Karat - Schwanenkönig: Ein Album voller Poesie und Tiefgang

Bevor der „Schwanenkönig für Euch auf die Reise geht, ein paar begleitende Anmerkungen zu einigen Liedern dieser dritten KARAT-LP, die nach einer turbulenten Tourneesaison im Januar 1980 aufgenommen wurde.

Das Lyrischste, was die DDR jemals zu bieten hatte, hatte die Band Karat 1980 auf den Markt gehauen. Für mich ist die Platte auch nach 35 Jahren das Highlight deutsch-demokratischer Musik. Und für Karat bedeutete die Scheibe die endgültige Verschlüsselung der Texte.

Inspirationen und Themen

Griechischer und nordeuropäischer Mythologie entlehnt ist das Motiv des singenden Schwans; in wechselnder Form und Aussage fand es in allen Kunstepochen Verwendung. Der Titelsorig, der Elemente der Ballade und des Volks)iedes vereint, wurde angeregt durch eine Fabel Leonardo da Vincis.

Eine Tradition aus dem 15. Jahrhundert nimmt „Das Narrenschifr auf. Zur Fastnacht 1494 erschien die Erstausgabe des gleichnamigen Buches des Humanisten Sebastian Brant mit einem Holzstich-Zyklus des jungen Albrecht Dürer. Analog zu mittelalterlichen Sittenspiegeln wird eine Parade menschlicher Torheiten, Schwächen und Laster aufgeführt. Einhundertelf Narren versammelte Brant in seiner schellenklingenden Galerie. die als Volksbuch binnen kurzer Frist zum ersten literarischen ‚Welt‘- erfolg deutscher Sprache avancierte.

Die lyrische Erinnerung „Le Doyen“ gilt einem Abend in Paris, wo KARAT im September 1979 gastiert hatte. Für den Tanz zum „Mitternacht-BIues hat sich unser Faun einen verbeulten Wedekindschen Frack geliehen. Die „Tiefsee, angelegt als psychologische Studie, versucht in ungewohnten Bildern Verborgenes frei zulegen was zwischen den Mühlsteinen der Gewohnheit und der Oberflächlichkeit manchmal zerrieben zu werden droht.

Lesen Sie auch: Details zum Album "Schwanenkönig" von Karat

Für Euch, die Ihr den Regenbogen liebt., hat KARAT das „Magische Licht entzündet: haben Henning und und Bernd ihre Saiten verzaubert, hat Micha seinen Pulsschlag getrommelt. haben Herbert und Ed ihr Bestes gegeben.

Musikalische Reise durch das Album

Begonnen wird die Platte mit „Tanz mit der Sphinx“, was wie ein typischer Opener daher kommt. Michael Schwandt spielt maschinenartig sein Schlagzeug zu ungewöhnlichen Klangteppichen. Wie kryptisch Karat auf der Platte sind, hört man schon an diesem Lied.

Der „Mitternachts-Blues“ kommt dann als astreiner Reggae daher. Die Rede ist vom Paradies, aus dem er in seinem alten Frack heraus streicht. Nun ja, man kann schon sagen, dass es um einen Stammgast bei einer Prostituierten handelt. Und er ist dort immer, bis der neue Tag schon kommt.

Wunderbar ist das sphärische Lied „Magisches Licht“ - für mich eins der besten Lieder von Karat überhaupt. Das Lied baut sich ganz gewaltig auf und behält eine besondere Spannung. Das magische Licht ist der Regenbogen, der einen durch die dunkelste Nacht bringt und einen Torweg zu den Kindertagen schlägt.

„Der Boxer“ ist dann wieder ein komplett anderes Stück, ein schneller Blues. Er war als Kind der Depp, aber er hat niemals aufgegeben und hat sich seinen Gegnern gestellt. Und so ist er Boxer geworden und hat so die „Schatten“ besiegt.

Lesen Sie auch: Wissenswertes über Goldkarat

Der erste Teil vom „Schwanenkönig“ wird beendet mit dem verspielten „Le Doyen I„. Hierbei handelt es sich um eine musikalische Erinnerung an Paris. Eine wunderbar verträumte Melodie, wie ich finde.

„Das Narrenschiff“ ist dann wieder so eine typische Rocknummer, die wirklich unheimlich gut gelungen ist. Es wird Kritik an menschlichen Lastern und an der Politik geäußert. Natürlich konnte so etwas nicht klar und deutlich geschehen, sondern nur kryptisch, wie das gesamte Album.

Dann machen wir uns auf zu Neptun und Poseidon und hören uns die „Tiefsee“ an. Im Alltag gehen Bilder verloren, und diese müssen gezeigt werden. Nur nicht zu oberflächlich werden, lieber tiefgründig sein.

Mit der „Großstadt“ kommt eine waschechte Rocknummer daher. Er ist neu in der Stadt, hat noch keine Freunde und weiß nicht wohin. So geht es wohl jedem, der aus der Provinz in die große Stadt zieht.

Und dann hören wir das Titelstück „Schwanenkönig“. Das lyrische Thema des Schwans, der in Liebe stirbt, ist das bekannteste von Karat. Auch hier geht die Wurzel wie beim „Narrenschiff“ wieder weit in die Vergangenheit zurück, denn Karat greifen eine Fabel von Leonardo da Vinci auf. So wunderbar das Lied auch ist, es kämpft leider mit einem Überschwang an Kitsch.

Lesen Sie auch: Schlaganfall: Was Sie wissen müssen

Mit „Le Doyen II“ wird das Album abgeschlossen. Getragen von der Melancholie des Herbstes wird über die Begegnung mit dem vorüber gegangenen Sommer erzählt.

Musikstil und Besonderheiten

Nein, der „Schwanenkönig“ ist keineswegs die Erfindung des Folkrocks. Die Spielweise als Mischung aus Hard- und Art-Rock macht es aus. Teilweise haben es die Texter Norbert Kaiser und Herbert Dreilich auch gnadenlos übertrieben mit Kitsch und blumigen Worten. Aber dieses Album ergibt irgendwie die passende Mischung aus Text und Musik, und auch die Zusammenstellung der Lieder ist irgendwie passend.

Die gelungensten Lieder auf dem Album sind in meinen Ohren „Magisches Licht“, „Das Narrenschiff“, „Tiefsee“ und „Le Doyen II“. Der „Schwanenkönig“ an sich ist mir einen Tick zu dick aufgetragen.

Und die Platte insgesamt ist wohl ziemlich die erfolgreichste, die in der DDR erschien.

Trackliste des Albums

  1. Tanz mit der Sphinx (5:36 Min.)
  2. Mitternacht-Blues (6:02 Min.)
  3. Magisches Licht (5:00 Min.)
  4. Der Boxer (2:53 Min.)
  5. Le Doyen I (2:06 Min.)
  6. Das Narrenschiff (4:54 Min.)
  7. Tiefsee (5:43 Min.)
  8. Großstadt (3:47 Min.)
  9. Schwanenkönig (5:59 Min.)

Album Details

Merkmal Details
Artikelnummer Amiga 8 55 770
Interpret Karat
Titel Schwanenkönig
Label AMIGA
Medientyp LP / Vinyl 12"
Vinylgewicht 140 gramm
Release-Datum 1980
Zustand Tonträger Very Good + (Sehr gut)
Zustand Cover Very Good + (Sehr gut)