Der Podcast-Host Joe Rogan ist Moderator, Comedian und Entertainer.
Seine Karriere begann als Kommentator bei Mixed-Martial-Arts-Kämpfen. Hierzulande ist Joe Rogan weniger bekannt.
Sein umstrittener Podcast wird weltweit jedoch als einer der bekanntesten gehandelt, Spotify listet ihn als meistgehörtesten Podcast des Sommers 2021. Etwa 200 Millionen Menschen hören sich Rogans Podcast monatlich an.
Der Kampfsport «Mixed Martial Arts» ist ein Milliardengeschäft geworden. Und zur halboffiziellen Sportart von Trumps MAGA-Bewegung.
«Mixed Martial Arts» nennt sich die Mischung aus Kickboxen, Ringen oder asiatischer Kampfkunst, die an diesem Samstagabend geboten wird.
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Mit viel Show laufen die Kämpfer ein: eindrückliche Athleten mit durchtrainierten, tätowierten Körpern.
Die Kämpfer tragen Shorts, einen Mundschutz und leichte fingerlose Handschuhe. Diese Kämpfe seien viel gewalttätiger als Boxkämpfe, sagt ein älterer Fan.
Die UFC-Kämpfe sind zum Milliardengeschäft geworden. Die vielen Kampfevents finden in grossen Städten statt: in Las Vegas, wo die UFC ihr Hauptquartier hat, oder in New York.
Dieser Erfolg hat viel mit UFC-Chef Dana White zu tun. Er hat die MMA-Kämpfe, die einst in vielen Bundesstaaten verboten waren, zum Erfolg geführt.
Starthilfe erhielt Dana White von Donald Trump. Etwa um die Jahrtausendwende bot Trump dem Kampfspektakel eine grosse Bühne - in einem seiner Casino-Hotels.
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Zwischen Dana White und Trump entstand eine Freundschaft und eine Art Allianz. Und dass White während der Covid-19-Pandemie UFC-Veranstaltungen organisierte, machte ihn zu einem Helden der Trump-Anhänger.
White wählte Worte, die die UFC-Fans verstehen: «Mein Geschäft dreht sich um harte Kerle - und Trump ist das härteste, widerstandsfähigste menschliche Wesen, das ich je getroffen habe», rief White ins Mikrofon.
Als ob sie selbst UFC-Kämpfer wären, liefen Trump und White Seite an Seite in den berühmten New Yorker «Madison Square Garden» ein, unter dem tosenden Applaus der UFC-Fans.
Die UFC ist Teil eines grösseren Universums: Es besteht aus rechten Influencern oder Podcasts, mit denen sich junge Männer informieren - und in denen teils eine harte, dominante Männlichkeit zelebriert wird.
Die «Joe Rogan Experience» hat ein Millionenpublikum, und Donald Trump liess sich vor der Wahl von Rogan interviewen.
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Kontroversen und Kritik an Joe Rogan
Schon vor dem eingangs erwähnten Brief geriet Rogan immer wieder in die Kritik. Denn in seinem Podcast äusserten er und seine Gäste sich immer wieder rassistisch und transphob, wie hier im März 2021. Mit seinem Gast Jordan Peterson tauschte er sich in einer Weise über Hautfarben aus, die als rassistisch kritisiert wurde.
Auslöser für den jetzigen Spotify-Eklat ist die Folge 1757, in dem Rogan Dr. Robert Malone als Gast einlud. Malone ist ein ehemaliger Virologe, der mit seinen Aussagen zur Impfung zum Liebling der Verschwörungstheoretiker wurde.
Im Brief wurde vor allem der Podcast des populären US-Moderators Joe Rogan kritisiert. Dieser verbreite unbelegte Corona-Verschwörungstheorien an Spotifys Millionenpublikum, so die Anschuldigungen.
Der schwedische Streaming-Dienst Spotify hat sich in den vergangenen Tagen in einen Shitstorm manövriert.
Er forderte Spotify auf, den Podcast von Joe Rogan wegen Verharmlosung des Coronavirus sowie falschen Informationen zur Impfung zu entfernen. «Spotify ist zu einem Ort der potenziell tödlichen Desinformation über Covid geworden», schreibt er.
Spotify hat sich am 28. Januar gegen Neil Young und für den umstrittenen Podcast entschieden. Der Joe Rogan Experience Podcast (JRE) bleibt und mit ihm die Fehlinformationen bezüglich der Covid-19-Pandemie.
Rogan entschuldigte sich unterdessen in einem fast zehnminütigen Instagram-Video. Er räumt ein, dass er nicht alles richtig gemacht habe, und dass es ihm leid tue, Neil Young wütend gemacht zu haben. Er sei selbst ein Fan des Musikers.
Reaktionen und Folgen des Eklats
Nach dem Eklat zwischen Young und Spotify sind weitere Künstler mit Young mitgezogen. Brown, Mitchell und Lofgren wollen ihre Titel ebenfalls von Spotify entfernen, beziehungsweise keine neuen Podcasts mehr hochladen. Meghan und Harry äusserten Kritik, wollen dem Dienst aber noch treu bleiben.
In wenigen Tagen verlor die Spotify Aktie zwei Milliarden US-Dollar an Wert.
