Wer die Abseits-Regel im Fußball versteht, muss vor Judo-Regeln keine Angst haben. Denn so fremd auf den ersten Blick alles aussieht, so vertraut sind einem nach kurzer Zeit des Zuschauens die Abläufe auf der Judo-Matte. Wir erklären die wichtigsten Regeln dieses Kampfsports.
Ziel des Kampfes
Auch wenn es im Fernsehen manchmal so aussieht, als würden sich die Judokas bei einem Wettkampf nur gegenseitig an ihren Jacken ziehen - das ist nur taktisches Geplänkel, das der Vorbereitung eines erfolgreichen Wurfes oder einer Bodentechnik dient. Ob durch einen Wurf oder eine Technik im Bodenkampf - Ziel ist immer ein Ippon (ganzer Punkt), denn mit ihm ist der Kampf vorzeitig beendet.
Wertungen
Erreicht werden kann er durch einen Wurf, bei dem der Gegner mit Kraft und Schwung auf den größten Teil des Rückens geworfen wird. Erfolgt der Wurf überwiegend auf den Bauch, gibt es keine Wertung. Werden diese drei Kriterien bei einem Wurf nicht vollständig erfüllt, gibt die Bewertung Waza-ari (halber Punkt). Diese Bewertungen gibt es auch für Haltegriffe (Osae-Komi), bei denen der auf dem Rücken liegende Gegner kontrolliert gehalten werden muss. Wird er 20 Sekunden gehalten, erhält der Haltende einen Ippon.
Die höchste Wertung einer Technik wird durch den Kampfrichter-Ausruf „Ippon“ signalisiert. Dies beendet den Kampf vorzeitig. Bei einer nicht ganz perfekten, aber dennoch erfolgreichen Technik gibt es ein „Waza-ari“. Im Boden kann der Kampf ebenfalls entschieden werden. Den vollen Punkt, das Ippon, erhält der Sieger, wenn der Gegner z.B. aufgrund einer erfolgreichen Hebel- oder Würgetechnik (zulässig bei älteren Kindern und Erwachsenen) aufgibt. Die Aufgabe zeigt der Unterlegene dem Gegner und dem Kampfrichter durch festes zweimaliges Abklopfen mit den Händen oder Beinen an. Eine Waza-ari-Wertung gibt es für einen Haltegriff (Osae-komi), der mindestens zehn aber weniger als 20 Sekunden gehalten wird. In der 20. Sekunde des ungelösten Haltegriffs ertönt das Kommando Ippon, welches den Kampf wiederum beendet.
Kampfrichter und ihre Aufgaben
Die Bewertung der gezeigten Aktionen obliegt den auf der Matte befindlichen Kampfrichtern, dem auf der Matte stehenden Mattenleiter und zwei am Rand sitzenden Außenrichtern. Alle drei haben gleiches Stimmrecht, wodurch ein Höchstmaß an Objektivität gewährleistet werden soll. Die Außenrichter treten vor allem bei Situationen am Mattenrand oder bei der Korrektur von gegebenen Wertungen durch entsprechende Handzeichen in Aktion.
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Kampfrichter sind in der Regel erfahrene Judokas, die sich einer speziellen Kampfrichter-Ausbildung unterziehen und je nach gezeigten Leistungen bei Wettkämpfen und Prüfungen unterschiedliche Lizenzen besitzen. Sie sollen Kämpfe unparteiisch bewerten und die geltenden Regeln sicher anwenden können. Zur Unterstützung ihrer Wirkung rufen sie nicht nur laut ihre Wertungen und Kommandos, sondern unterstützen dies durch eindeutige Handzeichen.
Strafen
Diese werden bei kleinen Regelverstößen, wie zum Beispiel passiver Kampfweise, mit einem Shido geahndet. Drei Shidos führen zu einem Hansoku-make, also wiederum zur vorzeitigen Beendigung des Kampfes. Eine Ausnahme von dieser Regel begründen Shidos für das Greifen ans Bein während des Standkampfes.
Die Disqualifikation heißt im Judo „Hansoku-make“. Die ersten zwei Shidos werden nicht unmittelbar in Wertungen für den Gegner umgerechnet und können den Kampf nicht entscheiden. Die dritte Bestrafung, die auch bei schweren Regelverstößen (z. B.
Golden Score
Haben nach der regulären Kampfzeit beide Kämpfer/innen einen Gleichstand in den Bewertungen, beginnt die Golden Score-Zeit (ohne zeitliche Begrenzung). Die erste erzielte Wertung oder ein Hansoku-make entscheiden den Kampf. Golden Score kommt selten vor, da Judo eine schnelle Sportart ist und durch eine offensive Kampfweise die Mehrzahl der Kämpfe vorzeitig beendet wird.
