"Kampfsport ist nur was für junge Menschen!" Diese Aussage ist völliger Quatsch, denn das Alter spielt bei Sport nie eine Rolle. Ausdauer, Selbstvertrauen und der Umgang mit der Angst sind nur drei Beispiele, warum du mit Kampfsport anfangen solltest. Hier ist Kampfsport geradezu perfekt.
Vorteile von Kampfsport im mittleren Alter
1. Verbesserte Ausdauer und Fitness
Signifikant beim Kampfsporttraining sind die intensiven Intervalleinheiten, d.h. deine Herzfrequenz geht ziemlich nach oben und der Puls sinkt in den Pausen wieder. In einem Kampfsporttraining verbrennst du i.d.R. auch Fitnessboxen lässt dich fitter werden. Durch die Kampfsporttechniken werden die Muskeln miteinander vernetzt trainiert und es entsteht dadurch eine solide Stabilität deines Haltungsapparates. Durch das intensive Training fallen dir deshalb auch Alltagsbewegungen, wie z.B. Treppensteigen, viel leichter, weil dein Puls längst nicht mehr so steigt wie ohne Training.
2. Gesteigertes Selbstvertrauen
Durch Kampfsport bekommst du enormes Selbstvertrauen. Du erfährst, welche Fähigkeiten in dir stecken und fängst an, an dich zu glauben. Was auch positiv ist: Du lernst, dich richtig einzuschätzen und gewinnst dadurch ein gesundes Selbstvertrauen. Dadurch steigert sich dann dein Selbstvertrauen. Du weißt, was in dir steckt! Somit hast du gute Chancen, dich reell einzuschätzen und läufst nicht Gefahr, dich zu überschätzen. Automatisch wird sich dies dann auch auf andere Lebensbereiche übertragen und du wirst anfangen, dir dann plötzlich mehr zuzutrauen.
3. Stärkung der Trainingsgemeinschaft
Die Trainingsgemeinschaft in den Kampfsportschulen ist im Normalfall sehr gut. Die Schläge, Tritte und Hebel werden kontrolliert angewendet, jeder hilft jedem und die Stärkeren trainieren mit den Schwächeren. Das respektvolle harte Körpertraining schweißt zudem auch ziemlich zusammen, denn man schenkt sich gegenseitig großes Vertrauen. Nicht zu verachten ist das große Netzwerk, das sich beim Kampfsporttraining bildet.
4. Umgang mit Ängsten
Oftmals sind Menschen von Ängsten geplagt. Menschen, die Kampfsport wettkampfmäßig betreiben, kommen oft an den Punkt, dass sie ihre Angst überwinden müssen, gegen z.B. stärkere Gegner anzutreten. All dies wird aber sehr oft mit Unsicherheit verwechselt. Deshalb spielt mentale Stärke beim Wettkampfsport eine sehr große Rolle. Mindestens 70 - 80 % des Anteils an einem Sieg ist mentale Stärke bzw. Unsicherheiten sind mentaler Natur. Ein guter Trainer kann dich in diesem Bereich enorm nach vorne bringen. Erfahrene Wettkämpfer haben eine enorme mentale Stärke.
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Wenn du z.B. Selbstverteidigung trainierst und du z.B. D.h. die Trainer stellen bestimmte Bedrohungs- oder Angriffsszenarien nach und tragen einen Vollschutzanzug. Du kannst dann die gelernten Techniken anwenden und verfestigen und mit vollem Kontakt agieren. Nicht nur Angst lässt sich damit bezwingen.
Kampfsportarten, die für dich in Frage kommen
Wenn du Wettkampf betreiben möchtest, ist es von Vorteil, wenn du schon vorher viel Sport gemacht hast und bereit bist, viel zu trainieren. Für den Wettkampfsport bist du auch nicht zu alt, denn es gibt mittlerweile bei vielen Kampfsportarten Veteranenklassen 30 Jahre plus. Oftmals erkennen Menschen die älter sind, dass sie viel mehr Power haben, als sie ursprünglich gedacht haben. Das gibt dir unheimlich viel Kraft und überträgt sich auch auf deinen Lebensstil.
