Karat und die Interpretation von "Mich zwingt keiner auf die Knie"

Karat, eine Band, die in der Geschichte der deutschen Popularmusik einen festen Platz einnimmt, feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Gegründet in den 1970er Jahren in Ost-Berlin, entwickelte sich Karat schnell zu einer der wichtigsten deutschen Bands in Ost und West. Ihre Musik, die oft von der Sehnsucht nach Freiheit handelte, berührte die Menschen in beiden Teilen Deutschlands.

Im Jahr 2025 laden Gitarrist Bernd Römer, Schlagzeuger Heiko Jung, Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Sänger Claudius Dreilich zu einem besonderen Jubiläum ein: 50 Jahre Karat. Neben einer Jubiläumstournee wird es ein Album mit neuen Liedern sowie ein neues Karat-Buch geben. Im Mai startet zudem eine Jubiläums-Kreuzfahrt mit der AIDAdiva nach Norwegen.

Die Stärke der Band liegt schlichtweg in einer ständigen Neuinterpretation der Vergangenheit. Darin ist Karat tatsächlich famos, gerade unplugged, auch wenn hin und wieder die stimmungsvolle Acoustic-Gitarre gegen ein E-Instrument getauscht wurde. Grandios gemalt hob wieder der sinfonische „Albatros“ ab, mit schwebenden Keyboard-Klängen, erst zaghaft einfallenden, dann - im instrumentalen Zwischen- und Endspiel - schwer rockender Gitarre und einem dramatisch stampfendem E-Bass. Ein umjubelter Höhepunkt.

Die Bedeutung von "Mich zwingt keiner auf die Knie"

Luftholen mit „Mich zwingt keiner auf die Knie“, dem trotzigen Song vom ewigen Aufstehen, musikalisch wunderbar getönt mit Martin Beckers Pianoklängen und Bernd Römers zwölfsaitiger Doppelhals-Gitarre. Der Abend begann allerdings eher ein bisschen gebremst. Blaues, gelbes, rotes Licht, so dezent eingesetzt wie die Lichtflecken und Lichtkringel über einer Bühne, die als gemütliches, etwas plüschiges Wohnzimmer möbliert war.

Der Song "Mich zwingt keiner auf die Knie" hat für Claudius Dreilich eine besondere Symbolik. Er singt den Song auch als Hommage an seinen Vater Herbert Dreilich, der an dem Lied mitgeschrieben hat. Herbert Dreilich, der 2004 verstarb, war Leadsänger und Mitbegründer von Karat. Sein Sohn Claudius übernahm 2005 seinen Part. Claudius fühlt sich der Musik von Karat verpflichtet und möchte auf keinen Fall, dass die vielen großartigen Songs die Bühne verlassen.

Lesen Sie auch: Wissenswertes über Goldkarat

Das Lied ist mehr als nur ein Song, es war Herbert Dreilichs Lebensmotto. Selbst als Herbert vor sechs Jahren einen Schlaganfall hatte, machte er weiter. Er kam schwer gezeichnet aus der Reha-Klinik direkt ins Büro und legte neues Songmaterial vor. Seine Energie war unglaublich.

Claudius Dreilich führt das Erbe seines Vaters fort

Musikalisch ambitioniert wie sein Vater war Claudius Dreilich ursprünglich nicht. Das änderte sich erst, als Herbert Dreilich im Sommer 2003 schwer an Krebs erkrankte. Als Herbert Dreilich wegen seiner Krankheit das Bett nicht mehr verlassen konnte, ermutigte er seinen skeptischen Sohn, der keine Banderfahrung besaß, den Part von ihm zu übernehmen. Er wollte, dass die Band auch ohne ihn weitermacht.

Claudius Dreilich performt seit 2005 für Karat. Er hat die Songs verinnerlicht und führt das Vermächtnis seines Vaters fort. Er fühlt sich in dieser Rolle wohl und das Publikum akzeptiert ihn als Frontmann. Sicherlich liegt es aber auch daran, dass er der Sohn von Herbert Dreilich ist und in der Stimmlage sowie im Aussehen seinem Vater ähnelt.

