Das Lied Schwanenkönig von Karat poetisiert den Abschied und die Vergänglichkeit des Lebens durch die Figur des Schwanenkönigs.
Die Symbolik des Schwanenkönigs
Der Schwan ist ein Symbol für Schönheit und Anmut, und sein weißes Gefieder steht für Reinheit und Unschuld. Zu Beginn des Liedes neigt der Schwanenkönig seinen Hals über das Wasser und spiegelt sein Bild im klaren Wasser.
Wenn der Schwan singt, hören die Tiere zu, was die Bedeutung und den Respekt des Moments unterstreicht.
Der Gesang des Schwans ist ein Ausdruck seiner Liebe zur Erde und seiner eigenen Sterblichkeit. Mit der Zeit verflüchtigt sich sein Gesang immer mehr, während die Abendsonne untergeht und die Trauerweide still ihre Blätter senkt.
Diese Bilder verstärken die Traurigkeit und die Vergänglichkeit des Lebens, während der Schwanenkönig sanft in den Tod entschwindet. Die Tiere neigen sich und zeigen damit ihren Respekt und ihre Trauer.
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Musikalische Einflüsse und Bedeutung
Wenn es Musik gibt, die als Aushängeschild für die DDR hergenommen werden konnte, so war es die Musik von Karat.
Der Sturmvogel Albatros mit seinen mächtigen Schwingen hat schon viele Künstler inspiriert.
Elf Jahre später ließ die Berliner Band Karat auf dem Album „Über sieben Brücken“ ihren Albatross steigen.
Keyboarder Ulrich Swillms, der „Ed“ genannt wurde, fand eine eigenartige Tonfolge auf dem Synthesizer, spielte Streicher dazu, sang beim Komponieren eine Melodie, bevor er noch ein mächtiges zweistimmiges Gitarrenthema im Mittelteil einwob.
Dazu ließ der Text aufhorchen.
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Denn Herbert Dreilich besang hier einen Vogel, der mit seinem Freiheitswillen alle Schlösser und Riegel, alle Fesseln und Ketten sprengt - „Gefangenschaft heißt für ihn Tod“.
Laut Karat-Gitarrist Bernd Römer ging der Text von Norbert Kaiser bei den DDR-Kulturbehörden nur durch, weil er als Anklang an Pablo Nerudas Ode vom „Gemordeten Albatros“ gehört werden konnte; Solidarität mit den Sozialisten in Chile war damals ein großes Thema im DDR-Rock.
Der Song hat bis heute nichts von seiner Kraft verloren, passte mit seinen mehr als acht Minuten Spieldauer aber nicht ins Radio, anders als Titel wie „König der Welt“, „Über sieben Brücken“, „Gewitterregen“, „Schwanenkönig“, „Der Blaue Planet“ oder „Jede Stunde“ - allesamt Karat-Hits jener Jahre, alle komponiert von Ed Swillms.
Herbert Dreilich und Karat
Halle/MZ. - Dreilich, ein kleiner, stets ein bisschen rundlich wirkender Mann, war in seinen Liedern ein Romantiker, im richtigen Leben aber ein Kämpfer.
In Österreich geboren und in England eingeschult, verschlug es ihn mit elf Jahren nach Halle.
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"Erst London - und dann dieses graue Halle! Die Leute zeigten mit Fingern auf mich, schon aufgrund meiner Kleidung", erinnerte er sich später an die Begegnung mit der neuen Heimatstadt.
Die ihm gar keine andere Wahl ließ, als sich ins Land der Phantasie zu flüchten.
Nur oberflächlich betrachtet, führte Dreilich das ganz normale Leben eines DDR-Jugendlichen.
Nach Arbeitsschluss in der Gebrauchswerber-Lehre zog es ihn magisch an die Orte, an denen Musik gemacht wurde.
Dreilich spielte in einer Dixieland-Band, schloss sich dann Pantha Rei an, und wechselte dort ans Mikro, als der etatmäßige Sänger zur NVA musste.
Er ist nie wieder fortgegangen von diesem Ort, an den er gehörte. Mit Dreilichs Stimme kamen die Hits, mit den Hits kamen die Scheinwerfer.
Einmal fanden sich sogar Reporter des West-Magazins "Bravo" bei den Superstars des Ostens ein.
Herbert Dreilich war damals 38 Jahre alt, in seinem Berufsausweis stand "Musiker" und Peter Maffay hatte den Karat-Song "Über sieben Brücken" gerade im Westen herausgebracht.
Der "Bravo" erzählte Herbert Dreilich, wie er Boxen schleppe bei jedem Auftritt.
"Nicht so abgehoben" sei das Popstar-Leben im Osten, "irgendwie ruhiger."
Den Ausgleich besorgte die Musik seiner Gruppe.
