Die Geschichte von Karat und dem Album "Schwanenkönig"

Karat ist ohne Frage ein Schwergewicht im Ostrock. Die Rockgruppe KARAT, 1975 in Berlin gegründet, zählt zu den erfolgreichsten der ehemaligen DDR und ist bis heute eine der angesagtesten Bands Deutschlands.

Als Namen für die Band wählten die Gründungsmitglieder den Markennamen Karat, der in der DDR für hochwertige Wein- und Sektgläser bekannt war. Am 29. September 1980 schaffen es Karat mit ihrem Album “Schwanenkönig” in die Deutschen Album-Charts.

Die frühen Jahre und der Durchbruch

Die Gründungsmitglieder von Karat waren der Keyboarder und Cellist Ulrich Swillms, der Sänger und Bassgitarrist Henning Protzmann und Herbert Dreilich, ebenfalls Sänger und Gitarrist. Die drei Musiker kannten sich aus der gemeinsamen Zeit in der Band Panda Rhei, die die Sängerin Veronika Fischer begleitete. Mit anderen Künstlern spielten die drei Gründungsmitglieder unter dem Namen Karat beim Rundfunk der DDR verschiedene Aufnahmen ein, mit denen sie bei den Hörern gut ankamen. Im Juli 1976 formierte sich die Stammbesetzung von Karat: Der Gitarrist Ulrich Pexa, der Schlagzeuger Konrad Burkert und der Sänger Hans-Joachim Neumann, der bereits bei den Rundfunkaufnahmen mitgewirkt hatte, stießen hinzu. Neumann floh 1983 in die BRD. Herbert Dreilich etablierte sich als Leadsänger und prägte den Sound von Karat.

Das erste Album der Musiker trug den Titel „Karat“. Im Jahr 1979 folgte „Über sieben Brücken“ mit dem Hit „Über sieben Brücken musst du gehen“. Allein in der DDR wurden bis zur Wende 1989 rund 750.000 Exemplare des Titels verkauft. Sie erreichte 1978 mit dem Titel „Über sieben Brücken mußt du gehn“ einen internationalen Hit.

Wegen ihrer Erfolge durfte die Band ab 1979 auch "im Westen" auftreten und räumte hier ebenso ab: Für das Album "Der blaue Planet" gab es eine Goldene Schallplatte, ihr Konzert 1982 in der Berliner Waldbühne war ausverkauft, und sie waren als einzige Ost-Band zu Gast bei "Wetten, dass …?". Mehrere ihrer Alben erschienen sowohl bei Amiga in der DDR als auch bei Teldec in der Bundesrepublik. Im Westen war zuvor schon die Plattenfirma Teldec auf die Band aufmerksam geworden. „Albatros“ und „Der blaue Planet“ wurden in der Bundesrepublik zu Erfolgstiteln. Mit „Der Blaue Planet“ schaffte es Karat sogar auf Platz sieben der westdeutschen LP-Charts.

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"Schwanenkönig": Ein lyrisches Meisterwerk

Nach einer Tour durch viele Länder stellte sie 1980 ihr neues, lyrisches Album „Schwanenkönig“ vor, das zeitgleich in Ost- und Westdeutschland veröffentlicht wurde.

Der Schwanenkönig ist sehr faszinierend und besticht durch seine wohlklingenden Melodien und liedhaften Texte. Für mich ist die Platte auch nach 35 Jahren das Highlight deutsch-demokratischer Musik. Und für Karat bedeutete die Scheibe die endgültige Verschlüsselung der Texte. Begonnen wird die Platte mit „Tanz mit der Sphinx“, was wie ein typischer Opener daher kommt. Michael Schwandt spielt maschinenartig sein Schlagzeug zu ungewöhnlichen Klangteppichen. Wie kryptisch Karat auf der Platte sind, hört man schon an diesem Lied.

Der „Mitternachts-Blues“ kommt dann als astreiner Reggae daher. Die Rede ist vom Paradies, aus dem er in seinem alten Frack heraus streicht. Nun ja, man kann schon sagen, dass es um einen Stammgast bei einer Prostituierten handelt. Und er ist dort immer, bis der neue Tag schon kommt. Und so weiter und so fort. Wunderbar ist das sphärische Lied „Magisches Licht“ - für mich eins der besten Lieder von Karat überhaupt. Das Lied baut sich ganz gewaltig auf und behält eine besondere Spannung. Das magische Licht ist der Regenbogen, der einen durch die dunkelste Nacht bringt und einen Torweg zu den Kindertagen schlägt.

„Der Boxer“ ist dann wieder ein komplett anderes Stück, ein schneller Blues. Er war als Kind der Depp, aber er hat niemals aufgegeben und hat sich seinen Gegnern gestellt. Und so ist er Boxer geworden und hat so die „Schatten“ besiegt. Der erste Teil vom „Schwanenkönig“ wird beendet mit dem verspielten „Le Doyen I„. Hierbei handelt es sich um eine musikalische Erinnerung an Paris. Eine wunderbar verträumte Melodie, wie ich finde.

„Das Narrenschiff“ ist dann wieder so eine typische Rocknummer, die wirklich unheimlich gut gelungen ist. Es wird Kritik an menschlichen Lastern und an der Politik geäußert. Natürlich konnte so etwas nicht klar und deutlich geschehen, sondern nur kryptisch, wie das gesamte Album. Dann machen wir uns auf zu Neptun und Poseidon und hören uns die „Tiefsee“ an. Im Alltag gehen Bilder verloren, und diese müssen gezeigt werden. Nur nicht zu oberflächlich werden, lieber tiefgründig sein. Mit der „Großstadt“ kommt eine waschechte Rocknummer daher. Er ist neu in der Stadt, hat noch keine Freunde und weiß nicht wohin. So geht es wohl jedem, der aus der Provinz in die große Stadt zieht. Und dann hören wir das Titelstück „Schwanenkönig“.