Dreilich: Ständig gaben sich bei uns Bandkollegen meines Vaters die Klinke in die Hand. Manchmal wohnte auch einer bei uns. Oft probten sie bis weit in die Nacht, wurden Platten gehört, über Songs und Texte diskutiert. Bei mir hinterließ das insofern tiefe Spuren, als dass ich beispielsweise nie eine Langspielplatte mit Kindermusik besaß, sondern nur die Platten von Karat hören wollte. Die erste Platte in meiner Sammlung war auch die des gleichnamigen Debütalbums „Karat“, unter anderem mit dem Titel „König der Welt“.

Karat im Wandel der Zeit

In den 1980er Jahren, unter dem musikalischen Kopf Ulrich Swillms, erlebte Karat eine Blütezeit. Die Bandmitglieder kamen von verschiedenen Bands zusammen und entwickelten einen melodischen und rockbetonten Stil. Trotz Zensur in der DDR fand Karat Wege, ihre Botschaften zu vermitteln. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands behauptete sich Karat weiterhin in der Musikszene.

Lesen Sie auch: Schlaganfall: Was Sie wissen müssen

Die Band hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen erlebt. Nach dem Tod von Herbert Dreilich im Jahr 2004 übernahm sein Sohn Claudius den Gesang. Trotz einiger Turbulenzen ist Karat nie zerbrochen. Die Qualität der Musik stand immer im Vordergrund.

Der Abend begann allerdings eher ein bisschen gebremst. Blaues, gelbes, rotes Licht, so dezent eingesetzt wie die Lichtflecken und Lichtkringel über einer Bühne, die als gemütliches, etwas plüschiges Wohnzimmer möbliert war. Einstieg mit dem lyrischen „Wie weit fliegt die Taube“, dann Stimmungsmalerei im „Gewitterregen“ und das ziemlich kryptische „Magische Licht“. Martin Beckers Mundharmonika setzt ein zur „Glocke 2000“ (1986 ein Dreilich-Danz-Duett). Ein Song, der immer etwas an „Imagine“ denken lässt.

Das fast ausverkaufte Gewandhaus steht und feiert. Claudius Dreilich, der Sohn, singt härter als Herbert, der Vater. Das gibt den Liedern einen anderen Klang. Auch "Kalter Rauch" und "Blumen aus Eis", zu dem Bernd Römer, der Gitarrero, hin und her eilt und den Rocker macht. Das fast ausverkaufte Gewandhaus steht und feiert.

Immer wieder Jubel und Beifall schon bei den ersten Tönen eines Songs. Wer ins Gewandhaus kam, viele aus einer bereits etwas älteren Generation, kennt sich aus. Zum unverwüstlichen „Schwanenkönig“, der tierisch schmusenden Kitschpostkarte, leuchten Handys von dunklen Saalemporen, während rotes Unterlicht Claudius Dreilich teuflisch schimmern lässt. Das Keyboard blubbert - und sofort lauter Beifall. „Der blaue Planet“, jener Protestsong aus den frühen 80ern, treibt zum Mitsingen. „Uns hilft kein Gott, unsere Welt zu erhalten ...“, das wurde einstmals nicht nur als Warnung vor West-Pershings, sondern auch vor SS-20 (Ost) verstanden.

Nach 90 Minuten verbeugt sich Karat vor Leipzigs Schriftsteller Helmut Richter. Der sitzt im Parkett Mitte, Reihe 9, wird begrüßt, umarmt und gefeiert - mit, klare Sache, seinem Text "Über sieben Brücken". Jenem Über-Song, den mittlerweile auch Chris de Burgh singt. Dann ist nach 17 Songs erst mal kurz finito. "Weitergeh'n" (rockig) und "König der Welt" (soft) folgen als Zugaben. Die Einstimmung für einen Autogramm-Treff, zu dem Karat ins Foyer bittet. Karat - eine Gruppe, welche sich bis heute behauptet hat. Rockmusik schnell in den Herzen vieler Anhänger in allen Altersgenerationen fest. Die Platten wurden im In- und Ausland erfolgreich vertrieben. und rockbetonte Musik. Musikalischer Kopf in den Achtziger Jahren ist Ulrich Swillms. Karat live zu erleben ist heute etwas ganz besonderes.

