Das Judo ist eine traditionsreiche Kampfsportart, die nicht nur Techniken zur Selbstverteidigung vermittelt, sondern auch eine Vielzahl an Werten und Ritualen in sich trägt. Eines dieser wichtigen Rituale ist das Binden des Judo Gürtels, auch Obi genannt. Dieser Gürtel ist nicht nur ein einfaches Kleidungsstück, sondern symbolisiert den Fortschritt und die Entwicklung des Judoka auf seinem Weg zur Meisterschaft.
Der Judo Gürtel besteht aus robustem Baumwollstoff und kommt in verschiedenen Farben, die die Graduierung des Judoka anzeigen. Jeder Gürtel repräsentiert einen bestimmten Kenntnisstand und eine Leistungsstufe, beginnend mit dem weißen Gürtel für Anfänger bis hin zum schwarzen Gürtel für fortgeschrittene Dan-Träger.
Die Geschichte des Judogürtels
Die Geschichte des Judogürtels reicht zurück bis ins Jahr 1883, als Jigoro Kano, der Begründer des Judo, das System der Farbkodierung einführte, um den Fortschritt der Schüler zu markieren. Dr. Jigoro Kano setzte 1883 als erster ein Rangsystem in seiner Schule, dem Kodokan, ein. Ursprünglich trugen die Kämpfer nur schwarze und weise Gürtel (Obi). Diese dienten dazu, den Kampfanzug (Dōgi/Budōgi) zusammen zu halten.
Erst der Begründer des Judo, Kanō Jigorō führte ab 1880 weitere Farben ein, als sich die Kampfkünste zum Kampfsport (Budosport) entwickelten. Die Schüler trainierten nun nicht mehr nur in Kleingruppen persönlich bei "Ihrem" Meister, sondern in größeren Gemeinschaften. Getragen wurde: weis, braun, gelb und blau. Anhand der farbigen Gürtel konnte der Meister einfacher den Überblick behalten und die Schüler entsprechenden Untergruppen zuordnen.
Zunächst gab es nur die Farben Gelb, Orange, Grün, Blau, Braun und Schwarz. Die Bedeutung der Farben variiert je nach Land und Verband. In Japan sind die Farben Weiß, Gelb, Orange, Grün, Blau, Braun und Schwarz gebräuchlich. Weiß steht dabei für den Anfängergrad, Schwarz für den höchsten Grad. In Europa und Amerika werden zusätzlich noch Zwischenstufen wie z.B. weiß-gelb, gelb-orange usw. verwendet.
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Die Funktionen des Gürtels
Beim Kampfsport gibt es drei generelle Funktionen des Gürtels. Die erste und banalste ist das Zusammenhalten der Anzugjacke. Dazu wird bei den meisten Kampfsportarten der Gürtel mehrfach um die Hüfte gewickelt und mit einem speziellen Knoten (jap. Musubi) geschlossen.
Die zweite Bedeutung des Gürtels besteht in seiner Farbe als Sinnbild der Qualifikation. Von „heller“ zu „dunkler“ nimmt die Erfahrung, das bisher erworbene Wissen des Trägers zu. Je dunkler ein Gürtel ist, desto qualifizierter also der Kämpfer. Die Anzahl der Farben variiert dabei mitunter sehr stark.
Die dritte Funktion des Obi kommt nur bei ausgewählten Kampfsportarten zum Tragen. Er dient in diesem Falle noch zur Aufnahme des Schwertes. Da das im Judo nicht der Fall ist, möchten wir hier auch nicht näher darauf eingehen.
Die Schülergrade (Kyū)
Seit 1895 wurden 6 Schülergrade (Kyū) vergeben, wobei 6. der Niedrigste, und 1. der Höchste war. Später wurden hier bei uns im "Westen" weitere Farben hinzugefügt, vor allem um die langen Wartezeiten zur nächsten Prüfung gerade für Kinder zu verkürzen und überschaubar zu machen. Je nach Kampfkunst gibt es eine unterschiedliche Anzahl von Schülergraden: beim Aikido, Kobudu und Jiu Jitsu sind es z.B. 6 Kyū`s. Beim Judo, Karate und anderen 9. Meist finden 5 verschiedene Farben Verwendung.
