MMA Rostock: Rechtsextremismus im Kampfsport

In Rostock und anderswo in Deutschland gewinnt Mixed Martial Arts (MMA) zunehmend an Popularität. Doch diese Entwicklung birgt auch Schattenseiten, denn rechtsextreme Gruppierungen versuchen, den Kampfsport für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und junge Menschen zu rekrutieren.

Rechtsextreme Vereinnahmung von Kampfsport

Immer offener zeigen Rechtsextreme ihre Liebe für den Kampfsport. Sie laden zu Großveranstaltungen ein und prahlen damit, Sportvereine zu übernehmen. Den sportlichen Kampf in einen politischen umdeuten: Das ist eine Strategie von Rechtsextremen.

Jan König vom Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg registriert die Veränderungen in der Szene, um mit Projekten in Schulen, Gemeinden und Vereinen gegensteuern zu können. König will mit Projekten in Schulen, Gemeinden und Vereinen aufklären. Trainer, Lehrer und die Jugendlichen selbst sollen erkennen, welche Ideologie hinter der angesagten Jacke und dem coolen Spruch steckt.

Auf dem Werbevideo für die rechtsextreme Kampfportveranstaltung in Sachsen beispielsweise taucht auch das Signet des russischen Labels "White Rex" auf - Weißer König. "Dessen Labelbetreiber hat Kontakte zu rechtsextremen Kameradschaften in Rostock. Und war in den letzten zwei Jahren mindestens zwei Mal zu entsprechenden Kampfsportveranstaltungen hier gewesen.

Die liefen konspirativ ab. Einmal hat man sich unter konspirativen Gründen eine Turnhalle gemietet von einer Grundschule, einmal war es ein rechtsextremer Veranstaltungsort hier in Nordwest-Mecklenburg, wo es entsprechende Kampfsporttrainings gab. Und es ist auch zu beobachten, dass Leute, die dort diese Trainings erfahren haben, jetzt selber weitergehen und anderen Neonazis diese Trainingssachen weitergeben."

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Der "Kampf der Nibelungen" und seine Nachwirkungen

Ein Video im Internet zeigt Kämpfer mit nacktem Oberkörper voller Tattoos, die aufeinander einschlagen, boxen und treten, auch wenn der Gegner schon am Boden liegt. Die Musik ist martialisch und passt zu den Bildern. Das Video wirbt für den sogenannten "Kampf der Nibelungen", eine rechtsextreme Kampfsportveranstaltung in Ostritz in Sachsen.

Die Initiative "Runter von der Matte", die sich gegen eine rechte Vereinnahmung von Kampfsport zur Wehr setzt, dokumentiert auf ihrer Internetseite die Zugehörigkeit dutzender Besucher und Kämpfer zur gewaltbereiten rechtsextremen Szene. In den vorangegangenen Jahren wurde die Veranstaltung noch konspirativ organisiert - 2018 war der "Kampf der Nibelungen" erstmals eine angemeldete Veranstaltung.

"Das letzte Turnier im Oktober ist konkret mit einer Adresse beworben worden und tatsächlich sogar noch mit Abendkasse. Das zeigt, und das ist auch die Gefahr - den Schulterschluss in andere Spektren. Und man merkt ein neues Selbstbewusstsein der Szene, das da stattfindet. Und auch ein großer Vernetzungsfaktor." Rechtsextreme mobilisieren und rekrutieren selten, indem sie hochtrabende Seminare über germanische Geschichte veranstalten.

Sondern rekrutieren viel mehr über eine Erlebniswelt, die viel niedrigschwelliger daherkommt. Da geht’s um Action. Das geht’s um Zugehörigkeit, Gewalt und Männlichkeit. Eine Erlebniswelt, deren zwei, drei Standbeine die Musikszene sind, aber auch der gewalttätige Teil von Fußballfans, Hooligans, auch dort wird rekrutiert.

Benefiz-Kampfsportveranstaltungen und Rechtsextremismus

Bei einer Benefiz-Kampfsportveranstaltung heute Abend in Güstrow sollen unter anderem auch rechtsextremistische Kämpfer antreten. Das erklärte das Innenministerium in Schwerin auf Anfrage und bestätigte damit Recherchen des NDR.

