Mandy Böhm: Vom UFC-Käfig ins Profiboxen – Eine Kämpferin auf neuen Wegen

„Ich bin ein verdammtes Monster im Oktagon.“ Das sagt Mandy Böhm (34) über sich selbst. Und so schaffte es die Käfig-Kämpferin als zweite Deutsche bis in die UFC, die Champions League im MMA.

Mandy Böhm (* 30. Gelsenkirchen) begann im Alter von 18 Jahren mit dem Kampfsport. Sie trainierte zunächst im Fight Club Gelsenkirchen und wurde zweifache Europameisterin im Kickboxen. 2014 begann sie ihre MMA-Karriere für die deutsche Organisation German MMA Championship (GMC). Ihr erster Kampf endete in einem „No Contest“.

Danach gewann Böhm, die von ihren Fans „Monster“ genannt wird, fünf Kämpfe in Folge bei GMC-Events. Am 24. Mai 2019 wurde Böhm bei ihrem ersten internationalen Kampf in Kanada TKO-MMA-Weltmeisterin im Fliegengewicht. Schon bei ihrem Debüt hätte Böhm am 29. Mai 2020 im Hauptkampf des Events „Bellator 243“ stehen sollen. Geplant war ein Fight gegen die zweimalige UFC-Championship-Herausforderin Liz Carmouche.

Ihr Bellator-Debüt gab Böhm am 1. Eeckhout einstimmig nach Punkten.

Der Traum von der UFC und die Rückkehr nach Deutschland

Böhm zog mit ihrem Mann Khurshed „The Killer“ Kakhorov (31) von Gelsenkirchen nach Las Vegas, lebte ihren Traum. Zahlte aber auch Lehrgeld. Nach drei Kämpfen (1 Sieg, 2 Niederlagen) lief ihr Vertrag mit den Amis aus.

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Nach zwei Niederlagen in der UFC stand Mandy Böhm mit dem Rücken zur Wand. Im dritten Anlauf klappte es: Die deutsche Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Mandy Böhm hat ihren ersten Sieg in der Ultimate Fighting Championship (UFC) eingefahren. Bei der UFC Fight Night in der US-Stadt Charlotte im Bundesstaat North Carolina siegte Böhm gegen Ji Yeon Kim nach Punktentscheid.

„Ich hätte einen weiteren UFC-Vertrag annehmen können“, erzählt Böhm. „Aber ich hatte auch ein Angebot aus dem Profi-Boxen. Und das fühlte sich sehr gut an. Die Komfortzone zu verlassen, war schon immer mein Ding.“

Für die Rückkehr nach Deutschland sprach auch, dass sie sich hier ein zweites Standbein aufbauen kann. Für die „Manuel Neuer Kids Foundation“ gibt Böhm Training.

Neuer Abschnitt: Der Wechsel zum Profiboxen

Böhm zog darum im Sommer zurück ins Revier, heuerte beim UGRO-Box-Team an und bestreitet Samstag in der „Classic Remise“ in Düsseldorf ihren ersten Profi-Kampf. Gegnerin ist die zähe Eva Hubmayer (37/Euskirchen).

„Boxen war immer Bestandteil meines Trainings“, sagt Böhm. „Aber das Schlagvolumen ist im Profi-Boxen doch höher. Ich bin super aufgeregt und gespannt, was passiert. Ich werde mich rantasten und sehen, ob ich es fühle.“ Dickere Handschuhe, Schuhe an den Füßen, eine Runde dauert nur zwei statt fünf Minuten! Böhm lacht: „Ich hoffe, ich kann die Beine unten lassen.“

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Der Kampf um den Weltmeistertitel

Die Gelsenkirchenerin Mandy Böhm steht vor dem größten Boxkampf ihrer Karriere. Dass ihre Gegnerin 16 Jahre jünger ist, schreckt sie nicht ab. Die Gelsenkirchenerin Mandy Böhm kämpft in Frankfurt um den Weltmeistertitel.

Nach gut einem halben Jahr ohne Kampf steht für die 35-Jährige nun an diesem Freitag in Frankfurt/Main der größte Kampf ihrer Karriere an. Am Freitagabend kämpft sie gegen Mei Li Folk um den Weltmeistergürtel im Leichtgewicht der Women’s International Boxing Federation (WIBF), einer der führenden Organisationen im Frauenboxen. „Das ist eine großartige Chance, nach so kurzer Zeit schon um einen Titel boxen zu können“, sagt Böhm. Als das Angebot hereinkam, hatte sie keine Sekunde gezögert.

Mandy Böhm aus Gelsenkirchen ist „so fokussiert wie noch nie“ Und so legte sie in der Vorbereitung auch den vollen Fokus auf sich selbst. „Ich hatte ein kurzes, aber sehr intensives und gutes Fighting-Camp, habe mit einigen Jungs aus der Umgebung Sparring gemacht und auch mit meinem Mann trainiert“, erklärt sie. „Ich bin so fokussiert wie noch nie.“

Da bekommt ihre Gegnerin nur die allernötigste Aufmerksamkeit, bevor die beiden aufeinandertreffen werden. „Es wird ein Generationsduell. Sie ist gerade 19 und kommt aus dem Amateur-Boxen. Aber Profi-Boxen ist nicht Amateur-Boxen. Ich weiß, wie es ist, gegen die Weltspitze anzutreten“, sagt Böhm. Große Chancen sieht sie für ihre Kontrahentin nicht, „aber wir kämpfen beide ja nicht ohne Grund um die Weltmeisterschaft“.

