Deutschlands aufstrebender MMA-Star: Alina Dalaslan

Alina Dalaslan ist der Shooting-Star der deutschen Mixed-Martial-Arts-Szene. Beim OKTAGON 72 kann die MMA-Kämpferin endgültig beweisen, dass sie auch für die grosse Bühne gemacht ist. Und Dalaslan könnte der erste weibliche MMA-Star aus Deutschland werden.

Eine prominente Mentorin an ihrer Seite

Für ihren zweiten Kampf hat sie sich mit Regina Halmich eine prominente Mentorin ins Team geholt. Bei ihrem zweiten Kampf unterstützt sie dabei Regina Halmich, der vor etwa 30 Jahren im Boxen ähnliches gelang.

Halmich: Vom Boxen zum MMA?

Regina Halmich: Das wäre nicht auszuschliessen. Die Sache ist: Als ich Anfang der 90er Jahre angefangen habe, konnte man mit Kick- oder Thaiboxen gar kein Geld verdienen, bei meinen ersten Kämpfen habe ich sogar noch eine Startgebühr bezahlt. Das Boxen war im Gegensatz dazu im Kommen und mein Talent lag auch mehr in den Fäusten. Als wir dann mitbekommen haben, dass in Amerika auch Frauen als Profis boxen, hat mein Entdecker den Kontakt dahin aufgenommen - Amateurboxen war in Deutschland für Frauen damals noch verboten. Und so haben wir uns dem Weltverband in Amerika angeschlossen und das Frauen-Profiboxen nach Deutschland geholt.

MMA als das neue Boxen

Halmich: Im Moment ist das so, das kann man gar nicht leugnen. In den 90ern und 2000ern war Boxen die absolute Nummer eins in Deutschland, auch weil wir grosse Namen hatten. Mit dem Weggang der TV-Sender ist das Boxen in Deutschland leider wieder in der Versenkung verschwunden. Man sieht es ja: Auch RTL+ hat sich für MMA entschieden, nicht für das Boxen.

Ein bisschen Wehmut ist schon mit dabei. Ich glaube trotzdem, dass sich das Boxen in Deutschland irgendwann wieder etablieren wird.

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Die Faszination hinter MMA

Dalaslan: Ich glaube, dass das stark mit OKTAGON MMA zusammenhängt, die den Sport hierzulande auf die Karte gesetzt hat. Die können ihre Athleten einfach richtig gut vermarkten. Und wenn man sich mehr mit dem Sport befasst, sieht man, dass es nicht einfach nur rohe Gewalt ist, sondern ein sehr technischer und auch taktischer Sport dahintersteht.

Um 2000 herum war MMA auch noch verpönt als rohe Gewalt. Ich kann auch ein Stück weit nachvollziehen, dass der Sport nichts für jeden ist. Aber er hat trotzdem eine Daseinsberechtigung. Und aus der Sicht einer Kampfsportlerin sehe ich, was die Kämpfer alles leisten: MMA-Kämpfer sind die perfekten Athleten, die den Bodenkampf, das Kicken und Boxen beherrschen müssen - und einen guten "Fight-IQ" brauchen, um das alles zu verbinden. Ich sage auch ganz klar: Das ist eine Sportart für Erwachsene und nichts für Kinder.

Alina Dalaslans Weg zum MMA

Angefangen hat die 24-jährige Alina Dalaslan eigentlich mit Kunstturnen - und auch sonst erfüllt die studierte Buchhalterin nicht die typischen Kampfsportler-Klischees. Um ihren kleineren Bruder zu begleiten, kam sie als Teenagerin zum Kickboxen, so richtig startete sie aber erst mit ihrem Wechsel zum MMA im Jahr 2023 durch. Seitdem ist Dalaslan nach wie vor unbesiegt, im Amateurbereich darf sie sich bereits Weltmeisterin nennen. Die Illertissenerin hat das Zeug dazu, die erste grosse MMA-Kämpferin aus Deutschland zu werden.

Erste Begegnung mit MMA

Ich kenne MMA durch die UFC schon ein bisschen länger und habe mir verschiedene Kämpfe auf YouTube angeguckt. Auch so manche Boxerin hat später MMA gemacht, beispielsweise Holly Holm, mit der ich zusammen in die Hall of Fame aufgenommen wurde. Das hat mich interessiert, ich habe es dann geguckt und fand es wahnsinnig spannend. Es ist eine Sportart, bei der die K.o.-Quote auch sehr hoch ist, was die Zuschauer natürlich fasziniert.

Klar, ich kannte MMA zuerst auch durch die UFC - mit meinem kleinen Bruder habe ich das hin und wieder auch mal auf der Playstation gespielt. Ich kenne MMA also auch schon länger, aber dass ich selbst mal aktiv bin, kam mir damals eigentlich nicht so in den Sinn.

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Der Wechsel zum MMA

Bei mir war es ähnlich wie bei Regina, dass wir gemerkt haben: Im Kickboxen ist nicht wirklich Geld zu verdienen. Der Wechsel zum MMA war eher Zufall. Beim Boxen hatte ich eine Phase, in der es sich so angefühlt hat, als würde ich trotz intensiven Trainings nicht mehr richtig vorankommen. Mein Trainer meinte, ich solle mir eine kurze Auszeit gönnen, um wieder "frisch" zu sein. Er hat mir geraten mal in eine andere Disziplin reinzuschnuppern. Und weil die Ringer gerade neben uns auf der Matte trainierten, dachte ich mir: Warum nicht? Durch meine Erfahrungen im Kunstturnen als Kind lag mir das Ringen auch direkt sehr gut und ich hatte Spass daran.

