Mit 19 Jahren Profisportlerin zu werden? Eigentlich unmöglich, doch Mandy „Monster“ Böhm aus Gelsenkirchen hat das Gegenteil bewiesen.
Die Gelsenkirchenerin war als Käfig-Kämpferin die einzige deutsche Frau in der UFC. Mit 32 hat sie sich ihren Traum, UFC-Kämpferin zu werden, erfüllt. Mittlerweile ist Böhm in der UFC angekommen und hat dort ihren ersten Kampf bestritten. „Ich habe an meinem Ziel festgehalten. Darauf bin ich stolz“, sagt sie.
Die Gelsenkirchenerin ist inzwischen Profisportlerin, verdient damit ihren Lebensunterhalt. Für ihre sportliche Karriere trainiert sie zweimal pro Tag jeweils eine Stunde - außer sonntags. Neben Boxen, Kickboxen, Judo und Ringen macht sie Lauf-, Kraft- und Athletiktraining.
Sportlich war die Gelsenkirchenerin, die in Buer geboren wurde und in Scholven aufwuchs, schon immer. Als Kind turnte sie zunächst im TB Beckhausen, später machte sie bei der Hasseler Schreberjugend erst Breakdance, dann Showtanz. Im Turnen wurde sie Stadtmeisterin, im Breakdance als Jugendliche deutsche Vizemeisterin.
Mit 18 Jahren hat die heute 32-Jährige die Kampfsportart Mixed Martial Arts (MMA) für sich entdeckt. Schon damals beschloss sie, eines Tages in der UFC (Ultimate Fighting Championship), eine US-amerikanische MMA-Organisation und der weltweit größte MMA-Veranstalter, zu kämpfen.
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„Es war Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Mandy Böhm. Der Wettbewerb ist das eine, das Böhm bei ihrem Sport immer angetrieben hat. Beim MMA schätzt sie aber auch, dass der Sport die Persönlichkeit entwickelt. „Ich bin ein schüchternes junges Mädchen gewesen, aber ich wollte mutig sein und mein Leben nicht von Ängsten bestimmen lassen“, erläutert sie.
Zusammen mit ihrem Mann, der ebenfalls MMA betreibt, hat sie sich zuhause einen Übungsraum eingerichtet. „Man kann sich aber nicht allein vorbereiten“, erklärt Mandy Böhm. Nachdem es erst im Juni nach einem dreijährigen Aufenthalt aus Irland zurückgekommen ist, möchte das Paar deshalb sobald wie möglich in die USA gehen.
Bis sie etwa 36 Jahre alt ist, so glaubt Böhm, wird sie ihren Sport noch ausüben können. Ihr Ziel ist es, den „großen Gürtel“ der UFC zu erringen. „Dazu fehlen mir drei Siege. Danach will sie nach Gelsenkirchen zurückkommen. „Die Stadt hat mich zu der Frau gemacht, die ich bin.“ Sie ist ihr Zuhause. Hier möchte sie eine eigene Kampfsportschule eröffnen. Kinder und Jugendliche zu trainieren sei ihre „zweite Leidenschaft“, so Mandy Böhm.
Erste Rückschläge in der UFC
Um den nächsten Schritt in ihrer Kampfsport-Karriere zu machen, ging Böhm extra nach Las Vegas in die USA. Ihr UFC-Debüt feierte die 32-Jährige dann im September - musste jedoch ihre erste bittere Niederlage hinnehmen. Im Juli folgte die nächste Niederlage nach Punktentscheidung. Für die bis dahin ungeschlagene Kämpferin eine derbe Enttäuschung.
„Dann verlierst du und du fällst erstmal in ein tiefes Loch“, erklärt sie im Interview mit DER WESTEN. Noch dazu der Druck der Öffentlichkeit: „In diesem Moment wusste ich sofort, was auf mich zukommt: ein riesengroßer Shitstorm. Ich habe die Kommentare erstmal gelöscht und ich habe mein Handy zwei Tage an die Seite gelegt.“
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Als die UFC-Kämpferin ihr Smartphone wieder anschaltete, folgte der nächste Tiefschlag. Denn sie bekam ein Foto aus ihrer Heimat Gelsenkirchen zugeschickt. In ihrem Briefkasten lag „Fan-Post“. Ein ausgeschnittener Zeitungs-Artikel von dem Kampf wurde noch mit verhöhnenden Worten und fetten Markierungen, die ihre bittere Niederlage noch betonen sollten, unterstrichen. „Ich wusste nicht, ob ich weinen oder lachen sollte“, schrieb Böhm auf ihrem Instagram-Account und veröffentlichte das Bild, um ein Statement zu setzen.
„Und dann kommen da Menschen, die noch drauftreten, wenn du eh schon am Boden bist. Ich glaube vor wenigen Jahren, vielleicht sogar noch vor zwei bis drei Jahren, wäre ich daran zerbrochen. Da war ich froh, dass ich meine Freunde und Familie hatte“, schildert sie ihre Gefühlslage danach.
