Khabib Nurmagomedovs UFC-Kämpfe: Eine Karriere voller Siege und Emotionen

Khabib Nurmagomedov, zweifelsohne einer der größten UFC-Stars, hat sich bei den Kampfsportfans verewigt.

Am Samstag, dem 24. Oktober 2020, stand vorerst die Titelverteidigung gegen Justin Gaethje an.

Bei UFC 254 in Abu Dhabi verteidigte Khabib Nurmagomedov seinen Weltmeistertitel im Leichtgewicht gegen Interimschampion Justin Gaethje. Kurz danach verkündete er im Octagon sein Karriereende.

Der 32-jährige Russe sank anschließend in der Mitte des Achtecks auf die Knie, vergrub sein Gesicht in den Armbeugen und weinte. Als Nurmagomedov aufstand, zog er seine Handschuhe aus und sagte: "Das ist mein letzter Kampf in der UFC".

Nachdem Khabib Nurmagomedov bei UFC 254 Interims-Champion Justin Gaethje bereits in der zweiten Runde durch Submisson besiegte, legte er demonstrativ seine Handschuhe in die Mitte des Octagons. Wenig später ließ er die Bombe platzen.

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"Das war mein letzter Kampf. Keine Chance, dass ich ohne meinen Vater weiterkämpfe", sagte Khabib nach dem Kampf im Octagon.

Der Russe tritt mit einer unglaublichen Kampfbilanz von 29 Siegen und null Niederlagen - und als Nummer eins der Pound-For-Pound-Rangliste - ab.

Khabibs Versprechen an seine Mutter

Grund dafür war ein Versprechen an seine Mutter. Nachdem sein Vater Abdul Anfang Juli im Alter von 57 Jahren nach einer Corona-Infektion und Herzkomplikationen gestorben war, hatte er seiner Mutter versprochen, nach UFC 254 aufzuhören. "Ich habe ihr versprochen, dass es heute mein letzter Kampf sein wird. Wenn ich ihr mein Wort gebe, muss ich diesem auch folgen", erklärte er weiter, nachdem er sich niedergekniet hatte und von seinen Gefühlen überwältigt wurde.

Zuletzt hatte noch im Raum gestanden, ob Nurmagomedov in den kommenden Monaten gegen Konkurrent Georges St-Pierre antreten würde. Daraus wird nun aber wohl nichts mehr.

Wie die derzeitigen Kampfplanungen von Khabib zeigen, scheint ein Rücktritt vom Profigeschäft noch nicht in Frage zu kommen.

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Immer wieder liebäugelte der russische Leichtgewichtschampion mit einem Kampf gegen den legendären UFC-Kämpfer Georges St-Pierre.

Jenen Wunsch hatte auch der verstorbene Vater von Khabib.

„Für mich macht nach Gaethje nur noch der Kampf gegen Georges St. Pierre Sinn.“

Letztmals ist Khabib Nurmagomedov im September 2019 in den Käfig gestiegen.

Seither platzten zahlreiche Kampfplanungen gegen Tony Ferguson, dem vorherigen Interimstitelträger im Leichtgewicht.

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Khabib Nurmagomedov ist zweifelsohne der beste Grappler aller Zeiten und wird sich damit auch bei der UFC verewigen. Bisher kam kein Gegner gegen die ausgeprägten Grapplingkünste an.

Khabib vs. McGregor: Hass-Fehde ohne Auflösung?

Das von realem Hass geprägte Duell zwischen Khabib Nurmagomedov und Conor McGregor hielt die Fans der UFC in Atem.

Eine Fortsetzung scheint ausgeschlossen.

Khabib Nurmagomedov gegen Conor McGregor - es könnte der lukrativste Rückkampf in der Geschichte der UFC werden.

Er scheint aber nicht zustande zu kommen.

Nurmagomedov hat im Herbst 2020 seinen Rücktritt erklärt - und selbst, wenn er es sich anders überlegen sollte: Der russische Bezwinger des irischen MMA-Phänomens hat mehrfach anklingen lassen, dass er das Rematch "Khabib vs. McGregor 2" aus persönlichen Gründen nicht will.

Eine Massenprügelei war die Folge, Nurmagomedov bekam eine neunmonatige Suspendierung und die Zahlung einer Strafe von 500.000 Dollar aufgebrummt. Für den Kampf hatte Nurmagomedov 3 Millionen Dollar Gage kassiert, Sponsorengelder nicht mitgerechnet.

