Karat Band Geschichte: 50 Jahre Deutscher Pop-Geschichte

Die Berliner Kultband KARAT feiert 2025 ihr 50-jähriges Jubiläum. Längst hat es die Runde gemacht: 50 Jahre - das sind zwei Generationen und fast ein Leben. Es gibt nur wenige Bands von Rang, die auf eine solche lange Geschichte zurückblicken.

Am 22. Februar 1975 spielten Karat ihr erstes Konzert in Heidenau bei Pirna in der Nähe von Dresden. 50 Jahre später ist die Band aus der deutschen Pop-Geschichte nicht wegzudenken. Karat startet als Tanzband, wie so viele zu dieser Zeit. Gitarrist Bernd Römer erinnert sich: "Alle Bands mussten Samstagabends in einen Tanzschuppen und haben dann vier, fünf Stunden zum Tanz gespielt".

Die Anfänge von Karat liegen in der Band Panta Rhei, die 1971 von Herbert Dreilich, Henning Protzmann und Ulrich "Ed" Swillms gegründet wurde. 1974 beschließen Bassist Henning Protzmann (aus der Soul-Jazz-Rockband Panta Rhei) und der Gitarrist und Sänger Ulrich Pexa (aktiv bei Frank Schöbel), eine eigene Gruppe aus der Taufe zu heben. Mit an Bord: Schlagzeuger der Gruppe Lift, Konrad Burkert sowie Keyborder Ulrich (Ed) Swillms und der Gitarrist und Sänger Herbert Dreilich - beide ebenfalls von Panta Rhei.

Der Bandname sollte eine gewissen Wertigkeit haben und gleichzeitig auch international verständlich sein. Gitarrist Bernd Römer erzählt: "Da wurden zehn bis zwölf Vorschläge gemacht, und jeder im Bekanntenkreis hat dann sein Kreuzchen hinter seinen Favoriten gemacht."

Schnell wird die neue Gruppe mit ersten eigenen Titeln wie „Leute welch ein Tag“ im DDR-Rundfunk gespielt. 1976 bekommt die junge Berliner Band beim III. Interpretenwettbewerb der Unterhaltungskunst in Karl-Marx-Stadt eine Silbermedaille. Die erste LP erscheint 1978. Nur drei Jahre nach Bandgründung schafft Karat den Sprung nach ganz oben.

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Die Erfolgsjahre und Hits

Die Erfolgskurve der Gruppe geht schnell steil nach oben. 1978 erscheint ihre erste Platte. Zu den XI. Übertroffen allerdings wird der Song von einem Lied, das bis heute Ohrwurm-Garantie besitzt: Im gleichen Jahr vertont Songschreiber Ed Swillms das Gedicht "Über sieben Brücken mußt du gehn", das Helmut Richter für den gleichnamigen Fernsehfilm geschrieben hatte. Der Titelsong geht vielen Zuschauern nicht aus dem Kopf und sie fragen beim DDR-Fernsehen nach.

Ein DDR-Fernsehfilm wird zum riesigen Glücksfall. Er heißt „Über sieben Brücken musst du gehn“. Keyboarder Ed Swillms, Verfasser vieler Hits der Band, vertont den gleichnamigen Titelsong. Beim Internationalen Schlagerfestival 1978 in Dresden gewinnt Karat mit dem Lied den Grand Prix. Die Single schafft es in der DDR-Jahreshitparade auf Platz 2 - hinter „König der Welt“, ebenfalls eine Ballade von Karat. Auch beim „Klassenfeind“ westlich der Mauer kommt die Single „Über sieben Brücken musst du gehn“ in die Läden. Peter Maffay hört den Titel im Radio und ist so begeistert, dass er ihn covert.

"Über sieben Brücken" ist wohl der bekannteste deutsch-deutsche Hit. Ursprünglich stammt er von der ostdeutschen Band Karat. Peter Maffay - hier mit Karat-Sänger Claudius Dreilich (rechts) - hat noch vor dem Mauerfall den Karat-Song „Über sieben Brücken musst Du gehn“ gecovert. Auch diese Version wird ein großer Hit - im Westen Deutschlands. Seit 1990 singt Maffay ihn immer mal wieder zusammen mit seinen Freunden von Karat. Auch viele andere erfolgreiche Sänger haben die „Sieben Brücken“ gecovert, etwa Heinz Rudolf Kunze, Helene Fischer, Chris de Burgh und Roland Kaiser.

