Die Bedeutung von Schnelligkeit und Kraft im Kampfsport ist unbestritten. Im Zweikampf geht es darum, schneller als der Gegner zu sein und Techniken mit hoher Geschwindigkeit und Explosivität auszuführen. Dies erfordert ein entsprechendes Training, das sowohl Schnelligkeit und Kraft als auch Wahrnehmungsvermögen und Koordination schult. Die Handlungsschnelligkeit ist genauso gefragt wie die Reaktionsschnelligkeit.
Die Grundlagen des Schnellkrafttrainings
Schnellkrafttraining zielt darauf ab, in kurzer Zeit möglichst viel Kraft zu erzeugen. Es wird daran gemessen, wie lange die Kraft gebraucht wird, wie steil die Kraft ansteigt und wie hoch sie ausfällt. Hierbei spielen sowohl die Kraftentwicklung innerhalb des Muskels als auch das Zusammenspiel der Muskeln eine Rolle. Das Training sollte sportartspezifisch gestaltet werden, um die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Disziplin zu erfüllen.
Krafttraining als Basis
Krafttraining ist ein integraler Bestandteil des Trainings für Kampfsportler. Eine starke Muskulatur ermöglicht es, schneller und kraftvoller zu schlagen und zu treten, was zu einer besseren Leistung führt. Es verringert das Verletzungsrisiko und steigert die Ausdauer. Das Krafttraining sollte jedoch speziell auf die Bedürfnisse und Anforderungen des jeweiligen Kampfsports abgestimmt werden.
Die Basis des Krafttrainings sollten Grundübungen bilden. Dabei handelt es sich um mehrgelenkige Übungen, die mehrere Muskelgruppen gleichzeitig trainieren. Für Kampfsportler eignen sich Übungen, die die gesamte Körperkraft verbessern, wie z.B.:
- Kniebeugen: Für Beinstärke und Explosivität
- Bankdrücken: Für Oberkörperstärke
- Kreuzheben: Für Rumpf- und Beinstärke
- Klimmzüge: Für Rücken- und Armstärke
- Schulterdrücken: Für Schulterstärke
Funktionelles Krafttraining
Funktionelles Krafttraining ist ein wichtiger Bestandteil des Trainingsprogramms für Kampfsportler, da es die Fähigkeiten verbessert, die für den Wettkampf benötigt werden. Es bezieht sich auf Übungen, die Alltagssituationen oder Sportbewegungen nachahmen und den Körper als Ganzes stärken. Beispiele hierfür sind Übungen mit Kurzhanteln zur Verbesserung der Schlagkraft und Reaktionsfähigkeit oder Übungen mit dem Sandbag zur Verbesserung der Körperkontrolle und Explosivkraft.
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Methoden zur Steigerung der Schnelligkeit
Um die Schnelligkeit in der Kampfkunst zu steigern, ist die Fokussierung auf Präzision und Technik eine der effektivsten Methoden. Übe deine Bewegungen stets konzentriert und langsam. Nur so kannst du die richtige Form gewährleisten. Der eigentliche Weg zur Schnelligkeit beginnt mit der Grundlagen-Perfektionierung.
High-Intensity Training (HIIT)
Um deine Ausdauer zu steigern und die Fähigkeit, schnelle Bewegungen aufrechterhalten zu können, integrierst du ein hochintensives Intervalltraining in dein Trainings-Programm. Das hochintensive Intervalltraining (HIIT) fördert neben der Ausdauer auch die Muskelreaktion und die Schnellkraft. Schnelle Intervalle einer intensiven Aktivität, gefolgt von kurzen Erholungspausen, sorgen für eine Stimulation der Anforderungen schneller Kampfkunst-Bewegungen.
Gezieltes Schattenboxen
Schattenboxen eignet sich nicht nur hervorragend, um deine Schnelligkeit zu steigern, sondern auch um das Schlagen mit Absicht zu trainieren. Stellt dir einen Gegner vor und führe dann schnelle und präzise Bewegungen aus. Konzentriere dich darauf, dass die Kombinationen von Angriffen und Verteidigungen flüssig sind. So verkürzt du keine Reaktionszeit um einiges.
Gezielte Kraftübungen für schnelle Bewegungen
In dein Training integrierst du Hüpf- und Sprungübungen. Diese steigern deine Explosivität durch gezielte Sprungkraftübungen. Nicht nur deine Beinarbeit wird verbessert, sondern auch deine Reaktionsschnelligkeit und deine allgemeine Schnelligkeit. Zur Muskel-Stärkung eignen sich Übungen wie Hürdensprünge, schnelle Beinheber und Plyometrie.
