Judo gehört neben den bekannten Kampfsportarten wie Karate, Jiu-Jitsu, Tae-kwon-do, Aiki-do, Kung Fu etc. zu den asiatischen BUDO - Sportarten. Die Ursprünge all dieser Sportarten liegen in der chinesischen bzw. japanischen Tradition. Aber Judo nimmt hierbei eine Sonderstellung ein. Während die übrigen BUDO - Sportarten (BUDO ist der Sammelbegriff für die „ritterlichen” Kampfkünste japanischer Samurai) noch Aggressionsmomente bergen, ist Judo nur Sport.
Judo: Mehr als nur Sport
Im Judo-Training werden überwiegend Würfe, Hebel -, Würge -und Festhaltetechniken, neben der wichtigen „Ukemi” (Fallschule) gelehrt. Hier kann der Judoka seine Techniken anwenden und vervollkommnen. In dem nach strengen Regeln geführten JUDO-KAMPF trägt jeder Kämpfer ein hohes Maß Verantwortung für die Gesundheit seines Partners. Im sportlichen Vergleich baut der JUDOKA demnach Aggression ab; für ihn ist der Gegner nur sportlicher Partner. Das ist sicher auch ein Grund, weshalb JUDO olympische Sportart wurde und in mehreren Ländern der BRD im Rahmen des differenzierten Sportunterricht an Schulen gelehrt wird. JUDO ist eine Sportart, welche an den menschlichen Körper allerlei Ansprüche stellt. Der DEUTSCHE JUDO BUND zählt ca. 200.000 Mitglieder. So hat diese schöne Sportart eine gute Basis für ihre weitere Zukunft. Dass sie sich in ihrer Qualität nicht nur auf rein sportliche Erfolge beschränkt, sondern stets auch den „PHILOSOPHISCHEN”, den „ERZIEHERISCHEN” Aspekt in den Vordergrund stellt, ist ein Anliegen aller echter JUDOKA.
Die Wurzeln des Judo
Der Ursprung des Judo liegt in den japanischen Kampf-/Kriegs- bzw. Selbstverteidigungskünsten. Hier spielt Jiu-Jitsu eine wesentliche Rolle. Das Kriegshandwerk wurde als Geheimwissenschaft betrieben, in verschiedenen Schulen gaben alte Lehrmeister ihr Wissen an ihre privilegierten Schüler weiter. Mit der Meiji-Restauration, der bürgerlichen Revolution 1868 öffnete Japan sich westlichen Einflüssen. Es kam zu einer raschen Entwicklung von Industrie und Wissenschaft. Damit verbunden war eine Vergeistigung der Jugend und somit ihre physische Vernachlässigung. Es wurden bald Befürchtungen laut, daß die Jugend aufgrund ihrer schlechten körperlichen Entwicklung den Aufgaben der bürgerlichen Gesellschaft nicht gewachsen sein würde.
Der an der Universität Tokio lehrende deutsche Professor E. Baelz versuchte daraufhin zunächst die Einführung des deutschen Turnens. Als dies nicht angenommen wurde, regte er zum Studium der alten Kampfkünste an, u.a. Jigoro Kano, geb. 1860, Student der politischen und philosophischen Fakultät, fing daraufhin an, sich mit Jiu-Jitsu zu beschäftigen. Kano studierte die Kunst der Selbstverteidigung bei mehreren Lehrern und wurde bald Meister seiner Altersklasse. Ihn störte aber die Härte des Jiu-Jitsu, das damals immer noch auf die kriegerische Auseinandersetzung vorbereitete. Diese „Schule zum Studium des Weges” lag in einem buddhistischen Tempel der Universität Tokio und Kano nutze auch verstärkt Inhalte des Zen-Buddhismus. Er entfernte gefährliche und schmerzhafte Techniken wie Schläge und Stöße mit Armen und Beinen und begrenzte die Hebeltechniken. Kano entwickelte Übungen des Fallens, die Lehre von der Gleichgewichtsstörung (Kuzushi) und verbesserte die Angriffs- und Verteidigungselemente.
