Karat: Eine musikalische Reise durch die Zeit

KARAT waren bei ihrer Gründung im Jahr 1975 keine pickligen Teenager mehr, die ihre ersten wackeligen Schritte auf der Bühne unternahmen. Sie hatten ihre Meriten in bekannten Rockbands, vor allem „Panta Rhei“ und „Horst-Krüger-Band“, bereits gesammelt.

„Wir wollen einen Mittelweg finden zwischen Rock und romantischem Pop“, beschrieb Herbert Dreilich im Gründungsjahr 1975 das musikalische Ziel von Karat.

Die Band um Sänger Herbert Dreilich und Keyboarder Ed Swillms, aus dessen Feder die großen KARAT-Hits stammen, kam zusammen, die Nummer eins zu werden und schnell war klar, dass sie dazu in der Lage sind.

Bereits das erste Album bescherte Karat einen Kickstart: Die Band gewann mit dem Song „König der Welt“ das internationale Grand Prix Festival in Dresden.

In kurzem Abstand bewies die Band ihr kreatives Potenzial mit Hits wie „Gewitterregen“, „Über sieben Brücken musst du gehen“ oder „Albatros“.

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KARAT gaben das erste Mal das Gefühl, auch zu Hause oder in der eigenen Stadthalle etwas zu hören, das mehr war als popmusikalischer Mocca-Fix, also Ersatzprodukt.

Die Band etablierte sich zum Aushängeschild der ostdeutschen Musikszene, und mit dem Erscheinen von „Der blaue Planet“ wurde, wiederum erstmals in der BRD, eine Goldene Schallplatte an eine Band aus der DDR verliehen.

Schon 1979 wurde das zweite KARAT-Album (im Osten: „Über sieben Brücken“) in der BRD unter dem Titel „Albatros“ herausgebracht - die schlauen Vermarkter hatten den „König der Welt“ zusätzlich drauf gepackt.

Es verkaufte knapp unter Goldstatus. Den knackten KARAT dann im Gefolge von „Der blaue Planet“, eins der erfolgreichsten Alben der Ostrock-Geschichte, das auch im Westen fast ein ganzes Jahr lang ununterbrochen in den Charts lag.

KARAT waren nicht nur wegen ihrer Musik allein ungeheuer wichtig, sondern weil diese Musik eine gesamtdeutsche Sache war, die aus dem Osten kam.

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Mit der Wende kam auch für Karat eine Phase des Umbruchs. Zur Wiedervereinigung war „Über sieben Brücken“ einer der markanten Songs des Jahres, vor allem im Duett mit Peter Maffay, wie wir ihn hier auf der CD finden.

Es scheint müßig, weil hinreichend bekannt, im Zuge von 45 Jahren KARAT auf die großen Klassiker wie „Schwanenkönig“, „Gewitterregen“, „Magisches Licht“, „Jede Stunde“, „Mich zwingt keiner auf die Knie“ sowie „Blumen aus Eis“ (und nicht zuletzt auf die bereits genannten) zu verweisen.

Auf die vielen KARAT-Coverversionen von Gregor Meyle, Heinz Rudolf Kunze, Peter Maffay, Helene Fischer, Chris de Burgh, Jan Josef Liefers und Max Raabe, um nur einige zu nennen.

Auf die ausverkaufte Waldbühne ganz ohne DDR-Publikum, auf den Umstand, als erste und einzige Band des Ostens bei „Wetten dass...“ gewesen zu sein.

Denn so wichtig diese Stationen in der KARAT-Laufbahn sind, es ist nur ein Teil der Geschichte.

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Bernd Römer (git), Michael Schwandt (dr), Christian Liebig (b), Martin Becker (keyb) und Claudius Dreilich (voc) haben nie aufgehört, kreativ zu sein.

Es war nie ihr Ding, sich auf den erreichten Lorbeeren auszuruhen. Stets überzeugen sie live - rockig, sinfonisch, balladesk, in Kollaborationen mit Orchestern oder befreundeten Musikern sowie unplugged.

