Sammelbegriff Kampfsportarten: Eine umfassende Liste und Informationen

Kampfsportarten sind ein Sammelbegriff für verschiedene Zweikampfsportarten, die ursprünglich in Fernost bei der Kriegsführung eingesetzt wurden und die von ostasiatischen Philosophien, vor allem dem Zen-Buddhismus, geprägt wurden. Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. brachte Bodhidharma, ein indischer Priester und Krieger, den Zen-Buddhismus zusammen mit einem System von 18 Selbstverteidigungsübungen nach China.

Die Übungen entwickelten sich zu einer Art von Boxen, das sich zusammen mit dem Zen in ganz China verbreitete und im 12. Jahrhundert Japan erreichte. Kampfsportarten sind heute in vielen Teilen der Welt beliebt zur Selbstverteidigung, als Wettkampfsport und als Konditionsübung. Heutzutage konzentriert sich das weltweite Interesse an Kampfsportarten häufig auf deren geistige Komponente als Mittel zur Stärkung des Selbstvertrauens und der Konzentrationsfähigkeit.

Auch der Aspekt der Selbstverteidigung wird vor allem für Frauen und ältere Menschen immer wichtiger. In vielen Kampfsportarten wurden spezielle Trainingsprogramme entworfen, die es einem kleineren und schwächeren Menschen erlauben, mit einem größeren und stärkeren Angreifer fertig zu werden. Die Kampfsportarten wurden in jüngster Zeit nicht nur beliebt als Wettkampfsport und als Möglichkeit, sich körperlich in Form zu halten, sondern auch als Mittel zum Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, ähnlich wie beim Tanz oder beim Kunstturnen.

Bekannte Kampfsportarten und ihre Merkmale

Hier ist eine Liste der bekanntesten Kampfsportarten:

