Deutsche Karateka bei Olympia-Qualifikation: Eine Achterbahn der Gefühle

Die Entscheidung der World Karate Federation (WKF), die Qualifikation für die Olympischen Spiele bis ins kommende Jahr fortzuführen, dürfte bei einigen A-Kader-Athleten und -Athletinnen des Deutschen Karate Verbandes (DKV) unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen haben. Hintergrund für die Entscheidung der WKF-Spitze war die Tatsache, dass die Olympischen Spiele aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht wie geplant 2020, sondern erst 2021 (23. Juli bis 8. August) stattfinden - und somit die in diesem Jahr ausgefallenen Turniere, die noch für die Olympia-Qualifikation relevant gewesen wären, im kommenden Jahr ausgetragen werden können.

Sofern es die Umstände zulassen, ist für April 2021 im marokkanischen Rabat eine Premier-League-Veranstaltung vorgesehen, in der Olympia-Punkte vergeben werden. Zudem fallen die Europameisterschaften in Göteborg (12. bis 16. Mai 2021) - als Ersatz für die ausgefallene EM in Baku (Aserbaidschan) - in diese Kategorie. Die letzte Möglichkeit, auf den Olympia-Zug aufzuspringen, bietet sich beim finalen Qualifikations-Turnier in Paris.

Zu Beginn der weltweiten Pandemie mussten im März die noch ausstehenden Qualifikations-Turniere in Rabat, ersatzweise später Madrid, und die EM in Baku abgesagt werden. Da zu diesem Zeitpunkt die Olympischen Spiele noch für 2020 terminiert waren, wurden die jeweils vier Punkt-Besten der einzelnen olympischen Disziplinen von der WKF als qualifiziert gewertet - da eine Fortsetzung der ausgefallenen Turniere bis zum Sommer dieses Jahres ausgeschlossen war.

Als der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Dr. Thomas Bach, einige Wochen später die Spiele um ein Jahr verschoben hatte, eröffnete sich für die WKF die Perspektive, die ausgefallenen Turniere 2021 nachzuholen - um dadurch den Athleten und Athletinnen eine faire Chance zu eröffnen, die ursprünglich Qualifizierten noch von den Startplätzen zu verdrängen. Aus diesem Grund genehmigte das IOC die neue Vorgehensweise des WKF - zumal diese nicht im Widerspruch zu der Aussage von Dr. Thomas Bach stand. Bach hatte seinerzeit konstatiert, dass alle bisher Qualifizierten für Tokio gemeldet sind. Jedoch bezog sich diese Aussage lediglich auf die Athleten und Athletinnen, deren Qualifikation bereits abgeschlossen war oder deren abgebrochene Qualifikation bis zu den neu angesetzten Spielen im August 2021 nicht mehr wiederholt werden kann.

"Zwei Herzen schlagen in meiner Brust", erklärte DKV-Präsident Wolfgang Weigert, zugleich Vizepräsident der WKF. "Einerseits fühle ich mit Jonny, der nochmals zwei Turniere absolvieren muss, andererseits freut es mich für Jana und Shara, dass sie jetzt die Chance erhalten, ihre damals nur knapp verpassten Qualifikationen doch noch zu erreichen."

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Zugleich spiegelt die Entscheidung das grundsätzliche Dilemma der Sportpolitik wider, was ist in einem solch außergewöhnlichen und noch nie dagewesenen Fall als gerecht zu werten ist. "Es gilt nun vorwärts zu blicken und die drei Athleten bestmöglichst für die jetzt noch ausstehenden Veranstaltungen in Rabat und in Göteborg vorzubereiten", so Weigert weiter. Unabhängig davon wird die finale Qualifikation, bei der die restlichen drei Startplätze für Tokio vergeben werden, in Paris über die Bühne gehen.

Mia Bitsch: Vom Parkplatz zum EM-Titel

Als die Titelverteidigung perfekt war, hatte Mia Bitsch eine Eingebung, die sie unbedingt mit ihrem Bruder teilen wollte. „Ich habe zu ihm gesagt: Vielleicht hat das Training im Urlaub auf den Parkplätzen doch etwas gebracht“, erzählt die 21-Jährige zwei Tage nach ihrem Triumph bei der Karate-EM in Armeniens Hauptstadt Jerewan, wo sie im Finale der Gewichtsklasse bis 55 Kilogramm die Luxemburgerin Jennifer Warling mit 4:1 bezwungen hatte. Ihr Bruder Noah Bitsch (35) - 2021 für Team D bei den Olympischen Spielen in Tokio am Start - ist Bundestrainer der Frauen und Männer, er hat also durchaus einen Anteil an ihren Erfolgen.