In der Folgezeit erhöhte sich die Ausstrahlung des Kodokan ständig. 1890 führte ein kaiserlicher Erlass u.a. Judo in den japanischen Schulen ein. 1896 traten Kodokan-Schüler gegen Mitglieder der „Totsuka Jiu-Jitsu” (-Schule) an. In 15 Kämpfen siegten 13 Kodokan-Schüler. Kano beginnt, auf Europareisen für seinen Sport zu werben. Im Jahre 1906 gründete Erich Rahn in Berlin die erste Jiu-Jitsu-Schule. Es gelang aber kaum, den Sport auf einer breiten Basis zu entwickeln, organisierte Lehrtätigkeiten gab es nur bei der Polizei und in Einheiten des Heeres. Der 1. Weltkrieg stoppte die Ausbreitung des Jiu-Jitsu. 1924 wurde der Reichsverband für Jiu-Jitsu gegründet, der ab 1926 Deutsche Meisterschaften austragen ließ. Es gab aber noch keine einheitliche Wettkampfform. Judo lernte man in Deutschland erst richtig 1929 kennen, als eine Londoner Judomannschaft in deutschen Städten kämpfte. Eine ganze Reihe von Vereinen übernahm diese Kampfsportart und schloss sich 1932 anlässlich der 1. Internationalen Judo-Sommerschule zum Deutschen Judoring zusammen.
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Jiu-Jitsu: Die sanfte Kunst
Jiu-Jitsu heißt „nachgiebige Kriegskunst”, bekannt auch unter dem Namen "Sanfte Kunst". „Jiu” bedeutet Nachgeben oder Ausweichen, “Jitsu” heißt Kunst oder Kunstgriff. Im Jiu-Jitsu-Training werden Griffe und Techniken zur Selbstverteidigung wie Würfe, Hebel-, Würge-, Transport- und Festlegegriffe geübt. Außerdem werden Schlag- und Tritttechniken gegen vitale Punkte (Schwachstellen) des menschlichen Körpers gelehrt („Atemi -Techniken”). Was diese Kunst so besonders macht, ist die Tatsache, dass es keine fest vorgeschriebenen Techniken gibt. Jiu-Jitsu ist ein System und der Schüler wählt sich die Techniken aus, die ihm besonders liegen. Verschiedene Elemente aus unzähligen anderen Kampfkünsten, wie z.B. Judo, Karate, Aikido und Taekwondo stehen ihm zur Verfügung und werden im Training zu sinnvollen Verteidigungstechniken zusammengesetzt. Für die Prüfung zu einem neuen Gürtelgrad ist lediglich die Art und Anzahl der Techniken vorgegeben, es werden z. B. „5 Würfe” oder „8 Abwehren gegen Messerangriffe” verlangt, dann ist es dem Prüfling freigestellt, welche Würfe bzw.
Trotz seiner ständigen Weiterentwicklung ist das moderne Jiu-Jitsu tief in der japanischen Tradition verwurzelt. Etikette, gegenseitige Achtung und die Werte des Do („Weg” - ethische und moralische Grundlagen nach Jigoro Kano) stellen unverzichtbare Bestandteile dar, die von einem ernsthaften Jiu-Jitsuka auch in das Privatleben übertragen werden. Das moderne Jiu-Jitsu beinhaltet neben dem konsequenten Erlernen der Technik auch die Charakterschulung und positive Persönlichkeitsentwicklung und fördert so auch das erforderliche Selbstbewusstsein für den Ernstfall. Aus dem klassischen japanischen Jiu-Jitsu entwickelten sich viele neue Kampfkunstsysteme und Kampfsportarten, wie z.B. Den Ursprung für die meisten Budo-Sportarten vermutet man in Verbindung mit der über 3000 Jahre alten indischen Massagekunst, in der schon über 100 schmerz- und lebensempfindliche Stellen am menschlichen Körper bekannt waren.
Historischer Ursprung des Jiu-Jitsu
Genaue Herkunft und historischer Ursprung des Jiu-Jitsu sind unbekannt. Erwähnenswert ist dazu Folgendes: Jiu-Jitsu ist offenbar im Zuge des Kulturaustausches durch Mönche und Händler nach Japan gekommen. Belegt ist aber auch, dass die Samurai waffenlose Kampfsysteme kannten, mit denen sie sich verteidigen konnten, wenn sie vom Pferd gefallen oder entwaffnet worden waren. Da das Sumo schon lange in Japan bekannt war, ist davon auszugehen, dass die Ringtechniken der Krieger in Rüstungen, die Kumiuchi genannt wurden, schon gewisse Griffe beinhalteten, die später im Jiu-Jitsu wieder auftauchten. Schon im 12. Jahrhundert hat es eine japanische Schule für den Handkampf gegeben, die von Shinra Saburo gegründet wurde. Der eigentliche Impuls ging vom Chinesen Chin-Gen-Pin aus, der 1659 nach Japan kam und dort drei Samurai in einer Art des chinesischen Boxens unterrichtete. Diese Samurai verbanden diese Techniken mit dem, was sie schon kannten, und nannten es „Jiu-Jitsu“, “die nachgiebige Kriegstechnik.