Im Fall gleicher Wertungen wird der Kampf somit auch dann fortgesetzt, wenn z.B. Golden Score: In dieser Verlängerung gibt es keine zeitliche Obergrenze.
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Kampfzeit
Die Kampfzeit ist in jeder Altersklasse unterschiedlich. In der U11 beträgt sie 2 Minuten, in der U13 und U15 3 Minuten, in der U18, U21 und bei den Frauen und Männern 4 Minuten.
Maximale Wettkampfzeit sind 5 Minuten (bei Frauen 4 Minuten).
Reguläre Kampfzeit: Wird der Kampf nicht vorzeitig durch Ippon oder Hansoku-make entschieden, so gewinnt am Ende der regulären Wettkampfzeit der Kämpfer, der bereits ein Waza-ari erzielt hat. Haben beide Kämpfer am Ende der regulären Kampfzeit eine Waza-ari-Wertung auf der Anzeigetafel stehen (unabhängig von der Zahl der Shidos), geht der Vergleichskampf im Golden Score, also in der Verlängerung, weiter.
Die Judo-Matte
Die Kämpfe werden auf einer quadratischen Matte ohne Waffen ausgetragen. Das Spielfeld ist eine quadratische Matte ("Tatami") - 16 x 16 Meter. Das Feld wird unterteilt in eine Wettkampffläche von 10x10 Meter und eine Sicherheitsfläche von 3 Meter. Sobald die ein Meter breite rote Warnfläche betreten wird, muss innerhalb von ca. fünf Sekunden ein Angriff ausgeführt werden.
Bei Wurfansätzen oder Bodentechniken, die innerhalb der Kampffläche begonnen haben, geht der Kampfverlauf auch auf der Sicherheitsfläche weiter bis die Kampfaktion abgeschlossen ist.
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Die Kampffläche ist farblich eindeutig gekennzeichnet (bei uns durch rote Matten). Der darum gelegte Mattenbereich (bei uns in grüner Farbe) darf - mit wenigen Ausnahmen - nicht betreten werden. Ein Hinaustreten wird mit der Strafe „Shido“ geahndet.
Ablauf eines Kampfes
Der Wettkampf wird durch einen Matten(schieds)richter und evtl. bis zu zwei weitere Schiedsrichter bewertet. Der erst aufgerufene Judoka betritt im weißen Anzug, bzw. mit weißem Zusatzgürtel und der zweitaufgerufene Judoka im blauen Anzug, bzw. rotem Zusatzgürtel die Matte.
Gekämpft wird in der Regel im weißen Judo-gi (Judoanzug). Der zuerst aufgerufene Kämpfer bindet sich den weißen, der Zweitgenannte den roten Gürtel um. Bei Wettkämpfen auf höherem Niveau trägt der eine Kämpfer statt des Zusatzgürtels einen weißen, der andere Kämpfer einen blauen Judo-gi. Der in der Wettkampfliste Erstgenannte bzw. zuerst Aufgerufene (weißer Zusatzgurt; weißer Judo-gi) stellt sich aus der Perspektive des Kampfrichters rechts auf der Matte auf.
Der Kampf beginnt mit dem Kampfrichterkommando „Ha-jime“ und endet mit „Sore-made“. Mit dem Kommando „Mate“ wird der Kampf kurzzeitig unterbrochen.
Befürchtet der Kampfrichter in einer unübersichtlichen Bodenkampfsituation ein Risiko für einen der Kämpfer, so kann er den Kampf mit dem Kommando „Sono-mama“ unterbrechen. Beide Wettkämpfer verharren in der aktuellen Situation bis der Unparteiische die Situation - z.B. durch Kleiderordnen - bereinigt.
Gürtelgrade im Judo
Durch ein ausgeklügeltes Gürtelsystem erarbeitet man sich Wissen und Fertigkeiten, die man in sich trägt und durch die Farbe des Gürtels sichtbar werden.
Hier eine Übersicht über die Gürtelgrade:
- Schülergürtel (Kyu)
- weiß 8. Kyu
- weiß/gelb 7. Kyu
- gelb 6. Kyu
- gelb/orange 5. Kyu
- orange 4. Kyu
- orange/grün 3. Kyu
- grün 2. Kyu
- blau 1. Kyu
- Meistergürtel (Dan)
- schwarz für den 1. bis 5.
- Großmeistergürtel (Dan) rot-weiß für den 6. bis 8. Dan
- rot für den 9. und 10.
- Ideeller Gürtel weiß für dem 11. und 12.
