Karate ist eine traditionelle Kampfkunst mit Ursprung auf Okinawa (Japan) und hat Wurzeln in chinesischen Kampfsystemen. Deren Sinn war die Verbindung gesunder Bewegung mit Selbstverteidigung - ein weiterhin praktizierter Zweck.
Karate besitzt außerdem einen philosophischen Hintergrund als Lebensweg (Do) und wird als Sport praktiziert: bei den olympischen Spielen 2020/21 in Tokyo wurde Karate aufgeführt und wird für die Spiele 2028 in Los Angeles wieder beworben. Seit vielen Jahren hat der Sport dafür gekämpft.
Viele verbinden Karate mit Actionfilmen und zergeschlagenen Ziegelsteinen. Aber der Kampfsport hat nichts mit Schlägereien zu tun, sondern viel mit Gleichgewichtssinn und innerer Ruhe. Inzwischen wird er sogar im Reha-Sport eingesetzt.
Karate hat einen langen Weg hinter sich, bevor es nun erstmals in der Heimat dieses Sports olympische Disziplin sein wird. 2020 sollte es endlich soweit sein, und dann kam Corona. Bereits im März vergangenen Jahres war jedoch klar, dass es zunächst nur diese eine Teilnahme sein wird, denn Karate wird 2024 in Paris nicht mehr dabei sein.
Karate: Ein Überblick
Das japanische Wort „Karate“ bedeutet so viel wie „leere Hand“. Die Legende spricht vom buddhistischen Mönch Meister Bodhidharma, welcher im 6. Jahrhundert das Kloster Shaolin erreicht habe. Neben dem Zen-Buddhismus habe er den Mönchen auch körperliche Übungen gelehrt, aus welchen sich das Shaolin Kung Fu entwickelte. Auch Karate beruft sich gerne auf diese Legende, dessen Spuren sind allerdings in Okinawa des 19. Jahrhunderts nachzuweisen.
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Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte diese Kampfsportart zunächst Japan und wurde dort als Nationalsport anerkannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, über Hawaii sowie die amerikanische Besatzung Japans, fand Karate als Sportart zunächst in den USA und dann auch in Europa eine immer stärkere Verbreitung.
Das Trainingszentrum für Karate wird Dōjō genannt. Die ersten Karateschulen in Japan erfüllten, ebenso wie Schulen für Judo und Kendō, vorwiegend zur militärischen Ausbildung.
Nach dem im Judo etablierten Hierarchie-System kam auch im Karate eine Einteilung in Schüler- und Meistergrade auf, welche an Gürtelfarben erkennbar ist.
Wichtig für Karate ist eine gute körperliche Konstitution, denn Karate steht für Beweglichkeit, Schnellkraft und anaerobe Belastbarkeit. Gliedmaßen werden abgehärtet, um beim sogenannten Bruchtest gefahrlos Bretter oder Ziegel zerschlagen zu können. Als Sportart betrieben, ist Karate jedoch eher auf Wettkampftraining ausgerichtet.
Die vier Karate-Stilrichtungen
Im Karate gibt es viele Stilrichtungen und Schulen, angelehnt an die Pioniere des Karate und deren Stile. Das japanische Karate lässt sich grob in die vier Stilrichtungen Gōjū-Ryū, Shōtōkan, Shitō-Ryū und Wadō-Ryū einteilen. Diese vier Stile lassen sich wiederum auf die aus Okinawa stammenden Stile Shōrei-Ryū und Shōrin-Ryū zurückführen. Viele der neueren Stilrichtungen berufen sich auf eine oder mehrere dieser sechs Schulen. In Deutschland ist Shōtōkan der am weitesten verbreitete Karatestil, beliebt ist auch Gōjū-Ryū. Neben den genannten Stilen werden weiterhin auch ursprüngliche Stile wie Uechi-ryū unterrichtet.
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Kern des Karate-Trainings sind Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfegetechniken, einige Hebel- und Wurftechniken sowie für Fortgeschrittene auch Würgegriffe und Nervenpunkttechniken. Obwohl auch sogenannte Kobudōwaffen Bestandteil eines Trainings sein können, gehört Waffentraining nicht zum Inhalt des Karate.