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Nach NDR-Recherchen soll jedoch etwa ein Mann aus Vorpommern in den Ring steigen, der in den sozialen Medien vor einer Reichskriegsflagge des Kaiserreichs posiert oder sich in rechter Szenekleidung zeigt. Ein weiterer Kämpfer ist bereits seit vielen Jahren als Rechtsextremist bekannt. Mehrfach hatte er in früheren Jahren vor Gericht gestanden, auch wegen eines Überfalls auf einen Kanuverein und wegen Bedrohung eines Polizisten. Noch 2021 nahm er an einer NPD-Demonstration in Greifswald teil.

Der Mann trat bereits bei der vorherigen Benefiz Fight Night 2022 in den Ring, beim Einmarsch bejubelt von zahlreichen Anhängern. Die Sprecherin des Innenministeriums erklärte, es sei zwar mit Rechtsextremisten auch im Publikum zu rechnen, insgesamt gehe man aber von einem überwiegend bürgerlichen Klientel aus.

MMA Rostock im Fokus

Ein kleiner Flachbau in Rostock-Toitenwinkel. Eher ein umgebautes Lager als eine Sporthalle. Hier trainiert der Klub MMA Rostock. MMA steht für Mixed Martial Arts - was soviel bedeutet wie: gemischte Kampfkünste. Steven Kitzing, ein durchtrainierter Bundeswehrsoldat, leitet das Training. Schon nach wenigen Minuten steht den 20 Männern und zwei Frauen der Schweiß auf der Stirn.

"Gut. Ein Knie hoch, Hände übern Kopf, Wechselsprünge. Füße schleifen über den Boden, nicht hochhopsen. Schön schnell. Und: Eins, zwo, drei…" Seit 2016 kann man das auch in Rostock trainieren. "Das war am Anfang so eine kleine Runde aus Feuerwehrleuten und Freunden der Feuerwehrleute. Ins Leben gerufen hat das der René Hoppe, der in Rostock als Ringer-Urgestein bekannt ist. Er leitet hauptsächlich das Bodentrainig, ich das Standtraining, so ist MMA Rostock entstanden."

Kitzing selbst kommt vom Boxen, und auch viele der 80 Klubmitglieder haben vorher schon die eine oder andere Kampfsportart betrieben. Wie Henry Stieler, der früher ebenfalls boxte. "Man kann jedes Mal sich aus anderen Kampfsportbereichen Elemente aneignen, vertiefen und seine Stärken in diesen anderen Bereichen suchen, die sich aneignen und seinen eigenen Stil daraus finden.

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Es gilt bei Mixed Martial Arts, den Gegner mit - fast - allen Mitteln zu bezwingen. Das lässt diesen Sport besonders hart und brutal wirken. Und immer populärer werden, wie Zuschauerzahlen in den Hallen, bei Fernsehübertragungen und Klickzahlen bei YouTube zeigen.

Cage Fights in Rostock und die Rolle von Benjamin Brinsa

Auf einer MMA-Veranstaltung am Sonntag in Rostock trat der rechte Hooligan Benjamin Brinsa als Trainer zweier Kämpfer auf. Brinsa gilt als zentrale Figur in der sächsischen Neonazi- und Kampfsport-Szene.

Am 23. Oktober 2022 fand das Kampfsport-Event Cage Fights statt. Diese Mixed Martial Arts (MMA) Veranstaltung lockte an diesem Sonntagnachmittag rund 1.000 Fans in das Festzelt, die den insgesamt 22 Duellen beiwohnen wollten. Einer der bundesweit bekanntesten extrem rechten Hooligans trat an diesem Nachmittag offenbar als Trainer zweier Kämpfer auf: Der 1989 geborene Benjamin Brinsa stammt aus Wurzen und blickt auf eine langjährige Karriere in der gewaltbereiten Neonazi- und Hooligan-Szene des 1. FC Lokomotive Leipzig, Lok Leipzig, zurück.

Brinsa ist eine der zentralen Figuren vom Imperium Fight Team, jenem Gym, das wie Brinsa aus der extrem rechten Hooliganszene von Lok Leipzig stammt und als Paradebeispiel für die Verflechtung von organisierter Fußballfan-Szene, extremer Rechte und Kampfsport in Deutschland gilt. Anfang 2018 war er mutmaßlich an einem Versuch beteiligt, schwer bewaffnet eine Gruppe von Journalist*innen anzugreifen, die eine antifaschistische Demonstration begleiteten.

Als Veranstalter der am Sonntag erstmals stattfindenden Cage Fights trat das rechtsoffene Kampfsportstudio MMA Rostock auf. In den Räumen von MMA Rostock trainieren offenbar auch Personen aus dem extrem rechten Milieu. Ein Trainer des Gyms ist oder war Marinesoldat, der sich in der Vergangenheit auf Social-Media-Kanälen auch in Kleidung der Marke „Label 23“ präsentierte - einer einschlägigen Marke aus dem extrem rechten und gewaltbereiten Cottbuser Neonazi-Milieu.