Bei einem Rückkampf würde wohl auch diese Bestmarke knacken, wobei unklar ist, ob Khabib das interessiert - seine Worte klingen, als ob er in ganz anderen Kategorien denkt.

UFC-Boss Dana White schien selbst lange nicht zu glauben, dass diese Ankündigung - mit der Khabib sich diverse Millionen-Zahltage entgehen ließ - ernst gemeint war.

Der Wille, einen letzten großen Kampf abzuliefern und danach aufzuhören, war so groß, dass Khabib mit einem gebrochenen Fuß kämpfte. Erst im Nachhinein wurde die Verletzung bekannt.

Dennoch war es Khabib bereits im Vorfeld des Kampfes anzumerken, dass es ihm schwerfiel, sich zu fokussieren. Er schaffte gerade so den Weight Cut, seine Erleichterung war dabei enorm. Auch beim Walk Out wirkte der sonst so kühle Russe nachdenklich, wie auch UFC-Präsident Dana White erklärte.

Ohne seinen Vater, der seine gesamte Karriere hinweg an seiner Seite stand und ihn sogar trainierte, geht seine Reise in der UFC nun zu Ende.

Nach dem Kampf richtete er via Instagram eine Grußbotschaft an ihn: "Danke für alles, Du hast mir das Leben gelehrt, möge Allah dir das höchste Paradies gewähren."

Khabibs letzter Wunsch war es, dass ihn die UFC auf die Nummer 1 der Pound-for-Pound-Liste, eine gewichtsklassenübergreifende Rangliste, setzen wird. "Ihr müsst das einfach machen, weil ich es verdient habe", sagte der 32-Jährige abschließend. UFC-Präsident White verkündete nach dem Kampf, dass die UFC diesem Wunsch nachkommen werde.

Wie geht es für Khabib weiter?

Bereits 2014 und 2016, nachdem sich Khabib mehrfach verletzte, hatte er mit einem Rücktritt aus der UFC geliebäugelt. Nur der Einspruch seines Vaters konnte ihn damals umstimmen. "Aufgeben ist der leichteste Weg, aber wir warten alle auf deine Titelkämpfe", sagte ihm sein Vater.

Die UFC und der Superstar hatten eigentlich noch zahlreiche Pläne. Im April nächsten Jahres sollte er gegen UFC-Legende Georges St-Pierre antreten, wie Khabib im Interview mit SPOX und DAZN verriet. Erst danach wollte er mit einer makellosen Kampfbilanz von 30-0 aus der UFC aussteigen.

"Wir warten jetzt erstmal ab und lassen ihm Zeit. Er muss jetzt heilen, vor allem mental", sagte der UFC-Präsident nach dem Kampf. Neben dem Kampf gegen GSP hatte die UFC Khabib angeboten, zusammen mit Erzfeind Conor McGregor als Trainer für die Reality-TV-Serie The Ultimate Fighter zu fungieren. Khabib signalisierte zwar sein generelles Interesse, lehnte aber eine Zusammenarbeit mit McGregor ab.

Eine kleine Hintertür auf eine Rückkehr, zumindest in den Boxring, gibt es aber noch: Im März diesen Jahres gab es ein Angebot über 100 Millionen Dollar von einem Konsortium aus Saudi-Arabien, die Khabib für einen Kampf gegen Box-Superstar Floyd Mayweather erhalten hätte. Diese Variante ist immer noch möglich, da Khabib nur seinen Rücktritt aus dem MMA-Sport bekannt geben hat.

Ist Khabib der Beste aller Zeiten?

Erst im Juni hatte Dana White erklärt, dass er Khabib Nurmagomedov nicht auf der Stufe des besten Kämpfers aller Zeiten sehe. Für ihn waren zu dem Zeitpunkt Jon Jones und Georges St-Pierre noch höher anzusiedeln. Khabib sei aber eine "Legende", genauso wie Conor McGregor oder Anderson Silva. Nach UFC 254 sagte er nun: "Khabib gehört auf jeden Fall in die Diskussion des besten Kämpfers aller Zeiten."

Die Statistiken sprechen für Khabib. Er gewann insgesamt 13 Kämpfe in der UFC, nur Anderson Silva konnte mehr Kämpfe in Folge gewinnen (16). Einen Rekord hält Khabib zudem bei den Takedowns inne. Unfassbare 21 Takedowns, die für gewöhnlich sehr kräfteraubend sind, schaffte er bei UFC 160 im Kampf gegen Abel Trujillo, zuvor lag der Rekord bei 16.