  • Karate: Eine der mitgliederstärksten Kampfsportarten, die seit vielen Jahren zu den Klassikern zählt. Bereits für sehr kleine Kinder werden in Deutschland Karatekurse angeboten. Da es in Karate verschiedene Grade gibt, die mit einem bestimmten Gürtel verbunden sind, bietet der Kampfsport noch einen zusätzlichen Ansporn.
  • Kung-Fu: (Gong Fu, chinesisches Boxen) ist neben Karate die bekannteste Kampfsportart. Beim Kung-Fu werden Beinstöße, Schläge, Würfe, Körperdrehungen, Ausweichbewegungen, Haltegriffe, Duckstellungen und schnelles Hochspringen, Sprünge und Abrollen, Radschlagen und Überschläge eingesetzt. Bei diesen Bewegungstechniken wird öfter als bei Karate die geöffnete Hand eingesetzt, wie z. B. Klammer- und Reißbewegungen.
  • Judo: Eine beliebte, mittlerweile auch in Europa weitverbreitete asiatische Kampfsportart, die 1882 von dem japanischen Pädagogen Dr. Jigoro Kano aus dem Jujutsu entwickelt wurde. Beim Judo versuchen die Kämpfer, ihren Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen, mit speziellen Techniken auf den Boden zu werfen und mit Halte-, Hebel- und Würgegriffen zum Aufgeben zu bewegen. Judo wurde 1964 in das Programm der olympischen Sportarten aufgenommen. Neben Karate ist Judo der andere große Breitenkampfsport. Judo arbeitet im Vergleich stärker mit der Hebelwirkung. Anders als bei Karate sind hier weniger Schläge von Bedeutung. Stattdessen geht es um das Aushebeln gegnerischer Kräfte. Auch für den Bodenkampf im engen Körperkontakt mit dem Gegner stellt Judo die passenden Techniken zur Verfügung. Im Judo wie in Karate gibt es in Deutschland eigene Wettkampfligen, an denen viele Menschen teilnehmen.
  • Jujutsu: (vom japanischen Ju: "sanft") verwenden die Kämpfer Haltegriffe, Würgegriffe, Würfe, Hebelgriffe, Tritte und Atemi (Schläge auf empfindliche Körperstellen). Diese Techniken sind nur insofern sanft, als sie dazu dienen, einen Angriff abzuwehren oder unter Kontrolle zu bringen. Schwere oder tödliche Verletzungen sind möglich.
  • Aikido: Eine Form der Selbstverteidigung, die wie Judo im vorigen Jahrhundert aus dem Jujutsu entwickelt wurde. Beim Aikido weicht man den Angriffen des Gegners durch fließende, kreisförmige Bewegungen aus und nutzt dessen Impuls, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, ihn zu Boden zu werfen und mit Hebelgriffen festzuhalten. Aikido ist neben Tai Chi Chuan die sanfteste Kampfsportart und wird nicht als Wettkampf betrieben.
  • Tai Chi Chuan: Bekannter unter der Bezeichnung Tai Chi, ist eine alte chinesische Form des Kampfes und der Körperertüchtigung, die in China und auch anderswo hauptsächlich wegen seiner gesundheits- und konzentrationsfördernden Wirkung ausgeübt wird. Es besteht aus langsamen, anmutigen Bewegungen und stilisierten Formen von Arm- und Beinstößen. Tai Chi wurde im alten China entwickelt. Es bietet eine Mischung aus gymnastischen Übungen, Meditation und ganzheitlicher Persönlichkeitsentwicklung. Die Bewegungsübungen wirken auf Zuschauer zunächst sehr langsam. Sie sind gerade deshalb mit körperlicher Anstrengung verbunden. Tai Chi hat den Ausgleich von verschiedenen Energien und die Persönlichkeitsentwicklung im Geist im Blick.
  • Taekwondo: Eine Kampfsportart, die in Korea entstanden ist. Die Gegner verwenden Tritte, Faustschläge und verschiedene Ausweichtechniken. Besonders bekannt ist Taekwondo für seine typischen Sprung- und Trittechniken, die auch "Flugstöße" genannt werden. In den sechziger Jahren verbreitete sich der Sport von Korea aus über die ganze Welt. Die ersten Taekwondo-Weltmeisterschaften fanden 1973 in Seoul (Südkorea) statt.
  • Sumo: Ein beliebter japanischer Wettkampfsport, in dem außergewöhnlich kräftig gebaute Männer gegeneinander antreten und versuchen, sich gegenseitig aus dem Ring zu drücken oder zu Boden zu werfen. Die Regeln verbieten Treten, Scheinangriffe, Ziehen an den Haaren und ähnliches, dagegen sind Aktionen wie Drücken, Ziehen, Schlagen, Werfen und Festhalten zugelassen.
  • Kendo: Eine japanische Kampfsportart, die sich aus dem Schwertkampf der Samurai entwickelt hat. Die Gegner verwenden einen langen Schlagstock aus Bambus. Eine spezielle Rüstung schützt verschiedene Körperteile.
  • Boxen: Zählt ebenfalls zu den langjährigen Klassikern unter den Kampfsportarten. Filme wie „Rocky“ und deutsche Boxweltmeister haben immer wieder dazu geführt, dass dieser Kampfsport regen Zulauf hatte. In fast allen großen Städten gibt es Angebote mit Boxtrainings. Boxen gilt als harte Kampfsportart und gutes Muskeltraining.
  • Ringen: Eine Kampfsportart, die in Deutschland eine lange Tradition hat. Sie basiert ebenfalls auf Hebelwirkungen im engen Körperkontakt. Vorläufer zum Ringen finden sich jedoch bereits in der Antike.
  • Capoeira: Dieser Kampfsport hat seine Wurzeln in Brasilien. Während des Kolonialismus war es den Sklaven und der indigenen Bevölkerung verboten, einen Kampfsport auszuüben. So entwickelte sich eine Selbstverteidigungstechnik, die als Tanz getarnt war.
  • Krav Maga: Ein israelisches Selbstverteidigungssystem. Es wurde aus den Techniken unterschiedlicher Selbstverteidigungsarten zusammengesetzt und zählt zur Ausbildung vieler Spezialeinheiten. Krav Maga möchte eine möglichst effektive Selbstverteidigung für den Ernstfall auf der Straße an die Hand geben. Dem Anspruch nach richtet sich dieser Kampfsport auch an untrainierte Menschen, die ansonsten nicht viel Sport betreiben. Das kann für Anfänger von Vorteil sein.

Die Bedeutung der Gürtelgrade

In vielen Kampfsportarten gibt es ein System von Gürtelgraden, die die Kampferfahrung und das Können des jeweiligen Sportlers widerspiegeln. Darauf folgen der Rangfolge nach gelb, orange, grün, blau und braun. Ein schwarzer Gürtel zeigt die Kampferfahrung höheren Grades auf verschiedenen Stufen an.

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Die Stufen des schwarzen Gürtels werden als Dan (japanisch für "Grad") bezeichnet. Der erste Dan oder der erste Grad des schwarzen Gürtels steht für die Anfängerstufe des schwarzen Gürtels. Der fünfte Dan oder fünfte Grad kommt einem Meister zu.

