Judo zur Selbstverteidigung: Techniken und Anwendungen

Die Judo-Selbstverteidigung (SV) ergänzt den Judosport als dritte Säule neben dem Wettkampf und der Kata. Ziel sind effektive und realistische Bewegungen, in der sich Tradition und Moderne ergänzen.

Grundlagen der Judo-Selbstverteidigung

Die Ausgangssituationen basieren in der Judo-SV auf realen Bedrohungssituationen. Dahingegen bewegen sich Kampfsportler*innen im Judo-Wettkampf in einem festgelegten Regelwerk. Die Judo-Kata ist im Wortsinn: Form, Stil, Muster. Speziell in den japanischen Kampfkünsten sind festgelegte „Formen“ wichtige Hilfsmittel, um die überlieferten Techniken und Prinzipien der jeweiligen Kampfkunst üben zu können und diese im Bewegungsgedächtnis zu archivieren. Es sind festgelegte Abfolgen von Techniken, die in der Regel mit einem/r Partner*in geübt und trainiert werden.

In der SV gilt jedoch: „Anders als im regulären Training, weiß man bei realistischen Angriffen vorher nicht, was genau für ein Angriff kommt!“ Das „Opfer“ will schnellstmöglich den Tatort verlassen, bzw.

Judo-SV als Prüfungsgegenstand

Unter diesem Motto ist die Selbstverteidigung optionaler Prüfungsgegenstand für Graduierungen. In der neuen Graduierungsordnung des Deutschen Judo-Bunds kann die Judo-SV ab dem 1. Kyu (erst ab dem vollendeten 16. Lebensjahr) und in der Dan-Ausbildung als individueller Schwerpunkt herausgearbeitet werden.

Training und Lehrgänge

Trainieren können Judoka Techniken und Verteidigungen gegen verschiedenste Arten von Angriffen natürlich schon früher - der Einbau der vielfältigen Inhalte ins Training bietet sich für SV-Interessierte daher besonders an. Ein Kompetenzteam um den Selbstverteidigungsreferenten Frank Lambrecht bietet deshalb regelmäßig Lehrgänge an und steht Vereinen darüber hinaus für „Inhouse-Lehrgänge zur Verfügung.

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Die Effektivität von Judo in der Selbstverteidigung

Das Judo nicht als Selbstverteidigung zu gebrauchen ist, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Judo ist sehr wohl zu gebrauchen, man kann weitaus mehr machen als seinen Gegner nur zu werfen. Wenn ich mich verteidigen müsste, würde ich auch zuschlagen (Handkante, Faust, Knie, usw.). Das sollte man aber trainieren sonst geht das Ganze schnell in die Hose. Desweiteren kann man stets (Handgelenk-)Hebel anbringen. ...falls du den gegnerischen Arm erwischt. Meistens wird er nach dem Schlag schnell zurückgezogen.

Im Grunde enden doch alle Prügeleien in Rangeleien. Schon deine Absicht an den Gegner rankommen zu wollen, wird ihn ggf. irritieren... Sieh es mal so: jemand, der Judo kann, ist in einer SV Situation besser dran als jemand, der keinen Kampfsport macht.

Auf der Strasse herrschen andere Gepflogenheiten als im Dojo. Beispiel: Du hast deinen Gegner im Boden und hältst ihn. Was machst du wenn der andere dich dann kneift, in die Augen sticht, dir in die Genitalien greift usw. Ein Tritt von ihm gegen dein Knie oder die Knieinnenseite oder zwischen die Beine blitzschnell ausgeführt. Weiter kommst du nicht, wenn du nicht gerade schmerzresistend bist.

Ich bleibe dabei. Du darfst nicht davon ausgehen, dass der Judoka auch nur bei seinem Judo bleibt. Es ist also besser, keine Judoerfahrung zu haben? Bisher sagte ich doch immer nur was von einem untrainierten und einem Judoka. Es sei denn natürlich, dass du zu denen gehörst, die in der Lage sind, das Gelernte effektiv umzusetzen. Aber man kann es meiner Meinung nach nicht verallgemeinern.