An ihre Anfänge im mit rund 145.000 Aktiven mitgliederstärksten deutschen Kampfsport kann Mia sich nicht erinnern, schließlich wurde sie schon mit 26 Tagen im Verein Bushido Waltershausen angemeldet, den ihre Eltern in der Kleinstadt im Landkreis Gotha in Thüringen, wo die Familie auch lebt, führen. „Ich hatte keine andere Wahl. Mit zwei Jahren stand ich erstmals in der Trainingshalle“, sagt sie. Die Liebe zum Karate entwickelte sich allerdings schnell dahingehend, dass sie auch keine Wahl mehr benötigte.

Weil nicht nur Noah, sondern auch ihre Schwester Jana (34), die heute den Nachnamen Messerschmidt trägt, in die Weltklasse vorstießen, hatte sie die besten Vorbilder täglich vor Augen. „Meine Geschwister waren meine Idole, ich wollte unbedingt so sein wie sie“, sagt sie. Es nun tatsächlich auch im Erwachsenenbereich in die Weltspitze geschafft zu haben - aktuell steht Mia auf Rang drei der Weltrangliste -, erscheint der Sportsoldatin, die ein Studium für Sport- und Eventmanagement beginnen will, noch immer ein wenig surreal.

Neben dem zweiten EM-Einzeltitel gewann sie in Jerewan auch Gold mit dem Team, ohne allerdings einen Kampf bestritten zu haben, weil aus dem Fünfer-Aufgebot nur je drei Kämpferinnen pro Duell benötigt werden und der Fokus auf die schwereren Gewichtsklassen gelegt wurde. „Aber ich habe von außen unterstützt und fühlte mich als Teil des Teams“, sagt sie.

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Auch wenn Karate grundsätzlich ein Einzelsport ist, hat Mia ein funktionierendes Umfeld sehr früh schätzen gelernt und als extrem bereichernd empfunden. „Vor allem, dass mein Bruder so eng an meiner Seite ist, hilft mir sehr“, sagt sie. Weil ihr Vater im Juniorinnenbereich Bundestrainer war und Mutter Bianca als „größter Fan und mit offenem Ohr für alles“ bei allen Kämpfen dabei ist, habe sie nie ohne ihre Familie kämpfen müssen. Vor allem die Sicherheit sei ein Element, das ihren Karriereweg geebnet habe.

„Im Sport bin ich ein sehr taktischer Mensch. Ich werde im Team als ‚kleiner Panzer‘ bezeichnet, weil ich mich nicht viel bewege, sondern die Gegnerinnen dank meiner Ausstrahlung in die Enge treibe und dann abkontere“, sagt sie. In Armenien als Titelverteidigerin anzutreten, habe sie nicht unter zusätzlichen Erwartungsdruck gesetzt. „Ich war eher gelassener, weil ich wusste, dass ich es schon einmal geschafft habe, Europameisterin zu werden. Dadurch konnte ich jeden Moment auskosten und genießen, und so geht es mir immer, wenn ich weiß, dass ich in der Vorbereitung alles getan habe, um erfolgreich sein zu können“, sagt sie.

Und dass sie das tut, ist für Mia selbstverständlich. „Ein wenig Talent braucht jeder, der in die Weltspitze will. Arbeit, die sich in diesem Jahr noch zweimal auszahlen soll. Die World Games sind für uns der Ersatz für Olympia, darauf fiebern alle hin“, sagt Mia. Nur acht Starterinnen pro Gewichtsklasse sind zugelassen. Die Vorbereitung auf das Event umfasst ein World-Cup-Turnier in Rabat (Marokko) in drei Wochen und mehrere Lehrgänge mit dem Nationalteam und dem World-Games-Kader.