Nachdem das Jiu-Jitsu einmal bekannt war, wurde es an vielen Schulen, die ihre speziellen Techniken jedoch geheimhielten, vermittelt. In Büchern und Schriftrollen waren die verschiedenen Techniken zwar beschrieben, diese Dokumente blieben aber innerhalb der Schulen und wurden immer nur dem jeweiligen Oberhaupt übergeben. Während der Tokugawa-Zeit gab es über 100 Schulen für Jiu-Jitsu. 1903 kam Jiu-Jitsu nach Deutschland. Während eines Freundschaftsbesuches zweier japanischer Kreuzer in Kiel werden asiatische Nahkampftechniken vorgeführt. Kaiser Wilhelm II. gibt Anweisungen, für diese Techniken, die Jiu-Jitsu genannt werden, einen Lehrer zu engagieren. Ono, Higashi, Tani, Uynichi und Mayaki kommen nach Deutschland und lehren Jiu-Jitsu. Jiu-Jitsu hat eine weltweite Verbreitung gefunden.
Iaido: Der Weg des Schwertziehens
Mit dem Beginn der Edo-Periode im Jahr 1603 begann nach Jahrzehnten furchtbarer Bürgerkriege in Japan eine Zeit des Friedens und der Stabilität. In dieser Zeit gewann das philosophische und spirituelle Gedankengut des Zen-Buddhismus und Taoismus zunehmend an Einfluss auf die japanische Kriegerklasse, die Samurai. Der Samurai Hayashizaki Jinsuke Shigenobu (ca. 1546-1621) lehrte in seiner Schule Iai-Jutsu: das schnelle Ziehen des Schwertes und Kontern auf einen unerwarteten Angriff. Mit dem Einfluss des Zen-Buddhismus wurden, neben der Beherrschung der Schwerttechniken, die Schulung des Geistes, die Konzentration, die Charakterschulung, die Überwindung des Ego und damit die Einheit von Geist, Schwert und Körper (ki ken tai ichi) immer wichtiger. Das Ziel des Kampfes mehr und mehr darin, den Kampf zu beenden, ohne das Schwert überhaupt ziehen zu müssen. Der Legende nach soll sich Hayashizaki Jinsuke Shigenobu die Natur des Schwertkampfes während einer Meditation eröffnet haben. Auf seinen Iai-Stil, Hayashizaki-Ryu, berufen sich viele nachfolgenden Stilrichtungen, so auch die heute am weitesten verbreiteten Stile: Muso Shinden Ryu und Muso Jikiden Eishin Ryu.
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Mit der Meiji-Periode im 19. Jahrhundert wurde das Tragen von Schwertern in Japan verboten. Damit kam die Entwicklung und Ausübung der Schwertpraktiken fast vollständig zum erliegen und viele Iai-Stile gerieten in Vergessenheit. Es war Nakayama Hakudo (1869-1958), der in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts Iaido wieder der Öffentlichkeit zugänglich machte. 1932 tauchte erstmals der Name Iaido als Bezeichnung für die Schwertkunst auf.
Iaido wird in Form von Kata geübt: genau festgelegte Abfolgen von Schwerttechniken. Dabei bestehen alle Iai-Kata aus vier Elementen: Das schnelle, aber nicht überhastete Ziehen des Schwertes, das unmittelbar - entsprechend der Situation- zu einer Schneide-, Block-, oder Ausweichtechnik weitergeführt wird (nukitsuke). Die nun folgenden Schnitte (kiritsuke) sollen den oder die Angreifer töten. Es werden nicht mehr Bewegungen ausgeführt, als unbedingt notwendig. Dann wird die Klinge vom Blut gereinigt (chiburi) und das Schwert in die Scheide zurück geführt (noto). Die ganze Kata dauert dabei meist nur wenige Sekunden.
Die Kata des ZNKR-Iaido
Als Seitei-Iaido werden zwölf Kata bezeichnet, von denen sieben 1968 von Iai-Meistern aus verschiedenen Stilrichtungen zusammengestellt wurden. 1980 hat man nochmals drei Kata hinzugefügt und im Jahr 2000 kamen zwei weitere Kata dazu. Diese zwölf Kata gelten als Seitei-Iai (Standart-Iai) des Zen Nihon Kendo Renmei (alljapanischer Kendo Verband) bzw. der International Kendo Federation (IKF) und werden heute als Zen Nihon Kendo Renmei Iaido (ZNKR-Iaido) oder Zen Ken Ren Iaido bezeichnet. ZNKR-Iaido wird von vielen Iaidoka verschiedener Stilrichtungen als Basis und Grundschule benutzt und vor allem auch bei Wettkämpfen und Prüfungen gezeigt. Die Bewegungsabläufe wurden vom ZNKR genau beschrieben (und werden von Zeit zu Zeit etwas verändert).