Rechtsextreme Szenekleidung und deren Symbole waren allgegenwärtig, wie auch Symbole der Hells Angels, darunter der Szene-Code 81, der jeweils für die Buchstaben HA steht. Der Rechtsextremismusexperte und Szene-Beobachter Robert Claus merkt dazu gegenüber Belltower.News an, dass diese Veranstaltung ein Paradebeispiel für die Vermischung verschiedener Szenen ist.

„Auf der Cage Fights wurde das Geflecht aus Neonazis und organisierter Kriminalität einmal mehr sichtbar. Beide Szenen zeichnen sich durch männerbündische Gewaltverherrlichung aus und versuchen, sich zu professionalisieren.“ Wir haben es hier mit einem Milieu zu tun, so Claus, „das jederzeit zu diversen Gewalttaten fähig und willens ist.“

Unter ihnen ein Rostocker und ein Hooligan aus Cottbus, wobei der Cottbuser an diesem Tag nicht antrat. Andere Kämpfer trugen sichtbar rechte Tattoos auf ihren Körpern, darunter auch Kämpfer des veranstaltenden Gyms MMA Rostock. Szenebeobachter*innen beschreiben Günther gegenüber Belltower.News als eine Art Ziehsohn von Brinsa. Zudem sei er in der Vergangenheit bereits durch rechtsextreme Aktivitäten aufgefallen.

Bilder, die der Redaktion vorliegen, zeigen Günther 2019, wie er gemeinsam mit anderen Personen aus der rechtsextremen Lok Leipzig-Szene den Hitlergruß zeigt. Im selben Jahr war Günther Teil einer Wurzener Fußball-Fangruppe, aus deren Kreisen nach einem Hochsicherheitsspiel eine zivilgesellschaftliche Einrichtung angegriffen wurde.

Am Gebaren und am Platz von Brinsa auf der Trainer-Bank vor dem Käfig war offensichtlich, dass der Wurzener die beiden Kämpfer in der Funktion eines Trainers begleitete. „In den letzten Jahren gab es wiederholt mediale Kritik an der Verpflichtung von Kämpfern von Imperium Leipzig“, erklärt Robert Claus, der für das Projekt „Vollkontakt - Demokratie und Kampfsport“ arbeitet. „Das Vorgehen in Rostock scheint eine Strategie der Tarnung zu sein. Man verschleiert die Herkunft der Kämpfer, in dem man sie unter nicht existierenden Gym-Namen antreten lässt und vermeidet damit kritische Meldungen.“

Strategien der Rechten und Gegenmaßnahmen

Über Kampfsport und die entsprechenden Labels, über Musik und Bekleidungscodes versucht die rechte Szene, vor allem bei jungen Menschen Aufmerksamkeit zu bekommen. Das Ziel: Den Kampf auf die Straße zu tragen, gerüstet sein für Auseinandersetzungen mit der Polizei und für Bürgerwehren.

Nicht nur in Chemnitz, Köthen und Rostock marschieren rechtsextreme Kampfsportler bei Demonstrationen mit. "Wir können jetzt tatsächlich festmachen, wo in den letzten acht bis zehn Jahren die Kampfsportszene und die Instrumentalisierung der Kampfsportszene sehr stark aus dem Schatten der Subkultur herausgetreten ist. Und auch Mainstream wird in entsprechenden Szenekreisen.

Doch es gibt auch die andere Seite: "Runter von der Matte - kein Handshake mit Nazis" heißt eine Initiative von Kampfsportlern, die dagegen auftreten, dass ihr Sport von Rechtsextremen vereinnahmt wird. Sie informieren über rechte Labels und Veranstaltungen, verschicken Plakate und sind in den sozialen Medien aktiv.

Extremisten dagegen haben im Rostocker MMA-Klub keinen Platz, betonen Steven Klitzing und Henry Stieler. "Die, die Anwandlung haben, sich auf irgendwas vorzubereiten, die haben bei uns nichts zu suchen, die sollen ihren eigenen Verein gründen! Wir wollen einfach nur den Sport machen. Die haben bei uns nichts zu suchen, die sollen ihren eigenen Verein gründen! Wir haben hier über Aserbaidschan, Syrer, alles mögliche an Mitgliedern. Und das gilt einfach für alle: Politik und Religion hat beim Sport nichts zu suchen. Hier will man miteinander trainieren, miteinander arbeiten.