Jonathan Horne: Der Traum von Olympia in Tokio

Für Jonathan Horne und die anderen deutschen Karateka ist 2020 ein besonderes Jahr - in Japan wird ihre Sportart zum ersten und vorerst einzigen Mal olympisch sein. Jonathan Horne träumt von Gold in Tokio. Für den 31-jährigen Sohn eines Amerikaners und einer Deutschen geht mit der Aufnahme seiner Sportart ein lang gehegter Traum in Erfüllung. „Olympia ist für jeden Leistungssportler das größte Ziel - einfach, weil es die größte Bühne der Welt ist“, sagt Horne, der in seiner beeindruckenden Karriere außer WM-Gold noch zwei weitere WM-Medaillen, bislang fünf EM-Titel und die World Games gewonnen hat.

Im Sommer hat er nun die einmalige Chance, seiner langen Erfolgsliste olympisches Edelmetall hinzuzufügen. Einmalig deswegen, weil Karate in Tokio nur als temporär-olympische Sportart mit dabei ist - und vier Jahre später in Paris wieder mit der Zuschauerrolle Vorlieb nehmen muss. Horne sagt deshalb:„Wenn ich schon einmal da bin, dann will ich natürlich auch die Goldmedaille holen.“

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Zuvor muss sich der 1,94-Meter-Hüne aber noch für die Wettkämpfe in Tokio qualifizieren. In jeder der insgesamt zehn Disziplinen gehen dort nur je acht Athleten an den Start - mitunter ist es also schwieriger, sich zu qualifizieren, als vor Ort gut abzuschneiden. Nach aktuellem Stand wäre Horne als Zweiter der Olympia-Rangliste in seiner Gewichtsklasse über 84 kg mit dabei.

Bei insgesamt 24 Meisterschaften und über zwei Jahre müssen die Karateka so viele Qualifikationspunkte wie möglich sammeln, um zum Stichtag am 1. April unter den Top zwei ihrer Klasse zu stehen. Wem das nicht gelingt, der kann bei einem „Alles oder Nichts“-Turnier Anfang Mai in Paris um eines der letzten Tickets für das erlesene Teilnehmerfeld kämpfen. Eine Reise, die sich Jonny Horne trotz der nur zweieinhalb ICE-Stunden von Kaiserslautern in die französische Hauptstadt gerne ersparen würde.

Läuft mit der Qualifikation alles glatt, wird sich übrigens nicht nur er sehr darüber freuen. Horne träumt davon, gemeinsam mit seinem guten Kumpel, Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, an den Spielen teilzunehmen. Ihn unterstützte Horne schon 2016 in Rio live vor Ort. Dort erreichte ihn damals auch die Nachricht, dass Karate ins Programm der Spiele in Japan genommen wird. „Für mich waren das große Emotionen, pure Freude - und die Hoffnung, gemeinsam mit Raphael nach Tokio zu fahren“, sagt Horne.

Für Horne wartet bei der Premiere im ehrwürdigen Nippon Budukan, errichtet für die Judo-Wettkämpfe bei den Olympischen Spiele 1964, noch eine andere Herausforderung: Weil für das Olympia-Turnier einzelne Gewichtsklassen zusammengelegt werden, muss der 84+ kg-Weltmeister auch mit leichteren Athleten zurechtkommen.

Wie er mit den leichteren Konkurrenten zurechtkommt, wird spannend - zu den Medaillen-Favoriten für Tokio gehört Jonathan Horne aber so oder so. Auch, weil er nach mehreren vergebenen Anläufen bei Weltmeisterschaften inzwischen sein Mindset geändert hat. Er sieht sich nicht mehr als Gejagter, sondern als Jäger; sagt sich, er habe nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen. „Jeder kann schlagen und treten, aber im richtigen Moment mental da zu sein, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen, ist das Schwierige“, sagt Horne.

Anspruchsvolle Vorrunden für deutsche Karateka

Wer es bis zu den Olympischen Spielen geschafft hat, der weiß, dass es keine einfach zu bezwingenden Kontrahenten beziehungsweise Kontrahentinnen gibt - das gilt auch für die Vorrunde. Bei der Auslosung der Vorrunden-Gruppen haben die deutschen Karatekas durchweg anspruchsvolle Gegner und Gegnerinnen zugelost bekommen.

So trifft Welt- und Europameister Jonathan Horne in der Vorrunden-Gruppe A (Gewichtsklasse +75 Kilogramm) unter anderem auf seinen Dauer-Rivalen und ständigen Widersacher in der Olympia-Qualifikation, Gogita Arkania aus Georgien. Zudem wurde die Nummer eins der WKF-Weltrangliste, Ugur Aktas aus der Türkei, in die Horne-Gruppe gelost.

