Über sieben Brücken musst du gehn: Bedeutung und Geschichte eines Deutsch-Deutschen Hits

„Über sieben Brücken musst du gehn“ ist eines der bekanntesten und beliebtesten deutschsprachigen Lieder. Rund um den 30. Jahrestag des Mauerfalls beleuchten wir die musikalischen Facts der DDR-80s. Die Hintergründe zur Veröffentlichung und Verbreitung des Songs geben auch Einblicke in die Geschichte des geteilten Deutschlands.

Die Entstehung des Liedes in der DDR

Die Geschichte dieses Liedes begann in der 2. Hälfte der 60iger Jahre. Seine Entstehung ist eher zufällig, aber auch ein Zeugnis der politischen Verhältnisse.

1977 produzierte die Rockgruppe Karat den Song "Über sieben Brücken musst du gehen" für einen gleichnamigen Spielfilm des DDR-Fernsehens. Geschrieben in der DDR von Karat, gecovert im Westen von Peter Maffay. „Das ist eine ganz kuriose Geschichte. Das Lied ist in einer Auftragsebene produziert worden.

Die 1975 in Ost-Berlin gegründete Rockband Karat entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Bands der DDR. Den größten Erfolg feierten Karat mit dem Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“, mit dem sie 1978 den Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival gewannen. Schon vor der sehr erfolgreichen 1979 veröffentlichten LP „Über sieben Brücken“ erschien der Song als Single. Der Text des Liedes stammt nicht von Karat selbst, sondern ist ein Werk des Schriftstellers Helmut Richter. Die Musik schrieb Ulrich "Ed" Swillms, Keyboarder der Ost-Berliner Band Karat.

Noch 1978 gewann Karat beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden mit "Über sieben Brücken" den "Grand Prix". 1979 erschien dann die LP "Über sieben Brücken musst du gehn" beim DDR-Plattenlabel "Amiga" und war umgehend vergriffen. Zeitgleich wurde die LP unter dem Titel "Albatros" auch in der Bundesrepublik veröffentlicht.

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Helmut Richter, der auch das Buch zum Film geschrieben hatte, übersetzte den Text 1975 ins Deutsche und brachte ihn in Liedform. Die gesamte Musik zum Film, auch „Sieben Brücken”, stammt von Ed Swillms. An einem Sonntagabend im April 1978 hatte das DDR-Fernsehen den Spielfilm „Über sieben Brücken musst du gehn” dann gesendet: Am Ende des Films, über dem Abspann, lief ein Lied: "Über sieben Brücken musst du gehn, / sieben dunkle Jahre überstehn, / siebenmal wirst du die Asche sein, / aber einmal auch der helle Schein..."

Der Fernsehfunk kaufte die Rechte und beauftragte Richter, das Szenarium für den Film zu schreiben. Es entstand das Drehbuch für eine deutsch-polnische Liebesgeschichte mit den Hauptfiguren Gitta Rebus, einer Chemielaborantin, und dem polnischen Bauarbeiter Jerzy Roman. Die Handlung spielte in der Gegenwart und verknüpfte die Schicksale polnischer Zwangsarbeiter während des 2.Weltkrieges und deren Nachwirkungen auf die deutsch-polnische Freundschaft. Eine schwere Last, auch für die Liebe zwischen Gitta und Jerzy.

Bei fast allen damals populären DDR-Gruppen wurde angefragt. Doch keine hatte Lust oder Zeit dafür. Der „Ersatz-Regisseur“ schlug kurzerhand dafür den damaligen Keyboarder und Komponisten der noch jungen Rockband Karat Ulrich „Ed“ Swillms vor. Der tat sich zunächst sehr schwer mit diesem Auftrag und soll ca. 14 Tage lang auf das Drehbuch gestarrt haben, bis ihm etwas Zündendes einfiel.

Die Textzeile „Über sieben Brücken musst du geh´n“ sollte den Film emotional aufwerten. Auch dieser Herausforderung stellte sich Helmut Richter, denn er hatte bis dahin noch nie einen Liedtext geschrieben. Die Erinnerungen an sein eigenes Schicksal (er kam als Flüchtlingskind aus der Tschechoslowakei 1945 nach Deutschland) gaben ihm das notwendige Einfühlungsvermögen in die Thematik.