Karate-Bekleidung
Im Laufe der Zeit hat sich eine uniforme Bekleidung im Karatesport durchgesetzt. Ein Karateschüler oder Karateka trägt einen speziellen Anzug namens Karate-Gi. Dieser besteht aus einer einfachen an der Hüfte geschnürten weißen Hose, genannt Zubon, und einer Jacke, Uwagi genannt, diese waren früher aus Leinen gefertigt, heute sind sie meist aus Baumwolle. Die Jacke wird durch einen gefärbten Gürtel, Obi genannt, zusammengehalten. Die Gürtelfarbe zeigt den Status des Schülers an. Es wird grundsätzlich barfuß trainiert.
Gürtelfarbe und Graduierung
Das hierarchische System, angezeigt durch die Gürtelfarbe, wurde vermutlich vom Judosport übernommen. In diesen Graduierungen wird zwischen den Schülergraden Kyū und den Meisterschülern oder Meistergraden Dan unterschieden. Jeder dieser Stufen wird durch eine Gürtelfarbe ausgedrückt. In Deutschland sind es 9 Kyū- und 10 Dan-Grade. Der neunte Kyū ist hierbei die unterste Stufe mit einem weißen Gürtel, gefolgt von gelb, orange, grün blau- violett, blau sowie braun für den 3. bis 1. Kyū. Schwarz ist den 10 Dan-Graden vorbehalten.
Um einen nächsthöheren Schüler- oder Meistergrad zu erlangen, gibt es Prüfungen nach einem festen Programm und auch eine Wartezeit. Diese sind je nach Kyū- und Dan-Grad unterschiedlich.
Schutzkleidung
Bei Turnieren werden üblicherweise Zahnschutz, Brust- oder Tiefschutz verwendet, außerdem Faust- und Fußschützer sowie Schienbeinschoner.
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Karate-Regeln und -Philosophie
Auch Karate hat einen spirituellen Kern, berufend auf Zen und Taoismus. Daher beginnt jedes Training traditionell mit einer kurzen Meditation (Mokusō), welche den friedfertigen Zweck der Übungen zum Ausdruck bringt. Auch beginnt und endet jedes Karatetraining und jede Übung oder Kata mit einem Gruß als Ausdruck von Respekt.
Typisch für Karate sind:
- sportliche (ethische) Haltung
- Art und Weise einer Technik und deren Ausführung um zu einer Wertung zu gelangen
- Zielregionen für Techniken
- Begrüßungszeremonie
- Hierarchie und Begrüßung
Hierarchie und Begrüßung im Dōjō
In jedem Dōjō herrscht eine hierarchische Unterscheidung zwischen dem Sensei, dem Lehrer, sowie dem Senpai, dem fortgeschrittenen Schüler, und dem Kohai, dem Neuling. Ein Senpai hat in etwa die Rolle eines älteren Geschwisterteils, um den Kōhai anzuleiten und sich um sein Wohl zu kümmern. Viele grundsätzliche Benimmregeln beim Karatetraining betreffen Respekt und Etikette im Umgang von Schüler und Lehrer untereinander. Es wird beispielsweise als respektlos angesehen, hinter dem Rücken des Meisters zu gehen.
Zum Trainingsbeginn wird gemeinsam ein Grußritus (Rei) zelebriert. Hier verneigen sich Schüler und Meister voreinander und vor den alten Meistern und Vorfahren, repräsentiert durch den Shōmen des Dōjō.
Während der Begrüßungszeremonie gelten eine Reihe ungeschriebener Regeln, welche Körperhaltung bei Verbeugung, Aufstehen und Setzen, die Atmung und diverse Bewegungsabfolgen genau vorschreiben. Diese Zeremonie kann sich von Dōjō zu Dōjō leicht unterscheiden.