Dass KARAT 2020 die Tour zu ihrem 45. Geburtstag spielen werden, hat auch und vor allem mit der Personalie des Frontmannes zu tun.

Damit, dass Tragik und Triumph oft nicht nur eng beieinander liegen, sondern sich zum Teil auch regelrecht bedingen können: Der tragische Krebstod von Herbert Dreilich, der viel mehr als nur der Sänger dieser Band war, sondern ihr Gesicht und ihre Seele verkörperte, schien im Jahr 2004 das Ende von KARAT zu markieren.

Aber am Ende ermöglichte er der Band - mit seinem Sohn Claudius als neuem Frontmann - wie der berühmte Phönix aus der Asche zu steigen.

Claudius Dreilich führte die bewährten Kontinuitätslinien nicht nur authentisch fort, er pumpte frische Energie in das Unternehmen und eröffnete den gestandenen Männern neue Perspektiven.

Karat ist ohne Frage ein Schwergewicht im Ostrock. 2025 feiert die Berliner Band ihr 50-jähriges Bestehen.

Nach der Gründung 1975 und dem ersten Konzert in Heidenau bei Dresden nahm die Karriere der Musiker um Bassist und Bandgründer Henning Protzmann schnell Fahrt auf.

Wegen ihrer Erfolge durfte die Band ab 1979 auch "im Westen" auftreten und räumte hier ebenso ab: Für das Album "Der blaue Planet" gab es eine Goldene Schallplatte, ihr Konzert 1982 in der Berliner Waldbühne war ausverkauft, und sie waren als einzige Ost-Band zu Gast bei "Wetten, dass …?".

Mehrere ihrer Alben erschienen sowohl bei Amiga in der DDR als auch bei Teldec in der Bundesrepublik.

Im Jahr der politischen Wende 1989 gelang ihnen mit der zusammen mit Peter Maffay als Duett aufgenommenen Version von "Über sieben Brücken musst du gehn" nochmal ein Riesenerfolg, bevor es auch um Karat still wurde.

Bis Ende der 90er-Jahre kämpfte sich die Band zurück, konnte aber nie ganz an frühere Erfolge anknüpfen.

Nach dem frühen Tod von Sänger Herbert Dreilich 2004 war es ein Glücksfall, dass dessen Sohn Claudius eine nahezu identische Stimme besitzt und 2005 an die Stelle seines Vaters trat.

Insgesamt sind bis heute 15 Studio-Alben erschienen, sieben davon in der DDR. Aus dieser Fülle von Songs eine Auswahl zu treffen, ist schwierig: Musikalisch hat die Band mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen - sicher auch beeinflusst von der über die Jahre immer mal wieder wechselnden Besetzung.

Typisch für Karat sind Keyboards, satter Gitarrensound und kraftvolle Drums, die Texte sind berührend poetisch, manchmal philosophisch, auch politisch und manchmal auch von überraschender Leichtigkeit.

Liste der Alben und ausgewählter Lieder

Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über die Studioalben von Karat und listet einige der bekanntesten Lieder auf:

Albumtitel Erscheinungsjahr Bekannte Lieder
Karat 1978 König der Welt, Über sieben Brücken, Albatros, Gewitterregen
Über sieben Brücken 1979 He, Mama; Blues; Wilder Mohn; Musik zu einem nichtexistierenden Film; Auf den Meeren; Das, was ich will
Schwanenkönig 1980 Tanz mit der Sphinx, Schwanenkönig, Magisches Lied
Der blaue Planet 1982 Jede Stunde, Blumen aus Eis, Der blaue Planet
... und der Mond schien rot 1982 Tanz mit mir, ... und der Mond schien rot, Mich zwingt keiner auf die Knie
Die fünfte Jahreszeit 1987 Fetzen aus Samt, Fünfte Jahreszeit, Der Fahrradverkäufer
Sechzehn Karat - Ihre größten Hits Vol. 1991 Märchenzeit, Und ich liebe dich, Kalter Rauch, Die Glocke Zweitausend
Rock Legenden Vol. 2014 1.000 Karat, Alt wie ein Baum, Casablanca