Inzwischen habe sie sich ein dickes Fell angelegt und könne damit umgehen. Mit Kritik habe das für die Sportlerin jedoch nichts zu tun. Die gebürtige Gelsenkirchnerin vermutet dahinter Neid. Doch es habe auch viele aufmunternde Kommentare auf Social Media gegeben - überwiegend von Frauen.
Der erste Sieg in der UFC
Nach zwei Niederlagen in der UFC steht Mandy Böhm mit dem Rücken zur Wand. Im dritten Anlauf klappt es: Die deutsche Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Mandy Böhm hat ihren ersten Sieg in der Ultimate Fighting Championship (UFC) eingefahren. Bei der UFC Fight Night in der US-Stadt Charlotte im Bundesstaat North Carolina siegte Böhm gegen Ji Yeon Kim nach Punktentscheid.
Die Südkoreanerin beging im Käfigduell allerdings gleich zwei folgenschwere Regelverstöße, einer davon sorgte für das vorzeitige Ende, denn: Ein illegaler Kniestoß zum Kopf ließ Böhm kampfunfähig zurück. In den ersten Sekunden fing sich Böhm bereits eine harte Rechte ihrer Kontrahentin ein und wackelte. Danach brachte sie die Koreanerin mit einem Hüftwurf zu Boden und setzte einen Würgegriff an. Kim konnte sich jedoch herauswinden.
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Gegen Ende der Runde hatte Böhm dann wieder die Oberhand und die Kontrolle am Boden. Die zweite Runde eröffnete die Deutsche mit einer starken rechten Geraden, die ihr Ziel traf. Böhm verlagerte das Kampfgeschehen wieder in den Clinch und an den Käfigrand. Im Bodenkampf konnten beide Kämpferinnen kaum Akzente setzen, Kim setzte zu einer "Guillotine" an, konnte den Aufgabegriff aber nicht durchbringen. Da Kim nach dem Ende der Runde noch zuschlug, zog der Referee ihr einen Punkt wegen unsportlichen Verhaltens ab.
In Runde drei leistete sich die Koreanerin einen weiteren Regelverstoß. Am Käfigrand verpasste sie Böhm ein Kniestoß zum Kopf, obwohl die Deutsche am Boden war - eine unerlaubte Aktion. Die Gelsenkirchenerin brach nach der Aktion auf der Matte zusammen und signalisierte, dass sie auf dem linken Auge nichts mehr sehen könne. Nach Ringarztentscheidung wurde der Kampf abgebrochen, Kim wurde erneut ein Punkt abgezogen.
Zu einem Urteil der Punktrichter kam es trotzdem. Hier siegte Böhm durch Split-Decision - zwei der drei Ringrichter werteten den Kampf zu ihren Gunsten.
Die Zukunft von Böhm in der Eliteliga ist trotz des Siegs weiterhin offen. Nach zwei Niederlagen gegen Ariane Lipski und Victoria Leonardo stand die 33-Jährige mit dem Rücken zur Wand. Nach drei Niederlagen in den Vier-Kampf-Verträgen hätte die UFC wohl vorzeitig den Schlussstrich gezogen.
Die deutsche MMA-Kämpferin Mandy "Monster" Böhm hat ihren zweiten Kampf in der Ultimate Championship Fighting (UFC) gegen die US-Amerikanerin Victoria Leonardo nach Punkten (30-27, 30-27, 30-27) verloren. Bei der ausverkauften Veranstaltung in London hatte die 32-Jährige vor allem im Clinch Probleme gegen Leonardo.
Böhm kontrollierte zwar aus der Ringmitte heraus und landete durch Legkicks ihre besten Treffer, die Konter ihrer Gegnerin fanden jedoch ebenfalls häufig ihr Ziel. In Druckphasen der Deutschen suchte die US-Amerikanerin immer wieder den Clinch und drückte Böhm gegen den Käfig. Während Böhm sich darauf konzentrierte, einen Takedown zu vermeiden, konnte Leonardo deutlich mehr Treffer landen und die Punktrichter am Ende überzeugen.
Wechsel zum Boxen und Kampf um den Weltmeistertitel
Vor einem Jahr wechselte sie zum klassischen Faustkampf. Inzwischen blickt die Profisportlerin wieder nach vorne und trainiert eisern für ihren nächsten Kampf im Käfig. Dann will sie diejenige sein, die die entscheidenden Tritte und Schläge austeilt. Auch die Erfahrung aus dem letzten Fight soll ihr dabei helfen: „Man kann die Niederlagen nicht ausblenden und sollte man auch nicht. Leistungssport ist immer Druck. Ich habe das Gefühl, das Monster ist im Schlummermodus gewesen. Ich hoffe, dass ich das jetzt in den Griff bekomme.“
Für zwei Kämpfe steht Mandy „Monster“ Böhm in der UFC noch unter Vertrag. „Ich kann in der Kreisliga kämpfen, aber lieber kämpfe ich in der Champions League“, sagt Mandy Böhm.