Wenn du etwas nicht kannst oder nicht verstanden hast, kannst du es auch nicht effektiv einsetzen. Es kann auch mal sein, dass ein angetrunkener Typ plötzlich auf dich losgeht, so dass du z.B. gar nicht mehr losspurten kannst. Wenn ein Orangegurt so einen Kerl plötzlich an seiner Seite zu hängen hat, ist ein schöner Wurf schon aus "Reflex" heraus gar nicht so unmöglich.

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Judo funktioniert. Woher ich das weiß:eigene Erfahrung - Wettkampfsportler seit 6. Ich bewerte es als eine der besseren Kampfkünste zur Selbstverteidigung. Von allen Grapplingkampfkünsten hat Judo den stärksten Fokus auf den Standkampf was zur SV durchaus nützlich ist. Der größte Nachteil vom Judo in der Selbstverteidigung ist allerdings das überhaupt keine Schläge und Tritte trainiert werden-und dementsprechend auch keine effektive Verteidigung gegen diese.

Wie bei jeder Art von SV/Kampfsport ist es nur so gut wie der, der es ausübt. Ich habe einmal einen Judoka gesehen der es mit 4 Typen gleichzeitig aufgenommen hat und die Lage komplett beherrscht hat.Es ist also immer abhängig was der Eine oder Andere kann und es umsetzt.Solltest Du dich für eine Kampfsportart interessieren, dann geh zu einem Probetraining. Gefällt es Dir bleib da, wenn nicht geh zu einem anderen Stil. Dort wo Du dich wohlfühlst, wo Du Spaß hast, dort wirst Du das meiste lernen!

Das Problem ist, dass Judo eine Kampfsportart ist. Heißt, der Kampf findet unter bestimmten Regeln statt, die Techniken erfordern bestimmte regelkonforme Aktionen des Gegners. Wenn du je in eine Schlägerei verwickelt warst, weißt du wie wenig hier nach Regeln gekämpft wird. Deshalb sind Krav Maga und MMA hier so effektiv. Sie setzen sich mit realistichen Szenarien auseinander und vermitteln eine einfach zu erlernende Wirkung auf den Gegner.

Unter Stress kann man nur extrem gut und hart eintrainierte Bewegungsabläufe abrufen und die müssen umso besser sitzen, je bedrohlicher die Situation ist. Judo, Karate, Aikido usw. bedürfen unglaublich langer und intensiver Trainings um das alles mal rein zu bekommen. Mit Selbstverteidigungstechniken die auf Selbstverteidigung auch abzielen schickst du den Gegner in bestimmten Szenarien schon nach ein paar Trainingsstunden auf die Matte.

Es ist keine Kampfkunst. Eine Kampfkunst kennt keinen Wettkampf. Aikido ist eine Kampfkunst, Judo ist ein Kampfsport. Ein wichtiger und entscheidender Unterschied, wenn es um Selbstverteidigung geht. Selbst Kickboxen ist einem regelkonform ausgebilden Judoka haushoch überlegen. Also gegen Jemand, der damit gar nicht rechnet, ist das schon sehr hilfreich. Hat allerdings nicht den nötigen Kick, den man dann vielleicht dann doch braucht. Auf jeden Fall ist es aber besser als gar nichts.

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Ausbildung und Fortbildung im DJB

Seit 2006 bietet der Deutsche Judo-Bund (DJB) auf der zweiten Lizenzebene (Trainer-B Breitensport) eine 60-stündige Ausbildung zum SV Lehrer an. Hier werden bereits lizenzierte Trainer weiterqualifiziert, um das immer größer werdende Interesse an Selbstverteidigungstechniken vermitteln zu können.

2011 wurde das Kyu- und Danprüfungsprogramm für Jugendliche und Erwachsene um alternative SV-Wahlmöglichkeiten ergänzt.

Der DJB bietet die Möglichkeit der Teilnahme auch nichtlizenzierter Judoka an den Ausbildungsmodulen und Fortbildungslehrgängen der Selbstverteidigung. Beauftragter für den Bereich der SV-Aus- und Fortbildung ist Prof. Dr. Dr.