Mit seiner Dynamik, dem erzeugten Druck und der Art und Weise, wie er seine Gegner dominierte, gehört Khabib ohne Frage zu den größten aller Zeiten.

Auf seiner Reise zu einer Kampfbilanz von 29-0 besiegte er unter anderem Al Iquinta, Conor McGregor, Dustin Poirier und nun Justin Gaethje. Einzig ein Kampf gegen Tony Ferguson blieb trotz fünfmaligem Ansetzen aus. Bis auf ihn hat Khabib das "Who's Who" der Division besiegt.

Wie geht es für die UFC weiter?

Mit Khabib als Zugpferd hatte die UFC zahlreiche Verträge mit Firmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dort gilt Khabib als Superstar des Landes, und Russland abgeschlossen.

Nun steht die UFC ohne Zugpferd im nahen Osten da.

Die anderen Stars wie Israel Adesanya, Stipe Miocic oder Amanda Nunes, die fast schon spielerisch die Frauen-Rankings dominiert, zeigten zuletzt zwar eindrucksvolle Leistungen, brachten aber nicht die gewünschten Quoten im Pay-Per-View-Verkauf ein.

Ist das die Chance für Conor McGregor?

Lange Zeit war Conor McGregor das Aushängeschild der UFC. Nachdem er sich sowohl den Fliegen- als auch den Leichtgewichtstitel sicherte, verließ er die UFC und kämpfte gegen Floyd Mayweather. Als er bei UFC 229 gegen Khabib verloren hatte, wollte der Ire unbedingt einen Rückkampf erhalten, den ihm Khabib nicht gewährte.

Nun wurde bekannt, dass McGregor höchstwahrscheinlich bei UFC 257 am 23. Januar gegen Dustin Poirier kämpfen wird.

Als der Kampf angesetzt wurde, ging die UFC noch von einem Platzierungskampf aus. Nun ist es wahrscheinlich, dass die beiden um den vakanten Titel im Leichtgewicht kämpfen werden.

McGregor könnte aus dem Rücktritt von Khabib also als großer Gewinner hervorgehen. "Gute Leistung, Khabib. Womöglich hätte er nie wieder eine Chance auf einen Titelkampf gegen Khabib bekommen.

Khabib Nurmagomedov gewinnt bei UFC 254 gegen Justin Gaethje vorzeitig - trotz eines Fußbruchs. Nach dem Kampf verkündet der Russe das Ende seiner UFC-Karriere.

Was für ein emotionales und denkwürdiges Comeback von Khabib Nurmagomedov!

Dass er gegen Gaethje überhaupt antrat, war offenbar ein kleines Wunder. Dana White, Präsident der UFC, erklärte nach dem Fight, dass sich der Champion in der Vorbereitung auf den Kampf verletzt habe. "Offenbar war er im Krankenhaus, weil er sich vor drei Wochen den Fuß gebrochen hat. Er hat zwei gebrochene Zehen und ein Knochen in seinem Fuß ist gebrochen. Das hat mir seine Kampf-Crew erzählt und er hat es nie jemandem gesagt.

Gegen Ende der ersten Runde konnte Nurmagomedov den US-Amerikaner erstmals zu Boden bringen, diesen rettet dieses Mal aber noch der Ablauf der Startrunde. In der 2. Runde brachte Khabib seinen Gegner erneut zu Boden. Nach einem Triangle Choke klopfte Gaethje ab, was das vorzeitige Ende des Kampfes bedeutete.

Unmittelbar danach sank Nurmagomedov überwältigt von seinen Gefühlen in der Ringmitte zu Boden - ehe er wenig später im Siegerinterview sein überraschendes Karriereende bekanntgab.

Der Hype um MMA ist und bleibt ungebrochen - und wird durch den aufreibenden Netflix-Film 60 Minuten mit Emilio Sakraya gerade noch einmal gesteigert. Doch die Faszination an den Mixed Martial Arts waren auch vorher schon ungebrochen und haben vor allem durch Charaktere wie Conor McGregor gewaltige Ausmaße angenommen.

MMA ist ein Vollkontaktkampfsport, bei dem es bisweilen ordentlich zur Sache geht - und zwar so weit, dass Übertragungen von MMA-Kämpfen im Fernsehen 2010 in Deutschland verboten wurden. Das Verbot wurde allerdings 2014 wieder aufgehoben, wobei die meisten Kämpfe eh online geschaut werden - oder eben live bei den entsprechenden Veranstaltungen.