Einerseits ist es wie ein Fiebertraum, andererseits auch einfach das Ergebnis aus jahrelanger harter Arbeit. MMA betreibe ich zwar seit zwei Jahren, aber das Kickboxen schon ein bisschen länger. Für viele wirkt es vielleicht, als hätte ich ganz plötzlich viel Erfolg. Aber davor war ich einfach nur nicht in der Öffentlichkeit - ich habe trotzdem jeden Tag hart gearbeitet. Die Leute sehen eben nicht, was dahintersteckt, sie sehen nur die Ergebnisse. Ich kann nach jahrelangem Training jetzt die Lorbeeren ernten, aber trotzdem muss die harte Arbeit weiter gehen.

Es macht vor allen Dingen mehr Spass, wenn du weisst: Du hast jetzt endlich auch die Aufmerksamkeit, die Arbeit zahlt sich aus. Das motiviert dich nochmal zusätzlich. Insofern kann man wirklich sagen: Du lebst jetzt deinen Traum.

Regina Halmich: Eine einflussreiche Sportlerin

Die 1978 geborene Karlsruherin kann man getrost als eine der einflussreichsten Sportlerinnen Deutschlands bezeichnen. Von 1995 bis 2007 war Halmich ungeschlagene Weltmeisterin der WIBF, im deutschen Boxsport war ihr Name spätestens zur Jahrtausendwende bekannter als der vieler ihrer männlicher Kollegen. Dafür sorgten auch Showkämpfe gegen Moderator Stefan Raab, zuletzt zu dessen Comeback im September 2024.

Gemeinsamkeiten in einer Männerdomäne

Absolut, Alina ist im MMA in Deutschland eine der Pionierinnen, das muss man sagen. Ich kenne in Deutschland sonst nicht viele Frauen, die Mixed Martial Arts machen. Im Prinzip kann man sagen: Dass was sie erlebt, ist eins zu eins das Gleiche, was ich im Boxen erlebt habe - nur eben im MMA.

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Bei mir war es genau das gleiche, als ich angefangen habe. Auf einmal kamen mehr Boxerinnen ins Gym und haben angefangen zu trainieren. Man braucht eben immer Vorbilder.

Die Bedeutung der Vermarktung im Kampfsport

Es nützt nichts mehr, wenn du eine gute Kämpferin bist. Du musst auch ein Charakter sein.

Die Leute interessieren sich für deine Persönlichkeit, nicht nur für den Kämpfer. Das ganze Drumherum spielt eine grosse Rolle. Es ist heute wichtiger, dass man präsent ist und mit den Fans interagiert, dass sie dich auch fernab der Kämpfe sehen.

Lernen von verschiedenen Generationen

Was uns verbindet, ist die Disziplin, die man im Kampfsport über Wochen, Monate, sogar Jahre mitbringen muss. Ich würde deshalb gar nicht von etwas lernen sprechen. Natürlich bin ich älter, habe 56 Profikämpfe absolviert. Da kann ich ihr natürlich noch das eine oder andere erzählen. Aber letzten Endes ist es ein Austausch verschiedener Sportarten, die zwar ähnlich sind, aber trotzdem unterschiedlich.

Ich komme wie gesagt vom Kickboxen, habe auch ein bisschen Boxen gemacht. Deswegen ist vieles sehr ähnlich, worüber wir uns schon ausgetauscht haben. Und natürlich sie hat viel mehr Erfahrung als ich, ich mache gerade erst meinen zweiten Profikampf. Aber jeder macht auch ein bisschen seine eigenen Erfahrungen. Trotzdem ist es immer hilfreich, Tipps und Erfahrungswerte von anderen erfolgreichen Kämpfern zu bekommen. Ich sehe Regina auch als meine Mentorin, als ein Mitglied des Teams. Und da ist natürlich jeder Tipp Gold wert und wird mich in jedem Fall weiterbringen.

Der Zusammenhalt unter Sportlerinnen

So habe ich das auch gemacht im Laufe meiner Karriere: Ich habe mir von jedem gerne Tipps geholt und mir dann das Beste davon herausgepickt. Und heute gebe ich aktiven Sportlerinnen Ratschläge, gerade wenn es um Verhandlungen oder Sponsoren- und Kampfverträge geht, wo ich schon fast alles erlebt habe. Das mache ich auch gerne. Es ist wichtig, dass bei den wenigen Frauen in unserem Sport ein gewisser Zusammenhalt herrscht. Ich hätte mir damals gewünscht, mir auch mal Rat von einer Frau holen zu können. Aber da war niemand, es gab nur Männer.

Der Frauenmangel im MMA

Ich finde es unglaublich schade. Klar funktioniert das Training auch mit den Männern und macht Spass. Es gibt ja auch Männer in meiner Gewichtsklasse. Aber beispielsweise im Bodenkampf gibt es trotzdem nochmal einen Kraftunterschied. Deswegen finde ich es toll, dass jetzt generell mehr Frauen im Kampfsport sind.

Wir sind wirklich Einzelkämpfer, das ist einfach so. Meine Freunde im Sport waren auch alles Männer.

Bei MMA schreckt viele Frauen wahrscheinlich die Härte ab.

MMA: Eine Kombination verschiedener Kampfsportarten

Ursprünglich entstanden aus der Frage, welche Disziplin die wirksamste ist, sind die Mixed Martial Arts (zu deutsch: Gemischte Kampfkünste) eine Kombination vieler verschiedener Kampfsportarten. Kritisiert wird der Sport noch immer für seine brutale Gangart, weshalb TV-Übertragungen in Deutschland bis 2015 verboten waren und in einigen US-Bundesstaaten gar nicht gekämpft werden durfte. Und trotzdem boomt MMA weiter und füllt mittlerweile auch in Deutschland Stadien. Als einer der grossen Veranstalter in Europa fungiert dabei Oktagon MMA, während in den USA die UFC dominiert.