Lesen Sie auch: Testbericht: Burg Wächter Karat MT 26 NE

Jubiläumskonzert in Oranienburg

Die einstige Ostrockband Karat ist auch nach 50 Jahren noch Kult. Bei ihrer Jubiläumstour begeisterte die Band ihre Fans in Oranienburg. Statt Nostalgie versprüht die Band „Ostalgie“, wie Fans berichten.

Fans aus ganz Deutschland sind begeistert, viele ältere Jahrgänge. Das neue Album "Hohe Himmel" ist in den Top Ten der deutschen Charts. Sänger Claudius Dreilich führt das Vermächtnis seines Vaters fort. Ein nächstes Konzert ist für den 5. Juni in Oranienburg angekündigt.

Claudius Dreilich, Sohn und Mikro-Nachfolger des vor 20 Jahren verstorbenen Gründungsmitglieds Herbert Dreilich, weiß, was die Fans wollen. Trotzdem: Wer nur die alten Ohrwürmer hören wollte, hatte Pech. Karat haben selbstbewusst all die Jahre Alben nachgelegt: Für die Jubiläumstour kam pünktlich am Karat-Gründungstag die neue Scheibe „Hohe Himmel“ auf den Markt, von der es etliche Titel ins aktuelle Konzertprogramm geschafft haben. Warum? „Weil das Album auch unsere kühnsten Erwartungen übertroffen hat. Seit mehr als 40 Jahren sind wir damit mal wieder in den Top Ten der deutschen Album-Charts“, freut sich Dreilich.

„Wir sind immer noch da“: Mit diesem Song beginnt das Album und mit diesen Zeilen als Intro beginnt die Band. Ein Statement. Und ein Versprechen. Für die Zukunft. Für die Jubiläumstour, bei der die Musiker 70 Konzerte spielen. Wann man das erste Mal in Oranienburg aufgetreten sei, sinniert Dreilich laut. Man habe sich nicht mehr erinnern können. Fakt ist: Beim ersten Konzert habe man mit einem Zuschauerblock angefangen - diesmal seien es fünf. „Wir scheinen Freunde in Oranienburg zu haben - und wie heute auch eigentlich immer gutes Wetter“, ruft Dreilich vergnügt.

„Jede Stunde“, einer der guten alten Hits. Immer mehr Fans stehen oder tanzen. Mister Mundharmonika, Keyboarder Martin Becker übt den Elvis-Ernstfall und lässt die Hüften kreisen. Aber auch Gitarrist Bernd Römer - der Karat-Dienstälteste, der seit 1976 dabei ist - Bassist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung lassen nichts anbrennen. Bei aller Routine, die das Quintett inzwischen hat - man merkt ihnen die Lust am Miteinandermusizieren an.

„Wir sind Zauberer, wenn wir es woll‘n“, singt Dreilich. Absolut. Die Trommeln hämmern den Herzschlag der Band, das Keyboard untermalt hymnisch oder sphärisch. Die Gitarrenmotive gehen bestens ins Ohr. Und der Techniker am Pult schafft es, auch bei Open-Air-Bedingungen den Sound glasklar zu zaubern. Da ist nichts verwaschen - die Fans bekommen jede Note sauber aufgetischt.

Auch wegen Claudius Dreilich, der seit 2005 das Vermächtnis seines Vaters singt - er war, so sagt er, ja schließlich früh mit dabei. „Ich war fünf.“ Und deshalb die Songs verinnerlicht hat: „Gewitter“, den shuffligen Schaukelsong mit den verrückten Taktwechseln; die wunderbaren Balladen „Schwanenkönig“ und „Albatros“; der von so vielen Musikern gecoverte Sieben-Brücken-Song. Und das „Lied für meinen Papi“, so Dreilich: „Uns zwingt keiner auf die Knie“. Dann „Blumen aus Eis“, der Song, der aus der Akustiktour übriggeblieben ist. Gut die Hälfte der Fans stehen jetzt, beim „Blauen Planeten“ sind es fast alle. Die Stimmung ist ausgelassen, die Fans textsicher.

„Sollen wir nächstes Jahr wiederkommen?“, ruft Dreilich vor den drei Zugaben. Jubel. Die Frage ist eh rhetorisch - denn der Termin steht. „Am 5. Juni. Hier. Seid ihr dabei?“ Keine Frage.