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Das lyrische Thema des Schwans, der in Liebe stirbt, ist das bekannteste von Karat. Auch hier geht die Wurzel wie beim „Narrenschiff“ wieder weit in die Vergangenheit zurück, denn Karat greifen eine Fabel von Leonardo da Vinci auf. So wunderbar das Lied auch ist, es kämpft leider mit einem Überschwang an Kitsch. Mit „Le Doyen II“ wird das Album abgeschlossen. Getragen von der Melancholie des Herbstes wird über die Begegnung mit dem vorüber gegangenen Sommer erzählt.

Nein, der „Schwanenkönig“ ist keineswegs die Erfindung des Folkrocks. Die Spielweise als Mischung aus Hard- und Art-Rock macht es aus. Teilweise haben es die Texter Norbert Kaiser und Herbert Dreilich auch gnadenlos übertrieben mit Kitsch und blumigen Worten. Aber dieses Album ergibt irgendwie die passende Mischung aus Text und Musik, und auch die Zusammenstellung der Lieder ist irgendwie passend. Die gelungensten Lieder auf dem Album sind in meinen Ohren „Magisches Licht“, „Das Narrenschiff“, „Tiefsee“ und „Le Doyen II“. Der „Schwanenkönig“ an sich ist mir einen Tick zu dick aufgetragen.

Das Album ist eine Mischung aus Elektrogitarren-Rock und Synthesizer/Elektro-Pop. Das Lied „Schwanenkönig“ ist eine Anspielung auf die aus dem Ballett stammende Symbolik des sterbenden Schwans, ein Symbol für ein Sterben in Anmut. Und die Platte insgesamt ist wohl ziemlich die erfolgreichste, die in der DDR erschien.

Weitere Erfolge und die Zeit nach der Wende

Zwei Jahre später, 1984, veröffentlicht die Band das Album „Die sieben Wunder der Welt“, konnte damit aber nicht den ganz großen Erfolg wiederholen. Das erste Live-Album „Auf dem Weg zu euch“ erschien 1985 zum zehnjährigen Jubiläum. Die ersten Veröffentlichungen nach der Wende fanden nicht mehr den großen Anklang beim Publikum. Erst mit dem Album „Die geschenkte Stunde“ aus dem Jahr 1997 konnte Karat wieder an frühere Erfolge anknüpfen.

Im Jahr der politischen Wende 1989 gelang ihnen mit der zusammen mit Peter Maffay als Duett aufgenommenen Version von "Über sieben Brücken musst du gehn" nochmal ein Riesenerfolg, bevor es auch um Karat still wurde. Bis Ende der 90er-Jahre kämpfte sich die Band zurück, konnte aber nie ganz an frühere Erfolge anknüpfen.

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Nach dem frühen Tod von Sänger Herbert Dreilich 2004 war es ein Glücksfall, dass dessen Sohn Claudius eine nahezu identische Stimme besitzt und 2005 an die Stelle seines Vaters trat. Nach dem Tod des Leadsängers Herbert Dreilich übernahm 2005 dessen Sohn Claudius Dreilich dessen Part, mit fast identischer Stimme seines verstorbenen Vaters.

Insgesamt sind bis heute 15 Studio-Alben erschienen, sieben davon in der DDR. Aus dieser Fülle von Songs eine Auswahl zu treffen, ist schwierig: Musikalisch hat die Band mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen - sicher auch beeinflusst von der über die Jahre immer mal wieder wechselnden Besetzung. Typisch für Karat sind Keyboards, satter Gitarrensound und kraftvolle Drums, die Texte sind berührend poetisch, manchmal philosophisch, auch politisch und manchmal auch von überraschender Leichtigkeit.

Auszeichnungen und soziales Engagement

Die Band hat während der bis heute andauernden Karriere zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem 1979 den „Kunstpreis der DDR“, „Die Goldene Europa“ und einen „Goldenen Bong“.

Auch im sozialen Bereich ist die Band aktiv und hilft, Licht in Schatten zu verwandeln. So unterstützen die Musiker zum Beispiel seit Jahren mit Benefizaktionen die private Initiative „Kinderhilfe Afghanistan“ einer Regensburger Familie.

Bandmitglieder im Wandel der Zeit

Gründungsmitglied Ulrich Pexa und Schlagzeuger Konrad Burkert verließen die Band bereits 1976. Ein Jahr später folgte ihnen Hans-Joachim Neumann. Bassist Henning Protzmann stieg 1986 aus. Die weiteren aktuellen Bandmitglieder sind Bernd Römer (Gitarre) und Christian Liebig (Bassgitarre). Am Schlagzeug sitzt Michael Schwandt.

2025 feiert die Berliner Band ihr 50-jähriges Bestehen. Seit ihrem Raketenstart 1975 gehört Karat („Über sieben Brücken“) zu den prägendsten Bands Ostdeutschlands.

„Licht und Schatten“ heißt nicht nur ein Album von Karat. So könnte auch die wechselvolle Karriere der Band umschrieben werden. In Zusammenarbeit mit dem Philharmonischen Orchester Kiel entstand 2013 das Live-Album „Symphonie“.