Mentales Training
Die körperliche Schnelligkeit wird auch von der Geistes-Schnelligkeit beeinflusst. Du musst schnelle Bewegungen und deine Atmung kontrollieren - nur so kannst du fokussiert bleiben. Ein klarer Geist unterstützt deine schnellen Entscheidungen und Handlungen. Um deine Mentalität zu steigern, hilft es dir, regelmäßig Atemübungen durchzuführen.
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Plyometrisches Training
Plyometrisches Training beruht auf kraftvollen, explosiven Bewegungen. Dabei soll möglichst wenig Bodenkontakt entstehen und keine Energie verloren gehen. In Intervallen werden durch Sprünge, Würfe und Kraftübungen gezielt Muskelgruppen trainiert. Spannung, Haltung und präzise Ausführung sind dafür das A und O.
Einige plyometrische Übungen:
- Ausfallschritte
- Kniebeuge
- Liegestütz
- Sprünge auf die Plyo-Box
Plyometrische Übungen sind das optimale Schnellkrafttraining. Sie helfen Ihnen, Ihre Sprints und Sprünge zu verbessern. Ihre Bewegungen werden gezielter und kraftvoller und Sie entwickeln ungeahnte Muskelkraft.
Beispielhafter Trainingsplan
Eine sinnvolle Trainingsplanung wechselt die verschiedenen Trainingsprinzipien und Kraftarten zyklisch ab. Es gibt hier 2 verschiedene Varianten. Für den Anfänger kann es jedoch sehr sinnvoll sein, eine feste Trainingsplanung zu haben, da diese einen Leitfaden bietet und sich schon über Jahre bei vielen Sportlern bewährt hat.
Folgende Periodisierung wäre z.B.:
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- 1 Woche komplette Pause
- 2 Wochen Maximalkrafttraining
- 2 Wochen Schnellkrafttraining
- 6 Wochen Hypertrophietraining
Diese Periodisierung sollte in dieser Reihenfolge durchgeführt werden. Bei der Maximalkraft solltest Du ebenso versuchen das Gewicht so schnell wie möglich zu bewegen. Insgesamt dauert der Zyklus 6 Wochen. Du startest am ersten Tag in der Hauptübung mit 70% des 1RM! In jedem Training wird das Gewicht um ca. 5% erhöht. Dadurch kommst Du gegen Ende auf ca. 90% des 1RM! Die Wiederholungszahlen musst Du zwangsläufig anpassen. Die erste Woche wird noch sehr leicht sein, gegen Ende wird es aber richtig hart werden.
Das Schnellkrafttraining startet bei 30% der 1RM wird in Woche 3 um 5% erhöht. In Woche 5 wird das Gewicht wieder um 5% erhöht. Je nach Zielsetzung wie z.B.
Dehnungstraining
Die Bedeutung des Beweglichkeitstrainings zu Lasten des Schnelligkeits- und Krafttrainings nimmt im leistungsorientierten Kampfsport immer mehr ab. Dabei ist die Beweglichkeit, auf welche über ein Dehnungstraining Einfluss genommen werden kann, neben den Kraft- und Schnelligkeitsparametern im Kampfsport ein wesentlich leistungsbestimmender Faktor.
Es lässt sich zusammenfassen, dass der Stellenwert des Beweglichkeitstrainings im Sport allgemein und im Speziellen im Kampfsport in den Hintergrund gerückt ist und stattdessen verstärkt auf die Ausbildung von Kraft und Schnelligkeit durch funktionelles und myofasziales Training gesetzt wird. Der Spagat zwischen funktionellem Krafttraining in Kombination mit funktionellem Beweglichkeitstraining scheint noch nicht gelungen zu sein.
Die Kombination von Kraft- und Beweglichkeitstraining scheint eben genau aus diesen Gründen für den Kampfsport sinnvoll. Einerseits ist anzunehmen, dass sich die Muskulatur auf morphologische Art und Weise auf Langzeitdehnungen anpasst und andererseits sind aufgrund dieser Anpassung auf lange Sicht keine negativen Einflüsse auf Kraft- und Schnelligkeitsleistungen zu erwarten.
Grundsätzlich werden drei PNF-Methoden (CR, AC, CRAC) unterschieden. Aufgrund der muskulären Beanspruchung bei Kicktechniken erweist sich die CRAC-Methode für Kampfsportler als besonders geeignet.
Empfehlungen
Bevor du mit dem Schnellkrafttraining beginnst, solltest du eine gute muskuläre Grundlage und eine solide Technik haben. Es ist wichtig, die Übungen korrekt auszuführen und die Intensität langsam zu steigern, um Verletzungen vorzubeugen. Konsultiere bei Bedarf einen erfahrenen Trainer, um ein individuelles Trainingsprogramm zu entwickeln, das auf deine Bedürfnisse und Ziele abgestimmt ist.
Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Informationszwecken und sollten nicht als Ersatz für professionelle medizinische Beratung angesehen werden.