Dōjō-Etikette
In vielen Dōjōs ist es üblich, vor Betreten und Verlassen der Halle die Anwesenden mit einer kurzen Verbeugung zu begrüßen. Oft wird auch der Shōmen des Dōjō, was ein Bild eines Meisters, das Regelwerk oder ein japanisches Schriftzeichen sein kann, mit einer weiteren Verbeugung beim Betreten und Verlassen gegrüßt.
Die Dōjō-Etikette dient dem reibungslosen, verletzungsfreien und disziplinierten Ablauf des Karate-Trainings und betont auch das Wesen der Karate-Philosophie:
- sei strebsam und engagiert
- bei Betreten und Verlassen des Dōjō wird gegrüßt
- im Dōjō werden keine Schuhe getragen
- der richtige Gruß zum passenden Zeitpunkt, im Stehen oder Knien
- der richtige Umgang miteinander: Geduld, Respekt, Wertschätzung, Rücksichtnahme
- die Kleidung soll gepflegt und ordentlich sein
- der eigene Körper soll sauber und gepflegt sein
- nicht ungefragt aus „der Reihe tanzen“ oder sich einfach dazu stellen, etwa bei Verspätung
- das Dōjō während des Trainings nur nach Rückfrage verlassen
- während des Trainings wird nicht gesprochen
- Essen und Trinken sind im Dōjō nicht erlaubt
- Schmuck und Uhren sind beim Training nicht erlaubt
- das üben, was der Trainer vorgegeben hat, nicht das was einem gefällt
Karate-Training: Die drei Säulen
Beim Karate-Training zählen Training des Geistes, des Charakters und der inneren Einstellung, einen Kodex für das tägliche Leben. Ein Karateka soll sich zu einer friedlichen Person entwickeln und nicht auf Streit aus sein.
Das Karatetraining baut auf dem Kihon, dem Kumite und der Kata als Grundsäulen auf.
Kihon
Kihon steht für Grundlage, Basis oder Fundament des Könnens. Die einzelnen Techniken werden schnell oder langsam, kraftvoll oder locker wiederholt. Jeder Bewegungsablauf wird in seine Bestandteile zerlegt, um eine Ideallinie der Bewegung zu finden. Dieser Bewegungsablauf soll verinnerlicht und dann reflexartig abrufbar sein.
Kumite
Kumite, wörtlich „verbundene Hände“, steht für das Üben oder den Kampf mit einem oder mehreren Gegnern. Es gibt verschiedene Formen des Kumite, von einer einzigen, abgesprochenen, mehrfach ausgeführten Technik bis hin zum freien Kampf. Bei der Verteidigung dienen hauptsächlich die Arme bei Blocktechniken. Würfe, Hebel, harte und weiche Blockbewegungen oder Ausweichen gibt es meist in Kombination mit Schritt- und Gleitbewegungen.
Kata
Die Wiederholung der Bewegungen einer Kata kann auch als eine Form der Meditation betrachtet werden. Körperlich anstrengende, konzentrierte und dynamische Bewegungen stärken die Energie des Körpers (Ki), das Bewusstsein und das Koordinations- und Reaktionsvermögen äußert, sollen durch gestärkt werden. Bei einer Kata sind Konzentration gefordert und auch die richtige Geisteshaltung.
Karate-Wettkampfregeln
Karate-Turniere beinhalten sowohl Kumite- als auch Kata-Techniken. Bei einem Freikampf gibt es wegen der Verletzungsgefahr besonders strenge Regeln. Daher wird im Wettkampf ein eingeschränktes Repertoire an Techniken verwendet. Bei Turnierkämpfen kommen Zahnschutz, Brust- oder Tiefschutz, Faust- und Fußschützer und Schienbeinschoner zum Einsatz.
Qualifizierte Karatekas können an den alle vier Jahre stattfindenden World Games teilnehmen, welche den Olympischen Spielen gleichgestellt. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wird Karate erstmals olympische Disziplin sein.
Hierbei bestimmen eigene Wettkampfregeln das Verhalten im Karate-Wettkampf. Einerseits geht es um den sportlichen Vergleich, andererseits stellt ein Wettkampf auch das Wesen des Karate für die Außenwelt dar. Eigentlich wurde der Sport erfunden, um Schlimmeres zu verhindern.