Der Durchbruch im Westen durch Peter Maffay

Einige Monate waren seit dem Tag vergangen, als er im Radio "Über sieben Brücken" gehört hatte. Maffay wollte die Musiker aus der DDR unbedingt treffen. "Wir haben uns in einem verräucherten Club kennengelernt. Und das war ja keine alltägliche Geschichte - eine ostdeutsche Band und ein westdeutscher Sänger", erinnert sich Maffay im MDR-Gespräch.

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1980 reiste Karat zu einem Konzert nach Wiesbaden. Peter Maffay machte sich ebenfalls auf den Weg in die hessische Landeshauptstadt.

Peter Maffay nahm nach dem Treffen mit Karat schnell eine eigene Version des Karat-Songs auf, die er mit einem ebenso markanten wie einprägsamen Saxophon-Solo versah. Komponist "Ed" Swillms war begeistert. Noch 1980 veröffentlichte Maffay seine Version von "Über sieben Brücken" auf dem Album "Revanche", das sich mehr als zwei Millionen Mal verkaufte.

1980 covert Peter Maffay den Song "Über sieben Brücken", der bis heute zu seinen erfolgreichsten gehört. Eines schönen Tages, irgendwann im Frühjahr 1980, hörte Peter Maffay zufällig ein Lied im Radio, das ihn sofort begeisterte und nicht mehr losließ: "Und ich hab gesagt: Was ist das für ein schönes Lied! Wer hat das gesungen? Aber das konnte mir in meinem Bekanntenkreis niemand sagen", erzählte Maffay 2014 dem MDR-Hörfunk. Er recherchierte weiter und erfuhr schließlich, dass das Lied von Karat, einer Band aus der DDR, stammt.

„Das erste Treffen mit Peter Maffay war 1980. Wir haben in Wiesbaden gespielt und er hat uns beim Konzert besucht und gefragt ob er „die sieben Brücken“ singen darf. Gesagt, getan. Maffay ging ins Studio und spielte „Über sieben Brücken musst du gehn“ inkl eines neuen Saxophon-Solos neu ein.

Da das Kulturministerium der DDR Karat Anfang der 1980er-Jahre untersagt hatte, im bundesdeutschen Fernsehen aufzutreten, war nun fast ausschließlich die Interpretation Maffays präsent. Und der machte das Lied bei zahlreichen Konzerten auch im Ausland bekannt. Das alles führte schließlich dazu, dass viele im Westen meinen, "Über sieben Brücken" sei sein Lied.

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Karat hatten zu dieser Zeit viele Angebote mit dem Song im West-Fernsehen aufzutreten, mussten all diese Angebote aber ablehnen. Die offizielle Begründung: DDR-Kulturschaffende dürfen nicht in Westmedien erscheinen. "Wir haben ihm zu verdanken, dass das Lied im Westen so bekannt wurde. "Ich hab gespürt, mit diesem Lied hat jemand etwas geschaffen, was wirklich gültig ist.

Auch wenn der Band Karat der ganz große Erfolg versagt blieb, so äußerte sich die Band immer positiv zur Maffay-Version und freute sich über den Erfolg ihres Liedes, der zum Teil auch auf die Band abstrahlte. Nach der Wende spielten Karat und Maffay das Lied mehrmals zusammen, sowohl im Tonstudio als auch live - unter anderem zur 10-jährigen Jubiläumsfeier des Tags der Deutschen Einheit in Berlin am 3. Oktober 2000. Zahlreiche andere Künstler habe das Lied ebenfalls gecovert, doch Maffays Version ist auch heute noch jene, die am meisten gespielt wird.

Erst vor wenigen Tagen hat Peter Maffay seine Abschiedstournee für 2024 verkündet. In der Auswahl dieser Umfrage findet ihr dabei sowohl Songs wie "Du", die für ihn komponiert und getextet wurden, seine neu arrangierte Karat Coverversion zu "Über sieben Brücken mußt du gehn" oder aber auch eine musikalische Eigenkomposition wie "Nessaja" ("Ich wollte nie erwachsen sein") mit einem Text von Rolf Zuckowski.