Karat-Lieder wie "Schwanenkönig" und "Albatros" meißelten aus Keyboard-Gebirgen, Gitarrenwänden und pathetischem Piano Mini-Opern mit Welterklärungsanspruch. Große Melodien, große Worte, vibrierende Stimmbänder!
Herbert Dreilich, Besitzer einer samtweichen Balladenstimme, fuhr auf dem "Narrenschiff" und er beklagte das Wettrüsten auf dem "Blauen Planet", suchte die "Sieben Wunder der Welt" und war ein "Gefährte des Sturmwinds".
Lieder, ganz anders als das Leben hinterm Gitterzaun. Klangbilder gemalt mit dem Sehnsuchts-Pinsel.
Sechs Millionen Platten voller Schmelz und grandiosem Gefühlsgesang verkaufte die Band, neben der selbst die Puhdys wirkten wie ein rüpelnder Rocker-Haufen.
Am Ende absolvierte Herbert Dreilich Konzerte auf einem Barhocker sitzend.
Wenn er Kraft genug fand, schrieb er weiter Lieder, und zwei davon hat er sogar noch fertig eingesungen.
Am Wochenende nun ist der Schwanenkönig verstummt. Herbert Dreilich starb eine Woche nach seinem 62. Geburtstag.
„Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere Er weiß, das wird sein Abschied sein Und sie raunen sich leise zu: Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt.“
Was für eine poetische Metapher, mit dem einst die DDR-Rockgruppe Karat den Mythos des Todes mit ihrem Titel „Schwanenkönig“ zu beschreiben suchte!
Die Fabel hinter dem Lied
Die meisten Menschen kennen Leonardo da Vinci als Maler, Erfinder und Forscher, aber er hat auch Fabeln geschrieben.
Hier wird eine Fabel notiert, die die Basis zu einem der bekanntesten Titel der Gruppe Karat wurde.
Der Schwan neigte den biegsamen Hals aufs Wasser und spiegelte sich lange.
Da begriff er die Ursache seiner Müdigkeit und dieser Kälte, die seinen Körper wie mit Zangen griff und zittern machte wie im Winter: Mit absoluter Gewissheit wusste er, dass seine Stunde geschlagen hatte und dass er zum Sterben bereit sein musste.
Seine Federn waren noch weiß wie am ersten Tag seines Lebens. Er hatte Jahre und Jahreszeiten durchmessen, ohne sein unbeflecktes Kleid zu beschmutzen. Jetzt konnte er Abschied nehmen und sein Leben in Schönheit beschließen.
Den schönen Hals hebend, steuerte er langsam, fast feierlich unter eine Trauerweide, wo er an heißen Tagen zu ruhen pflegte. Es war schon Abend. Der Sonnenuntergang verfärbte das Seewasser purpurn und violett. Und in dem großen Schweigen, das sich auf alles niedersenkte, begann der Schwan zu singen.
Niemals zuvor hatte er Töne so voller Liebe für alle Natur, für die Schönheit des Himmels, des Wassers und der Erde gefunden.
Ed Swillms und sein Einfluss
Der Musiker, 1947 in Berlin geboren, hatte schon ab 1962 die Spezialklasse der Hochschule für Musik besucht, studierte Cello und Klavier.
Doch kurz vor dem Abschluss packte ihn der Pop. Swillms spielte in den Semesterferien am Klavier Soulmusik in Bars.
Er stieg bei der Band Die Alexanders ein. Eine frühe, nur im Fernseharchiv erhaltene Aufnahme zeigt schon 1970, wohin seine musikalische Reise gehen würde: Im Instrumentalstück „Kloster Chorin“ spielte er Cembalo und Orgel; Herbert Dreilich steuerte ein jazziges Gitarrensolo bei.
Beide Musiker spielten bei der Jazzrock-Gruppe Panta Rhei weiter zusammen. Von Swillms stammt das programmatische „Alles fließt“ - eine soulige Progrock-Nummer, die auch von Colosseum oder King Crimson hätte stammen können.
Als der Zuspruch zu vertrackten Klängen nachließ, fanden sich Dreilich und Swillms ab 1975 bei Karat wieder zusammen.
Die elegisch-schwärmerischen Keyboard-Klänge von Swillms, die weiche Stimme von Herbert Dreilich und die metaphernreichen Texte von Norbert Kaiser ergaben einen Dreiklang, der Karat zur erfolgreichsten DDR-Band jener Jahre machte.
Ihre erfolgreichste Nummer, „Über sieben Brücken musst du geh'n“, war als Begleitung eines gleichnamigen Fernsehfilms entstanden und von Helmut Richter getextet worden.
Karat hatten das Stück frühmorgens in einem Übertragungswagen des DDR-Rundfunks aufgenommen.
Die späteren Jahre von Karat und Ed Swillms
Nach 1986 gab es keine Komposition mehr von Ed Swillms zu hören.