Es gibt Kampfsportarten, in denen es z.B. Deshalb ist es am besten, mal in dich zu gehen und zu zu schauen, was du meinst, was dir wohl am ehesten liegt. Wenn du z.B. Gerade wenn du dich „zu dick“ empfindest, solltest du Kampfsport ausüben. Beim Kampfsport wird in Gewichtsklassen unterteilt. Du findest immer jemanden, mit dem du trainieren kannst. Durch regelmäßiges Training baust du Muskeln auf und somit wirst du automatisch kräftiger und muskulöser werden. Das Schöne ist, jeder kann mit der Konstitution „arbeiten“ die man hat. Vorkenntnisse sind überhaupt nicht erforderlich.
Alles, was du benötigst, bekommst du als Anfänger im Training vermittelt. In den ein oder anderen Vereinen und Schulen gibt es spezielle Anfängerklassen, die man besuchen sollte. Am besten ist, du fragst direkt in der Schule nach, in der du trainieren möchtest. Dort bekommst du alles erklärt. Selbstbewusstsein durch Kampfsport, Selbstvertrauen, Gesundheit und ein super Lebensgefühl kannst du nicht genug bekommen.
Empfehlungen für verschiedene Altersgruppen
Ab 30 sind Kampfsportarten wie (Kick) Boxen, Judo und Taekwondo besonders gut geeignet. Ab 40, Fitnessboxen, Aikido und Wing Tsun, ab sind 50 Tai-Chi und alters angepasste Kampfsportarten ideal. Grundsätzlich gibt es in fast allen Kampfsportarten, die Möglichkeit, seinem Leistungsvermögen und Alter angepasst zu trainieren. Wer eine kluge Entscheidung bei der Wahl seines Kampfsports trifft, hat einfach länger was davon.
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Kampfsportarten, die einen besonders hohen Level an Fitness und Beweglichkeit erfordern, kannst du ab 30 durchaus noch beginnen. So wird Fitnessboxen zu einer echten Alternative für ein an der Teilnahme an Wettkämpfen orientiertes Boxtraining. Im Fitnessboxen wird auf Wettkämpfe und Sparring verzichtet. Athletik spielt in diesen Kampfmethoden und Gesundheitssystemen kaum eine Rolle. Exakte technische Bewegungsausführungen, Struktur und angepasste Atemtechniken stehen im Vordergrund.
Muay Thai, auch Thaiboxen genannt, ist ein äußerst harter Vollkontaktkampfsport. Es darf dabei mit Fäusten, Ellenbogen und Knien geschlagen und getreten werden. Die Teilnahme an Wettkämpfen ist nach einigen Monaten Training noch möglich. Ab 40 oder 50 mit Thaiboxen zu beginnen, ist eher etwas für absolute Ausnahmesportler. Karate lässt sich in jedem Alter betreiben. Die Kampfkunst erfordert eine gute Beweglichkeit, legt aber nicht so großen Wert auf hohe und spektakuläre Tritte, wie sein koreanisches Pendant, das Taekwondo.
Sowohl das israelische Selbstverteidigungssystem Krav Maga, als auch das (Brazilian) Jiu-Jitsu, sind Sportarten, die in jedem Alter noch sinnvoll betrieben werden können. In beiden Sportarten spielen Technik und Taktik besonders entscheidende Rollen. Während das Krav Maga auf Selbstverteidigung ausgerichtet ist, betont das Brazilian Jiu-Jitsu den Bodenkampf.
Mit 60 kann man durchaus noch Kampfsport erlernen. Oft werden altersgerechte Kurse angeboten, die besonders auf die Bedürfnisse von Senioren eingehen. Kampfsport und Kampfkunst kann in jedem Alter gewinnbringend betrieben werden. Kampfsportarten, die besonders hohe Flexibilität oder Athletik erfordern, sind ebenfalls den Jüngeren vorbehalten. Andere Kampfsportarten und Kampfkünste lassen sich jedoch bis ins hohe Alter betreiben. Allen voran die sogenannten inneren Kampfkünste, wie Thai-Chi und Aikido.
