Karate und Kickboxen: Die Unterschiede

Karate und Kickboxen sind zwei der bekanntesten Kampfsportarten weltweit. Beide Disziplinen haben ihre eigenen Techniken, Regeln und Traditionen. Während Karate sich vor allem auf schnelle und präzise Schläge und Tritte konzentriert, setzt Kickboxen auch den Einsatz der Fäuste ein.

Ursprünge und Entwicklung

Karate ist eine japanische Kampfkunst, die auf den waffenlosen Selbstverteidigungsmethoden aus Okinawa (Okinawa-Te - Okinawa Faust) beruht. Im 20. Jh. begründete Ginchin Funakoshi das moderne Karate, zum Ziel der körperlichen Ertüchtigung. Auf Basis des von Funakoshi geschaffenen Shotokan Karate, entwickelten sich viele moderne Karaterichtungen. Karate, ist mit Judo eine der ersten Kampfkünste, die von Japan nach Europa gekommen sind und flächendeckende Verbreitung gefunden haben.

Das moderne Kickboxen hingegen ist eine westliche Entwicklung. Handtechniken des westlichen Boxsports wurden mit Tritten aus asiatischen Kampfmethoden kombiniert. In der globalisierten Welt kam es zu einem Austausch und Angleichen verschiedener Kampfmethoden.

Tradition und Philosophie

Karate ist sehr traditionell als Kampfkunst angelegt, Kickboxen wird als Sport praktiziert. Karate ist eine japanische Kampfkunst mit eigener Philosophie und Tradition. Karate war in seinen Ursprüngen eine reine Selbstverteidigungsmethode. Moderne Entwicklungen gehen aber eindeutig in die Richtung Kampfkunst und Kampfsport. Kickboxen ist ein Kampfsport. Es wird innerhalb eines bestimmten Regelwerks gekämpft.

Viele traditionelle Kampfsportarten wie Judo, Kung-Fu oder Aikido betonen die Entwicklung des Charakters, den Respekt vor anderen und die Selbstbeherrschung. Obwohl Kampfsportarten Regeln haben, können sie in Training und Praxis oft flexibler sein.

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Techniken und Stil

Karate ist technisch wesentlich vielschichtiger als das Kickboxen. Die in den Formen (Katas) verpackten Techniken sind äußerst vielfältig, oft stark stilisiert und beruhen auf den Einflüssen vieler, auch chinesischer, Kampfmethoden. Kickboxen ist als Sport praktisch ausgerichtet und nicht traditionell. Das spiegelt sich auch in den verwendeten Techniken wider. Besonders gefährliche Techniken, die im sportlichen Wettkampf keine Verwendung finden, gibt es ebenfalls nur im Karate.

Im modernen Kickboxen wird, je nach Reglement, mit (K1) und ohne Low Kicks, Tritten zu den Beinen gekämpft. Technisch unterscheiden sich das Semikontakt- und Leichtkontaktkickboxen, sehr stark vom Vollkontakt.

Im Karate gibt es eine große Zahl verschiedener Stilrichtungen und Entwicklungen. In den meisten Karatestilen, wie dem Shotokan, wird mit leichtem Kontakt nach einem Punktesystem gekämpft. Ein deutlicher, nach bestimmten Kriterien, erfolgter Treffer, wird mit einem ganzen Punkt, dem Ippon belohnt. Der Ippon steht symbolisch für ein „Leben“.

Einige Karatestile haben sich dem Vollkontaktkampf verschrieben. Am bekanntesten ist das Kyokushin Karate. Die Besonderheit am Kyokushin Karate ist, dass bis auf einen Tief- und Mundschutz ohne Schutzausrüstung gekämpft wird. Faustschläge zum Kopf sind im Unterschied zum Kickboxen aber nicht erlaubt. Tritte werden aber sehr wohl zu Kopf, Körper und Beinen ausgeführt.

Im Kickboxen werden Tiefschutz, Mundschutz, kurze oder lange Hosen und Boxhandschuhe verwendet. Manche Organisatoren und Verbände erlauben, bzw. schreiben im Amateurbereich, im Kickboxen zusätzliche Schutzausrüstung vor. Dazu zählen Schienbeinschützer und in einigen Fällen sogar Körperprotektoren. Alle Karatestile schreiben im Wettkampf das Tragen eines traditionellen Karateanzugs, des Karate-Gi vor.

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Wettkampf und Regeln

Im Leichtkontakt wird nicht mit voller Kraft geschlagen. Das Semikontaktkickboxen ähnelt dem traditionellen Leichtkontaktkarate. Beim Vollkontakt werden Wirkungstreffer höher gewertet und das erklärte Ziel der Kämpfer ist es ihre Gegner K.o. zu schlagen oder zu treten.

Folgende Disziplinen gibt es (unter Anderem) im Kickboxen: Beim Pointfighting ist es das Ziel, einen Punkt zu erzielen bevor der Gegner einen Punkt landen kann. es wird nach jedem Punkt kurz gestoppt. Im Leichtkontaktkickboxen wird im Gegensatz zum Pointfighting durch gekämpft. Die Punkte werden während des ganzen Kampfes von den zwei Punktrichtern gezählt. Erlaubt sind Faust und Fußtechniken über der Gürtellinie mit leichtem Kontakt, das heißt keine Wirkungstreffer. Ein KO führt unweigerlich zur Disqualifikation. Im Kick-Light wird genau so gekämpft wie im Leichtkontakt.

Weitere Kampfsportarten im Überblick

Um Ihnen einen umfassenden Überblick zu geben, hier eine Tabelle mit weiteren beliebten Kampfsportarten:

Kampfsportart Beschreibung Merkmale
Boxen Eine der ältesten Kampfsportarten, bei der zwei Gegner mit Fäusten kämpfen. Schläge auf den Kopf und Oberkörper, Gewichtsklassen, Runden
Jiu-Jitsu Japanische Kampfkunst, die sich auf Bodenkampftechniken konzentriert. Hebel- und Würgetechniken, Kontrolle des Gegners
Judo Japanische Kampfsportart, die auf Würfen, Hebeln und Haltegriffen basiert. Ziel ist es, den Gegner auf die Matte zu werfen oder in einen Unterlegenheitsstatus zu bringen.
Taekwondo Koreanische Kampfsportart, die sich hauptsächlich auf Tritte und Schläge konzentriert. Trittkombinationen, Schläge, Blocks, Selbstverteidigungstechniken
Mixed Martial Arts (MMA) Moderne Vollkontaktsportart, die Elemente aus verschiedenen Kampfsportarten vereint. Schläge, Griffe, Würfe, Ziel ist der K.O. oder Aufgabe des Gegners
Krav Maga Israelische Selbstverteidigungstechnik, die Elemente aus verschiedenen Kampfkünsten umfasst. Schnelle und effektive Selbstverteidigung, Nutzung von Instinkten und natürlichen Bewegungen
Aikido Japanische Kampfkunst, die sich auf die Verwendung von Hebeln, Würfen und Haltegriffen konzentriert. Umkehrung der Angriffe des Angreifers in eine unbedrohliche Position
Capoeira Brasilianische Kampfkunst, die Akrobatik, Musik und Bewegungen aus verschiedenen Kampfstilen verbindet. Tänzerischer Kampfsport, fließende Bewegungen, akrobatische Elemente

Fazit

Auch, wenn es viele Ähnlichkeiten zwischen Karate und dem Kickboxen gibt, sind die Unterschiede bei näherer Betrachtung, doch beträchtlich. Wer also vor der Entscheidung steht, mit Karate oder Kickboxen anzufangen, muss ganz konkret auf die Schule oder den Verein schauen.

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