Am 30. Januar reagierte Spotify-Chef Daniel Ek auf die Kritik und die Geschehnisse und kündigte an, dass alle Beiträge zu Covid-19 bald mit einem technischen Hinweis versehen werden.
Im Blogpost kündete der Spotify-Chef weiter an, dass das Unternehmen Richtlinien für Urheber von Inhalten veröffentlicht hat. Dort ist ausgeführt, was als falsche, gefährliche und irreführende Informationen gilt.
Weiter schreibt Ek, er sehe sich in der Verantwortung, «um Ausgewogenheit zu schaffen und den Zugang zu Information zu geben, die von den medizinischen und wissenschaftlichen Gemeinschaften weitgehend akzeptiert werden».
Auf jeden Fall gibt es in diesem Spiel nur Verlierer: Spotify, die Künstler*innen sowie die zahlende Kundschaft, die ihre Lieblingsmusik nicht mehr auf der Plattform findet.
Die Person Joe Rogan
Joe Rogan ist der Typ Interviewer, der Elon Musk als Erstes auf seinen Flammenwerfer anspricht. Nicht auf Tesla, nicht auf Weltraum-Projekte, sondern auf den Flammenwerfer, den Elon Musks Firma «The Boring Company» 2018 verkaufte.
Edward Snowden und Miley Cyrus, Bernie Sanders und Kanye West, Matthew McConaughey und Quentin Tarantino kamen schon in Joe Rogans Studio. Immer hören Millionen zu.
Dem schwedischen Streaminganbieter war «The Joe Rogan Experience» Schätzungen zufolge 100 Millionen US-Dollar wert, was Rogan zu einem der bestbezahlten Entertainer der Welt macht.
Seinen Fans versprach er, dass der Umzug seines Podcasts auf Spotify ihn nicht angepasster machen würde.
Der Mann, der Spotify gute Zahlen und schlechte PR bringt, startete in den späten Achtzigerjahren als Stand-Up-Comedian. Schauspielerte und wurde später Kommentator und Interviewer für die UFC, die amerikanische Mixed-Martial-Arts-Organisation.
2009 startete der heute 54-Jährige seinen Podcast, lange, sehr lange bevor die zum Trend wurden, was vermutlich schon ein Teil des Erfolgsgeheimnisses ist. Rogan war schon fast zehn Jahre vor dem Hype da - und er hörte nie auf.
Die Gäste kamen von Anfang an aus den unterschiedlichsten Bereichen, für die Joe Rogan sich interessiert. Politik, Comedy, Philosophie, Kampfsport. Wiederkehrende Themen: psychedelische Drogen und Muskelaufbau. Ein bisschen Blödsinn, ein bisschen intellektuelle Forderung, Hauptsache ohne Filter.
Rogan, glatzköpfig, bullig, und von Kryptowährungen bis Quantenphysik divers interessiert, Jiu-Jitsu-Kämpfer und Hobbyjäger, vertritt eine bestimmte Form der Männlichkeit, die gleichzeitig traditionell und modern ist.
Ein wiederkehrender Star-Gast ist der kanadische Psychologe und Bestseller-Autor Jordan Peterson, der durch seine Kritik an Genderpolitik zur kontroversen Figur wurde.
Er ist für Cannabis-Legaliserung und gegen Massentierhaltung. Für Corona-Impfungen - zumindest, nachdem er zunächst behauptet hatte, dass junge Menschen sich nicht impfen lassen müssten - und gegen Impfpässe.
Heute hat Joe Rogan für einen, der mit seinem Podcast ursprünglich mal «einfach nur Blödsinn» vor einem Mikro machen wollte, und der das übrigens nicht selten unter dem Einfluss von Whiskey oder Marihuana tut, unfassbare Macht.
MMA und Politik
MMA steht für Mixed Martial Arts, eine Kombination aller gängigen Kampfkünste. Es ist die brutalste aller Kampfsportarten - und sie fasziniert die Massen.
Die UFC hat einen bekannten Präsidenten: Dana White, früher Aerobic-Trainer, später Manager der ersten MMA-Profis, heute Multimillionär und gut vernetzt bis nach ganz oben. Denn der wahre Schirmherr der UFC ist ein noch viel bekannterer Präsident: Donald Trump.
Im 20. Jahrhundert kam unter den Kampfsportarten eine Mischung aus Boxen, Kicken und Ringen auf, Würgen und Würfe waren erlaubt, auch Tritte und Schläge am Boden. «Vale tudo», alles zählt, nannten es die Brasilianer, von den «mixed martial arts» sprachen die Amerikaner.
Die zunächst so umstrittene UFC wird zur grössten Kampfsportserie der Welt und ist auf den neuen Medien bei einem jungen männlichen Publikum präsent.
Auch der Podcaster und Comedian Joe Rogan wurde durch seine Tätigkeit als Kommentator für die UFC bekannt.
Während sich Trump die UFC zunutze macht, lässt sich der russische Präsident Wladimir Putin gerne mit den besten MMA-Kämpfern des Landes blicken - und nutzt die Sportart zur Inszenierung Russlands als Staat des starken Mannes, der Vaterland und Familie beschützt.
