Judo Weltrangliste Herren: Ein Überblick

Die Judo-Welt ist ständig in Bewegung, und die Weltrangliste der Herren ist ein wichtiger Gradmesser für die Leistungsfähigkeit der Athleten. Dieser Artikel bietet einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, wichtige Wettkämpfe und die Positionen deutscher Judoka im internationalen Vergleich.

Aktuelle Entwicklungen und Wettkämpfe

Die Weltmeisterschaften im Judo sind ein Highlight des Jahres und bieten den Athleten die Möglichkeit, sich in der Weltrangliste zu verbessern. Die Weltmeisterschaften gehen vom 7. bis zum 13. Mai in Doha über die Bühne. 93 Länder aus fünf Kontinenten haben sich für die WM in Doha angemeldet, bei der die Wettkämpfe mit insgesamt 610 Athleten stattfinden werden.

Im Vorfeld der Weltmeisterschaften pflegen die Athleten, sich vor wichtigen Titelkämpfen im Training regelrecht abzuschotten. Viele Top-Kämpferinnen und Kämpfer hatten sich in internationalen Trainingscamps zusammengefunden, etwa im tschechischen Nymburg, im ungarischen Camp oder zuletzt im hiesigen Kienbaum.

Insgesamt werden in Doha Preisgelder in Höhe von rund 800.000 Euro ausgeschüttet. Die Goldmedaille in jedem Einzelwettbewerb wird mit 26.000 Euro belohnt, wobei 5.200 Euro davon an den jeweiligen Trainer geht. Für Silber gibt es 15.000, für Bronze 8.000 Euro.

Für das Abschneiden der Athleten wird viel von der Auslosung abhängen, die am 6. Mai unter Aufsicht der International Judo Federation (IJF) ansteht. Bei den Einzelwettbewerben gehen für den DJB neun Männer in sämtlichen Gewichtsklassen an den Start.

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Deutsche Judoka im Fokus

Schaut man sich die aktuellen Judo-Weltranglisten an, so dürften die größten Medaillen-Hoffnungen des DJB fraglos auf Anna-Maria Wagner vom KJC Ravensburg ruhen. Ihre aktuelle Top-Verfassung hatte sie Ende März mit ihrem Sieg beim Grand Slam-Turnier in Tbilisi nachdrücklich unter Beweis gestellt. Auch Wagner selbst sah sich nach diesem Triumph für die Weltmeisterschaft als bestens gerüstet.

Auch Wagners dritter Platz auf der aktuellen IJF-Weltrangliste in der Klasse bis 78 Kilogramm lässt für Doha einiges erwarten. Und dass sie über das nötige Potenzial für einen WM-Sieg verfügt, hatte sie bereits 2021 bei der WM in Budapest nachweisen können.

Neben Anna-Maria Wagner gibt es noch einige weitere Athletinnen, denen dank guter vorderer Platzierungen in der aktuellen Weltrangliste durchaus der Sprung auf das Podest zugetraut werden kann. Miriam Butkereit von der SV Halle belegt den achten Rang in der Klasse bis 70 Kilogramm.

Bei den deutschen Herren sieht es mit Blick auf die Weltrangliste schon deutlich schlechter aus. Am besten konnte sich noch Eduard Trippel vom JC Rüsselsheim in Stellung bringen - mit dem zwölften Platz in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm.

Erfolge und Nominierungen für Olympia 2024

Die Olympischen Spiele 2024 in Paris werfen ihre Schatten voraus. Im Rahmen von noch bevorstehenden Qualifikationsevents können sich weitere Sportler*innen noch bis zum 30. Juni 2024 für die Spiele in Paris qualifizieren. Am 14. Mai und 4. Juni fanden die ersten Nominierungssitzungen des DOSB statt. Damit stehen bereits 66 Athlet*innen für das Team Deutschland fest.

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Im Judo haben sich sieben von 14 deutschen Judoka für die Olympischen Spiele qualifiziert. In den verschiedenen Gewichtsklassen haben sich bisher zwei Männer und fünf Frauen offiziell qualifiziert. Die DJB-Judoka werden im Rahmen der nächsten Nominierungssitzungen des DOSB bekannt gegeben. Am 23. Juni schließt die Weltrangliste.