An diesen Kampf geht sie etwas anders heran als an ihre vorherigen Duelle. Ob sie Unterstützung in der Halle neben ihrem kleinen Reisetross haben wird, weiß sie nicht. „Es haben sich wohl einige Leute Karten besorgt, aber ich konzentriere mich nur auf den Kampf“, meint Böhm. Da kann auch die Kulisse im gut 1000 Zuschauer fassenden Gesellschaftshaus Zoo sie nicht beeindrucken. „Keine Halle ist krasser als ein UFC-Event“, sagt sie. „Aber ich freue mich schon darauf.“ Und am liebsten will sie die Halle natürlich mit dem Gürtel um die Hüften wieder verlassen. Alles andere käme Mandy Böhm auch nicht in den Sinn.

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Der Angriff als Profi-Boxerin

Mandy Böhm (34) verschwendet keine Zeit. Die Kämpferin aus Gelsenkirchen war die einzige Deutsche in der UFC. Jetzt greift das „Monster“ als Profi-Boxerin an. Und stellt klar: „Ich hab' richtig Bock auf Boxen und möchte so schnell wie möglich an die Spitze!“

Nach nur einem Kampf ist Böhm in Deutschland schon die Nr. 5 im Leichtgewicht (61,2 Kilo). Samstag steigt sie in München zum zweiten Mal in Ring. Ihre Gegnerin: Karina Szmalenberg (34). Die erfahrene Polin (Bilanz 14 Siege, 59 Niederlagen, 4 Unentschieden) stand schon mit der gesamten deutschen Elite im Ring - ging dabei aber noch nie k.o.! Das will Böhm ändern. Und stellt klar: „Ich habe keine Ambitionen, sechs Runden mit ihr zu tanzen.“

Dabei bekommt sie starke Unterstützung! Im Gegensatz zu ihrem Debüt im November ist diesmal Ehemann Khurshed „Killer“ Kakhorov (31) in ihrer Ecke. Der MMA-Kämpfer ist PFL-Europameister. „Ich bin froh, dass er wieder dabei ist“, sagt Böhm. „Er hat eine gute Übersicht und sieht, was die Gegner können. Und er gibt mir Ruhe.“

In der Vorbereitung kämpfte Böhm erst mit einem überfluteten Keller, dann mit einer Erkältung. Doch das blendete sie aus: „Ich bin ganz normal in meiner Zone.

Der erste Sieg in der UFC

Die Südkoreanerin beging im Käfigduell allerdings gleich zwei folgenschwere Regelverstöße, einer davon sorgte für das vorzeitige Ende, denn: Ein illegaler Kniestoß zum Kopf ließ Böhm kampfunfähig zurück. In den ersten Sekunden fing sich Böhm bereits eine harte Rechte ihrer Kontrahentin ein und wackelte. Danach brachte sie die Koreanerin mit einem Hüftwurf zu Boden und setzte einen Würgegriff an. Kim konnte sich jedoch herauswinden. Gegen Ende der Runde hatte Böhm dann wieder die Oberhand und die Kontrolle am Boden.

Die zweite Runde eröffnete die Deutsche mit einer starken rechten Geraden, die ihr Ziel traf. Böhm verlagerte das Kampfgeschehen wieder in den Clinch und an den Käfigrand. Im Bodenkampf konnten beide Kämpferinnen kaum Akzente setzen, Kim setzte zu einer "Guillotine" an, konnte den Aufgabegriff aber nicht durchbringen. Da Kim nach dem Ende der Runde noch zuschlug, zog der Referee ihr einen Punkt wegen unsportlichen Verhaltens ab.

In Runde drei leistete sich die Koreanerin einen weiteren Regelverstoß. Am Käfigrand verpasste sie Böhm ein Kniestoß zum Kopf, obwohl die Deutsche am Boden war - eine unerlaubte Aktion. Die Gelsenkirchenerin brach nach der Aktion auf der Matte zusammen und signalisierte, dass sie auf dem linken Auge nichts mehr sehen könne. Nach Ringarztentscheidung wurde der Kampf abgebrochen, Kim wurde erneut ein Punkt abgezogen. Zu einem Urteil der Punktrichter kam es trotzdem. Hier siegte Böhm durch Split-Decision - zwei der drei Ringrichter werteten den Kampf zu ihren Gunsten.

Die Zukunft von Böhm in der Eliteliga ist trotz des Siegs weiterhin offen. Nach zwei Niederlagen gegen Ariane Lipski und Victoria Leonardo stand die 33-Jährige mit dem Rücken zur Wand. Nach drei Niederlagen in den Vier-Kampf-Verträgen hätte die UFC wohl vorzeitig den Schlussstrich gezogen.