Der "Oberberg Karate Club Gummersbach" feierte am 1. Juni sein 25-jähriges Jubiläum.
Die Anfänge
Fast 30 Jahre ist es her, dass Karateka Friedhelm Meisen im Jahr 1990 Bodenmatten in seiner hauseigenen Garage auslegte, um dort sein erstes eigenes Dojo (Ort der Kampfkünste) einzurichten. Zu dieser Zeit war er Trainer bei einem Bergneustädter Verein und wollte aber etwas Eigenes auf die Beine stellen: „In Bergneustadt waren damals viele Kinder. Für mich war klar, dass ich dort niemanden abwerbe“.
Damit war der Grundstein für eines der heute sportlich erfolgreichsten Projekte im Oberbergischen gelegt. Doch zunächst mussten Vereinsstrukturen als Grundlage geschaffen werden, beim TV Rebbelroth stieß Meisen auf offene Ohren. 1993 bot sich die Miete eines ehemaligen Lagerhauses gegenüber seinem Restaurant „Holsteiner Fährhaus“ an, somit stand auch genügend „Raum“ für Meisens Pläne zur Verfügung. Im April 1994 standen die Rahmenbedingungen und man trat als Abteilung dem örtlichen Turnverein bei. „Oberberg Karate Gummersbach“ war geboren.
Erste Erfolge
Zunächst verzichtete man bewusst auf die Teilnahme an Wettkämpfen, denn zunächst mussten die Karateschüler lernen, ihren Körper zu beherrschen. „Man muss in der Lage sein, einen Schlag jederzeit zu kontrollieren“, weiß Meisen bis heute. Das harte dreijährige Training, welches Friedhelm Meisen zunächst allen leitete, sollte sich Auszahlen: Beim ersten Turnier, der Bezirksmeisterschaft 1997 in Bad Honnef, regnete es Medaillen, einige Wochen später beim Landeswettkampf in Senden am Niederrhein wurden ebenfalls gute Platzierungen eingefahren. Als großer Erfolg der frühen Jahre, ist Meisen der Gewinn der ersten Deutschen Jugendmeisterschaft von Weber-Heck, 1998 in Dresden, in Erinnerung geblieben.
Nika Tsurtsumia und weitere Erfolge
2003 öffnete sich dann ein neues Kapitel der Vereinsgeschichte: Mit dem damaligen Georgier Nika Tsurtsumia schlug nach Weber-Heck, ein weiterer Ausnahmeathlet seine Zelte im Rebbelrother Dojo auf. Zunächst feierte der - 2007 eingebürgerte - Sportler als aktiver Kämpfer zahlreiche Triumphe als Aktiver. Einige Talente „schmiedete“ Tsurtsumia, der heute auch als Nationalcoach Georgiens und Landestrainer des Kaders in Sachen-Anhalt arbeitet, hervor. Etliche Jugend-Karateka holten auf nationaler und weltweiter Bühne unter seiner Anleitung Titel für die Rebbelrother.
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In Erinnerung geblieben sind dem Karatechef Meisen aber auch seine eigenen Erfolge: Unter anderem wurde er 1997 Seniorenweltmeister und erreichte 2000 auf Bali bei der traditionellen Kata-WM den fünften Rang.
Das besondere am Karateunterricht
Eine der wichtigen Aufgaben des „Oberberg Karate Gummersbach“ im TV Rebbelroth unter Leitung von Friedhelm Meisen ist das Heranführen der Kinder und Erwachsenen an die traditionelle, tausend Jahre alte Kunstform des Karate als Kampfkunst. Mittlerweile aber ist diese Form des Karate einer radikalen Verjüngungskur unterworfen worden, da Karate auch Kindern und Jugendlichen Spaß macht, diese aber auch in eine effektive Form der Selbstverteidigung einführen soll.
Das Besondere daran ist, dass die jungen Athleten ebenso mit der Philosophie und Disziplin der alten asiatischen Kampfkunst geschult werden, trotz allem Spaß am Training haben, da zahlreiche Spiele, spielerisch aufgebaute Kampftechniken, aber auch Entspannungs- und Meditationsübungen den Unterricht auflockern. Eine wichtige Form dieses Karateunterrichts ist das Ausüben wirkungsvoller Verteidigungs-Techniken, die es Kindern ermöglicht, sich später wirkungsvoll verteidigen zu können.
Das Kinder stressrelevant auch arbeiten können, garantieren im Oberberg Karate Gummersbach mehrere Trainer der Spitzenklasse, die auf zahlreichen Turnieren gelernt haben, mit dem eigenen Stress so fertig zu werden, dass sie auch wirkungsvolles Defensiv-Karate einsetzen können. Auch für die Fans der alten traditionellen Kampfkunst Karate gibt es zahlreiche Angebote.
