In Hohen Neuendorf gibt es eine Vielzahl von Vereinen, die Kickboxen anbieten. Diese Vereine sind nicht nur Orte des sportlichen Trainings, sondern auch Teil eines größeren Netzwerks, das verschiedene gesellschaftliche Bereiche berührt.
Die Rolle von Kampfsport in Netzwerken
Kampfsportarten wie Kickboxen spielen eine wichtige Rolle in verschiedenen Netzwerken. Diese Netzwerke können von der organisierten Neonazi-Szene über rechte Hooligans bis hin zu Mitgliedern von Outlaw Motorcycle Clubs reichen. Es ist wichtig zu verstehen, wie diese Verbindungen entstehen und welche Auswirkungen sie haben können.
Der «Kampf der Nibelungen» (KDN)
Der «Kampf der Nibelungen» (KDN) war jahrelang das größte, jährlich stattfindende Kampfsportevent der extremen Rechten in Europa. Zwischen 2013 und 2017 wurde das Event an wechselnden Orten im Westen Deutschlands konspirativ ausgerichtet und erreichte BesucherInnenzahlen im mittleren dreistelligen Bereich. Jenseits der Events entwickelte sich der KDN zur Marke, zur Plattform und zur Promotion. Der KDN ist zum Multiplikator einer sich professionalisierenden, extrem rechten Kampfsportszene geworden und schaffte es dadurch, lokalen Gruppen eine Stimme zu geben und sie zu vernetzen.
Zum Zeitpunkt bereits bestens international vernetzt, fand sich der KDN mit einem Turnier im April 2018 - erstmals öffentlich beworben - im ostsächsischen Ostritz auf dem «Schild & Schwert»-Festival ein. Bilder des Events zeigen nicht nur das gewohnt pöbelnde, teils betrunkene RechtsRock-Publikum, sondern eben auch Personen mit Bezug zum Kampfsport.
Verbindungen zur Hooliganszene des BFC Dynamo
Die Anhängerschaft des BFC Dynamo war schon zu DDR-Zeiten ein Schwergewicht der sich entwickelnden ostdeutschen Hooliganszene. Die seit den 1990er Jahren bundesweit zahlreich verübten Gewalttaten sorgten für eine überregionale Bekanntheit des sportlich mittlerweile abgeschlagenen Regionalligisten. An der Klientel in der Kurve hat sich hingegen wenig geändert. Für die Ostberliner und Brandenburger Neonaziszene scheint der Fußballclub oftmals ein gemeinsamer Bezugspunkt zu sein.
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Im Stadion und in den Fan-Treffpunkten findet sich dementsprechend ein breites Spektrum: rechtsoffene Personen und unorganisierte Neonazis bis hin zu Anhängern der militanten Szene, wie Mitglieder der «Hammerskin Nation» oder Kader aus «Die Heimat» (vormals NPD), deren «Junge Nationalisten» (JN) und «Der III. Weg». Rassistische und rechts-motivierte Übergriffe im Umfeld des Stadions, sowie Sprüche, Sprech-Chöre und Banner mit entsprechendem Inhalt im Stadion, sind Ausdruck dieser Melange.
Heute sind es die Gruppen «Ostfront» und «Riot Sport» die sich im Namen des BFC Dynamo sogenannte „Ackerkämpfe“ mit anderen Hooligangruppen liefern. Dabei ergänzt sich die Klientel mit befreundeten Gruppen aus Vereinen wie Hertha BSC und dem 1. FC Magdeburg. Eine Freundschaft besteht zudem zur rechten Hooligangruppe «Lads From Stettin» des polnischen Vereins Pogón Szczecin.
Die Rolle von Michael Reinhardt
Michael Reinhardt repräsentiert ein Milieu und Netzwerk, welches im Folgenden umfangreich skizziert wird. In diesem finden sich Personen aus der organisierten Neonazi-Szene genauso wieder, wie rechte Hooligans und Angehörige der sogenannten «Outlaw Motorcycle Clubs». Ausgehend vom «Kampf der Nibelungen»-Team in Berlin führt die Recherche über „Ackerkämpfe“ und die Geschäftswelt des BFC Dynamo, über den lokalen Stützpunkt der Neonazi-Partei «Der III. Weg».
Reinhardt trat dort für das «Team KDN» an, was seine Stellung innerhalb der Organisation unterstreicht. Vor Ort in Kirchhundem seien für ihn „zahlreiche Unterstützer im Publikum“ gewesen, heißt es in einem Bericht zum KDN 2017 im Neonazi-Magazin «N.S. Heute». Der 1987 geborene Reinhardt stammt ursprünglich aus dem Berliner Raum, dürfte jedoch Anfang der 2000er Jahre nach Franken gezogen sein.
Mit dem Verbot des «Freien Netz Süd» im Sommer 2014 wurde es ruhiger um Reinhardt. Nur noch selten wurde er von lokalen Antifaschist*innen auf Aufmärschen in der Region wahrgenommen. Zuletzt im April 2016, als «Der III. Weg» im bayrischen Ingolstadt marschierte. Am 1.Mai 2017 fiel er in Gera beim Aufmarsch von «Der III. Weg» als Anti-Antifa Fotograf auf.
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Weitere Schlüsselfiguren
- Sven Schmitt: Er hat keine nachvollziehbare „Karriere“ in der Berliner Neonazi-Szene. Seine Anwesenheit in Themar war bislang der einzige dokumentierte Auftritt im klassischen Neonazi-Milieu.
- Oliver Oeltze: Er ist heute Führungsfigur des Berliner Stützpunktes der Partei «Der III. Weg».
- Tom Staletzki: Er gehörte nicht nur dem «Nationalen Widerstand Berlin» und der 2016 verbotenen «Weisse Wölfe Terrorcrew» an, sondern war u.a. mit Oeltze an dem neonazistisch motivierten, brutalen Überfall auf den alternativen Stadtteil Leipzig-Connewitz im Januar 2016 beteiligt.
- Sascha Böhm: Er war um 2017 der Chauffeur von Denis Kapustin, wenn dieser in Deutschland zu Vorträgen, Workshops und Kampfsport-Events eingeladen wurde.
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