Gürtel oberhalb des 5. Dan können nicht durch das Ablegen einer Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen. Eine höhere Graduierung als zum 10. Dan ist weltweit nicht möglich! Lediglich Professor Jigoro Kano, dem Begründer des Judo, hat man nach seinem Tod den 11. Der 12. Dan ist für Menschen nicht erreichbar. Der Geist, die Idee des Judo, soll den 12. Dan tragen. Der weiße Gürtel des 11. und 12.
Was bedeutet Judo?
Was ist eigentlich Judo? Judo entstammt ursprünglich von den Samurai. Diese japanische Ritterkaste betrieb Jiu-Jitsu als waffenlose Selbstverteidigung. Im ausgehenden 19. Jahrhundert endeckte der japanische Student Kano Jigoro die in Vergessenheit geratene Kampfkunst und lernte bei verschiedenen Meistern.
Kano sah in Judo nicht nur eine sportliche Disziplin sondern vor allem auch ein Erziehungssystem zur Ausbildung der Persönlicheit. Bis zu seinem Tod war Kano Jigoro „in Sachen Judo“ unterwegs und erreichte, daß Judo 1964 olympische Disziplin wurde. Heute gibt es sportliche Vergleiche von den Kreis- bis hin zu Weltmeisterschaften.
Leitsätze des Judo
- Die Übenden sind Partner und unterstützen sich wechselseitig beim Erlernen der Judotechniken. Der Partner ist immer aktiv am Lernen beteiligt, indem er sich vereinbarungsgemäß verhält.
- Man soll stets darum bemüht sein das Prinzip einer Technik zu erkennen, um diese bewußt zu üben. Gelingt eine Technik nicht und hat man sie ausgiebig geübt, so stellt man sie zurück. Keinesfalls soll man mit Gewalt an eine Technik herangehen. Man soll sich immer an den Gegebenheiten und dem momentanen Leistungsstand, auch des Partners, orientieren.
Bevor zwei Judoka miteinander Üben oder Kämpfen verbeugen sie sich voreinander. So bekunden Sie, daß Sie sich gegenseitig achten und sich an die Regeln des Judo halten. Sie versprechen sich also sich nicht absichtlich gegenseitig zu verletzen und die Bewertungen des Trainers oder Kampfrichters zu respektieren. Der Überlegene gestaltet seine Handlungen immer so, daß keine unnötige Gefahr für den Gegner oder Partner besteht. Im Wettkampf ist jedoch der Kampfrichter ausgleichende Instanz.
Ziel und Sinn der Judoausbildung
Angezogen von der Neugier einzutauchen in die Geheimnisse der Stärke der großen Budomeister kommen Kinder und Erwachsene zu den Budosportarten. Judo mit einer Bewegungsvelfalt und seiner sanften Lehre begeistert geradezu viele für ihre Umwelt empfindsame Menschen, um für sich selbst oder für die Kinder Hilfe auf dem Weg in einer immer aggresiveren Gesellschaft zu finden. Judo bietet schließlich für jeden Anspruch etwas, es verschafft den Judoka Gelegenheit ihren Spieltrieb auszuleben und durch sportliche Betätigung etwas gesünder zu leben.
Neben dem Training und den Prüfungen hat man die Möglichkeit bei Turnieren den Vergleich zu suchen. Reifere Judoka stetzen sich mit der „Kata“ auseinander und erleben wie wichtig es ist sich mit dem Übungspartner zu verständigen, ihm zu helfen, um eine gemeinsames Ziel zu erreichen. Wer nicht mehr „kämpft“ kann seine Erfahrungen als Übungsleiter oder als Kampfrichter einbringen und so mit dem Judo verbunden bleiben. Man schließt Freundschaften und Bekanntschaften für eine Zeit oder fürs Leben und kann alle Bekannten am eigenen Leib verspüren. Judo bietet also eine Möglichkeit in der Auseinandersetzung mit sich und dem Gegenüber den eigenen Weg zu finden und auf ihm zu bleiben.
Die Wettkampfregeln werden durch den Internationalen Judo-Verband (IJF) festgelegt und vom Deutschen Judo-Bund (DJB) übernommen. Sie werden des Öfteren angepasst. So dürfen die Kämpfer im Stand zurzeit nicht unterhalb des Gürtelbereichs (z.B. an die Beine des Gegners) greifen. Im Internet findet sich leider noch immer eine Vielzahl veralteter Regeln (z.B. mit den früheren Kleinwertungen Koka und Yuko). Diese sind obsolet.
Wichtige japanische Begriffe
- ha-jime = kämpft!
- mate = stopp!