Eine Gewichtsklasse darunter (-75 Kilogramm) muss sich Noah Bitsch mit dem Weltranglisten Zweiten Luigi Busa (Italien) und dem Weltranglisten-Dritten Rafael Aghayev (Aserbaidschan) auseinandersetzen.

Im Kata-Wettbewerb der Damen trifft Jasmin Jüttner unter anderem auf die Weltranglisten-Erste Sandra Jaime Sanchez aus Spanien und die ebenfalls unter den "Top Five" gelistete Grace Sheung Mo Lau aus Hongkong. Ilja Smorguner bekommt es mit dem Spanier Damian Hugo Capdevila Quintero (Nummer eins) und dem Amerikaner Ariel Gutierrez Torres zu tun, der in der Weltrangliste (13.

Karate German Open in Hamburg

Ende September 2016 finden in Hamburg die Karate German Open statt. Damit will der DKV sowohl die Bewerbung der Stadt für 2024 als auch die Aufnahme in das Programm für Tokio 2020 unterstreichen.

„Karate zählt weltweit zu den mitgliederstärksten Sportarten und die German Open ist unser internationales Spitzenturnier im Wettkampfkalender der World Karate Federation (WKF)“, sagt der Präsident des Deutschen Karate Verbandes, Wolfgang Weigert, zugleich im Exekutiv-Komitee der WKF zuständig für das IOC und IPC. Die Meisterschaft ist ein fester Bestandteil der Karate 1 Premier League - einer Turnierreihe in den großen Städten auf vier Kontinenten. Damit gibt die WKF den Spitzenathleten, aber auch jedem anderen fortgeschrittenen Kämpfer die Möglichkeit, gleich mehrfach im Jahr international zu starten.

Bei der deutschen Ausgabe sind regelmäßig viele Welt- und Kontinentalmeister am Start. Mehr als 65 Nationen mit 1.000 Teilnehmer werden an der Elbe erwartet. Die „K1 Premier League“ soll auch in die Qualifikation von Athleten bei einer möglichen Olympiateilnahme einfließen. Im September hatte das Organisationsteam der Spiele in Tokio Karate mit vier anderen Sportarten für 2020 vorgeschlagen und acht von 18 Medaillenentscheidungen zugesprochen bekommen.

„Hamburg bietet optimale Voraussetzungen für olympische Spiele und damit auch für die German Open “, freut sich Weigert. Die Hansestadt sei eine große Sportstadt und werde zugleich durch ihre norddeutsche Gelassenheit, aber auch Begeisterung erstklassige Spiele auf die Beine stellen, gibt sich der DKV-Präsident überzeugt. Bei den German Open 2016 wird ein Top-Teilnehmerfeld erwartet.

Jonathan Horne vorzeitig für Olympia qualifiziert

Karate-Weltmeister Jonathan Horne (Kaiserslautern) ist vorzeitig für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert. Wie die World Karate Federation (WKF) mitteilte, wird die Qualifikations-Rangliste für Olympia aufgrund der Corona-Pandemie eingefroren. Dort gehört Schwergewichtler Horne als Viertplatzierter zu den vier Athleten, die auf diesem Wege ihr Ticket erhalten.

Die letzten relevanten Turniere für das Qualifikations-Ranking waren zu Wochenbeginn abgesagt worden. Alle weiteren Deutschen müssen laut Mitteilung bei einem noch nicht terminierten kontinentalen Qualifikationsturnier um die letzten Startplätze kämpfen. Pro Gewichtsklasse dürfen in Tokio lediglich zehn Athleten an den Start gehen. Die Sommerspiele sollen vom 24. Juli bis 9.

Alles oder Nichts in Paris

“Alles oder nichts” hieß es vom 11. bis zum 13. Juni 2021 für all jene internationalen Top-Karateka, denen es in Phase 1 (über die Rangliste) nicht gelungen war, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Im Pariser Stade-Pierre-de-Coubertin traten sie an - pro olympischer Kategorie konnte jede noch nicht qualifizierte Nation eine:n Karateka ins Rennen schicken. Nicht nur die Leistungsdichte war demnach hoch, sondern auch die Teilnehmer:innenzahl .