Politik und Religion von der Matte fernhalten - das ist eine immerwährende Aufgabe für den Sportverein. Bei seinen Präventionsprojekten an Schulen und Behörden bekommt Philip Schlaffer, der Aussteiger, mit, dass Erwachsene viel schlechter als die Jugendlichen informiert sind über Codes, Musik und Labels der Szene.

Oft begegnet er einer Sorglosigkeit oder einem Nicht-So Genau-Wissen-Wollen bei Eltern und Lehrern. Auch das vermeintlich saubere Image, das sich Rechte verstärkt zu eigen machen, verunsichert viele. Einst deutliche Grenzen verschwimmen. Statt Hakenkreuzen werden unverfänglichere Symbole verwendet, auch mit vermeintlich grünem, naturnahem und "gesundem" Image.

So kaperte die rechte Szene die in den 80er Jahren populär gewordene "Straight-Edge-Bewegung", die ursprünglich aus dem Hardcore-Punk kommt. "Das heißt: Kein Alkohol, keine Drogen, den Körper als Tempel ansehen. So ein bisschen sich lösen vom Image des rechten Schlägers und der Gewalt. Von außen guckt man ja auf die rechtsradikale Szene: Das sind die Bösen. Aber die Szene empfindet sich als: Wir sind die Guten. Und wir müssen das auch ausstrahlen. Wir müssen gesund aussehen und das Positive ausstrahlen.

Der Rostocker Mixed-Martial-Arts-Trainer Steven Kitzing ärgert sich, wenn seine Sportart automatisch mit Extremismus verbunden wird. Für ihn ist das Problem umfassender. "Man kann nicht sagen, dass jeder, der Extremist ist - ob rechts, links oder Islamist, der geht zu Mixed Martial Arts. Natürlich gibt es das im Boxen, im Kickboxen genauso. Es gibt überall schwarze Schafe, auch im Fußball wahrscheinlich. Das kann man nicht pauschalisieren, sonst müsste man ja alles verbieten.

Die Rolle des Landessportbundes und anderer Institutionen

Der Sport ist nach Ansicht von König-Preuss wie die Musik ein niederschwelliges Angebot, in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen zu kommen. Wie z.B. im Sportverein Volksgemeinschaft. "Mit eigenen Räumlichkeiten, mit eigenen Trainingszeiten, mit Angeboten für junge Mädchen, für Frauen, also zur Selbstverteidigung. Mit Kampfsporttrainings für junge Männer, für Jugendliche, zum Teil auch Kinder. Wie zum Beispiel mit der Teilnahme an der Sportabzeichentour des Landessportbundes.

Wir schauen intensiver als das vielleicht vor 15 Jahren der Fall war auf Satzungen, wenn sich Vereine bei uns anmelden. Wir schauen auf die Homepage: Was steckt dahinter? Mobit ist eine Beratungsstelle zum Umgang mit Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus.

"Sollte es jetzt Problemsituationen in den Vereinen geben, dann stehen wir auch als beratende Instanz mit zur Verfügung. Häufig wird es sich um Diskriminierung handeln. Der klassische Rechtsextreme eher nicht, vor allem aber Diskriminierungen. Vor allem git es erst mal Aufklärungsarbeit zu leisten und Sensibilisierung. Über rechtsextreme Vereine außerhalb des Landessportbunds haben sie keinen Überblick.

MMA im Aufwind und die Notwendigkeit der Distanzierung

Kein Sport hat so von der Corona-Pandemie profitiert wie Mixed Martial Arts. Die Königsdisziplin als Kombination vieler Kampfsportarten boomt in Deutschland. Auch Rechtsextreme nutzen MMA als Plattform. Es ist eine Form von Missbrauch, denn weder ist in der Philosophie des Sports Platz für rechtes Gedankengut, noch gibt es Zugang für Akteure aus dem rechtsextremen Spektrum zu den öffentlich größeren Bühnen.

Die wohl bekannteste Kampfsportveranstaltung der Neonaziszene in Deutschland war über Jahre der "Kampf der Nibelungen" (KdN). Mittlerweile ist KdN verboten und hat letztmals 2021 - allerdings im Ausland unter anderem Namen - stattgefunden. Rechtsextreme veranstalten aber noch kleinere "Fight Nights". Besucht werden sie von einigen Hundert Menschen - kein Vergleich zu den großen Veranstaltungen in Deutschland, wie die von Oktagon, We love MMA oder der National Fighting Championship vor mehreren Tausend Zuschauern. Hier distanziert man sich aktiv von extremistischem Gedankengut, auch der deutsche MMA-Verband GEMMAF zieht an diesem Strang, um den Sport nach vorne zu bringen.

