Der Meistergrad im Judo in Deutschland

Gürtelfarben spiegeln in den unterschiedlichen Kampfkünsten die verschiedenen Ränge einer Kampfsportart dar. So auch im japanischen Kampfsport Judo. Während die farbigen Gürtel die Schülergrade darstellen, symbolisiert der schwarze Gürtel den Meistergrad.

Ein Meistergrad wird im Judo als „DAN“ bezeichnet. Der DAN (jap. Für „Stufe“, „Rang“, „Abschnitt“) bezeichnet in vielen asiatischen Kampfkünsten einen Fortgeschrittenen- bzw. Meistergrad. DAN-Träger sind Personen, die einen Dan-Grad innehaben. Der niedrigste Meistergrad (1. DAN) folgt auf den höchsten Schülergrad (1. KYU) und verleiht die Befugnis zum Tragen eines schwarzen Gürtels.

In Deutschland sind Graduierungen vom 9. bis zum 1. Kyu (Schülergrad) und vom 1. bis zum 5. Dan (Meistergrad) über Prüfungen zu meistern. Nach der Prüfungsordnung des Deutschen Judo-Bundes e. V. wird höchstens der 5. DAN vergeben. Höhere DAN-Grade sind selten, da sie nicht mehr durch eine Prüfung erreicht können. Vom 6. DAN bis zum 9. DAN werden die Grade ausschließlich verliehen z. B. aufgrund besonderer Verdienste um den Judosport bzw. sportliche Erfolge. Der Deutsche Judo-Bund ist für Verleihungen ab dem 6. und maximal bis zum 9. Dan zuständig. Der 10. Dan wird nur von der International Judo Federation (IJF) oder vom Kodokan, der ursprünglichen Judoschule in Japan, verliehen.

Während einer Prüfung für eine neue Stufe, müssen die Teilnehmer theoretische Kenntnisse und praktische Fertigkeiten beweisen. Dabei gilt, je höher die Graduierung sein soll, umso mehr wird an Wissen und Können von den Prüflingen abverlangt.

Die Judoabteilung des TuS Großkarolinenfeld hat mit Hanna Dietrich, Simon Pfaab und Stephan Goldammer gleich drei Sportler im Jahr 2015 zu solch einer Überprüfung ihres Könnens und Wissens geschickt. Sie mussten in den unterschiedlichen Teilen ihrer Danprüfung ihre Fähigkeiten einer dreiköpfigen Kommission beweisen. Nach den mehrstündigen Prüfungen haben alle drei erfolgreich ihre Teile des jeweils neuen Meistergrades souverän mit Bestnoten bestanden. Somit hat der Tus Großkarolinenfeld mit dem 3. Dan von Simon Pfaab und dem 4. Mit Stephan Goldammer hat der TuS Großkarolinenfeld den ersten Judoka in der Region, der den vierten Dan, Meistergrad tragen darf. Am 05.12.2015 absolvierte er mit Bravour den letzten Teil seiner mehrteiligen Prüfung.

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Die Entwicklung der Graduierungen

Die Entwicklung des Graduierungssystems ist eine von mehreren Innovationen Jigoro Kanos, die sich als außerordentlich hilfreich bei der Verbreitung von Kodokan-Judo erwiesen haben.

Bereits in den Schulen der traditionellen Kriegskünste (Koryu-bugei) gab es ein System der Anerkennung und Lizenzierung in meist fünf Stufen. Kano erkannte den psychologischen Anreiz, der in diesem System lag, empfand jedoch die Zeiträume von teilweise mehreren Jahren, die der Einzelne auf jeder Stufe verweilen musste, als zu lang, um das System auch tatsächlich als Motivationsmittel nutzen zu können. Die grundsätzliche Idee eines gestuften Gratifikationssystems griff Kano daher auf, als er das Graduierungssystem für das Kodokan-Judo erdachte, verdoppelte aber die Anzahl der Stufen - oder anders ausgedrückt: er verringerte die Zeiten zwischen denGraduierungen -, um den Schülern eine realistische und überschaubare Perspektive für ihr Aufsteigen zu bieten.