Wettkampfkarate: Eine spezifische Ausprägung
Wettkampfkarate ist eine spezifische Ausprägung des Karate, die sich auf den sportlichen Wettbewerb konzentriert. Das Wettkampfkarate hat eine faszinierende Entstehungsgeschichte, die eng mit der Entwicklung des modernen Sports und der zunehmenden Popularität des Karate weltweit verbunden ist.
Karate hat seine Ursprünge auf der Insel Okinawa, bevor es sich auf dem japanischen Festland und später weltweit verbreitete. Mit der wachsenden Popularität von Karate in der Mitte des 20. Jahrhunderts entstand auch der Wunsch nach einem strukturierten Wettbewerb, um die Fähigkeiten der Praktizierenden zu messen und den sportlichen Aspekt des Karate zu fördern.
In den 1950er und 1960er Jahren begannen Karateka (Karate-Praktizierende) mit informellen Wettkämpfen, die häufig in lokalen Gemeinden und Dojos stattfanden. In den 1960er Jahren begannen Organisationen wie die Japan Karate Association (JKA) und die International Karate Federation (IKF), formelle Regeln und Standards für Wettkämpfe zu entwickeln. Diese Regeln legten fest, wie Kämpfe bewertet wurden, welche Techniken erlaubt waren und wie Punkte vergeben wurden.
In den folgenden Jahrzehnten gewann Wettkampfkarate zunehmend an Popularität und erlangte internationale Anerkennung. Es wurden Weltmeisterschaften und andere große Turniere veranstaltet, bei denen Karateka aus der ganzen Welt gegeneinander antraten.
Im Formenwettkampf, der Kata, gab es zwischenzeitlich die Regelung, dass zwei Karateka gegeneinander antreten, und nur eine/r eine Runde weiterkommt.
Im 21. Jahrhundert ist auch im Karate die moderne Technik angekommen. Im Karate gibt es jetzt den Videobeweis. Und schon seit vielen Jahren hilft das Internet den Karateka, sich international zu vernetzen.
Besonderheiten bei den Olympischen Spielen
Die Voraussetzungen dafür sind schwierig: Pro Wettkampf können nur zehn Athleten und Athletinnen antreten, und eine Startposition ist jeweils für Japan reserviert. In diesem kleinen Startfeld kann jede Nation nur einen Sportler oder eine Sportlerin pro Disziplin entsenden.
Obendrein gibt es nur drei statt wie sonst im Karate üblich fünf Gewichtsklassen.
„Das ist also dann entsprechend schon eine ziemlich große Range, die da zusammengefasst wird, und bei den Damen ist es minus 55, minus 61 und plus 61.“ Eva Mona Altmann ist Pressereferentin des Karate-Dachverbands-Nordrhein-Westfalen und international lizensierte Kampfrichterin. Von ihr erfahre ich, dass Jana Messerschmidt und Shara Hubrich normalerweise in unterschiedlichen Gewichtsklassen kämpfen.
„Und im Kumite, also das heißt im sportlichen Zweikampf, da wurde Senshu eingeführt. Das kann man übersetzen mit ‚Vorteil der ersten alleinigen Wertung‘. Damit soll der Kampf spannender für die Zuschauer werden. In dem Zusammenhang sind die Wettkampf-Regeln schon häufiger verändert worden.
„Also das ist so ein dynamischer Prozess. Nicht nur die Regeln ändern sich: Durch die Anpassung der alten Kampfkunst an sportliche Maßstäbe hat sich der Sport selbst verändert. Was sich nicht ändert, ist der grundlegende Respekt, mit dem Karateka einander begegnen.
„Also, wenn wir jetzt ein Training machen, bevor eine Übung beginnt, verbeugen sich beide zueinander, um sich den gegenseitigen Respekt zu bekunden. Im 21. Jahrhundert ist auch im Karate die moderne Technik angekommen.