Grundsätzlich passt das rechte Weltbild nicht zum Miteinander in einem Kampfsportgym. "Dort kommen die unterschiedlichsten Menschen kultureller und religiöser Hintergründe zusammen. Und das ist genau das, was im MMA-Sport so bereichernd ist. Es ist ein Ort der Zusammenkunft, wo dann gemeinsame Werte geteilt werden", sagt Samsonidse. Und das könne ein unglaublich großes Potenzial darstellen.

Der zentrale Zugang für Rechte ist die Gewalt, von der sich MMA als Kampfsport natürlich nicht freisprechen kann. Gewalt ist bei Rechtsextremen und besonders in der neonazistischen Ideologie fest verankert, sie wird zur Durchsetzung von politischen und persönlichen Zielen legitimiert.

Entsprechend sagt Sascha Poppendieck, Veranstalter für The Cage MMA, der Sport müsse sich klar von jeder Form des Extremismus distanzieren - egal ob links oder rechts. Als Veranstalter und Trainer versuche der ehemalige Thaibox-Weltmeister daher, den Sport in die richtige Richtung zu schieben und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Was der Veranstalter unternimmt, um Extremisten eben keine Plattform zu bieten, erklärt Poppendieck ebenfalls: "Es gibt einen Background-Check bei den Kämpfern, der weit über deren Kampfbilanz hinausgeht." Am Einlass wird strikt kontrolliert, dass neutrale Kleidung getragen wird. "Wer verbotene Zeichen trägt, kommt nicht rein", so Poppendieck. "Wir möchten auch keine politischen Symbole oder T-Shirts mit irgendwelchen Labels drauf."

So sind Kampfsportler aus der rechten Szene zwar gezwungen, Käfigkämpfe in ihrem Kosmos durchzuführen, hinter verschlossenen Türen, abseits der großen Öffentlichkeit. Letztlich passiert das aber im weiterhin existierenden Schatten des boomenden Sports. Dass Menschen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund zusammen trainieren, sei jedoch kein Alleinstellungsmerkmal dafür, dass dann automatisch niemand mit einer rechten Gesinnung dort nicht trotzdem trainieren wolle.

Wichtig sei daher, sich öffentlich zu distanzieren und einen Raum zu schaffen, wo Menschen mit rechter Gesinnung gar keinen Bock hätten, sei es in einem Gym oder bei einem Event, sich zu präsentieren, so der Berliner.

In Rostock wurden am Sonnabend mehrere hundert Besucher zu einer Kampfsportveranstaltung erwartet. Zu den Veranstaltern gehören nach NDR-Recherchen offenbar auch Rocker der örtlichen "Hells Angels".

Einer der Kämpfer, der nun für "MMA Rostock" in den Ring steigen sollte, bewegte sich offenbar in der Vergangenheit im Umfeld der mittlerweile verbotenen rechtsextremen Gruppierung "Aktionsblog". Bereits im vergangenen Jahr hatte "MMA Rostock" ein ähnliches Kampfsportevent organisiert, damals in einem Oktoberfestzelt im Rostocker Stadthafen. Nach Recherchen des Onlineportals "Belltower" trat dabei auch einer der bundesweit bekanntesten Neonazi-Kampfsportler als eine Art Trainer für zwei Kämpfer auf.

Der Neonazi, der bis vor Kurzem im Stadtrat des sächsischen Wurzen saß, war dem Bericht zufolge für ein Gym mit Fantasienamen angereist, wohl um zu verschleiern, dass er an dem Event teilnimmt. Für "The Cage MMA" hatten die Veranstalter einige Regeln erlassen. So sollten nur Gäste ab 18 Jahren eingelassen werden. "Diskriminierung", "Hassrede" sowie Zeichen verbotener Organisationen und politische Symbole waren den Angaben zufolge verboten.

Zusammenfassung

Die Verflechtungen zwischen MMA und Rechtsextremismus sind ein komplexes Problem, das eine wachsende Aufmerksamkeit erfordert. Es ist wichtig, die Rekrutierungsstrategien der Rechten zu erkennen und ihnen durch Aufklärung, Prävention und klare Distanzierung entgegenzuwirken. Nur so kann der Kampfsport seine positive integrative Kraft entfalten und ein Ort der Begegnung und des Respekts für alle sein.