Außerdem wurden mit der Zeit mehr oder weniger nachvollziehbare Kriterien geschaffen, nach denen Graduierungen vorgenommen wurden, so dass das System für Schüler transparenter war als die Vorläufer aus den alten Jujutsu-Schulen.

Am Anfang waren die Dan-Grade

Bereits kurz nach Kodokan-Gründung nahm Kano eine Unterscheidung inNicht -Graduierte (Mudansha, mu = leer; ohne, nicht vorhanden sein) und Graduierte (Yudansha, Yu = vorhanden sein). Die Graduierungen der Yudansha, also der Dan-Träger, wurden der Einfachheit halber durchnummeriert : 1. Dan, 2. Dan, 3. Dan und so weiter. Die weitere Unterteilung der Mudansha in Kyu-Grade wurde erst später vorgenommen.

Das Dan-System folgte dem Gedanken, dass Wissen und Können stets wachsen können, grundsätzlich nicht nach oben begrenzt . So merkte Kano 1930 in einem Artikel der Zeitschrift "Sakko" an, dass er zwar zehn Dan-Grade festgelegt habe, es aber auch durchaus möglich sei, höhere Grade zu erreichen. Später (1935 und 1937) schuf er allerdings Fakten, indem er als höchsten Grad den 10. Dan verliehen hat und höhere Kategorien nicht mehr erwähnt wurden. Somit blieb und bleibt es in der Praxis bei zehn Dan-Graden im Kodokan-Judo. Verschiedentlich ist zu lesen, dass es zwölf gäbe. Teilweise werden sogar Gürtelfarben (weiß) und -beschaffenheit (doppelte Breite) und philosophische Erklärungen angeboten wie: "der Kreis schließt sich und der wahre Meister wird wieder zum Schüler", "der 12. Dan repräsentiert den Geist des Judo" oder "weiß ist die Farbe des Lebens (=Anfang) und des Endes (=Tod)". In den Kodokan-Regularien und den schriftlichen Hinterlassenschaften Kanos findet sich nichts dergleichen. Kano selbst hatte übrigens keinen Dan-Grad - wer sollte auch über seine Graduierung entscheiden?

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Die Farben als Zeichen

Erst drei bis vier Jahre nach der Etablierung des Graduierungssystems, also 1886/87, begannen die Dan-Träger im Kodokan schwarze Gürtel als Zeichen für ihre Graduierung zu tragen. Farbsymbole als Rangunterscheidung gab es bereits in einigen traditionellen Schulen (Koryu), jedoch waren die schwarzen Gürtel ein Spezifikum im Kodokan.

Farbige Gürtel zur Unterscheidung der Kyu-Grade wurden später schrittweise eingeführt. Im Jahr 1923 galt bei spielsweise folgende Einteilung - Anfänger: hellblau (wörtlich "wasserblau"), später ebenfalls weiß, 5. Kyu bis 4. Kyu: weiß, 3. Kyu bis 1. Kyu, Kinder violett, Erwachsene braun . Am 1. März 1930 wurde schließlich auch ein Farbsystem bei den Dan-Graden eingeführt: 1. bis 5. Dan : schwarz . 6. bis 9. Dan : alternierend rot-weiß, 10. Dan: rot. Erst im Januar 1943 wurde auch dem 9. Dan der rote Gürtel zugeordnet.

Frauen, für die in Japan einige Sonderregelungen gelten, haben einen schmalen weißen Längsstreifen in ihrem Gürtel und tragen bereits ab dem 8. Rot-weiße und rote Gürtel gelten in Japan vorwiegend als zeremonielle Gürtel, die stets bei feierlichen Anlässen, aber nicht - oder nur selten - im alltäglichen Training getragen werden. In der Praxis gibt es aber individuelle Unterschiede.

Kriterien für Graduierungen

Wofür sollten nun - ganz allgemein Graduierungen zuerkannt werden? Wie sind Fortschritte in einem System zu bemessen, das nebentechnischen und kämpferischen Fertigkeiten auch Gesundheitsförderung, Charakterschulung und soziale Verantwortung als wesentliche Ziele betont ? Konsequenterweise flossen (und fließen bis zum heutigen Tag) daher neben den praktischen Fertigkeiten auch charakterliche und soziale Eigenschaften in die zu berücksichtigenden Kriterien für Graduierungen ein.