In Deutschland sind folgende Grundfarben für die Schülergrade (Kyu) bekannt:
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- weiß (9.Kyu)
- gelb (7.Kyu)
- orange (5.Kyu)
- grün (3.Kyu)
- blau (2.Kyu)
- braun (1.Kyu)
Um Prüfungen gerade in den ersten Jahren des Trainierens nicht unnötig zu erschweren hat man die Anzahl der Aufgaben zur Erlangung des nächsthöheren Gürtels verringert und die folgenden Zwischengraduierungen geschaffen, die durch zweifarbige Gürtel zu erkennen sind:
- weiß/gelb (8.Kyu)
- gelb/orange (6.Kyu)
- orange/grün (4.Kyu)
Die Meistergrade (Dan)
Mit der Erlangung des Meistergrades (Dan) wird der zu tragende Gürtel schwarz. Es gibt insgesamt 10 Meistergrade und nur bis zum 5.Dan bleibt der Gürtel schwarz. Träger des 6.-8.Dan sind an rot/weiß-gestreiften Gürteln zu erkennen, während ab dem 9.Dan ein roter Gürtel zu tragen ist. Die meisten Leute täuschen sich also, wenn sie den schwarzen Gürtel für den höchsten Gürtel halten.
Gürtel oberhalb des 5. DAN können nicht durch eine Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen. Heute können auch der 2.- 5. DAN verliehen werden. Zum 1. DAN führt nur eine Prüfung.
Eine höhere Graduierung wie der 10. DAN wird weltweit nicht vorkommen. Jigoro Kano hat keinen DAN im Judo. Aus japanischer Sicht hat niemand die Autorität ihm einen DAN-Grad zu verleihen, da niemand über ihm steht.
Die Bedeutung der einzelnen Gürtelfarben
Jede Gürtelfarbe im Judo hat ihre eigene symbolische Bedeutung und repräsentiert einen bestimmten Entwicklungsstand des Judoka.
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Weißer Gürtel
Der weiße Gürtel ist der Anfang aller Judo-Praktizierenden. Der weiße Gürtel ist der Anfangsrang für alle Judoka, unabhängig von Alter und Erfahrung. Er symbolisiert die Unschuld und Reinheit eines Anfängers, der das Potenzial hat, sich in die Welt des Judo zu entwickeln.
Weiß wie der Schnee, der das Land bedeckt. Die Unschuldigkeit und die Hoffnung des Anfangs. Der Schüler ist unwissend doch offen und wissbegierig. Alles ist ungewiss. Ruhe und Langsamkeit, statt Kraft und Schnelligkeit. Es fehlt noch das Gefühl für die Bewegungen. Wie der fruchtbare doch noch gefrorene Erdboden am Beginn des Frühlings, auf dem Wissen und Können gedeihen soll.
Gelber Gürtel
Der gelbe Gürtel (8. Kyu) repräsentiert die ersten Schritte der Entwicklung im Judo. Als Anfänger liegt der Schwerpunkt auf dem Erlernen der Grundtechniken, wie z.B. Fallen, Würfe und Haltegriffe. Die Judoka beginnen, ihre Bewegungen zu verfeinern und an ihren Grundfertigkeiten zu arbeiten.
Die Sonne scheint darauf. Der Schüler verliert seine anfängliche Scheu und fragt nach. Vergnügen und Freude an der Kampfkunst durch kleine Erfolge. Der Schüler sei gewarnt vor der Gefahr von Neid und Eifersucht auf höhere Schülergrade. Er befindet sich in einer aufgeregten Unruhe.