Kumite: Der freie Kampf
Ein besonderes Feld nimmt für Kinder und Jugendliche die sportliche Kampfform des Karate, des so genannten Kumite ein. Hierbei lernen die Schüler den freien Kampf nach bestimmten Regeln, wobei Körpertreffer zum Kopf verboten sind und bei einem Turnier mit Punktstrafe geahndet werden. Das besondere dabei ist, dass alle Kampftechniken etwa drei Zentimeter vor dem Ziel abgestoppt werden müssen, im Gegensatz zum Boxen, bei dem Kontakt erlaubt ist. Das bedingt natürlich besondere Disziplin der jungen Athleten.
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Personalentscheidungen im Leistungssport
Im Bereich "Leistungssport" hat der DKV weitere Personal-Entscheidungen getroffen: So erhält Kata-Chef-Bundestrainer Efthimios Karamitsos seit dem 1. Januar 2023 Unterstützung von Christine Bernstein, die bereits in den vergangenen Jahren als Assistenz-Trainerin von Karamitsos tätig war, Lena Staiger und Mohammed Abu Wahib. Staiger, wie Bernstein ehemalige Spitzen-Athletin, hat sich erste Meriten als Stützpunkt-Trainerin im Karateverband Baden-Württemberg verdient. Darüber hinaus ist sie für den Verein Kime Budosport tätig.
Mohammed Abu Wahib, gebürtiger Jordanier und ehemaliger Auswahl-Karateka sowohl für Jordanien als auch für Deutschland mit vielen internationalen Medaillen, ist erfolgreicher Landestrainer des Bayerischen Karate Bundes und Vereins-Trainer beim SV Unsu Mömlingen.
Im Kumite-Bereich arbeitet Chef-Bundestrainer Jonathan Horne bei den Damen und Herren (Leistungsklasse und "U21er") künftig mit Nika Tsurtsumia (Oberberg Karate, Gummersbach) zusammen. Der gebürtige Georgier hatte zuletzt als Nationaltrainer seinen Landsmann Gogita Arkania bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio betreut. Zu seiner aktiven Zeit war Tsurtsumia unter anderem Team-Europameister und Team-Vize-Weltmeister geworden. Zur Gold- und Silber-Crew gehörte seinerzeit auch Jonathan Horne.
Nach einem Jahr zurück im Nachwuchs-Bereich ist Tim Milner (Budokan Bochum).
Ehrung für Friedhelm Meisen
Für seine Verdienste im Sport ist der Gummersbacher Friedhelm Meisen heute von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in Düsseldorf mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden.
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Seit 1967 ist der heute 80-jährige Friedhelm Meisen im Karatesport aktiv. 1994 wurde der „Oberberg Karate Club Gummersbach“ eröffnet. Seitdem leitet Friedhelm Meisen diese. Er hat den Verein im Laufe der Jahre zum erfolgreichsten offiziellen, im Deutschen Olympischen Sportbund vertretenen Sportverein des Oberbergischen Kreises mit über 40 nationalen und internationalen Meisterschaften geführt.
Der Verdienstorden des Landes ist eine der höchsten Auszeichnungen und wurde 1986 aus Anlass des 40. Geburtstages Nordrhein-Westfalens vom damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau gestiftet. Karate sei für ihn mehr als nur Sport. Es ist für ihn auch ein Weg, Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Meisen vermittle Moral, Respekt und gegenseitige Achtung: „Werte, die nicht nur im Sport, sondern auch im täglichen Leben eine Hauptrolle spielen sollten.
Auch bei der Integration habe sich der Karatelehrer stets engagiert, unter anderem bei seinem späteren Musterschüler und heute selber als Karatelehrer erfolgreichen Nika Tsurtsumia, der 2002 als Asylsuchender nach Deutschland kam. Meisen setzte sich vehement für die Einbürgerung des Georgiers ein. Viele seiner früheren Schützlinge sind heute erfolgreich im Beruf: etwa bei der Polizei, beim Zoll oder bei der Bundeswehr.
„Für ihn ist es selbstverständlich, couragiert Stellung zu beziehen“, so Wüst weiter. Meisen schaltet Annoncen gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit.
Mit Blick in die Zukunft möchte Meisen künftig etwas kürzertreten und als Trainer Platz für die jüngere Generation machen. „Es haben sich viele Dinge geändert“, verrät der inzwischen 76-Jährige.
