Mixed Martial Artist (MMA) hat eine beeindruckende Karriere hinter sich, die von unzähligen Erfolgen und einer unbesiegten Bilanz von 29 Siegen geprägt ist.
Aufgrund seiner bemerkenswerten Leistungen wird er von vielen als einer der besten Mixed Matrial Arts Kämpfer aller Zeiten angesehen, da er seine Karriere mit einer makellosen Bilanz von 29 Siegen und keiner einzigen Niederlage beendete.
Mit mehr als 34 Millionen Followern auf Instagram ist er der am meisten gefolgte russische Sportler in den sozialen Medien. Nach dem UFC-Kampf 254 im Oktober 2020 verkündete Khabib offiziell seinen Rückzug aus dem aktiven Kampfsport und widmetet sich danach dem MMA-Training und Coaching.
Der Kampfstil von Khabib
Der Kampfstil des Sportlers setzt sich wie erwähnt aus einer Kombination von Sambo, Judo und Wrestling zusammen. Diese Mischung von Sportarten ist für MMA heutzutage aussergewöhnlich, denn der Oktagon wird von Muay Thai, Jiu-Jutsu und Boxen dominiert.
- Schlagkraft: Die Schlagfähigkeit des Kämpfers wird oft unterschätzt, denn Khabib triumphierte in den meisten Fällen durch seine Vorlagen gegenüber seinen Gegnern.
- Takedowns: Der Erfolg des MMA-Sportlers beruht hauptsächlich auf seinen Takedowns.
- Beinkontrolle: Eine charakteristische Technik von Khabib ist der sogenannte „Beinwickel“. Nachdem er seinen Gegner zu Boden gebracht hat, umschlingt er fest seine Beine.
- „Smesh“ Ground and Pound: Während seiner Zeit als Champion im Leichtgewicht erwies sich Khabibs Ground and Pound Technik als unaufhaltsam.
Khabibs Fitnessplan
Khabibs Fitnessplan ist das Ergebnis einer gut durchdachten Trainingsstrategie. Er fokussiert sich durch einen vielseitigen Trainingsplan auf verschiedene Aspekte seines Körpers. Dies ermöglicht ihm eine bemerkenswerte Stärke, Wendigkeit und Schnelligkeit zu erreichen.
- Kampfkunsttraining: Er trainiert täglich am Nachmittag, um seine Techniken in den Kampfkünsten zu verfeinern und seine Kampffertigkeit zu optimieren.
- Russische Sauna: Einmal pro Woche nutzt er eine russische Sauna, um seinen Körper zu entspannen und Muskelverspannungen zu lösen.
- Calisthenics: Körpergewichtsübungen wie Liegestütze, Klimmzüge und Kniebeugen sind äusserst effektiv, um Muskelkraft aufzubauen.
- Schattenboxen: Dies ist eine beliebte Übung im Kampfsport, die Khabib hilft, seine Techniken zu schärfen und seine Reflexe zu verbessern.
Controversen und Spektakel: Conor McGregor
Conor McGregor ist der aktuell grösste Star des Mixed-Martial-Arts-Verbandes «Ultimate Fighting Championship» (UFC). Seit Sonntagnacht und dem UFC-205-Event ist der 28-jährige Ire der erste Kämpfer überhaupt, der Champion in zwei verschiedenen Gewichtsklassen ist.
In gewohnter McGregor-Manier verhöhnte er vor, während und nach dem Kampf seine Gegner. Und sofort werden die Hater aktiv. In unserem Artikel McGregor schreibt Geschichte - erst macht er den Gegner lächerlich, dann gibt's Prügel geht die Diskussion um die aufstrebende Sportart schnell los.
Man darf nicht vergessen, dass der Sport zur Unterhaltungsbranche gehört. Da gehört Show und Provokation dazu. Und «The Notorious» beherrscht sowohl das Sportliche wie auch die Inszenierung drumherum beinahe in Perfektion.
Alle, die sich schon einmal im Kampfsport versucht haben, wissen, welche körperliche Grundfitness erforderlich ist. Das überhaupt diskutieren zu müssen, ist eine Farce. Dazu kommen eine unfassbare Körperbeherrschung, brutale Kraft und eine mentale Stärke, die seinesgleichen sucht. Zudem ist es eine absolute Kunst, die verschiedenen Kampfsportarten zu kombinieren und dabei jede möglichst perfekt zu beherrschen.
Boxen vs. Mixed Martial Arts: Ein Vergleich
Was ist nun attraktiver: herkömmliches Boxen oder moderne Vollkontaktsportart? Für einen Vergleichskampf Boxen gegen Mixed Martial Arts rollen Hunderte Millionen von Dollars.
Doch auch am Tage danach wird niemand sagen können, was nun besser sei: die sogenannte «edle Kunst der Selbstverteidigung», als die sich das Boxen euphemistisch umschreibt, oder die Mixed Martial Arts, jene zeitgenössische Abart des antiken Pankrations, die in manchen Ländern (etwa Frankreich) gesetzlich verboten bleibt.
Mike Tyson und Jake Paul: Ein verrücktes Box-Spektakel
Natürlich darf auch das nicht fehlen: Mike Tyson und Jake Paul zelebrieren den Staredown. Auf den ersten Blick ist es bloss ein ziemlich irrelevanter Showkampf: In der Nacht auf Samstag Schweizer Zeit steigt Mike Tyson gegen Jake Paul in den Ring (ab 2 Uhr). Hier die streitbare Boxlegende, bei deren Eskapaden es überraschen kann, dass sie mit 58 noch am Leben ist. Da der grossmäulige, 27-jährige Youtuber, der seit Jahren versucht, sich als Fighter Respekt zu verschaffen. Der sportliche Wert? Allerhöchstens überschaubar.
Und doch wird gerade so getan, als sei dies der Kampf des Jahres. Natürlich ist das erst einmal PR-Gerede und kann als Strophe im Abgesang auf das Boxen herhalten. Dazu später. Aber da ist auch der Rahmen, der verspricht, Massstäbe zu setzen.
Welche Kraft von Netflix als Plattform ausgeht, zeigt die Formel 1. Dank «Drive to Survive» erlebte die Rennserie einen enormen Popularitätsschub, gerade in den USA, wo sie zuvor ein Nischendasein gefristet hatte.
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Es ist die stärkste Szene der dreiteiligen Doku. Tyson sitzt auf einer Hantelbank und sagt, er bedaure vieles, was er in seinem Leben angestellt habe. Der Schlüssel sei, sagt Tyson, mit dieser Reue umgehen zu können. «Du musst weitermachen, immer in Bewegung bleiben.»
Wie eine Furie stürmte Tyson auf seine Gegner los, 44 seiner 50 Siege gewann er durch K. o., davon 22 in der 1. Runde. Eine unfassbare Bilanz.
Als Tyson auf seinem Höhepunkt war, gab es kein Internet, schon gar keine sozialen Medien. Aufsteigergeschichten wie jene von Jake Paul waren noch nicht möglich.
Allein auf Youtube hat Jake Paul über 20 Millionen Follower, auf Instagram 27. Auch er hat Drogeneskapaden und Skandale hinter sich, auch er fand im Boxen einen Lebenssinn. So jedenfalls erzählt er das in der Doku.