Empfehlungen für den Einstieg
Wenn du im Verein oder in einer Kampfsportschule trainieren möchtest, ist es sinnvoll, sich vorher dort bei einem Verantwortlichen anzumelden und mit diesem ein Vorgespräch über deine Ziele zu führen. Es macht aus Sinn, auf evtl. Anschließend kannst du dir dann überlegen, ob die Kampfsportart für dich die Richtige ist oder ob du evtl. Wenn du mit Kampfsport anfangen möchtest, dann solltest du jedoch die Bereitschaft mitbringen, fitter werden zu wollen. Und auch die Bereitschaft, dafür reichlich Schweiß aufzubringen.
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Es gibt Menschen, die erst mit über 50 Jahren mit Kampfsport anfangen. Das Alter spielt eigentlich nur eine Rolle, wenn es darum geht, Kampfsport wettkampfmäßig zu betreiben. Es kommt natürlich auf die Kampfsportart an. Neben den Kampfsportarten gibt es auch die Kampfkünste wie z.B. Aikido oder Tai Chi.
Wenn du mit Kampfsport beginnst, benötigst du für die Probetrainings zunächst kein Equipment. Es gibt Kampfsportarten mit „GI“, dem sog. Anzug. Beim Boxen musst du dir hingegen Boxhandschuhe kaufen. Welches Equipment du genau benötigst, kann dir dann dein Trainer vor Ort genau sagen.
Zusammenfassung
Du bist immer nur so alt, wie du dich fühlst. Für Kampfsport bist du nie zu alt. Gerade wenn du dich „zu dick“ empfindest, solltest du Kampfsport ausüben. Du findest immer jemanden, mit dem du trainieren kannst. Alles, was du benötigst, bekommst du als Anfänger im Training vermittelt.
Beispiele für Kampfsportarten
Hier sind einige Beispiele für Kampfsportarten, die für verschiedene Altersgruppen geeignet sind:
- Aikido: Eine defensive Kampfkunst, die darauf abzielt, die Energie des Angreifers umzuleiten.
- Boxen: Eine der ältesten Kampfsportarten, die auf Schlägen auf den Kopf und Oberkörper basiert.
- Capoeira: Eine afro-brasilianische Kampfkunst, die Kampf, Musik und Tanz vereint.
- Jiu Jitsu: Eine japanische Kampfkunst, die auf dem Prinzip "Siegen durch Nachgeben" basiert.
- Judo: Eine Kampfkunst, die auf Würfen, Griffen und Hebeln basiert.
- Karate: Eine Kampfkunst, die auf Stoß-, Schlag- und Tritttechniken basiert.
- Kickboxen: Eine Kampfsportart, die Schlagtechniken des Boxens mit Tritttechniken aus Karate und Taekwondo kombiniert.
- Krav Maga: Ein israelisches Selbstverteidigungssystem, das auf intuitiven menschlichen Reaktionsmustern basiert.
- Ringen: Eine der ältesten Kampfsportarten, bei der es darum geht, den Gegner auf die Matte zu bringen.
- Taekwondo: Eine koreanische Kampfsportart, die auf Fußtechniken, Tritten, Drehungen und Sprüngen basiert.
- Wing Chun: Ein spezieller Kung-Fu-Stil, der darauf abzielt, die Kraft des gegnerischen Angriffs abzuleiten.
Chinesische Kampfkünste für Gesundheit und Geist
In vielen asiatischen Ländern werden verschiedene Arten von Kampfkunst schon seit vielen Jahrhunderten zur Erhaltung der Gesundheit empfohlen. Denn neben dem Aspekt der Selbstverteidigung fokussieren sich viele Kampfsportarten auch auf geistige Stärke.
Innere und äußere Stile
In China werden bei Kampfkünsten traditionell zwischen äußeren und inneren Stilen unterschieden. Äußere Stile, auch harte Stile genannt, stellen neben mentaler Stärke vor allem athletische Fähigkeiten in den Vordergrund. Innere Stile oder auch weiche Stile, fokussieren sich auf das „Chi“. Unter „Chi“ wird in der traditionellen chinesischen Medizin die Lebensenergie verstanden, die allen Menschen innewohnt. Die inneren Stile zielen also darauf ab, die Lebensenergie zu erhalten und zu trainieren.