Oranger Gürtel
Mit dem orangefarbenen Gürtel (7. Kyu) zeigt sich eine gewisse Verbesserung der Techniken und eine Steigerung des Selbstvertrauens. Der orangefarbene Gürtel ist der nächsthöhere Rang und zeigt ein mittleres Fähigkeitsniveau an. Von Orangegurten wird erwartet, dass sie die Grundtechniken gut beherrschen und über ein gutes Maß an Fitness und Koordination verfügen.
Die Wärme der Sonne hat den Frost verjagt und den Boden fruchtbar gemacht. Der Same des bisherigen Unterrichts keimt, bleibt jedoch weiter unsichtbar. Bewegungen und Handlungsabläufe werden langsam vertraut, sie sind nicht mehr fremd und fühlen sich authentisch an. Der Schüler "taut auf" und versteht die Anweisungen des Meisters, scheut sich aber bisher das Gelernte vor allen zu zeigen.
Grüner Gürtel
Der grüne Gürtel (6. Kyu) symbolisiert eine sichtbare Beherrschung grundlegender Techniken und einen Reifungsprozess in Bezug auf Bewegung und Geisteshaltung. Der Grüngurt ist der nächste Rang und steht für ein fortgeschrittenes Niveau der Fertigkeiten. Von Grüngurten wird erwartet, dass sie alle Techniken beherrschen und über ein sehr gutes Maß an Kondition und Koordination verfügen.
Behält er seine Bereitschaft zur ständigen Erneuerung, werden "Aha-Erlebnisse" (Erleuchtungen) folgen.Er ist aktiv, dynamisch, vital und fröhlich aufgeregt. Manchmal neigt er zu Übermut. Er ist herausgefordert Mut und Stärke zu entwickeln und für sein weiteres Wachstum Zeit und die ihm innewohnende Energie zu investieren. Wenn ihm das gelingt, kann er sehr gute Leistungen vollbringen.
Blauer Gürtel
Der blaue Gürtel (5. Kyu) markiert einen bedeutenden Fortschritt im Judo. Der blaue Gürtel ist der nächsthöhere Rang und steht für ein hohes Maß an Können. Von Blaugurten wird erwartet, dass sie alle Techniken beherrschen und über ein sehr gutes Maß an Kondition und Koordination verfügen.
Der Schüler hat nun ein tieferes Verständnis und soll seine Fähigkeiten zeigen Höheres anzustreben und auch zu erreichen. Der Himmel ist seine Grenze. Die erlernten Techniken werden gut koordiniert und er ist solide in Stand und Haltung. Sein Selbstvertrauen ist (manchmal zu 😉) stark.
Brauner Gürtel
Die Braungurt-Grade (4. Kyu bis 1. Kyu) sind fortgeschrittene Stufen, die darauf hindeuten, dass der Judoka ein Experte auf seinem Gebiet ist. Der braune Gürtel ist der nächsthöhere Rang, der ein sehr hohes Niveau an Fähigkeiten anzeigt. Von Braungurten wird erwartet, dass sie alle Techniken beherrschen und über ein sehr gutes Maß an Fitness und Koordination verfügen.
Die Techniken sind gefestigt und der Schüler arbeitet selbständig. Sein Stand ist sicher. Braun ist Träger und Stoff des Lebens. Steht für Echtheit, Sicherheit, Festigkeit und Einfachheit. Das Äußere ist unwichtig geworden.
Schwarzer Gürtel
Der Schwarzgurt ist das ultimative Ziel eines jeden Judoka. Er symbolisiert Meisterschaft, Perfektion und Hingabe. Der schwarze Gürtel ist der höchste Rang im Gürtelsystem des Judo und zeigt die Beherrschung des Sports an. Von Schwarzgurten wird erwartet, dass sie alle Techniken beherrschen und über ein sehr gutes Maß an Fitness und Koordination verfügen.