Die deutsche U21-Nationalmannschaft der Herren wird in Paris nicht antreten. Durch das Aus in der EM-Vorrunde verfehlte die Mannschaft eine mögliche Qualifikation.

Einzelne Athleten im Fokus

Anna-Maria Wagner

Anna-Maria Wagner hat sich beim Grand-Slam-Turnier im russischen Kasan in Olympia-Form gezeigt und die Goldmedaille gewonnen. Im Finale der Klasse bis 78 kg besiegte die Ravensburgerin Natascha Ausman aus den Niederlanden. Wagner gehört zum Olympiakader des Deutschen Judo-Bundes (DJB) und liegt in der Weltrangliste auf dem vierten Rang.

Eduard Trippel

Eduard Trippel verpasste knapp den Sieg: Der Rüsselsheimer verlor sein Finale in der Klasse bis 90 kg gegen den Japaner Sanshiro Murao und gewann Silber. Trippel kämpft noch um sein Olympia-Ticket, er liegt in der Weltrangliste seiner Klasse auf Rang 16.

Nikolai Kornhass

TVG Judoka Nikolai Kornhass gewinnt Gold bei den IBSA-European Championships 2019 der Sehgeschädigten in Genua (Italien). Im Finale der Gewichtsklasse bis 73kg setzte sich Niki mit einem starken Hüftwurf gegen Vasilii Kutuev aus Russland durch und wird Europameister 2019! Durch seine hervorragenden Siege bei den Qualifikationsturnieren zu den Paralympics 2020 in Tokio ist Nikolai zum weltbesten Para-Judoka in der Kategorie bis 73kg aufgestiegen und führt derzeit die Weltrangliste in dieser Gewichtsklasse an.

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Mathilda Niemeyer

Nach kurzer Vorbereitungszeit ging Mathilda Niemeyer, die Hattinger Judo-Kämpferin in Reihen des Bundesligisten Sport-Union Annen aus Witten, beim internationalen Turnier im belgischen Herstal auf die Matte. Bei den U-21-Juniorinnen belegte sie Rang zwei, bei den Frauen holte sie Gold. Vielleicht lag es auch daran, dass die 19-Jährige besondere Motivation erhielt, weil sie aktuell als Weltranglistenerste der U 21 geführt wird.

Bei den Europameisterschaften der U 21 belegte sie den Bronzerang, die Weltmeisterschaften in Tadschikistan schloss das Ausnahmetalent mit der Silbermedaille ab. Im Finale in Belgien gewinnt Hattingerin Niemeyer gegen eine Französin.

Favoriten bei Weltmeisterschaften

Bei den Herren werden Judo-Weltmeisterschaften schon jährlich (mit Ausnahme von Olympia-Jahren) seit 1956 ausgetragen. Hier eine Übersicht der Favoriten in den verschiedenen Gewichtsklassen:

  • Bis 60 Kilogramm: Naohisa Takato (Japan), Yang Yung-wei (Taiwan)
  • Bis 66 Kilogramm: Hifumi Abe (Japan), Joshiro Maruyama (Japan)
  • Bis 73 Kilogramm: Soichi Hashimoto (Japan), Lascha Schawdatuaschwili (Georgien)
  • Bis 81 Kilogramm: Tato Grigalaschwili (Georgien), Matthias Casse (Belgien)
  • Bis 90 Kilogramm: Davlat Bobonov (Usbekistan), Luka Maisuradse (Georgien)
  • Über 100 Kilogramm: Andy Granda (Kuba), Tatsuru Saito (Japan), Teddy Riner (Frankreich)

Bei den Damen sind folgende Athletinnen als Favoritinnen zu nennen:

  • Bis 48 Kilogramm: Natsumi Tsunoda (Japan), Shirine Boukli (Frankreich)
  • Bis 52 Kilogramm: Uta Abe (Japan), Distria Krasniqi (Kosovo)
  • Bis 57 Kilogramm: Rafaela Silva (Brasilien), Haruka Funakubo (Japan)
  • Bis 70 Kilogramm: Barbara Matić (Kroatien), Saki Niizoe (Japan)
  • Bis 78 Kilogramm: Anna-Maria Wagner (Deutschland), Alice Bellandi (Italien)