«Sag mir, welche Musik du hörst, und ich sage dir, wer du bist.» Orientiert man sich an diesem abgewandelten Sprichwort, verrät die Musikauswahl viel über den ehemaligen deutschen Bundespräsidenten. Drei Lieder, dreimal Freiheit - beim Abschied wollte Gauck diesen Begriff, der sich wie ein roter Faden durch seine Amtszeit gezogen hatte, noch einmal nachdrücklich in Erinnerung rufen, gleichsam als sein politisches Testament.
Das Brücken-Lied war eine Ehrerbietung gegenüber der Freiheitsbewegung in der ehemaligen DDR, zu der Gauck auch einmal gehört hatte. Entstanden ist es Ende der 1970er Jahre als Titelmelodie zu einem Film, der die Liebesgeschichte zwischen einem Polen und einer Deutschen erzählte. Die von der DDR-Band «Karat» gesungene Version entwickelte sich zu einem echten Kult-Song.
Für Millionen von Menschen in der DDR drückten diese Zeilen Sehnsucht und Hoffnung auf Freiheit aus: «Über sieben Brücken musst du gehn, sieben dunkle Jahre überstehn, siebenmal wirst du Asche sein, aber einmal auch der helle Schein.» Peter Maffay sang dies ab 1980 ebenfalls (mit Einwilligung der «Karat»), aber für die Menschen im Westen blieb es Schlager und Liebeslied, mehr nicht.
Die sieben Brücken von Königsberg
Ein aufmerksamer «pfarrblatt»-Leser hat mich auf etwas hingewiesen: Die «sieben Brücken» des DDR-Lieds hätten ein konkretes Vorbild, nämlich die sieben Übergänge, die in der einst preussischen Stadt Königsberg (heute: Kaliningrad) über den Fluss namens Pregel führen.
Über diese Brücken sind alle Stadtteile miteinander verbunden. Die Einwohner sollen sich gefragt haben, ob es möglich sei, durch die Stadt zu spazieren und dabei alle Brücken genau einmal zu überqueren. Das war das sogenannte «Königsberger Brückenproblem», an dem sich zahlreiche Zahlengenies die Zähne ausbissen, auch der 1707 in Basel geborene Mathematiker und Physiker Leonhard Euler. Es gebe keinen Weg, der diese Bedingung erfülle, kam er 1735 zum Schluss. Luzern hatte ursprünglich auch sieben Brücken, aber nicht auf diese bezieht sich der Kult-Song der DDR, sondern auf die sieben Brücken von Königsberg/Kaliningrad.
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"Jede Stunde": Ein weiterer Klassiker von Karat
"Jede Stunde" ist aber auch fein gemacht, die Instrumente wunderschön eingesetzt, diese typischen Schlagzeuge in dieser Form bis heute einzigartig geblieben, grossartig intoniert vom leider letztes Jahr an Krebs verstorbenen Sänger Herbert Dreilich. "Jede Stunde" - die optismistische und lebensfrohe Antwort zum düsteren "Der blauen Planet".
Text und Musik sind super. Ein Lied, das einwandfrei seinen Platz in der Liste der Deutschrock-/pop-Klassiker der 80er Jahre verdient hat!
Relativ straighte, interessant arrangierte Uptempo-Pop-Nummer der DDR-Band aus 1982. War auch in der BRD ziemlich erfolgreich. Hat einen aussagekräftigen Text (positiv denken) und ein schönes Mundharmonika-Solo.
Die zweite Hälfte ist zwar etwas besser, aber reicht nicht ganz für 4*. Ihr dritter Hit in der BRD ist ganz gut. *4+.
Recht durchschnittliches Lied, mit dem Karat im letzten Quartal des Jahres 1982 bis in die westdeutschen Top 10 kamen. Da hatte die Gruppe vorher wesentlich bessere Stücke auf Lager gehabt, die diesen Erfolg verdient gehabt hätten.
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Ganz starke Nummer, die mich auch als "Wessi" schon damals begeistert hat.
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