In den 1925 gedruckten Regeln für Kyu- und Dan -Grade im Kodokan heißt es dazu in Artikel 10 (übersetzt aus A. Bennett, 2009, S. 116): Die Entscheidung über eine Graduierung basiert auf dem Charakter des Kandidaten, seinen Fertigkeiten in Kata und Randori, Wissen überJudo, Teilnahme am Judo-Training, Ergebnisse im Judo usw. Die Beurteilung der Kandidaten geschieht auf der Basis der folgenden Kriterien: a) wenn ein Kandidat charakterliche Mängel aufweist, wird er nichtgraduiert, auch wenn er andere Bedingungen erfüllt,b) bei Kandidaten, die einen guten Charakter besitzen, fleißig trainieren, die das durch Judo Gelernte im täglichen Leben anwenden und durch Judo Fortschritte gemacht haben, können hierdurch bis zu einem gewissen Gradetechnische Defizite ausgeglichen werden, c)die Bewertung der Judo-Techniken berücksichtigt besonders Haltung, Balance und Sicherheit bei derAusfuhrung, d) in Bezug auf das Wissen über Judo müssen Kandidaten für den 1. Dan oder höher ein sicheres Verständnis der Theorie der Judo-Techniken nachweisen und demonstrieren, welche Bedeutung dies in ihrem Judo hat.

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Technische Fertigkeiten und Kampfstärke sind also bei weitem nicht die einzigen Kriterien für die Vergabe einer Graduierung, was in Anbetracht des Anspruchs von Kodokan-Judo, ein um fassendes System zur Persönlichkeitsbildung zu sein, nur konsequent ist, sich jedoch naturgemäß einer objektiven Beurteilung noch mehr entzieht als die Überprüfung praktischer Fertigkeiten.

Die Leistungen in Randori wurden (und werden immer noch) durch die Ergebnisse bei den regelmäßig stattfindenden Graduierungsturnieren (Tsukunarni-shiai und Kohaku-shiai) beurteilt. Um graduiert zu werden, muss ein Kandidat - bis einschließ lich zum 8. Dan (!) - eine bestimmte Anzahl an Gegnern im Wettkampf besiegen und so die Punkte für die nächste Graduierung sammeln. Die Anzahl der nötigen Punkte reduziert sich mit der Dauer der Vorbereitungszeit. Eine Sonderform ist die direkte Graduierung zum nächst höheren Grad, wenn nacheinander sechs Gegner, und mindestens fünf davon mit Ippon, besiegt wurden.

Der Bereich Kata wird bei höheren Dan-Graden durch öffentliche Vorführungen nachgewiesen. Für hohe Dan-Grade erfolgen diese auf entsprechend hochrangigen Veranstaltungen. So mussten beispielsweise die mehrmaligen Weltmeister und Olympiasieger Yasuhiro Yamashita und Hitoshi Saito für die Graduierung zum 8. Dan jeweils die Koshiki-no-kata vor rund 10.000 Zuschauern im Rahmenprogramm der Alljapanischen Meisterschaften dernonstrieren.

Bekanntgabe und Beurkundung

Kano war der Ansicht, dass die Beurkundung einer neuen Graduierung und eine entsprechende öffentliche Würdigung Stolz und damit Motivation der erfolgreichen Kandidaten anregen würde.

Die ersten Graduierungsurkunden wurden bereits 1894 gedruckt - bis dahin waren sie handschriftlich abgefasst. Im selben Jahr fand auch die erste große Verleihungszeremonie im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten für das Dojo in Shimotornizaka-cho mit 103 zu Ehrenden statt.