Die zwölf Kata des ZNKR-Iaido
- Ippon me (1. Form) mae (vorn)
- Nihon me (2. Form) ushiro (hinten)
- Sanbon me (3. Form) ukenagashi (empfangen und abgleiten lassen)
- Yohon me (4. Form) tsuka ate (Stoss mit dem Griff)
- Gohon me (5. Form) kesa giri (Schnitt entlang der Kesa)
- Roppon me (6. Form) morote tsuki (Stich mit beiden Händen)
- Nanahon me (7. Form) sanpogiri (Schnitt in drei Richtungen)
- Happon me (8. Form) ganmen ate (Stoss ins Gesicht)
- Kyuhon me (9. Form) soete tsuki (Stich in den Magen)
- Jupon me (10. Form) shiho giri (Schnitt in vier Richtungen)
- Juichippon me (11. Form) sogiri (verfolgendes Schneiden)
- Junippon me (12. Umgang mit dem Schwert der japanischen Krieger (Katana und Wakizashi)
Kenjutsu: Die Kunst des Schwertes
Die hier angebotenen zwei Stilrichtungen sind einige der ältesten japanischen Schwert - Kampfkünste überhaupt. Sie wurden bereits im 14 bzw.15. Jahrhundert gegründet und haben mit ihren Kata’s (festgelegten Trainingsformen) die letzten Jahrhunderte fast unverändert überstanden. Am Anfang steht das Training mit dem Holzschwert in Einzel- und Partnerübungen: Kenjutsu ist keine Wettkampf Sportart.
Kyujutsu: Die Kunst des japanischen Bogenschießens
Die Kunst mit dem japanischen Langbogen zu schießen, ist von ihrem technischen Verständnis her, eine vollkommen andere als der Umgang mit Bögen anderer Kulturen. Der wesentliche Unterschied besteht in der Art und Weise, wie der Pfeil aufgelegt wird. Wir sind es gewohnt, dass der auf die Sehne aufgelegte Pfeil, auf der linken Seite des Bogens aufgelegt wird. Damit hat der Schütze eine freie Sicht auf das Ziel. Beim japanischen Langbogen wird der Pfeil auf der rechten Seite des Bogenholzes aufgelegt. Wird nun in der gewohnten Weise das Ziel anvisiert, wird es vollkommen von dem Bogen verdeckt.
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Allein der Umstand erfordert eine wesentlich andere Schießtechnik, als die von uns gewohnte. In den nachfolgenden Ausführungen wird versucht diese Technik nachvollziehbar zu erklären. An dieser Stelle sei jedoch angemerkt, dass ein tieferes Verständnis der Handhabung und Schießtechnik nur dem nahe gebracht werden kann, der sich mit den alten Kriegskünsten bereits vertraut gemacht hat. Die Grundlagen, Lehrsätze und Thesen sowie die innere Einstellung zum Budo und Bushido, sind für die Beherrschung des Langbogens ebenso elementar, wie die Kunst das Schwert zu führen.
Was somit unterrichten wird, bezieht sich ausschließlich auf die alte Kriegskunst des Kyûjutsu. Ein Vergleich mit dem allgemein bekannterem Kyûdo kann nicht angestellt werden. Das hat die Gründe, dass beim Kyûdo der geistig, mentale Weg im Vordergrund steht. Die perfekte Aus- und Durchführung der vorgegebenen Etikette nimmt beim Kyûdo einen wesentlich höheren Stellenwert ein, als das Treffen des Ziels. Kyûjutsu hingegen ist angewandtes, alltagstaugliches Bogenschießen in seiner ursprünglichen Form. Das Treffen eines Ziels, unter allen erdenklichen Umständen, ist die Forderung des Kyûjutsu.
Obwohl die Wege beider Stile diametral auseinander laufen, gibt es in bestimmten Bereichen Berührungspunkte. Dem Kenner beider Stile sind Berührungspunkte bewusst; dem Suchenden werden diese sich bei Zeiten erschließen. Neben der Verwendung des japanischen Langbogens als reine Distanzwaffe umfasst das Kyûjutsu auch Aspekte des Kenjutsu, insbesondere des Ryokujutsu, und integriert diese nahtlos. Falls die Distanz des Langbogens überwunden wird, kann dieser auch zur Selbstverteidigung auf kurzer Distanz eingesetzt werden.
Außerdem wird zum japanischen Langbogen traditionell das Wakizashi getragen. Dabei handelt es sich um ein Beischwert mit einer Klingenlänge von etwa 60 cm. Wakizashi bedeutet übersetzt so viel wie “treuer Begleiter”. Das Wakizashi wird für den Kampf auf kurzer Distanz verwendet.