Als erste DDR-Band dürfen Karat ab 1979 alle Platten in Ost und West herausbringen. Sie werden millionenfach gekauft und sind eine wertvolle Devisen-Quelle für den sozialistischen Staat: 80 Prozent der Einnahmen durch Schallplatten und Konzerte im Westen flossen in die Staatskasse der DDR, wie Claudius Dreilich berichtet.

Die 1980er-Jahre werden das Jahrzehnt für die Band. Gleich zu Beginn tüftelt die Gruppe an einem neuen Album. 1982 kommt mit "Der Blaue Planet" der größte Erfolg der Bandgeschichte in die Läden. Über 1,4 Millionen Mal verkauft sich das Album in der DDR und der Bundesrepublik. Die Single "Jede Stunde" schießt in die Top Ten der westdeutschen Charts. Als wichtiger Kultur-Exportschlager darf die Band auch im Westen auftreten, unter anderem in der ZDF-Hitparade oder "Wetten, dass ...?". Sie wird damit auch die einzige DDR-Band in der Geschichte der Unterhaltungsshow sein, die dort einen Auftritt hat.

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1982 wird das Album „Der blaue Planet“ ein Riesenerfolg. Die Single „Jede Stunde / Falscher Glanz“ erklimmt die Top Ten in der BRD. Karat tritt in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck auf, schafft es dort mit „Jede Stunde“ auf den zweiten Platz. Auch bei „Wetten, dass..?“ singen die DDR-Balladenkönige. Moderator Frank Elstner bezeichnet sie als „Diamant der Popgruppen der DDR“.

Tabelle: Wichtige Ereignisse und Erfolge von Karat

Jahr Ereignis/Erfolg
1975 Erstes Konzert in Heidenau
1978 Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival Dresden für "Über sieben Brücken"
1979 Erste DDR-Band, die Platten in Ost und West veröffentlichen darf
1982 Album "Der Blaue Planet" wird größter Erfolg der Band
2004 Herbert Dreilich stirbt an Krebs
2025 50-jähriges Jubiläum

Herausforderungen und Neuanfänge

In den Folgejahren kamen weitere Hits dazu - die großen Erfolge blieben allerdings aus. Trotzdem gehören sie nach wie vor zu den Top-Bands des Ostens. Als Karat 15 Jahre alt ist, verschwindet die DDR. Nach dem Mauerfall gibt es auch für Karat eine Karriere-Delle, die Fans zieht es zur Westmusik. Aber bald kehren sie zurück.

2004 dann die Hiobsbotschaft: Sänger Herbert Dreilich erkrankt schwer. Im Dezember stirbt er an einer Krebserkrankung. Für die verbliebenen Musiker folgt bald der nächste Schock: Dreilichs Witwe untersagt ihnen, den Bandnamen weiterzuverwenden. Der Sänger hatte sich 1998 beim Deutschen Patent- und Markenamt die Rechte an der Marke Karat gesichert. Die Band nennt sich deshalb ab 2006 „K...!“. 2007 schließlich unterliegt die Witwe vor Gericht. Karat heißt wieder Karat. Gitarrist Bernd Römer schildert später: „Wir waren echt fertig, wir saßen mit zitternden Knien im Gerichtssaal.“