Interessant ist der Text der Urkunden : 1., 2. und 3. Dan : Der Halter dieses Zertifikats hat große Anstrengungen im Studium von Nihon-den-Kodokan-Judo unternommen und ausreichende Fortschritte gemacht, um mit dem 1. (2./3.) Dan ausgezeichnet zu werden. Er wird sein Training fortsetzen, um seine Fertigkeiten zu verbessern. 4. und 5. Dan: Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat der Halter dieses Zertifikatsgroße Anstrengungen beim Studium von Nihon-den-Kodokan-Judo unternommen, große technische Fähigkeiten gezeigt und wird hierfür mit dem 4. (5.) Dan ausgezeichnet. Er wird weiterstudieren, um ein Lehrer zu werden. 6. Dan: Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat der Halter dieses Zertifikats große Anstrengungen beim Studium von Nihon-den-Kodokan-Judo unternommen, eine Meisterschaft in der Technik demonstriert und wird hierfür mit dem 6. Dan ausgezeichnet. Er muss weiter studieren,um ein echter Meister zu werden.

Aus den Formulierungen wird ersichtlich,dass ein Dan-Grad keineswegs als Meistergrad zu verstehen ist, wie es im Westen häufig verstanden wird. Der 1. Dan markiert vielmehr den Einstieg in ein ernsthaftes Judostudium, nachdem man den Anfängerstatus überwunden hat. Auffällig ist ferner, dass alle Beurkundungstexte mit der Aufforderung schließen, weiter zu studieren. Dies betontnoch einmal die Funktion der Graduierungen, über Anerkennung der Anstrengungen - auch diese werden in den Texten lobend erwähnt - zu fortgesetztem Studium zu motivieren .

Aktuelle Entwicklungen im Deutschen Judo-Bund (DJB)

Mit der Fortschreibung der Inhalte des Dan-Prüfungsprogramms folgt der Deutsche Judo Bund einer langen Tradition von Prüfungsinhalten, die sukzessive weiterentwickelt werden. Das vorliegende Programm baut auf vielen Inhalten der ersten gesamtdeutschen Dan-Prüfungsordnung von 1995 auf und schreibt diese fort. So wurden auch die Begleitmaterialien von 1997 bei der Erstellung dieses aktuellen Skriptes benutzt und weiterentwickelt.

Die Arbeitsgruppe hat sich im Auftrag des Präsidiums, der Mitgliederversammlung und des Fachgremiums des Deutschen Judo Bundes ca. zweieinhalb Jahre, unter hauptamtlicher Leitung, ehrenamtlich mit der Erstellung der Inhalte und Materialien beschäftigt. Alle Entscheidungen wurden im Gremium ausführlich beraten und innerhalb der Gruppe demokratisch entschieden. Zwischenergebnisse wurden zweimal dem Fachgremium (Lehr- und Prüfungsreferenten der Landesverbände) und einmal den Präsidenten der Landesverbände zur Zustimmung vorgelegt.

In dem Begleitskript werden sowohl Erklärungen für Entscheidungsfindungen, als auch Erläuterungen zu den Prüfungsinhalten dargestellt. Weiterhin enthält es Begleitmaterialien, welche Begriffe erklären, mit den Grundlagen und der Geschichte unserer Sportart vertraut machen, Lehrsysteme und Methoden beschreiben und somit dem Prüfling eine umfangreiche Hilfestellung zur Vorbereitung auf die Prüfung geben.

"Das Programm tritt laut Beschluss der Mitgliederversammlung zum 01.01.2010 mit einer Übergangszeit von zwei Jahren in Kraft.

Laut Beschluss der Mitgliederversammlung vom 30.10.2010 tritt ab dem 01.01.2011 ein zusätzliches Wahlprogramm "Selbstverteidigung" als Alternative zu den Anwendungsaufgaben vom 3. Kyu bis zum 3. Dan in Kraft. Die entsprechenden Aufgaben und Erläuterungen sind in den aktuellen Materialien integriert. Das neue Dan-Graduierungsprogramm wird zum 1. Juli 2023 mit einer Übergangszeit von 18 Monaten in Kraft gesetzt. Als logische Fortführung der Inhalte unseres neuen Kyu-Graduierungssystems kann ab dem 1. Juli das neue Dan-Programm in der Praxis ausprobiert werden. Die Inhalte wurden von der Arbeitsgruppe Graduierung im DJB mit enger Beteiligung der Landesfachreferenten als modernes, kompetenzorientiertes Programm zusammengestellt. Erläuterungen und Begleitmaterialien zum neuen Dan-Graduierungssystem werden sukzessive und zeitnah veröffentlicht.