Tai-Chi, Qi Gong und Wing Tsun
Tai-Chi und Qi Gong sind ganz eindeutig den inneren Stilen zugeordnet. Wing Tsun gehört als Unterform des Kung Fu zwar eigentlich zu den äußeren Stilen, wird aber durch die zugrundeliegenden Philosophien mehr zu den inneren Stilen gezählt.
Gesundheitliche Vorteile chinesischer Kampfkunst
Tai-Chi, Qi Gong, Wing Tsun und andere Kampfkunstarten der weichen Stile werden in der traditionellen chinesischen Medizin schon lange als Ergänzung zur Behandlung von Krankheiten empfohlen. Diese Vorteile äußern sich sowohl körperlich als auch geistig:
- Der Fokus auf die richtige Haltung fördert das Körpergefühl und kann Beschwerden wie Rücken- und Nackenschmerzen lindern und vorbeugen.
- Regelmäßiges Praktizieren stärkt den Kreislauf und das Immunsystem.
- Das Miteinbeziehen von meditativen Aspekten und Atemübungen bringt Körper und Geist zur Ruhe und kann Stress sowohl lindernd als auch vorbeugend wirken.
- Die kontrollierten Bewegungen fördern Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer.
- Der Fokus auf einen starken, ausgeglichenen Geist kann das Selbstbewusstsein stärken und so zum Beispiel bei leichten Angststörungen helfen.
Sportmedizinische Aspekte des asiatischen Kampfsports
Asiatischer Kampfsport bietet aus sportmedizinischer Sicht eine hervorragende Möglichkeit, alle körperlichen Hauptbelastungsformen zu trainieren - bei geringem Verletzungsrisiko und geringem Risiko für chronische Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat. Seine Ausübung führt zur Verbesserung von körperlicher Fitness, Balance, Psyche und Allgemeinbefinden. Selbst ältere Neueinsteiger - ob gesund oder mit Vorerkrankungen - profitieren vom Training.
Positive Aspekte von Taekwondo-Training
Taekwondo-Training führt bei präpubertären Knaben zu einer verbesserten posturalen und neuromuskulären Leistung. Pons van Dijk et al untersuchten den Effekt des altersadaptierten Taekwondo-Trainings bei über 40-jährigen Neueinsteigern. Eine Stunde Taekwondo-Training pro Woche im Zeitraum eines Jahres verbesserte sowohl Balance als auch kognitive Fähigkeiten der Studienteilnehmer. Kim et al konnten nachweisen, dass Taekwondo-Training die "Körperintelligenz" und zerebrale Konnektivität vom Kleinhirn zum parietalen und frontalen Kortex verbessert.
Byun et al zeigten an Volksschulkindern mit Fehlhaltungen, dass Taekwondo-Basisbewegungen, die dreimal pro Woche für insgesamt acht Wochen ausgeführt wurden, eine signifikante Verbesserung der Nacken-, Schulter- und Beckeninklination bewirkten.
Verletzungen und Überlastungserscheinungen
Während sich Freizeit-Kampfsportler im Allgemeinen nur relativ selten verletzen, steigen Anzahl und Schwere akuter Verletzungen bei Leistungssportlern deutlich an. Als häufigste Ursachen werden ein ungenügendes Warm-up, ein Schlag des Trainingspartners, ein ungenügender physischer Trainingszustand und eine ungenügende Schutzausrüstung genannt.
Asiatische Kampfsportarten weisen generell eine sehr hohe lineare Beschleunigung bei Fußtritten auf, die bis zu fünffach höher als jene bei Faustschlägen im Boxsport sein kann. Die kumulative Verletzungshäufigkeit bei allen asiatischen Kampfsportarten beträgt 41,8 % für die unteren Extremitäten, 28,0 % für die oberen Extremitäten, 15,0 % für Rumpf/Thorax/Wirbelsäule, 10,0 % für Kopf/Hals und 4,7 % für die restlichen Körperteile.
Laut Altarriba-Bartes et al, die 48 Elite-Taekwondo-Athleten über zwei Olympiazyklen hinweg begleiteten, muss ein Hochleistungswettkämpfer mit vier bis fünf Verletzungen pro Jahr rechnen, wobei hauptsächlich die unteren Extremitäten betroffen sind.