Der Wettkampfmodus war besonders: Nach den im üblichen Verfahren durchgeführten Ausscheidungsrunden gab es ein “Best of 4”, bestehend aus den beiden Finalist:innen und den beiden Trostrundengewinner:innen. Im Round Robin-System wurden dann die drei Sportler:innen ermittelt, die nach Tokyo fahren dürfen. Freud und Leid lagen hier dicht beeinander. Führt man sich vor Augen, dass in jeder olympischen Klasse nur 10 Karateka in Tokyo antreten (also nur 80 Karateka insgesamt), versteht man, wie schwierig die Mission Olympia für die Aktiven war.

Jana Messerschmidt, die deutsche Top-Kämpferin aus dem USC Duisburg, siegte bei den Damen -55 kg nach einem Freilos über Yorgelis Camacho Salazar (Venezuela) und Catarina Rodrigues (Portugal) jeweils mit 1:0, bevor sie sich Dorota Banaszcyk (Polen) knapp bei 1:1 geschlagen geben musste. Die Trostrunde blieb Jana leider verschlossen - der olympische Traum ist für sie ausgeträumt. Man kann nur erahnen, wie schmerzhaft und bitter diese Niederlage ist, war doch das langersehnte Ziel in beiden Qualifikationsphasen wirklich zum Greifen nah.

Auch Ilja Smorguner (Kata Herren), Anna Miggou (Kumite Damen -61 kg), Johanna Kneer (Kumite Damen +61 kg) und David Kuhn (Kumite Herren -67 kg) konnten sich nicht für Olympia qualifizieren. Gute Nachrichten gab es hingegen von Jasmin Jüttner (Kata Damen) und Noah Bitsch (-75 kg), sie sicherten sich das Ticket nach Tokyo. Bereits zuvor qualifiziert war Jonathan Horne (+75 kg).

Vom 11. bis zum 13. Juni 2021 heißt es in Paris für knapp 500 Karateka: Alles oder Nichts. In jeder der acht olympischen Kategorien werden noch drei Tickets nach Tokyo vergeben. Der Deutsche Karate Verband entsendet sieben Hoffnungsträger:innen in die französische Hauptstadt, unter ihnen Jana Messerschmidt. Der Topathletin aus dem KDNW hatte in der ersten Qualifikationsphase über die Rangliste letztlich nur ein einziger siegreicher Kampf gefehlt. Inzwischen hat sie die bedeutungsschwere EM-Finalniederlage abgeschüttelt und ihren Fokus nach vorn auf die letzte Chance gerichtet. In ihrer Gewichtsklasse (Kumite Damen -55 kg) konkurriert sie mit 58 anderen Kämpferinnen.

Das Wettkampfformat in Paris wird anders sein als gewöhnlich: Nach den Ausscheidungsrunden findet ein Round-Robin-Wettkampf (jede:r gegen jede:n) zwischen den beiden Finalist:innen und den beiden Trostrundensieger:innen statt, an dessen Ende die drei besten Karateka für Tokyo qualifiziert sind, während Nummer vier leer ausgeht. Der Druck auf alle Beteiligten könnte kaum höher sein. Von Team Germany bereits in Phase 1 für Olympia qualifiziert hat sich der amtierende Welt- und Europameister Jonathan Horne (Kumite Herren +75 kg).

Unerwartete Wendung: Ilja Smorguner erhält Startplatz

Der Deutsche Karate Verband (DKV) darf sich unerwartet über einen vierten Starter bei den Olympischen Spielen in Tokio freuen. Ilja Smorguner vom SC Idstein wurde nach dem Qualifikationsturnier in Paris, wo er den benötigten dritten Platz als Fünfter verpasst hatte, vom Weltverband WKF nachträglich einer der beiden noch zu besetzenden Startplätze für den Kata-Wettbewerb zugeteilt.

"Ich bin absolut fertig und habe damit nicht mehr gerechnet - was für eine emotionale Achterbahnfahrt", sagte Smorguner, der am Donnerstag 37 Jahre alt wird.

Deutsche Karateka bei Olympia 2021
Name Disziplin Qualifikationsweg
Jonathan Horne Kumite Herren +75 kg Rangliste
Noah Bitsch Kumite Herren -75 kg Qualifikationsturnier Paris
Jasmin Jüttner Kata Damen Qualifikationsturnier Paris
Ilja Smorguner Kata Herren WKF-Zuteilung