Schwarz, die Farbe der Meisterschaft und des Weltalls, die alle Farben einschließt, dass Symbol für Wissen, Erfahrung und Autorität des Lehrers. Männlich und kraftvoll. Der Kämpfer hat das gesamte Licht / Wissen in sich aufgenommen. Das Ego tritt in den Hintergrund, es geht um die Sache an sich. Der Schüler hat seine Kunst, den Weg und vor allem sich Selbst gemeistert.
"Für mich ist der Schwarze Gürtel Auszeichnung und Last. Geschenk und Aufgabe. Die Verantwortung, außerhalb vom Dojo, ohne Gi und Obi, meisterlich zu Leben und zu Handeln. Das, was ich auf der Matte von meinen SchülerInnen erwarte, selbst zu tun. Steht für: Eleganz, Macht, Bedrohlichkeit, Würde, Exklusivität, Individualität, Nüchternheit, Sachlichkeit und Kompetenz.
Rot-weißer Gürtel
Rot und weiß sind seit Frühzeiten symbolträchtige Farben in der Geschichte Japans. Weiß bedeutet Tod, Trauer, Stille und Frieden - Rot steht für Leben, Energie, Kraft und Liebe. Die Clanfarben der bekanntesten Adelsgeschlechter waren weiß für die Miniamoto und rot für die Taira. In den Genpei-Kriegen im 12. Jahrhundert rieben sich diese Clans fast völlig auf und gaben wohl den Anstoß für den ewigen Zwist zwischen Rot und Weiß in der japanischen Kultur. Der Träger des rot-weißen Gürtels sollte aber über solche simplen Streitigkeiten erhaben sein und beide Pole in sich vereinen.
Allein die "roten Gurte" sind den Meistern ab dem 9. Dan und "rot-weiß" dem 6./7./8.Dan (bei manchen auch 10.Dan) vorbehalten.
Das Binden des Judo Gürtels
Das richtige Binden des Judo Gürtels ist nicht nur eine praktische Angelegenheit, sondern auch eine Gelegenheit, Achtsamkeit und Konzentration zu üben.
Die Schritte zum Binden des Judo Gürtels:
- Beginnen Sie, den Gürtel um die Taille zu legen, wobei das eine Ende etwas länger als das andere ist.
- Richten Sie den Gürtel sorgfältig aus, damit er gerade und ordentlich sitzt.
Das Ritual des Gürtelbindens hat eine tiefere Bedeutung im Judo. Es repräsentiert die Idee, dass jeder Tag im Dojo (Trainingshalle) eine neue Gelegenheit bietet, zu lernen und sich zu verbessern. Das Binden des Judo Gürtels ist weit mehr als nur eine praktische Handlung. Es ist ein Ausdruck von Respekt vor der Tradition und den Werten des Judo. Das Ritual erinnert den Judoka daran, dass er nicht nur auf dem Weg zum Meistern der Techniken ist, sondern auch auf dem Weg zur Selbstbeherrschung, dem Erlangen von Wissen und der Stärkung des Geistes.
Material und Aufbewahrung
Den oben beschriebenen Funktionen folgend ist der Obi häufig aus sehr kräftigem Stoff. Meist wird Baumwolle verwendet, gelegentlich sieht man auch Seide.
Nach dem Training sollte der Gürtel zunächst trocknen. Häufig ist es so, das bei intensiven Trainingseinheiten auch der Gürtel Feuchtigkeit aufnimmt. Sobald er getrocknet ist, sollte der Gürtel nicht gerollt, sondern zusammengelegt werden. Insbesondere bei hochwertigen, stabilen Gürteln ist dies wichtig um die Stabilität nicht zu beeinflussen. Einfache Gürtel nehmen keinen Schaden, wenn sie gerollt werden.
Abschließende Gedanken
Zusammenfassend zeigen die Judo-Gürtel den Fortschritt, den ein Judoka auf seiner Reise durch diese edle Kampfkunst macht. Jeder Gürtel repräsentiert einen Schritt auf der Leiter der Entwicklung und Erfahrung.