Ende September verteidigte Box-Weltmeisterin Dilar Kisikyol (32) in ihrer Wahlheimat Hamburg noch einmal ihren WBF-Titel im Leichtgewicht (61,2 Kilo). Danach beendete die kämpfende Sozialarbeiterin vom P2M-Stall ihre Karriere.
Freitag steigt im Zoo-Gesellschaftshaus in Frankfurt/Main das Generationen-Duell um ihre Nachfolge. Mandy „Monster“ Böhm (35) fordert Mei Li Folk (19/Limburg) heraus.
„Es ist eine große Gelegenheit, auch im Boxsport einzuschlagen wie eine Bombe“, sagt Böhm selbstbewusst. Folk (3 Siege/2 K.o.) ging nach einer erfolgreichen Amateur-Karriere ebenfalls 2023 zu den Profis.
„Ich bin die erste richtige Prüfung für Mei Li“, stellt Böhm vor dem bisher größten Box-Kampf ihrer Blitz-Karriere klar. Die aufstrebende WBF gilt unter den kleineren Verbänden als der angesehenste. Und standen dabei meist Aufbau-Gegnerinnen gegenüber. Die ehemalige Deutsche Meisterin und Vize-Europameisterin Folk gilt als technisch besser ausgebildet - „Monster“ Mandy setzt Härte, Kampfkraft und Ringerfahrung dagegen. In der Vorbereitung in ihrem Gym („Monster Academy“) trainierte sie viel mit Jungs aus dem Ruhrgebiet. Ehemann, MMA-„Killer“ Khurshed Kakhorov (32), steht Freitag in der Ring-Ecke.
Obwohl Böhm nach der kurzfristigen Anfrage nur vier Wochen Zeit für die Vorbereitung hatte, sagte sie sofort zu. „Ich bin stärker als jemals, bin mental voll da, ich bin fokussiert - ich will das! Wir gehen nach vorne.
Die Gelsenkirchenerin Mandy Böhm kämpft in Frankfurt um den Weltmeistertitel. Im Training hat sie unter anderem gegen ihren Mann geboxt. Die Gegnerin im Leichtgewicht kommt aus dem Amateurboxen und ist 19 Jahre alt.
Es braucht keinen besonderen Anlass, um Mandy Böhm anzuknipsen. Sie ist immer voll da - mental und auch körperlich. In den letzten Wochen wohl noch mehr als in ihrer bisherigen Karriere. „Ich brauche nicht vom Couch-Modus in den Fight-Modus zu schalten“, sagt die Gelsenkirchener Boxerin. Die Frage, ob sie fit ist, verbietet sie per Instagram-Story auch der Öffentlichkeit.
Nach gut einem halben Jahr ohne Kampf steht für die 35-Jährige nun an diesem Freitag in Frankfurt/Main der größte Kampf ihrer Karriere an. So langsam, gibt sie zu, geht der Puls bei ihr nach oben. Am Freitagabend kämpft sie gegen Mei Li Folk um den Weltmeistergürtel im Leichtgewicht der Women’s International Boxing Federation (WIBF), einer der führenden Organisationen im Frauenboxen. „Das ist eine großartige Chance, nach so kurzer Zeit schon um einen Titel boxen zu können“, sagt Böhm. Als das Angebot hereinkam, hatte sie keine Sekunde gezögert.
Und so legte sie in der Vorbereitung auch den vollen Fokus auf sich selbst. „Ich hatte ein kurzes, aber sehr intensives und gutes Fighting-Camp, habe mit einigen Jungs aus der Umgebung Sparring gemacht und auch mit meinem Mann trainiert“, erklärt sie. „Es wird ein Generationsduell. Sie ist gerade 19 und kommt aus dem Amateur-Boxen. Aber Profi-Boxen ist nicht Amateur-Boxen. Ich weiß, wie es ist, gegen die Weltspitze anzutreten“, sagt Böhm. Große Chancen sieht sie für ihre Kontrahentin nicht, „aber wir kämpfen beide ja nicht ohne Grund um die Weltmeisterschaft“.
An diesen Kampf geht sie etwas anders heran als an ihre vorherigen Duelle. Ob sie Unterstützung in der Halle neben ihrem kleinen Reisetross haben wird, weiß sie nicht. „Es haben sich wohl einige Leute Karten besorgt, aber ich konzentriere mich nur auf den Kampf“, meint Böhm. Da kann auch die Kulisse im gut 1000 Zuschauer fassenden Gesellschaftshaus Zoo sie nicht beeindrucken. „Keine Halle ist krasser als ein UFC-Event“, sagt sie. „Aber ich freue mich schon darauf.“ Und am liebsten will sie die Halle natürlich mit dem Gürtel um die Hüften wieder verlassen.