Kampfsportarten in Deutschland: Eine Übersicht

Ein Blick in aktuelle Mitgliederstatistiken des Sportbundes der gesamten Bundesländer gibt Aufschluss. Dabei zeigt sich, dass der Kampfsport auf der einen Seite ein sehr internationales Angebot bietet. Die historischen Wurzeln vieler Techniken liegen in anderen Ländern und man ist sich dessen klar bewusst.

Besonders Karate und Judo sind in Deutschland beliebt. Wer einen Kampfsport mit deutschen Traditionen sucht, kann sich zum Beispiel für das Ringen oder Fechten entscheiden. Hartes Muskeltraining ergibt sich beispielsweise beim Boxen.

Hier eine Übersicht der beliebtesten Kampfsportarten in Deutschland:

  1. Karate
  2. Judo
  3. Boxen
  4. Ringen
  5. Taekwondo, Kickboxen und Martial Arts
  6. Capoeira
  7. Tai Chi
  8. Krav Maga

Kampfkunst vs. Kampfsport

„Kampfkunst“ gilt als adäquate Übersetzung des lateinischen Begriffs „Ars Martialis“, „der Kunst des Mars“, des römischen Kriegsgotts (vgl. martialisch). Der mittelalterliche Kampfkunstbegriff wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wie andere Bewegungsformen und -spiele auch, von den Konzepten des deutschen Turnens und der schwedischen Gymnastik beeinflusst.

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Der später Einzug haltende Oberbegriff „Sport“ aus dem Englischen führte zu einer Verbreitung des Begriffs „Kampfsport“, der seither neben „Kampfkunst“ Verwendung findet. In der öffentlichen Wahrnehmung und in Teilen der Wissenschaft wird Kampfkunst häufig mit spiritueller und künstlerisch-ästhetischer Bewegungspraxis verbunden.

Einige Autoren wie Pfeifer grenzen Kampfkunst als hocheffektives Kriegshandwerk mit dem Ziel der Ausschaltung bzw. Vernichtung des Gegners vom versporteten modernen Kampfsport ab. Wieder andere subsumieren unter Kampfkunst alle Systeme, die nicht der vergleichsweise engen Definition von Kampfsport zugehörig sind, die zumeist ein wettkämpferisches Sportregelwerk und entsprechende Vergleichskämpfe sowie Meisterschaften voraussetzt.

Die Geschichte der Kampfkünste

Man nimmt an, daß Kung Fu mit der Ankunft von Bodhidharma im Shaolin-Kloster von Songshan im 6. Jahrhundert n. Chr. zum festen Bestandteil der chinesischen Kultur wurde. Aus den frühen Formen des Kung Fu entwickelte sich das Shaolin-Boxen, das heute noch auf der ganzen Welt verbreitet ist. Es wird vermutet, daß von Nordchina aus eine Form des Kung Fu nach Korea gebracht wurde, die sich dort als Taekwondo etablierte. Für die Verbreitung von Karate spielte der Handel zwischen den südchinesischen Provinzen und Okinawa eine bedeutende Rolle.

Zu den heute weltweit am häufigsten praktizierten Arten des Kung Fu gehören Hung Kuen, Choy Lee Fut und Wing Chung, das durch die Filme mit Bruce Lee bekannt wurde. Die ersten dokumentierten Kampfsysteme im deutschsprachigen Raum finden sich in Fechtbüchern aus dem 13. Jahrhundert. Vor allem aus dem Spätmittelalter sind Fecht- und Duellbücher überliefert.

Die entsprechenden Systeme wurden unter dem Sammelbegriff „Kampfkunst“ zusammengefasst, wobei hier „-kunst“ als technische Fertigkeit gemeint ist und nicht als Kunst im heutigen Verständnis. Im 20. Jahrhundert verbreitete sich fernöstliche Kampfkunst mehr oder weniger in Wellen in Deutschland. Erich Rahn gründete 1906 die erste Jiu-Jitsu-Schule.

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Kampfsport als Ausdruck der Persönlichkeit

Die Kampfsportarten wurden in jüngster Zeit nicht nur beliebt als Wettkampfsport und als Möglichkeit, sich körperlich in Form zu halten, sondern auch als Mittel zum Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, ähnlich wie beim Tanz oder beim Kunstturnen.

Fazit

Der Kampfsport ist vielfältig aufgestellt. Je nach Person, Alter und Zielen eignen sich unterschiedliche Kampfsportarten. Besonders Karate und Judo sind in Deutschland beliebt. Wer einen Kampfsport mit deutschen Traditionen sucht, kann sich zum Beispiel für das Ringen oder Fechten entscheiden. Hartes Muskeltraining ergibt sich beispielsweise beim Boxen.