Zurück ins Jahr 2004: Als sein Vater an Krebs erkrankt, bekommt Claudius Dreilich einen Anruf von der Band. Er wird gefragt, ob er als Sänger einspringen kann. Der Musiker-Sohn hatte eigentlich eine andere Karriere eingeschlagen, Ausbildungen als Hotelkaufmann und Einzelhandelskaufmann absolviert. Er arbeitete bei Ikea, eröffnete die Filiale in Moskau mit. Als sein Vater an Krebs erkrankt, bekommt Claudius Dreilich einen Anruf von der Band - er sollte übernehmen. Sechs Monate lang habe er sich dann nicht entscheiden können, welcher Weg der Richtige ist. „Ich bin ja mit Karat aufgewachsen und hab diese Musik geliebt“, schildert er. Andererseits habe er mit seinem damaligen Job wirtschaftlich auf festen Füßen gestanden. Schließlich habe er beim damaligen Karat-Schlagzeuger Rat gesucht. „Er sagte mir: "Du wirst immer zu Karat gehören. Aber wenn Du es nicht machst, steht künftig ein anderer auf der Bühne"“. Dann entschied Claudius Dreilich, dessen Stimme der seines Vaters verblüffend ähnelt: „Ich muss es wenigstens versuchen.“

Eine neue Ära beginnt mit der vierten Dekade, denn mit Claudius Dreilich als neuem Sänger erleben KARAT den Glücksfall, dass die Band den schweren Abschied zur Chance für die Zukunft umgedeutet hat. Und sie bleiben erfolgreich: Neben vielen eigenen Tourneen sind sie Teil der „Ostrock Klassik“-Konzerte, holen sich für eine Weihnachtstour ein A cappella-Frauenquintett dazu, kollaborieren mit den Kieler Philharmonikern und freuen sich über die Interpretationen ihrer Songs von (u.a.) Helene Fischer, Chris de Burgh und Max Raabe. Nicht zuletzt gibt es mal wieder eine Goldene Schallplatte (2010 für „Vierzehn Karat“) und fünf Jahre später die Goldene Henne.

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Karat heute

Für die Fans überraschend startete Karat mit einer neuen Bandbesetzung ins Jahr 2023. Zwei langjährige Musiker sind seitdem nicht mehr dabei. (Archivbild) (Foto: Hendrik Schmidt/dpa) In der bisher letzten Dekade befinden sich KARAT auf der Überholspur, so wird mit Universal Music ein neuer Vertriebspartner für die neuen Alben gefunden und selbst eine Pandemie kann diese Band nicht stoppen: KARAT melden sich mit Auto- und Hotelzimmer- sowie ca. 40 Konzerten mit eingeschränkter Zuschauerzahl aus der Covid19-Versenkung zurück.

Die fünfte Dekade steht ebenso für einen weiteren Besetzungswechsel: Daniel Bätge sowie Heiko Jung sind die Neuzugänge an Bass beziehungsweise Schlagzeug. Man kennt die gestandenen Musiker beispielsweise aus ihrer Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken, Jan Josef Liefers oder Clueso. Nun sorgen sie mit Groove, Leidenschaft und musikalischem Können für ein neues Energielevel bei KARAT. Womit dem großen Jubiläumsjahr 2025 nichts mehr im Wege steht.

Anstatt eines großen Best-of-Albums gibt es zum Jubiläum ein weiteres, das 16. Studioalbum. Dennoch, auf "Hohe Himmel", so der Titel, klingen auch die Wurzeln der Band durch. "Wir haben hier stark mit alten Soundelementen gearbeitet. Aber trotzdem, glaube ich, dass wir es auch geschafft haben, im Jetzt zu sein", sagt der Sänger Claudius Dreilich. "Wir wollten nicht zurückgucken, weil wir immer nach vorne gucken - da muss man sich ein bisschen orientieren. Deswegen ist es ein Album, was vielleicht die Leute in dieser Art und Weise erst mal überrascht.

Karat sei heute "eine gesamtdeutsche Band", sagt Claudius Dreilich dem MDR. Dreilich ist seit 20 Jahren die Stimme der Band. "Es hat sich immer nur in eine Richtung entwickelt und das ist die, die wir wollen: Nämlich nach vorne", sagt Claudius Dreilich, der seit mittlerweile 20 Jahren Teil von Karat ist. Die politischen Entwicklungen auf der Welt, aber auch in Deutschland gehen nicht spurlos an den Rockern vorbei, gibt Bernd Römer zu: "Wir sollten uns immer daran erinnern, dass wir Menschen sind.