Symbolik und Bedeutung des Liedes

Für nicht wenige Ostdeutsche ist das Lied „Über sieben Brücken musst du gehn“ eine Art Hymne. Quasi ein Symbol ostdeutscher Lebensleistung, die eng mit ihrem Leben, ihren Gefühlen und ihrer Sozialisierung verbunden ist. Dagegen sind noch immer nicht wenige „Altbundesbürger“ überrascht, wenn sie erfahren, dass der Hit nicht von Peter Maffay getextet und komponiert wurde.

Helmut Richter schrieb dafür einen Text, der die Titelzeile seiner Erzählung zum Kern einer ins Allgemeinmenschliche zielenden melancholischen Betrachtung über die Mühen des Lebens machte, und Ed Swillms komponierte dazu eine ebenso suggestive wie kongeniale Musik.

Im ersten Vers macht das lyrische Ich deutlich, das es kein Ziel vor Augen hat und nicht über sein Handeln nachdenkt. Daraufhin wird beschrieben, dass das lyrische Ich nicht in der Lage ist, mit der Vergangenheit abzuschließen (V.2). Außerdem ist dem lyrischen Ich zu entnehmen, das es nicht offen für neues bzw. Veränderungen in seinem ist (V.4). Des weitern bestätigt in Vers (5-8) dass es seine Gefühlslage nicht wirklich zuordnen kann, jedoch eher negativ gestimmt ist.

In den ersten Versen werden Gedanken und Gefühle erwähnt die von einer betrübten und verzweifelten Person stammen könnten, es wird eine innere Leere ausgestrahlt (V.1-8). Daraufhin wird in Betracht gezogen, dass es einem häufig so vorkommt, als ob die Zeit nicht vergeht, man einen monotonen Alltag führt und einem immer dieselben Aufgaben bevorstehen (V.13-14). In Vers 15 wird darauf eingegangen, dass man sich bei Niederlagen nach einem besseren Ort sehnt, in der man seiner alltäglichen Pflichten entkommen kann bzw. mehr Glückseligkeit empfindet. Zuletzt kommt deutlich zum Ausdruck, dass wir Menschen nach Luxus streben und nicht mit dem zufrieden sind, was wir haben (V.17). Und wenn man nicht sehr wohlhabend ist für jede Kleinigkeit dankbar ist (V.18).

In dem Lied beginnt jeder Strophen-Vers abgesehen mit dem Wort „manchmal“. Diese Anapher verstärkt den Gedanken, dass zum Leben Glück und Leid gehören und dass jedes Leben aus Höhen und Tiefen besteht und dies gilt für alle Leben. „Manchmal“ bedeutet, dass jedes Leben schlechte und gute Zyklen hat. Dies gibt dem Gedicht eine Struktur.

Die Zahl 7 kann auch als ein Symbol für Unglück gedeutet werden (V.9). Anschließend wird hervorgerufen dass nach 7 Jahren von Unglück und Traurigkeit Positives auf einen zukommt, demnach wird Optimismus ausgestrahlt (V.10-12). Die Uhr des Lebens ist eine Metapher für die Lebenszeit eines Menschen (V.13). Hier wird vermittelt, dass es einem oft so scheinen mag, als ob die Zeit nicht vergeht und man ein monotones Leben führt, wobei man sich nach Veränderung sehnt (V.14-16).

Als Reimschema wurde das Paarreim verwendet. Die Paarreime vermitteln eine gewisse Struktur. Das Gedicht wirkt von innen sowie auch von außen sehr geordnet. Das Metrum unterstützt den eher melancholischen Inhalt, es wirkt langsam bzw. schleppend.

Tabellarische Zusammenfassung

Aspekt Details
Entstehung Auftragswerk für einen DDR-Fernsehfilm (1977)
Text Helmut Richter
Musik Ulrich "Ed" Swillms (Karat)
Erster Erfolg Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival Dresden (1978)
Durchbruch im Westen Coverversion von Peter Maffay (1980)
Symbolik Überwindung von Schwierigkeiten und Hoffnung